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Lumen Gasmo

Klitfresh und ich


Für Constanze und Thomas (Wer - verdammt nochmal! - ist Thomas?)


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Copyrighthinweise und Anmerkungen der Autorin

Klitfresh und ich

Lumen Gasmo

 

Klitfresh und ich

Copyright©2018 Lumen Gasmo

All rights reserved.

Text: Lumen Gasmo

Kontakt: BookRix GmbH & Co. KG

Sonnenstraße 23

D - 80331 München

E-Mail: LumenO.Gasmo@gmx.de

Facebook: Lumen Gasmo - Autorin

Cover: www.pixabay.com (Bild: apple-2273401)

 

Personen und Handlung sind von mir frei erfunden.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig. Auch die Romanfigur, die in der Geschichte meinen Namen trägt, ist fiktiv.

Dieses Buch ist ausschließlich für Leserinnen und Leser, die volljährig sind und keinen Anstoß an der Darstellung sexueller Handlungen und an obszönen Beschreibungen haben. Ein Teil der Handlung schildert auch Gewaltakte. Die Meinungen und Ansichten der Romanfiguren spiegeln nicht die Meinung und Ansicht von mir, der Autorin, wider. Alles von mir Beschriebene ist völlig fiktiv und dient nur der bloßen Unterhaltung für Erwachsene. Ich schreibe ausschließlich fantasievoll überzeichnete satirische Belletristik und keine Sachbücher oder Ratgeber.

Fiktive Romanfiguren können auf Kondome verzichten.

In der Realität gilt: Safer Sex!

 

Alle Rechte vorbehalten.

Nachdruck oder eine andere Verwertung, auch auszugsweise, nur mit meiner schriftlicher Genehmigung. 

Meine E-Books sind nicht übertragbar und dürfen nicht weiterveräußert werden.

Bitte respektieren Sie mein Eigentum und erwerben eine legale Kopie.

Jeder Verstoß gegen mein Urheberrecht wird zur Anzeige gebracht und zieht

gezielt rechtliche Konsequenzen nach sich.

 

Vielen Dank und gute Unterhaltung bei meinen Fantasien.

 

Lumen Gasmo, 17.10.2018

Der Versuch eines Vorwortes

»Vor wenigen Wochen erschien in der internationalen Medienwelt die erste Ausgabe eines im Vorfeld stark kritisierten Sex-Magazins: The Newest Semen.

Gerade konservative Stimmen im Bereich Presse und Fernsehen wollten das Erscheinen des Skandalblattes verhindern - glücklicherweise ohne Erfolg! 

Bei einem Einführungspreis von nur 99 Cent für 100 Seiten Hochglanzoptik mit kecken Berichten, tabulosen Interviews und heißen Fotoserien begann ein beispielloser Siegeszug, der den Herausgebern schon in der ersten Verkaufswoche Freudentränen in die Augen trieb! 

The Newest Semen war - im wahrsten Sinne des Wortes - in aller Munde! 

Constanze Klitfresh, eine wohlproportionierte Anfangsdreißigerin mit wallendem Blondhaar, geschminkt mit dem sündigsten Lippenrot der Nordhalbkugel, wurde wegen ihrer tiefgründigen Recherchen rasch zur gefragtesten Journalistin des Magazins.

Gunnar Prallsack, 38-jähriger Nachkomme eines isländischen Fotomodells und eines deutschstämmigen Zuhälters, war ihr routinierter Fotograf. 

Was die beiden »Pressemenschen« mit mir erlebt haben, schildert der folgende unglaublich klingende Roman.«

Lumen Gasmo 

(Und nein, ich habe nichts mit der Autorin dieses Romans gemeinsam, wirklich nicht!)

1: Kapitel: Schreibblockade, was nun?

Es war einer dieser typisch deutschen verregneten Sonntagnachmittage, an denen man nur eine Wahl hatte: Bett oder TV!

Lumen Gasmo, eine Frau mit gewellten, langen, braunen Haaren, die sie in ihrer Freizeit keck mit einem Lederband zusammengebunden hatte, entschied sich dafür, ins Bett zu krabbeln, um ihren aktuellen Lebensabschnitt Revue passieren zu lassen.

Ihre Katze schnurrte schlafend auf der Lehne eines hohen Ledersessels - was eine unübliche Ausnahme und sehr überraschend war! 

Lumen, 35-jährig, mit warmherzig blickenden Rehaugen, legte sich auf den Rücken und stierte die Zimmerdecke an. Wenn man sie jetzt, von oben herunter betrachtete, sah man eine attraktive Weiblichkeit, deren schillerndes Sommerkleid mit seinem atemberaubenden Ausschnitt mehr enthüllte, als verdeckte. Trotz Schönheit und eleganter Gesichtszüge musste man eines von ihr wissen, um sich nicht täuschen zu lassen: Sie befand sich in einer aggressiven Phase!

Ihr Blick schweifte durch das Schlafzimmer; durch das gekippte Fenster drangen schwüle Sommerluft und das gleichmäßige Rauschen einer fernen Autostraße herein.

 

Lumen drehte ihren Kopf beiseite und schien, aus dieser Buchseite heraus uns Leser direkt anzusehen. 

»Oh, wie schön, dass Sie meinen Roman gekauft haben! Ich hoffe, dass Sie es nicht bereuen werden! Bevor wir unabwendbar in die Story einsteigen, möchte ich mich kurz bei Ihnen vorstellen!« 

Lumen Gasmo rutschte in die Rückenlage zurück und verschränkte ihre Arme hinter dem Kopf. Dann lächelte sie uns mit ihren ungeschminkten, aber hinreißend sinnlichen Lippen an. 

»Meine Name ist Lumen Gasmo. Trotz meiner körperlichen Reize gehöre ich zu den Frauen, die in einem wunderschönen Kopf ein funktionstüchtiges Gehirn haben und damit umzugehen verstehen! 

Im zarten Alter von 14 Jahren entdeckte ich meinen Hang zu derb-erotischen Geschichten! Daraus wurde ein regelrechter Drang zum Schreiben, den ich seitdem in vollen Zügen auslebe und genieße! 

So muss ich immerzu weiterschreiben, manchmal bis zur totalen Erschöpfung und meiner völligen Befriedigung! Irgendwie ist dies auf Dauer auch günstiger als die Besuche bei meinem Psychotherapeuten! Obwohl der graumelierte Herr für sein Alter ein echter Hingucker mit Charme ist! Aber ich schweife ab und bringe Sie nur auf unanständige Gedanken! Die hatten Sie doch gerade, oder? 

Ja, unanständige Gedanken! Entweder hat man sie und versteckt sie in seinem Inneren, oder man hämmert sie in die Tastatur und wirft endlos Bücher auf den Markt!

Ich habe mich dafür entschieden!

Und da Sie sich Zeit nehmen, um hier in meinem Schlafzimmer zu sein, gehe ich davon aus, dass ich die für uns beste Entscheidung getroffen habe! 

Als Alternative hätte ich noch eine Karriere als Puffmutter ansteuern können. Mein Onkel Carlos hat da ein exquisites Häuschen in Kolumbien - jedoch keinen Nachfolger für sein spritziges Business!

Ich drück ihm die Daumen ... in meinen Schreibpausen! 

Oh, da ist dieses Wort: Schreibpausen!

Meine Pausen sind immer länger geworden, bis zu dem Stand, dass ich das Laptop einfach zugeklappt habe!

Für eine Autorin, deren überquellende Phantasie eine Art nie versiegende Energiequelle ist, ist das schlicht eine Katastrophe!

So, und jetzt ist mir nach einem Scotch!«

 

Lumen Gasmo erhob sich ohne Anstrengung und durchlief zielstrebig ihr Schlafzimmer, um aus einer rustikalen Anrichte ein Glas und eine halbvolle Flasche herauszuangeln.

Ganz klar! Sie hatte eine Schreibblockade!

Und während sie sich von dem mahagonifarbenen Brandy einschenkte, hoffte sie inbrünstig, dass diese Blockade nur von kurzer Dauer sein würde.

Das Aroma des Alkohols erfüllte rasch den Raum; wie Balsam floss das edle Gesöff durch ihre Kehle. Nachdem sie das erste Glas restlos geleert hatte, stellte sie es hart auf den Glastisch.

Nein, Alkohol war keine Lösung! Alkohol war nie eine Lösung - außer man wollte sich betrinken! Die braunhaarige Frau wollte sich nicht betrinken; sie wollte endlich wieder schreiben!

 

 

Irgendwo in Kolumbien, 3 Wochen später, Gegenwart

 

Constanze Klitfresh:

Bist du dir sicher, dass du schreiben willst, dass du Scotch trinkst? Sensible könnten denken, dass du ein Alkoholproblem hast! Sonntagnachmittag und ein Glas Scotch gegen eine Schreibblockade? Das ist nicht politisch korrekt! 

Lumen Gasmo:

Constanze, das Thema Scotch ist schon die abgeschwächte Fassung! Eigentlich wollte ich schreiben, dass ich mit Masturbation meiner Schreibblockade entgegentrete! 

Gunnar Prallsack:

Eben werde ich wieder wach! 

Constanze:

Du masturbierst? 

Lumen:

Seit meinem 13. Lebensjahr. Du nicht? 

Constanze:

Geht’s noch? Natürlich mach ich es auch - aber nicht bei einer ... Schreibblockade! 

Lumen:

Ach? Was macht eine Journalistin eines Sex-Magazins, wenn ihr die Worte fehlen? 

Constanze:

Ich nehm ein Vollbad mit viel Schaum, entspanne bei klassischer Musik und reibe mir mit einem Naturschwamm über meinen nackten Körper, bis mein Geist wieder frei ist! 

Lumen:

Dafür habe ich einen doppelköpfigen Vibrator und wimmere damit eine halbe Stunde! 

Gunnar:

Wenn Ihr nicht bald mit damit aufhört ... muss ich mal eben auf die Toilette gehen! Mädels, Ihr seid Sadisten! 

Lumen und Constanze:

Schwein! 

Gunnar:

Nein, nur ein ... gesunder Mann! 

Lumen:

Können wir jetzt professionell weitermachen? 

Constanze:

Ich würde die Sache mit dem Scotch weglassen ... und dafür die Selbstbefriedigung thematisieren. Du willst doch, dass jemand dein Buch kauft, oder? Sex sells! 

Lumen:

Irgendwie ist mir das jetzt ... peinlich! 

Constanze:

Über die Masturbation zu schreiben? Du bist eine Erotik-Autorin, meine Liebe! 

Lumen:

Ja! Aber alle werden dann wissen, dass ich es mir selbst mache! 

Constanze:

Mach dir keine Gedanken! Wir machen es uns alle selbst - weltweit! Auch alle deine Leser beziehungsweise Leserinnen! Gerade die Menschen, die deine Geschichten lesen und mögen, ... haben sicherlich Ahnung von Masturbation, garantiert! Selbst Gunnar weiß, wie es geht! 

Gunnar:

Genau! Gerade ... heute Morgen noch praktiziert! 

Constanze:

Du hast dir es vorhin gemacht? Warum? 

Gunnar:

Ich hab von Lumen geträumt und wollte bei der Arbeit nicht so unter ... Druck stehen! 

Lumen und Constanze:

Schwein! 

Gunnar:

Ach, Lumen macht es sich bei 'ner Schreibblockade - und ich bin ein Schwein oder was? 

Constanze:

Nein, du bist ein Schwein, weil du dabei an Lumen gedacht hast ... und es noch erzählst! 

Lumen:

Nur so interessehalber ... bist du ... schön dabei gekommen? 

Gunnar:

Gewaltig! 

Lumen:

Oh, danke! Das nehme ich mal als ... Kompliment! 

Gunnar:

Bitte sehr, gern geschehen! 

Constanze:

Ihr seid gestört, wisst Ihr das? Können wir jetzt professionell weitermachen, ja? Oder will sich noch jemand schnell einen runterholen? Ich fasse es nicht! 

Lumen:

Du hast doch damit angefangen! Ich hätte die Sache mit dem Brandy nicht geändert! Doch du sagtest: Sex sells! Also streich ich den Brandy und schreibe: Vibrator! OK? 

Gunnar:

Super! Ich finde das authentischer. Das macht dich sympathischer! Du zeigst deinen Lesern, dass du eine ganz normale Frau bist! 

Constanze:

Genau! Und die Männer kriegen einen Harten und freuen sich, dass sie dein Buch gekauft haben! Na ja, wahrscheinlich freuen sich auch einige Frauen! 

Lumen:

Gut, dass wir darüber gesprochen haben!

 

Lumen setzte den Cursor an folgenden Satz: »So, und jetzt ist mir nach einem Scotch!«, markierte ihn und löschte das Geschriebene mit der Entfernen-Taste.

Stattdessen schrieb sie: 

»So, und jetzt ist mir nach meinem Vibrator! Vielleicht lösen sich meine Probleme in Luft auf, wenn ich ein wenig entspannter bin!«

 

Lumen Gasmo erhob sich ohne Anstrengung und durchlief zielstrebig ihr Schlafzimmer, um aus einer rustikalen Anrichte einen lilafarbenen Vibrator mit einer komfortablen Double-Spitze und einem benutzerfreundlichen Bedienfeld herauszuholen.

Ganz klar! Sie hatte eine Schreibblockade! Und die musste weg - egal wie!

Und während sich die braunhaarige Frau erneut auf ihr Bett legte, flink ihr Höschen hinunterstreifte, hoffte sie inbrünstig, dass diese Blockade nur von kurzer Dauer sein würde. 

Nach einer Viertelstunde Elektrosummen im Bereich der erogenen Zonen gab Lumen unbefriedigt auf und schleuderte den Vibrator wütend gegen die Schlafzimmerwand. Das Vibrieren erstarb sogleich, als das Gerät, zerbrochen in 3 handliche Teile, auf den Laminatboden aufschlug.

Nein, Masturbation war keine Lösung! Selbstbefriedigung bei Denkblockaden war nie eine Lösung - außer man hatte vielleicht einen Penis! Die braunhaarige Frau hatte natürlich keinen Penis; sie hatte nicht einmal Lust auf Sex - sie wollte nur ihre abhandengekommene Kreativität zurückhaben! 

 

Irgendwo in Kolumbien, 3 Wochen später, Gegenwart

 

Constanze Klitfresh:

Du hast deinen Vibo gegen die Wand gepfeffert? 

Lumen Gasmo:

Nur hier im Roman, Constanze! Ich bin doch nicht bescheuert! Das Ding hat mich 150 € gekostet - ist ein Import aus Asien! 

Constanze:

Du hast einen 150 € teuren Vibrator? 

Lumen:

Klar, wegen der Erfahrungswerte! Ich bin Erotik-Autorin! 

Constanze:

Welche Erfahrungswerte? 

Lumen:

Du kannst dich mit 19,99 € verwöhnen oder mit 150 €! 

Constanze:

Vibrationen sind doch Vibrationen, ... oder? Kopfkino ist doch dabei alles! 

Lumen:

Du kannst für schlappe 20 € dein Ziel natürlich erreichen. Doch es gibt einen immensen Unterschied zwischen Laufen und Radfahren oder Radfahren und Autofahren! Verstehst du? Kopfkino hin oder her! 

Gunnar Prallsack:

Sind die neunmalklugen Damen nun endlich fertig? Kann ich dann mal eine Aufnahme für unser Magazin machen? Vielleicht stellst du dich hinter Lumen, Constanze! Und schaut beide schön und intelligent in die Kamera! So wie die »Frau von Welt« halt mal aussieht! OK? 

Constanze:

Moment, ich muss noch meinen Ausschnitt und meine Brüste richten! 

Lumen:

Dito. Du hast recht! 

Gunnar:

Kann ich irgendwie ... behilflich sein? 

Lumen und Constanze:

Idiot und Schwein! 

 

Ein Knipsgeräusch ertönte; simultan erhellte ein Blitz den Raum.

 

Gunnar:

So. Fertig! Kann ich noch ein Bild machen ... für meine Privatsammlung!

Vielleicht küsst Ihr euch ... mit Zunge?

 

Lumen Gasmo und Constanze Klitfresh hielten beide gleichzeitig Gunnar Prallsack einen ausgestreckten Mittelfinger entgegen. Damit war das Thema Privatfoto wortlos vom Tisch!

 

Lumen:

Während ich weiterschreibe, wäre es klasse, wenn mir einer etwas trockenen Rotwein zur Inspiration bringen könnte! 

Gunnar:

Ein kleines oder ein großes Glas? 

Lumen:

Eine Flasche, bitte!

2. Kapitel: Das Telefonat mit Jay-Po

Lumen Gasmo verpackte den zerbrochenen Vibrator in einen undurchsichtigen, kleinen Müllsack zur Entsorgung. Kaputte Elektrogeräte wurden im Mietshaus separiert gesammelt, und sie wollte vermeiden, dass jeder sehen konnte, was sie da wegwarf! Besonders Herr Leber, ein ehemaliger Gastronom, der im 3. Stock wohnte, war ein neugieriger Schnüffler in Sachen Mülltrennung. Seltsamerweise hatte der glatzköpfige Mann mit dem übergroßen Bierbauch die passende Nase im Gesicht und ähnelte damit einem bekannten Tier, das man zur Trüffelsuche abrichten konnte. 

Die braunhaarige Autorin schritt zögerlich zu ihrem zugeklappten Laptop hin, der auf einem riesigen Eichenholzschreibtisch thronte, und öffnete das Display.

Nachdem sie das Kennwort des Sperrbildschirms eingegeben hatte, offenbarte die Schreibsoftware ein einziges Wort, umgeben von hellstem Weiß: »Esperma«. 

Na, den Titel hab ich schon mal!, dachte die Frau bitter und spürte, dass die Verärgerung über ihre Blockade wieder in ihr hochkam.

Ihr neues Buch sollte eine mainstreamorientierte Mixtur aus Horror, Drama und Sex werden. Der im Februar erschienene Erotik-Thriller »Marcy, die Straßenfotze« stand seit einigen Wochen zum Verkauf bereit, sowohl als E-Book als auch als Paperback-Variante. Jetzt sollte ein nächster Roman ins Netz schwappen und die Leser mitreißen!

Doch ... nichts tat sich in dem Schreiberlein-Gehirn, nicht eine einzige zündende Idee!

Lumen klappte den Laptop wieder zu.

In der Küche summte und piepte ihr Smartphone auf der weißen Küchenzeile.

Flugs lief die Autorin in ihre Küche hinein, bevor sich die Mailbox anschaltete.

UNKNOWN prangte auf dem Smartphone; sie nahm den Anruf an. 

»Herzlich willkommen bei Lumen Gasmo! Was kann ich für Sie tun?« 

Ja, diese Willkommensfloskel wirkte gestelzt und irgendwie lächerlich, doch Lumen hatte es sich angewöhnt, bei unbekannten Anrufern extrem seriös und sehr vorsichtig zu sein. 

»Der Hammer! Du klingst wie eine Vertriebsagentin für Sex-Toys!« 

Lumen erkannte die sonore Stimme von Jean-Paul sofort - sein französischer Akzent war sehr offensichtlich! 

»Jay-Po! Lange nichts von dir gehört! Was macht die sportliche Römerin, wegen der du mich hast abblitzen lassen?« 

»Ach, Lumi! Jetzt komm mir nicht mit so alten Sünden!« 

»Alte Sünden? Das ist gerade mal 12 Wochen her!« 

»Du kennst mich doch, Lumi! Jedes neue Buch, eine neue Muse! Ich bin ein erfolgreicher Erotik-Autor!« 

»Das geht jetzt streng in die Chauvi-Ecke, werter Kollege! Mensch, bin ich froh, nicht mit dir gefickt zu haben!« 

»Und wer frönt jetzt dem weiblichen Chauvinismus? Richtig, die überlegene Gasmo!« 

Kurze Stille, dann beiderseitiges Lachen, im Gleichklang vereint. 

»Was kann ich für dich tun, Jay-Po?«, wollte schließlich Lumen Gasmo von dem Franzosen wissen. 

»Da fallen mir 1.000 Dinge ein, aber ... so nah werden wir uns nicht mehr kommen, Lumi!«, antwortete der Mann spitzbübisch. 

»Selbst schuld!«, antwortete die Braunhaarige knapp, erinnerte sich jedoch gerne an das galante Benehmen von Jean-Paul bei einer 3-tägigen Buchmesse in Paris. 

»Spaß beiseite, Lumi! Ich benötige dringend deine Hilfe!« 

»Bei was, Jay-Po?« 

»Kennst du dieses neue Sex-Magazin, das wie eine Granate in die Medienwelt eingeschlagen hat?« 

»Du meinst dieses Sex-Skandal-Hochglanzblatt, bei dem die Leserinnen und Leser abwechselnd zwischen Gaffertum, Erektionen und Feuchtwerden hin- und herkatapultiert werden, um eine Viertelstunde Fast Food-Lesen auf der Toilette zu haben, bis ihr Geschäft endlich ins Wasser klatscht? 

»Du hast Sätze drauf, Lumen! Ich bereue richtig, nicht mit dir gevögelt zu haben!« 

»Im Bett bin ich eine ein- bis zweisilbige Enttäuschung, Jay-Po!« 

»Humor hast du auch!« 

»Ja, Humor und eine Schreibblockade ohne Gnade!« 

»Das haben wir alle mal, Lumen! Machs wie ich, nimm dir 'ne Muse - natürlich eine männliche!« 

»Jay-Po, das wird dein französischer Schwellkörper jetzt nicht verstehen, ... aber ... Schreiben ist mir wichtiger als jeder Mann!« 

»Und 'ne Frau?«, schob der Franzose fragend nach. 

Lumen atmete absichtlich übersteigert durch, dann entgegnete sie ihm mit einer extrem freundlichen Stimme: 

»Schreiben ist mir wichtiger als jeder Mann und ... jede Frau!« 

Jean-Paul lachte in sein Smartphone hinein.

»Siehst du, deswegen habe ich mich damals für die Römerin entschieden und nicht für dich, Lumen. Wir Franzosen spüren das!« 

»Bohr nicht in alten Wunden, Jay-Po!« 

»Und du ... bohr nicht in alten Sünden, Lumi!« 

Sie schwiegen beide 10 Sekunden, dann atmete Lumen wiederholt hörbar ein und aus und stellte dem Mann erneut die brennende Frage: 

»Was kann ich für dich tun?« 

»Alors ... du musst mir helfen, du bist die einzige Kollegin, der ich das zutraue!« 

»Ich wäge ab, ob ich deinem Kompliment trauen kann, Jay-Po! Sprich dich aus!« 

»Ich habe einer Journalistin des Blattes zugesagt, mich ein Wochenende interviewen zu dürfen. Privates, meine Arbeit, den ganzen Rummel um meine Person. Eine Homestory, du verstehst?« 

»Und? Wo liegt das Problem, Jay-Po?« 

»Ich muss kurzfristig in die Staaten fliegen, um ein familiäres Problem zu klären. Ich finde, du solltest für mich einspringen, um deine Popularität zu steigern!« 

»Ich soll dich ersetzen?« 

»Ja, so stelle ich mir das vor, Lumi!« 

»Warum sollten die Macher von »The Newest Semen« damit einverstanden sein?« 

»Denen geht es nicht um mich, denen geht es um eine Autorengröße in den Genres Erotik, Horror und Thriller! Denen geht es um einen Schriftsteller, der einigermaßen erfolgreich etabliert ist!« 

»Einigermaßen etabliert?«, wiederholte Lumen, echte Erregung in ihrer Stimme. »Ich schreibe mir fast die Seele aus dem Leib! Mein Debütroman »Marcy, die Straßenfotze« ist gerade mal auf dem Markt! Ich habe gefühlte 1.000 Kurzgeschichten in der Schublade - davon nichts veröffentlicht! Bei meinem zweiten Roman steht der Titel! Aber nur der Titel, verstehst du!« Lumen suchte nach Worten. »Wie sollte ich dich ersetzen können? Ich bin eine blutige Debütantin im Vergleich zu dir!« 

Der Franzose am anderen Ende der Leitung überlegte, schließlich bemerkte er frech:

»Ganz einfach, du bist Lumen Gasmo! Außerdem hatte ich neulich eine Debütantin im Bett! Die sind noch so zielstrebig, unverbraucht und haben Biss!« 

»Bitte sag mir, dass sie volljährig war!« 

»Natürlich war sie das ... und glücklich befriedigt dazu!« 

»Ich möchte das nicht wissen, Jay-Po!« 

»Immer bis du so verbiestert, Lumi! Wo ist die lockere Maus geblieben, die ich auf der Pariser Buchmesse auf der Damentoilette geknutscht habe?« 

Lumen musste innerlich schmunzeln, blieb allerdings knochentrocken dabei, als sie sachlich erwiderte:

»Die lockere Maus ist ein wenig erfahrener geworden und hat aktuell eine ganz böse Schreibblockade!« 

Der Franzose ließ sich zu einer Bemerkung hinreißen, die alles veränderte!

»Vielleicht hilft dir das Interview mit der Sex- und Skandal-Journalistin, um wieder in Schreibstimmung zu kommen!« 

In Lumen Gasmo machte es ein lautes Klickgeräusch!

Natürlich konnte nur sie es hören, und es war auch nicht richtig existent!

Doch Lumen fühlte, dass Jean-Paul mit dieser unsachlichen Bemerkung Recht haben könnte. 

»Wie soll das ablaufen, wenn ich mich dazu bereit erkläre?« 

»Ein Vortreffen ist an diesem Wochenende geplant und zwar in ... Amsterdam. Also nur einen ... wie sagt Ihr Deutschen doch gleich ... einen Katzensprung von dir entfernt.« 

»Amsterdam? Ach, scheiße, Jay-Po! Ich treffe die Frau doch nicht in einem Coffee Shop bei Haschbrownies, oder?« 

»Nein, eigentlich in einem schäbigen Hotelzimmer im dortigen Rotlichtbezirk - wegen der authentischen Atmosphäre!« 

Lumen schwieg, schien konzentriert nachzudenken. 

»Und? Was meinst du dazu?«, drängte Jean-Paul sie. »Die Spesen werden bezahlt, und das Interview ist denen 5.000 € wert!« 

Lumen überlegte nicht lange. Es war nicht das Geld, das sie reizte! Es war eine Möglichkeit, neue Impulse in ihr erschlafftes Gehirn zu bekommen und die Blockade ihrer Kreativität rasch niederzureißen. 

»Jay-Po, sag den Leuten von »The Newest Semen«, dass sie mit mir rechnen können!

Schick mir die Kontaktdaten auf meine E-Mail-Adresse.« 

»Danke, Lumi! Du bist ein Schatz!« 

»Noch was«, bemerkte sie kühl. »Wenn ich das nächste Mal in Paris bin, schuldest du mir deswegen was! 

»Was schulde ich dir?«, fragte er verdutzt nach. 

»Deine Zunge!«, entgegnete sie emotionslos. 

»Wie darf ich das jetzt verstehen?« 

»Du bist doch Erotik-Autor, Jay-Po! Lass deine Phantasie ein wenig schweifen, dann kommst du drauf!« 

Schließlich beendeten sie das Gespräch, und Lumen Gasmo sah einen Silberstreif am Horizont, der ihren Blockadezustand beseitigen könnte. 

 

Irgendwo in Kolumbien, 3 Wochen später, Gegenwart

 

Constanze Klitfresh:

Wie sieht der Franzmann aus, Lumen? Kann man ihn ... brauchen?« 

Lumen Gasmo:

Mittelgroß, dunkles Haar, grüne Augen, die wie Smaragde funkeln, männlicher Dreitagebart, eine sportliche Figur, und er kann gut küssen! Kurz gesagt, Frauen wie du sind nach 2 Minuten feucht! Ich nach 3!« 

Gunnar Prallsack:

Ich hab' mal 'ne bescheidene Männerfrage: Warum brauchst du eine Minute länger, um feucht zu werden? 

Lumen:

Ich habe bereits in meinem Manuskript geschrieben, dass mir das Schreiben wichtiger ist als jeder Mann, Gunnar! Allerdings hat dieser Franzose einen exzellenten Zungenkuss drauf, dem ich mich nicht entziehen kann! Dumm ist nur, dass Jean-Paul schwanzgesteuert ist und immer wieder nach einer neuen Muse sucht, um erfolgreich einzulochen! Ach ja, die Frauen scheinen auch dabei gut wegzukommen!« 

Gunnar:

Könnt Ihr beiden jetzt wieder auf beruflich schalten? 

Lumen:

Alter Schwede! Bist du eifersüchtig? 

Gunnar:

Ich bin kein Schwede! Oder glaubst du, dass ein Schwede Prallsack heißt?

 

Lumen Gasmo und Constanze Klitfresh sahen sich vielsagend an und schüttelten gleichzeitig fassungslos ein wenig die Köpfe.

 

Lumen:

Was meinst du, Constanze? Soll ich im 2. Kapitel erwähnen, dass mir auf der Zugfahrt nach Amsterdam dieser ... Zwischenfall passiert ist? 

Constanze:

Du redest von dem süßen britischen Touristen, der dir seine Handynummer zustecken wollte? 

Lumen:

Nein, ich meine den erst charmanten und dann aggressiven Touristen, der ernsthaft glaubte, dass eine Erotik-Autorin mit einer dauerhaft offenstehenden Vagina herumläuft und ständig hofft, gefickt zu werden! 

Constanze:

Ach, die ekelhafte Angelegenheit mit dem schmierig wirkenden Widerling, dem du eine volle Bierflasche in die Fresse geknallt hast, als er sexuell handgreiflich wurde und dich in sein Abteil zerren wollte? 

Lumen:

Seine Hand hatte schon mein zartes Schamhaar berührt - das hat ihm zwei Zähne gekostet! Schade um ... das Bier! 

Constanze:

Wie ist das eigentlich weitergegangen? 

Lumen:

Der Arsch ging zu Boden und wollte mich mit seinen Pranken ebenfalls nach unten zerren. Dummerweise für ihn war sein Schritt ungeschützt, und ich hatte meine stabileren High Heels an. Also, zack und matsch! Na ja, der wird wahrscheinlich keines meiner Bücher mehr kaufen, und ich verliere so ungern Kunden! Der Markt ist so heiß umkämpft! 

Constanze:

Was ist aus dem Kerl geworden, als er deine ... Notwehr erfahren durfte? 

Lumen:

Nächster Bahnhof, Polizei, Anzeige - ex und hopp! Das geht alles den offiziellen Weg!

Der Typ wollte sich noch bei mir entschuldigen und mich darum bitten, seine Frau nicht mit hineinzuziehen. Ich hab ihn kaum verstanden, weil ihm ja die Schneidezähne fehlten! Er hatte zu viele Pfeiftöne in seinen Worten und ständig jammerte er wegen seiner geschwollenen Hoden!« 

Constanze:

Ich hab 'ne Frage am Rande, Lumen! Zählt eine Flasche Bier als Waffe?« 

Lumen:

Weiß ich nicht, Constanze! Wenn du eine Leber bist - auf jeden Fall!