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Kinder mit Pferden
stark machen

 

 

Heilpädagogisches Reiten und Voltigieren

 

 

 

 

von Inge-Marga Pietrzak

 

 

 

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meinem Mann Reiner, der mich wie bei all meinen Vorhaben auf seine konstruktive Weise unterstützt hat, in Liebe.

Hinweis:
Die Namen und Lebensumstände der Kinder in den Fallgeschichten wurden mit Rücksicht auf ihre Anonymität verändert oder sind rein fiktiv.
Die Fotos zeigen selbstverständlich nicht die in den Geschichten erwähnten Kinder!
Mein Dank gilt den Eltern, die die Veröffentlichung der Fotos ermöglicht haben.

 

 

 

Copyright © 2001 by

Gestaltung und Satz der Originalausgabe: Ravenstein Brain Pool

Titelfoto und Innenfotos: Ralph Fromm

E-Book:

 

Alle Rechte vorbehalten.

Abdrucke oder Speicherung in elektronischen Medien nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung durch den Verlag.

 

Printed in Germany

ISBN 3-86127-359-4

 

eISBN 978-3-84046-016-6

 

Pferdenärrisch −

Pferdenärrisch −

Von der Narretei zur Berufung

Von der Narretei zur Berufung

 

„Adieu“ sagte der Fuchs. „Hier ist nein Geheimnis. Es ist ganz einfach: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Aus: Der kleine Prinz, Saint-Exupéry

 

 

Ich war eines dieser pferdenärrischen Mädchen, die man in allen Pferdeställen antrifft. Mädchen, die nur ein Thema kennen, nämlich Pferde. Darüber redete ich bei jeder Gelegenheit und entnervte damit die ganze Familie. Ich malte die Schulhefte mit Pferdeköpfen voll und war häufiger in der Reitschule als in der Klasse meiner Grundschule anzutreffen. Pferdeställe gaben mir das Gefühl von Geborgenheit und Frieden. Für dieses Gefühl nahm ich viel in Kauf, denn meine Begeisterung für die Menschen in diesen Ställen hielt sich sehr in Grenzen und manche fürchtete ich geradezu. Doch um dort geduldet zu werden, putzte ich jedes Pferd mit Hingabe, wenn man mich darum bat. Ich nahm lange Wege, frühes Aufstehen und bitterkalte Witterung auf mich, wenn mir zum Lohn auch nur ein kurzer Ritt auf dem Rücken eines Pferdes winkte, der für mich den Inbegriff der Freiheit schlechthin bedeutete. Ich ließ mich wie viele meiner Leidensgenossinnen von hochfahrenden Pferdebesitzern demütigen, von hagestolzen Reitlehrern herumkommandieren und von zahnlosen, fuseligen Stallburschen davonjagen. Nicht dass ich das Verhalten der Menschen nicht durchschaute oder es mich nicht kränkte, nein, es war einfach diese starke Anziehungskraft der Vierbeiner, die mich trotz allem immer wieder in die Reitställe zog. Manchem mag das kitschig erscheinen, und doch teile ich dieses Erleben mit unzähligen Frauen und Mädchen, die genau die gleiche Erfahrung gemacht haben.

 

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Mädchen lieben Pferde ...
Foto: Inge-Marga Pietrzak

 

Während meiner Pubertät wendete sich mein Interesse von heute auf morgen dem anderen Geschlecht zu und auch diese Erfahrung teile ich mit vielen Frauen. Das Pferdeinteresse trat in den Hintergrund, während ich an der Gesamthochschule Kassel Sozialwesen studierte und mein freies Studentenleben in vollen Zügen genoss. Es folgten die ersten Berufserfahrungen im sozialen Bereich, die erste Ehe und mein erstes Kind. Ich engagierte mich in der Landespolitik und heiratete ein zweites Mal, bevor mich eine schwere Erkrankung dazu zwang, mein Leben neu zu überdenken. Mit dem Überdenken kam auch die Rückbesinnung auf die Dinge, die mir gut getan hatten, die mich körperlich, seelisch und geistig gestärkt hatten und da galoppierten mir zum ersten Mal seit langem wieder die Pferde durch den Kopf. Im Alter von 32 Jahren begann ich erneut mit dem Reiten in einem Schulstall. Wieder atmete ich die ammoniakgeschwängerte Luft und den Duft von Stroh und Heu und hörte nach langem das Scharren und Mampfen der Pferde im Stroh. Umgehend stellte sich das Gefühl von Geborgenheit und tiefem Frieden ein, es war wie nach Hause kommen nach einer langen Reise. Im Umgang mit den Pferden und dem vorsichtigen Reiten darauf wurde ich allmählich wieder gesund.

 

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...aber auch Pferde lieben Mädchen.
Foto: Inge-Marga Pietrzak

 

In „meinem neuen Reitstall“ unterdessen beobachtete ich mit großem Interesse die Gruppen der Kinder beim Voltigieren. Kurzerhand erklärte ich mich bereit, das Voltigieren im Verein ehrenamtlich zu übernehmen. Ich setzte meine beruflichen pädagogischen und sozialtherapeutischen Kenntnisse für die Kindervoltigiergruppen ein und motivierte größere und begabte Mädchen dazu, Verantwortung für die Gruppen mit zu übernehmen. Nebenbei erwarb ich unter großem persönlichem Einsatz die Trainerlizenz als Voltigierwart. Während dieser Ausbildung traf ich auf Menschen, die das Pferd therapeutisch einsetzen wollten, die sich zum Reit- oder Voltigierpädagogen am Kuratorium Therapeutisches Reiten ausbilden ließen. Damit hatte ich endlich meine Berufung gefunden, die ich nun seit 1990 und seit 1997 im Rahmen meiner heilpädagogischen Praxis Centaury ausübe. Mittlerweile ist auch die Arbeit mit Erwachsenen auf dem Pferd hinzugekommen. Immer aber steht die Begegnung zwischen Pferd und Mensch im Mittelpunkt meiner Arbeit.

 

 

Meine Lebensgeschichte hat mich die heilsame Kraft der Pferde erkennen lassen. Täglich beobachte ich, wie Kinder und Erwachsene durch Pferde positiv unterstützt und gestärkt aus dem Kontakt mit ihnen hervorgehen. Trotz aller erklärbaren Zusammenhänge bleibt es für mich am Ende ein Wunder, dass Pferde uns diese Erfahrung ermöglichen.

Ross und Reiter −

Ross und Reiter −

Ein Stück gemeinsame Entwicklungsgeschichte

Ein Stück gemeinsame Entwicklungsgeschichte

 

 

Ein Buch über die heilpädagogische Arbeit mit Pferden ist immer auch ein Buch über Pferde — Tiere, die seit Menschengedenken unsere Lasten tragen, uns tragen und ertragen. Über die Arbeit mit Pferden zu schreiben ohne zu schwärmen ist geradezu unmöglich. Die Begegnung mit ihnen ist immer ein Erlebnis, das den Menschen in seiner Seele berührt. Vielleicht deshalb, weil unser Schicksal seit Jahrtausenden mit dem der Vierbeiner verbunden ist.

Immer hat das Pferd die Phantasie der Menschen beflügelt wie der geflügelte Pegasus selbst, der in der griechischen Mythologie den Sonnenwagen über den Himmel zieht. Oder die sagenhaften Einhörner, die als Symbol für Liebe und Reinheit, aber auch das Unbewusste in der keltischen Mythologie stehen. Die Zentauren, die halb Mensch, halb Pferdegestalt die tierisch wilde Natur des Menschen darstellen und zur Kultivierung der Triebe mahnen. Die klapprige schwarze Mähre, auf der der Tod als Sensenmann daherkommt, und nicht zuletzt die weiße Stute als Symbol des Lebens schlechthin. Ein ganzes Kaleidoskop menschlicher Träume, Sehnsüchte und Ängste menschlichen Werdens und Vergehens wird in der Pferdegestalt symbolisiert, ein Archetypos (griech. Urbild), wie C. G. Jung es beschreibt, der im kollektiven Unbewussten der Menschheit fest verankert ist. Immer aber war auf der realen Ebene das Pferd Inbegriff von Kraft, Freiheit, Schönheit, Eleganz und Schnelligkeit. Es half als Reit-, Last- und Zugtier, größere Entfernungen zu überwinden und damit Grenzen hinauszuschieben. Damit ist sein Dienst an der Menschheit mit der Entdeckung des Feuers gleichzusetzen. „Der Mensch allein ist nichts, erst auf dem Pferd wächst er über sich hinaus“, sagt einer der bedeutendsten Pferdemänner Islands, wo das Pferd heute noch viel gegenwärtiger und bedeutungsvoller für das Leben der Menschen ist. Die Wikinger, die Vorfahren der Isländer, glaubten, dass Pferde wie Menschen nach dem Tode weiterleben und sich die Besten von ihnen im Totenreich wieder begegnen.

 

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Ohne Pferd wäre die Besiedlung und Urbarmachung der Erde nicht denkbar gewesen. Für den stolzen Kirgisen ist sein Pferd ein Statussymbol.

 

Missbraucht wurde der friedliche Pflanzenfresser als Kampfgefährte über weite Epochen der Menschheitsgeschichte. Sein Blut mischte sich mit dem vieler Krieger. Von Feinden niedergemetzelt, misshandelt, gestohlen oder requiriert, hat es unsägliches Leid ertragen. Die glanzvolle hohe Schule der Wiener Hofreitschule geht in ihrem Ursprung auf eine militärische Nahkampfausbildung von Pferd und Reiter zurück. Auch die klassische Reiterei gründet auf dem militärischen Einsatz von Pferden. Selbst der Voltigiersport, heute Breiten- und Spitzensport für Kinder und Jugendliche, hat seinen Ursprung in der Ausbildung der jungen Rekruten für die Kavallerie. Friedlich und mit unendlicher Geduld hat das Pferd durch Jahrhunderte Wagen und Pflüge über Straßen, Wege und Felder gezogen. Ohne seine dienstbare Kraft und Geduld wäre die Besiedlung der Erde, sie urbar und fruchtbar zu machen, kaum möglich gewesen. Bedeutende Männer der Geschichte schmückten sich mit edlen Pferden, und viele hatten eine tiefe Beziehung zu ihnen wie beispielsweise Alexander der Große zu seinem Streitross Bucephalos, dem er aus Dank für dessen Treue ein Mausoleum bauen ließ. Oder Sir Lancelot, Ritter der Tafelrunde König Arthurs, der als ausgezeichneter Pferdeausbilder von sich reden machte.

Herrscher großer Reiche verfügten sogar, dass ihre Pferde mit ihnen beerdigt wurden, und Geheimrat Goethe galt als leidenschaftlicher Reiter und Pferdefreund. Bei einer Reise durch Sizilien 1787 legte er beispielsweise vom 18.04. bis zum 10.05. des Jahres 450 Kilometer auf dem Pferderücken zurück. Während die reitenden Männer der Geschichte bewundert wurden, fürchtete MANN die Pferdefrauen dieser Welt wie beispielsweise das streitbare Reiterinnenvolk der Amazonen oder Lady Godiva, die ob ihrer Heldentat in England noch heute verehrt wird. Frauen mussten sich die Pferde und das Reiten erst gegen den Widerstand der Männer erobern. Deshalb waren es besonders unabhängige, selbstbewusste und kämpferische Frauen, die sich das höchste Glück auf dem Rücken der Pferde einfach nahmen. Fest steht: Pferde haben die Menschheit mobil gemacht. Heute, in einer Zeit ruheloser Mobilität führt uns das Pferd wieder zurück zu maß- und taktvoller Beweglichkeit. In einer Zeit, in der wir unsere Wurzeln in der Natur fast verloren haben, kann uns das Pferd zu unserer Natur zurückführen, zu Lebendigkeit, Gesundheit und Lebensfreude. Die heilsame Wirkung des Pferdes auf die seelische, geistige und körperliche Gesundheit des Menschen wurde bereits in der Antike von Hippokrates und Xenophon erkannt und hoch gepriesen. Heilsam ist das Pferd aber nicht aus sich heraus.

 

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Pferde haben die Menschheit mobil gemacht. Heute bringen sie uns zurück zu maß und taktvoller Beweglichkeit. Foto: Carola Schmeil

 

Das Pferd ist weder Therapeut noch Pädagoge noch Arzt, es ist wie es ist. Durch den fachgerechten Einsatz können wir heute mit Pferden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen helfen, ihr Leben zu meistern. Dies ist das Ziel des heilpädagogischen Voltigierens/Reitens (HPV/R). Wie wir Reit- und Voltigierpädagogen dabei Pferde sinnvoll einsetzen und auf welche Weise der kleine oder große Mensch dadurch positiv beeinflusst wird, ist Gegenstand dieses Buches. Es geht dabei um Kinder und Jugendliche, die durch Ängste blockiert, durch innere Unruhe getrieben, durch so genannte Wahrnehmungsstörungen irritiert und durch fehlendes Selbstwertgefühl verunsichert sind.

Da wir mit dem Pferd sowohl auf der körperlichen Ebene arbeiten als auch durch die Beziehungsarbeit mit ihm geistige und seelische Bereiche der Menschen ansprechen können und darüber hinaus auch den sozialen und intellektuellen Bereich schulen können, wirkt diese Form heilpädagogischer Arbeit ganzheitlich. Das Pferd ist durch sein So-Sein darauf angelegt, uns bei fachkundiger Anleitung in allen Facetten des Menschseins zu erreichen und zu unterstützen. Pferde haben Menschen geholfen, sich die Erde untertan zu machen — sie zu erobern, bewohnbar und fruchtbar zu machen. Der technologische Fortschritt hat ihre Dienste scheinbar überflüssig gemacht. Heute trägt das Pferd hauptsächlich die geistig-seelische Entwicklung der Menschen weiter, ohne die sich der technologische Fortschritt zu einer Selbstvernichtungsmaschine verselbstständigt. „Kinder mit Pferden stark machen“ ist deshalb auch eine Option für die Zukunft.

Mit Pferden helfen

Mit Pferden helfen

Von der heilsamen Notwendigkeit des Tierkontaktes

Von der heilsamen Notwendigkeit des Tierkontaktes

 

 

Junge Kinder betrachten Tiere als beseelte Mitgeschöpfe. Sie sprechen mit ihnen, als seien sie verzauberte Feen, Prinzen oder Zwerge. Sie leiden mit ihren pelzigen Freunden, wenn diese krank oder verletzt sind. Sie trauern um sie, wenn sie gestorben sind, wie um einen menschlichen Freund. Kinder wissen intuitiv, dass jedes Tier, auch wenn es der gleichen Art angehört, doch unterschiedlich und somit einmalig ist. Interessiert beobachten Kinder das tierische Liebesspiel und sehnen die Geburt von Tierkindern genauso herbei wie ein menschliches Geschwisterchen.

Tiere regen die Phantasie der Kinder an, sie bedeuten den Zugang zu einer anderen Welt. Einer Welt ohne Worte, in der die Geste zählt, denn über Körpersprache verständigen sich Mensch und Tier. In dieser Welt hat jeder seinen Wert, ob er nun schön oder hässlich, krank oder gesund, arm oder reich ist. Oft üben gerade hässlich erscheinende oder verkrüppelte Tiere einen besonderen Reiz auf Kinder aus. Die mitfühlende Seele des Kindes, die das Tier auch immer für einen verzauberten Menschen hält, der Erlösung sucht, will helfen, das Tier gesund zu pflegen und es gerade wegen seiner Hässlichkeit zu lieben und nicht zu verstoßen. Für das Kind zählt nicht, ob sein Spielgefährte ein teurer und seltener Rassehund mit guter Abstammung ist. Wenn Sie, liebe Leser, ein Tier streicheln, streicheln Sie immer auch sich selbst; Sie verpassen sich Streicheleinheiten, von denen jeder weiß wie wichtig sie sind. Ist das Tier ordentlich flauschig und schnurrt oder räkelt sich behaglich unter Ihrer Hand, senkt sich Ihr Blutdruck, Sie werden ruhiger.

 

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Im Tierkontakt kann man wortlos lernen, was dem anderen gefällt und was er nicht mag.
Diesem Pony scheint die Fellpflege zu behagen.

 

Jeder Mensch reagiert auf Tiere emotional. Er hat Angst oder reagiert mit Freude, Neugier oder Ekel. Nie ist es eine kopfgesteuerte Reaktion, der Mensch ist ganz Mensch ohne Kontrolle durch den Verstand. Auch das Tier reagiert intuitiv und instinktiv, es entfernt sich, schmiegt sich an, gibt Drohgebärden von sich — je nach Art, Gegenüber und Vorerfahrung. Damit erfährt der Mensch intuitiv etwas über sich — er kommt mit sich selbst in Kontakt, egal wie das Ergebnis ist, denn das Beste an den Tieren ist: sie reden nicht, sie fühlen und nehmen Dinge an uns wahr, die sie durch ihre Reaktion zeigen und die wir nicht durch Worte verändern können, es sei denn wir legen den richtigen Impetus in unsere Worte, versuchen, sie mit Leckereien zu ködern oder durch geschickte Streichelei bei uns zu halten und mehr in Kontakt zu gehen. Wir versuchen die Wünsche und Stimmungen des Tieres zu erkunden und werden aktiv. Und da sind wir an einem Punkt angekommen, der den Tierkontakt so wichtig macht: Sie und vor allem Ihr Kind lernen, sich auf ein Gegenüber gefühlsmäßig so einzustimmen, dass nicht die eigenen Bedürfnisse im Vordergrund stehen, sondern die des anderen.

Der andere ist in diesem Fall nicht mit Sprache ausgestattet, sondern bleibt in seiner Art wie er ist, und die Aufgabe des Gegenübers ist es herauszubekommen, was dem anderen gefällt, was er kann und wozu er nicht fähig ist. Auch wenn wir Menschen von gleicher Art sind, so lehren uns doch die Tiere auf wortlose Weise zu verstehen, zum Beispiel Körpersignale zu lesen und danach zu handeln, Vorsicht walten zu lassen und behutsam zu sein, oder auch mal einen kleinen Klaps zu geben, wenn die Aufdringlichkeiten zu weit gehen, also Grenzen zu setzen.

Für Tiere muss man sorgen, sie füttern, pflegen, ihren Stall sauber halten. Tiere sind ungeniert in ihren natürlichen Äußerungen. Sie essen nicht, sie fressen. Sie säubern sich nicht hinter verschlossenen Badezimmertüren. Sie stinken, wenn wir nicht für Sauberkeit sorgen. Sie verhungern, wenn sie nicht gefüttert werden. Sie werden krank, wenn sie nicht bekommen, was sie brauchen. Tiere paaren sich ungeniert öffentlich, sie gebären öffentlich und sie sterben vor unseren Augen. Alles was wir Menschen im Verborgenen tun, ja, was wir unseren Kindern zu verheimlichen suchen, tut das Tier ganz ungeniert auf ganz natürliche Weise. Und auch wenn wir Menschen uns so viel Mühe geben, das Tier in uns zu verleugnen, es ist doch da und wir erleben diesen Teil in uns mit Freude, Angst oder Trauer immer wieder. Kurzum, Ihr Kind hat die Möglichkeit zu unbegrenztem sozialem Lernen im Kontakt mit dem Tier. Der Mensch bleibt ein soziales Wesen, ist verletzlich und auch weiterhin sterblich. Er ist in seinem Wohlbefinden und damit auch in seiner Leistungsfähigkeit immer auf den wohlwollenden Zuspruch, das verlässliche Umsorgen und die zärtliche Hingabe seines Gegenübers angewiesen. Diese guten Gaben aber kann er auf Dauer nur erhalten, wenn er selbst dazu fähig ist.

Dies in jungen Jahren schon gelernt zu haben, ist ein Pfand fürs Leben und Tiere können dabei helfen.

 

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Tiere müssen gepflegt werden, damit sie nicht verwahrlosen. Blicka werden im heißen Sommer gerade die Beine gekühlt. Das kleine Mädchen lernt dabei, für andere zu sorgen. So erweitert es seine soziale Kompetenz.