LIN CARTER

 

Thongor und

die Piraten von Tarakus

Sechster Roman der Thongor-Saga

 

 

 

 

Roman

 

 

Apex-Verlag

Inhaltsverzeichnis

Das Buch 

Der Autor 

 

THONGOR UND DIE PIRATEN VON TARAKUS 

 

Eine Vorbemerkung des Autors 

 

ERSTES BUCH: DIE STURMSAMMLER 

Kapitel 1: Das Schiff der Wahnsinnigen 

Kapitel 2: Der Ring des Schwarzen Falken 

Kapitel 3: Die Grauen Zauberer 

Kapitel 4: Drachen der Tiefe 

 

ZWEITES BUCH: DER STURM BRICHT LOS 

Kapitel 5: Der Rote Wolf von Tarakus 

Kapitel 6: Dunkle Weisheit aus der Dämmerung der Erde 

Kapitel 7: Das Gesicht am Fenster 

Kapitel 8: Der Fluss des Schreckens 

Kapitel 9: Schwerter gegen Patanga 

 

DRITTES BUCH: GEGEN DEN STURM 

Kapitel 10: Yian von Cadorna 

Kapitel 11: Die Armada des Verderbens 

Kapitel 13: Magischer Nebel 

Kapitel 14: Nackter Stahl 

 

VIERTES BUCH: DER STURM ZIEHT VORÜBER 

Kapitel 15: Der Goldene Drache 

Kapitel 16: Der Strahl des Wahnsinns 

Kapitel 17: Kashtars Untergang 

Kapitel 18: In den Tod 

Kapitel 19: Könige des Westens 

 

Anhang: Das Zeitalter der Grauen Zauberer 

 

Das Buch

 

Hexerei, Abenteuer auf hoher See und tödliche Gefahren liegen vor Thongor, dem mächtigen Helden, dem Lord des Westens:

Der Graue Tod war über Die Krone von Tsargol, das stolzeste Schiff Patangas, hereingebrochen und hatte die Mannschaft in den Wahnsinn getrieben. Und der Beherrscher jenes geheimnisvollen Sachreckens nähert sich nun Patanga, der Stadt der Flamme, mit einer gewaltigen Armada!

Thongor, der Valkarthaner, stellt sich der tödlichen Magie des Piratenführers von Tarakus entgegen – und verschwindet vor den Augen seiner Gefährten im Nichts...

 

THONGOR UND DIE PIRATEN VON TARAKUS ist der sechste und abschließende Band der von Christian Dörge neu übersetzten Ausgabe der legendären THONGOR-Saga von Lin Carter.

 

 

Der Autor

 

Lin Carter (* 9. Juni 1930, + 7. Februar 1988).  

 

Linwood Vrooman Carter war ein US-amerikanischer Science-Fiction- und Fantasy-Schriftsteller, Herausgeber, Dichter und Kritiker.

Carter wurde in St. Petersburg, Florida/USA geboren. Er diente während des Korea-Krieges (1951 – 53) in der US-Infantrie, anschließend besuchte er die Columbia University in New York City. Zweimal war er verheiratet: mit Judith Ellen Hershkovitz (1959 bis 1960) und mit Noel Vreeland (1963 bis 1975). Er lebte während seiner aktivsten Zeit als Schriftsteller in Hollis, New York.

Für gewöhnlich schrieb und veröffentlichte er unter dem Namen Lin Carter – bei verschiedenen Gelegenheiten benutzte er allerdings die Pseudonyme H.P. Lowcraft (für eine H.P. Lovecraft-Parodie) und Grail Undwin.

1965 gab er mit The Wizard of Lemuria (1980 als Thongor und der Zauberer von Lemuria in Deutschland erschienen) sein Roman-Debüt. 1969 wurde er schließlich Berufsautor. Er schrieb häufig mehrere Romane und Kurzgeschichten pro Jahr und war Herausgeber diverser Fantasy-Geschichtensammlungen wie z.B. Beyond The Gates Of Dream (1969) und Lost Worlds (1980). Er verhalf den Geschichten von Robert E. Howard zu einer Renaissance, indem er zusammen mit L. Sprague DeCamp und Björn Nyberg Howards Geschichten sammelte, ordnete und mit eigenen Geschichten und Romanen ergänzte.

Zu seinen populärsten Werken in Deutschland zählen neben seinen H.P. Lovecraft-Pastiches und Robert E. Howard-Adaptionen vor allem seine Thongor- und Callisto-Zyklen.

 

 

 

THONGOR UND DIE PIRATEN

VON TARAKUS

 

 

 

  

  Eine Vorbemerkung des Autors

 

Sollten die Okkultisten Recht haben, entstanden die ersten menschlichen Zivilisationen auf diesem Planeten vor einer halben Million Jahren auf dem Verschwundenen Kontinent Lemuria im blauen Pazifik.

Von diesen Reichen der Dämmerung - die heute schon längst vergessen sind, und von denen nur noch die Bruchstücke alter Legenden und uralter Mythen flüstern - war das mächtigste Das Goldene Reich der Sonne. Die Lemurier selbst nannten es das Shamgamma, die Große Union. Obgleich ich dafür die Übersetzung das Wort Reich gewählt habe, zeigte es tatsächlich nur wenig Ähnlichkeit mit dem, was man sich gemeinhin unter jenem Begriff vorstellt: Es scheint sich dabei vielmehr um eine Liga freier Städte gehandelt zu haben, die den König von Patanga als ihren Souverän anerkannten. (Im Übrigen sind einige Fachleute der Ansicht, dass die alte Sprache Lemurias zu den Vorläufern des frühen Sanskrit gehörte. Das mag zutreffen oder nicht, jedenfalls gibt es eine bemerkenswerte Parallele zwischen dem lemurianischen Wort Shamgamma, Große Union, und dem alten Sanskrit Samgam, das Monade oder Einheit bedeutet.)

Nach prähistorischen, legendären Epen Indiens, wie den Purañas, wurde dieses Goldene Reich der Sonne von einem wandernden barbarischen Abenteurer gegründet, den ich Thongor genannt habe. Ich habe eine Geschichte seiner Abenteuer in einer Serie fantastischer Romane aufgezeichnet, von denen Thongor gegen die Piraten von Tarakus der sechste ist.

Dieses Buch findet drei Jahre nach den Ereignissen, die in Thongor am Ende der Zeit erzählt worden sind statt, im Spätherbst des Jahres 7020 der Königreiche des Menschen.

 

Lin Carter

 

 

 

 

  ERSTES BUCH: DIE STURMSAMMLER

 

 

»Unterhalb des Golfes von Patanga, wo dieser sich mit den endlosen Wassern von Yashengzeb Chun,  der Südlichen See, vereint, erhebt sich ein mächtiges Vorgebirge aus Felsen, auf welchem Tarakus, die Piratenstadt, erbaut ist. Ein gesetzloses, ein blutiges Reich, das keine Regeln kennt - abgesehen von der Gier nach Gold. Und von dort wird sich in den langen Jahren, die vor uns liegen, eine Gefahr erheben, und sie wird ihren Schatten über die Städte des Westens fallen lassen, sei also auf der Hut, oh, Thongor... bedenke meine Warnung und hüte dich.«

 

- Das Große Buch Sharajshas, des Zauberers

 

 

 

 

 

 

 

  Kapitel 1: Das Schiff der Wahnsinnigen

 

 

»Ein fremdes, ein finsteres Schiff, nahe des Tages Tod

Mit einer Mannschaft heulender Männer,

Deren Augen die Hölle erblickt, und diese hinter sich gelassen,

Doch die nicht mehr Menschen waren...«

 

- Das Buch von Tsargol

 

 

 

Man schrieb den Monat Zorah, den dritten Monat des Herbstes, im zwölften Jahr der Herrschaft Thongors des Mächtigen über die Sechs Städte, als langsam bei Sonnenuntergang ein Schiff in den Hafen von Tsargol einlief.

Die Nacht war schon beinahe angebrochen, und in purpurnem Glanz erstarb die Sonne im schattigen Westen. Langsam hoben sich die purpurnen Schwingen der Nacht über den Rand der Erde, um die Welt in Dunkelheit zu hüllen. Bleich und fahl flackerten die ersten Sterne vor der Dämmerung. Bald würde Illana, die Herrin des Mondes, am Himmel emporsteigen, um alles Land in ihren kalt schimmernden Glorienschein zu hüllen. Aber noch beherrschte der helle Aedir, der Sonnengott, von seinem purpurroten Totenbett im dunkler werdenden Westen, den Himmel.

Die rote steinerne Stadt Tsargol erhob sich über den von Wellen gepeitschten Ufern der Südlichen See. Hohe Türme und mächtige Mauern schützten sie vor Angriffen; stolze Paläste und prächtige Tempel verkündeten den Wohlstand und die Macht der Stadt des Meeres; ihre Bewohner genossen den milden Herbstabend auf ihren Terrassen und in luxuriösen Gärten und schlenderten müßig über die breiten, steingepflasterten Avenuen.

Das Schiff kroch in den Hafen. Zuerst sahen es nur wenige, denn weder an der Mastspitze noch am Bug leuchteten Lampen. Die mächtige Trireme glitt wie ein Schemen durch die dunklen Wasser. Sie passierte die Mole und ließ schließlich die mächtige Seemauer hinter sich, die den künstlichen Hafen wie steinerne Arme umfasste. Erst jetzt erblickte ein scharfäugiger Posten hoch auf den Wällen von Tsargol das langsam fahrende Schiff und schlug Alarm.

Gongs dröhnten.

Fackeln flammten auf.

Speerträger griffen nach Lichtern und eilten die von der Gischt nassen Steintreppe zur Seemauer hinunter, um zu erfahren, welcher Seefahrer es wagte, ohne Flaggen und Lampen in den Hafen von Tsargol einzufahren.

Langsam zog die mächtige Trireme durch den Hafen. Wachsame Blicke verfolgten sie, und starke Hände spannten sich um Speer, Bogen und Schwert. Otars, die je einhundert Krieger befehligten, gaben ihre Anweisungen an wartende Boten weiter. Ein Herold sprang auf einen Kroter und trieb dem schnellfüßigen Reptil die Knie in die schuppenbedeckten Rippen. Er raste mit klappernden Hufen zum Palast von Karm Karvus, dem Lord der Stadt.

Es war keine Überraschung, dass das unerwartete Auftauchen eines einzigen Schiffes derartige Verblüffung und solchen Alarm auslöste, denn dies war die Südküste, und das ganze Land fürchtete die kühnen, raffgierigen Korsaren von Tarakus, der Piratenstadt. Kein Schiff war in diesen Gewässern, die von Bukanieren unsicher gemacht wurden, sicher, kein Hafen konnte sich jemals völlig in Sicherheit wähnen. Vielleicht war jene einsame Trireme die Vorhut der schrecklichen Armada von Tarakus. Vielleicht kreuzten hinter ihr hundert schlanke, schwarze Schiffe, auf denen blutgierige Piraten nur darauf lauerten, den Wohlstand des märchenumwobenen Tsargol an sich zu reißen.

Doch dann stellte sich heraus, dass der Eindringling allein war. Bald ahnten auch scharfe Augen, dass die mächtige Trireme Schwierigkeiten hatte. Ihre dreifach gestaffelten Ruderbänke waren zum größten Teil unbesetzt, und die Ruder - die das große Schiff schnell und elegant hätten dahintreiben lassen - bewegten sich in unregelmäßigem Rhythmus. Nur wenige Hände betrieben die Ruder und dies ungeschickt. Die Trireme bewegte sich langsam, wie eine Krabbe seitwärts, und manchmal schob sich ihr Bug herum, und die Wellen erfassten sie.

Und dann stellten andere Augen fest, dass die Segel zerrissen und teilweise gerefft waren aber ungeschickt und teilweise falsch. Und als sie sich schließlich dem langen, steinernen Kai näherte, der sich aus der inneren Halbmondkrümmung des Hafens herausschob, konnte man feststellen, dass die Reling eingeschlagen und zerbrochen war, das vergoldete Holz zerdrückt und abgerissen. Der mächtige Drachenschädel am Bug war zerbrochen und zur Seite gedrückt.

Und als sie noch näher kam, drang ein schreckliches, nicht sehr lautes Geräusch an die Ohren der Wächter, die bereitstanden, um an Bord zu gehen: ein scheußliches Jammern. Es hob und senkte sich, ein Klagen, das zu hören schrecklich war. Otar musterte Otar mit vor Schrecken geweiteten Augen. Die Männer des dunklen, beschädigten Schiffes... sie heulten...

Und dann sah ein junger Offizier plötzlich erschreckt, dass die Ruder sich jetzt nicht rückwärts bewegten, um die Trireme an den Kai zu bugsieren, sondern sie immer noch weiter trieben. Er stieß einen Alarmruf aus.

»Ahoi - Vorsicht, Kai! Zurück, ihr Narren, ehe ihr...«

Ein mächtiges Ächzen und Kreischen übertönte seinen Ruf, als das fremde Schiff gegen das steinerne Dock prallte. Der Granitsockel erzitterte unter dem Aufprall. Das Schiff taumelte und kam schließlich zum Stillstand. Ein Segel krachte herunter, und der Mast ächzte und zersplitterte dann mit dem Kreischen zerfetzenden Holzes. Dann war alles still.

Aber die Männer heulten weiter. Ein klagender, höllischer Chor, wie das Stöhnen der Verdammten, die von Dämonen gefoltert, wimmerten und zagten.

Einige der Speerträger fluchten, wurden bleich und packten ihre Waffen noch fester, so dass ihnen die Knöchel weiß hervortraten. War das fremde, schwarze Schiff von Wahnsinnigen bevölkert? Oder war es etwa aus dem purpurnen Schlund der Hölle selbst in die menschliche See getrieben, bemannt von Verdammten? Waren das Wahnsinnige - oder Geister -, die dort an Bord des geheimnisvollen Fahrzeuges heulten, das in der Stunde des Sonnenuntergangs aus unbekannten Wasserwüsten aufgetaucht war?

Jetzt klapperten Hufe auf dem Pflaster, und Karim Ptole, der Hafenkommandant, tauchte auf. Sein Goldhelm schimmerte im flackernden Licht der Fackeln.

»He da, Otar! Sichert die Trireme, und schickt eure Männer an Bord. Du dort! Schlingt ein Tau um ihren Bug, ehe der Rumpf am Kai zersplittert. Schnell, ihr Männer!«

Ein ergrauter Daotar, Befehlshaber von zehn Kompanien, schritt auf den Kommandanten zu, der auf seinem unruhigen Kroter saß. Der graubärtige Offizier salutierte steif, eine geballte Faust ans Herz gedrückt.

»Was meinst du?«, knurrte Karim Ptole rau. »Pest - oder Piraterie?«

Der Daotar kniff im flackernden Fackellicht die Augen zusammen, während die Krieger die Trireme festmachten, sie an die Poller zogen und mit den Schwertern in den Fäusten an Bord schwärmten. Er knurrte und spuckte dann aus.

»Die Seewölfe von Tarakus versenken ihre Beute«, stellte er grimmig fest. »Nur selten entkommen Männer ihren Fängen, sobald einmal die rote Flagge hochgezogen wurde und die schwarzen Rümpfe zum letzten Kampf herangleiten. Wahrhaftig, Lord, ich weiß nicht, was ich daraus machen soll... Vielleicht hat ein Seeungeheuer die Trireme angegriffen und das zerstört, was es nicht fressen konnte?«

»Vielleicht«, brummte Karim Ptole. »Aber... an diesem Schiff ist etwas verteufelt Vertrautes, an den Linien, dem Schwung des Bugs... fast könnte ich schwören, ich hätte es schon einmal gesehen...«

»Nun, mag sein, dass Ihr das habt, Lord«, sinnierte der alte Daotar. »Auch ich habe das Gefühl, als wären mir diese Linien vertraut... die Schnitzereien am Achterdeck, die vergoldeten Delphine an der Reling...« Seine hellen Augen verengten sich nachdenklich. »Und doch ist das kein Kriegsschiff, ganz bestimmt nicht, und auch kein Kauffahrer, mit einem Kiel wie diesem. Die königliche Yacht eines Prinzen? Vielleicht das Schiff eines fetten Admirals?«

Der berittene Kommandant schüttelte den Kopf, und sein Helm glitzerte. »Sie erinnert mich beinahe an Die Krone von Tsargol selbst«, murmelte er. »Aber Prinz Karm Karvus, unser Herr und Meister, ist erst vor drei Tagen darin in See gestochen - zu einem Staatsbesuch in Vozashpa -, also kann es nicht...«

Er hielt inne und wurde unter seiner braunen Haut bleich. Im selben Augenblick unterdrückte der Daotar, der neben ihm stand und durch die zunehmende Dunkelheit zu dem zersplitterten Bug hinüberblickte, einen scharfen Schreckensschrei, als er die Schriftzeichen mit dem Namen der Trireme ausmachte.

Die Krone von Tsargol...

 

Der junge Otar, Jorn Javas, betrat als erster das geheimnisvolle Schiff. Er sprang hoch, ergriff eines der Taue und schwang sich über die Reling und hinunter auf die Ruderbänke. Das, was er erblickte, ließ ihn erschreckt zurückfahren.

Leichen lagen über die Bänke verstreut. Ihr Blut beschmierte die zerbrochenen Ruder und die Decks. Sie waren keinen leichten Tod gestorben.

Er beugte sich vor, versuchte, in der Dämmerung mehr auszumachen. Dann drehte er eine der Leichen um.

Das gebräunte, bärtige Gesicht eines Matrosen starrte ihn an, die Augen geweitet und stumpf. Seifiger Schaum beschmierte die Lippen des Toten, die in einer grinsenden Grimasse des Todes erstarrt waren. Dem Mann war die Kehle von einem Ohr bis zum anderen durchschnitten worden. Und die eigene Hand des Mannes krampfte sich um den Dolch, der die Mordwaffe war.

Mit grimmigem Gesicht ging Jorn Javas von Bank zu Bank und untersuchte die Toten. Einige waren von eigener Hand gestorben, andere im Kampf mit ihren eigenen Gefährten. Er wandte sich schaudernd von einem schrecklichen Bild ab: Zwei Matrosen, die Arme noch ineinander verschlungen, die Zähne in die Kehle des anderen gebohrt... doch nicht alle waren tot. Es gab einige, in denen noch Leben war, und ihr Anblick war noch schrecklicher als jener der verstümmelten Toten.

Sie saßen träge da, die Hände an den Riemen, und starrten ihn seltsam an, als er sie ansprach. Einige weinten; andere lachten wild. Jorn Javas ging von Mann zu Mann, starrte in blutbesudelte Gesichter, glasige und leere Augen, in Münder, aus denen der Geifer rann. Er wusste, dass sie alle dem Wahnsinn verfallen waren. Von den mit Irrsinn geschlagenen Männern an den Rudern erklang ein jammernder Laut und erstarb wieder, schwoll an und verstummte wieder, von jammernden Klagen zu einem Heulen wie dem Schrei gequälter Tiere.

Jorn Javas war noch jung, aber keineswegs ein unerfahrener Rekrut, vielmehr ein erfahrener Veteran zahlreicher Kämpfe. Er hatte so manchen Gegner getötet, hatte die hässliche Fratze des Krieges, der Belagerung und des Angriffs gesehen. Er hatte tote Männer gesehen, und nicht wenige: Männer, die die Maschinen des Krieges zerdrückt hatten, und Männer, die die Folter grausam zerstückelt hatte. Aber keines jener grimmigen Bilder hatte ihn derart furchtbar bewegt wie der Alptraum auf den Decks dieses schwarzen Schiffs aus der Hölle.

Mit weißem Gesicht wandte er sich ab und übergab sich. Es würgte ihn und drohte ihn zu zerreißen.

Er wandte sich ab, richtete sich auf und setzte seine Durchsuchung des Schiffes fort. Die Decks waren mit blutigen Körpern übersät, mit toten Männern und jammernden, schluchzenden Irren. In ihrer geistlosen Wut hatten sie dem Schiff großen Schaden zugefügt, jenem Schiff, das dem Vergnügen eines mächtigen Prinzen bestimmt war. Jorn Javas fand eingetretene Türen und heruntergerissene Teppiche, Wandbehänge, die mit Kot besudelt waren. Überall lagen Leichen, in den Ecken, auf dem Boden, in der Takelage.

Doch zumindest ein Mann hatte sich dem Wahnsinn widersetzt.

Dem karminroten Rock und den goldenen Tressen nach zu schließen, musste es sich um den Kapitän des Schiffes handeln. Ein erfahrener Seemann, wie es schien. Sein bärtiges Kinn zeugte von Entschlossenheit und Stärke, seine klaren Augen von guter Herkunft und Intelligenz.

Jorn Javas fand ihn am Steuerrad. Er hatte sich mit Riemen aus seiner Uniform daran gefesselt, sich mit großer Schlauheit angebunden. Seine Hände, die der stockende Kreislauf schwarz hatte anschwellen lassen, klammerten sich in die Speichen des Rades, und er lag halb darüber. Der Kopf war ihm auf die Brust gefallen.

Ein gewaltiger Schrecken durchzuckte den jungen Offizier, als er den Mann ansah... denn er kannte ihn! 

Es war Norgovan Thul, der Lordadmiral von Tsargol!

Aber Norgovan Thul war vor Tagen in der Gesellschaft von Prinz Karm Karvus, dem Lord der Stadt, nach Vozashpa gesegelt, an Bord der Krone von Tsargol, dem Flaggschiff der Flotte, dem eigenen Schiff des Prinzen... einer großen Trireme, dieser sehr ähnlich. Aber dieses Schiffswrack mit seiner Mannschaft aus Toten und lebenden Toten, besudelt mit Blut und Kot, konnte nicht die stolze, vergoldete Trireme sein, die vor wenigen Tagen in See gestochen war und die den Prinzen von Tsargol auf Staatsbesuch zum Throne von Vozashpa hatte tragen sollen... oder etwa doch? 

Erbleicht wandte sich der Offizier ab und sah sich auf Deck um. Verstehen dämmerte in seinen Augen. Die Schnitzereien am Achterdeck, jener Fries vergoldeter Delphinschnitzereien an der Reling - sein Blick huschte zur Tür - der großen Kabine. Er sah das Symbol von Schwert und Anker, das königliche Emblem von Tsargol.

Und in diesem Augenblick brach das ganze Ausmaß der schrecklichen Wahrheit über Jorn Javas herein.

Auf unsicheren Beinen überquerte er das mit Kadavern übersäte Deck, bis er die Tür der Kabine erreichte. Mit zitternden Fingern fummelte er an dem Schloss herum. Langsam schwang die mächtige, geschnitzte Tür auf, und Jorn Javas spähte hinein, voll Angst vor dem, was er dort sehen würde... denn wenn tatsächlich ein plötzlicher Wahnsinn und ein unerklärlicher Tod Mannschaft und Offiziere des königlichen Flaggschiffs niedergeschlagen hatten, wie konnte dann der Prinz überlebt haben, unberührt von der roten Hand des Mordes oder der weißen des Wahnsinns?

Die Kabine... war leer.

Der Otar durchsuchte sie gründlich, fand aber die Leiche von Karm Karvus nicht.

Langsam arbeitete er sich zurück auf Deck zu der Stelle, wo Norgovan Thul ans Steuerrad gefesselt war.

Der Admiral war nicht tot, wie Jorn Javas ursprünglich vermutet hatte. Jetzt hob der alte Mann nämlich den Kopf und wandte dem jungen Offizier sein Gesicht zu, das mit Schweiß und Blut besudelt war. Er musterte Jorn Javas mit geweiteten, erschreckten Augen.

»Mylord... Ihr lebt? Was... ist hier geschehen?«, fragte er.

Die Antwort kam langsam, mit gebrochener, ächzender Stimme: »...der Graue Tod... der Graue Tod...«, stöhnte der Admiral.

Jorn Javas schnitt ihn mit dem Schwert los, durchtrennte die Bande, die ihn an seinen Posten gefesselt hatten, Bande, die sich tief in sein Fleisch eingegraben und in ihm grausame Spuren hinterlassen hatten. Er ließ den Älteren behutsam auf Deck sinken, legte den Kopf des Mannes auf seine Knie und gab ihm aus der Feldflasche an seiner Hüfte zu trinken.

»Aber der Prinz - Karm Karvus -, was ist mit ihm? So redet doch, Mann!«

Norgovan Thul hatte mit aller Kraft gegen den Wahnsinn angekämpft. Mit den letzten Resten seiner eisernen Standhaftigkeit um Vernunft kämpfend, hatte der tapfere alte Admiral das Schiff in den Hafen gelenkt - eine Tat, die solch übermenschliche Anstrengung erforderte, dass die Phantasie sich davor scheut, sie sich auszumalen. Tagelang, während die Dämonen des Wahnsinns an ihm zerrten, hatte der treue alte Tsargolaner die wenigen Männer, die noch am Leben geblieben waren, mit purer Willenskraft an die Ruder getrieben. Aber die Anstrengung hatte einen grausamen Zoll gefordert. Seine Kraft war aufgebraucht. Er konnte die Festung seiner Vernunft nicht länger gegen die drohenden Schatten halten, die an seinem Wesen rissen und zerrten. Er lächelte, ein schreckliches Lächeln, sein Mund blieb offen wie bei einem Idioten. Seine verstörten Augen rollten hin und her. Jorn Javas schüttelte ihn heftig, wollte wissen, was Karm Karvus widerfahren war. Aber der Admiral brachte nur ein einziges Wort heraus, immer wieder:

»Fort... fort... fort...!«

Und als die anderen Offiziere der tsargolanischen Garde ihren Mut zusammennahmen und dem tapferen jungen Otar endlich auf das blutige Deck folgten, fanden sie Jorn Javas inmitten der Leichen sitzend, das Haupt des Admirals auf sein Knie gestützt. Der Admiral zuckte, drehte den Kopf und stieß sinnlose Worte aus, die immer wieder in geistloses Heulen übergingen, wie jenes der anderen Wahnsinnigen, die auf diesem Alptraumschiff überlebt hatten.

Der ergraute alte Daotar packte Jorn Javas an der Schulter. Der junge Mann hob das tränenüberströmte Gesicht und sah den Vorgesetzten an.

»Hat er etwas gesagt?«, wollte der Daotar wissen. »Befindet sich unser Herr, der Prinz, an Bord des Schiffes?«

Der junge Mann schüttelte verzweifelt den Kopf. »Fort... fort«, sagte er hoffnungslos.

 

In Abwesenheit von Prinz Karm Karvus führte der Lordkanzler Drath Horvan, Baron von Amagar, als ältester Peer des Reiches und ältester Staatsbeamter, die Geschäfte des Staates.

Wenige Minuten nach der Entdeckung des Wracks und seiner Mannschaft von Wahnsinnigen und Toten, wurde im Palast von Tsargol eine Ratssitzung anberaumt. Peer und Hochkommandanten diskutierten mit grimmigen Augen und weißen Gesichtern die schrecklichen Ereignisse der Nacht und das, was man aus ihnen schließen konnte. Die Krone von Tsargol war vom Bug bis zum Heck durchsucht worden, aber man hatte keinerlei Hinweise entdeckt, die die seltsame und schreckliche Tragödie erklären konnten. Was jene betraf, die man an Bord gefunden hatte - und das war nur ein Bruchteil der Mannschaft, denn viele fehlten - so waren diese entweder tot oder unheilbar wahnsinnig. Von den Toten war nichts zu erfahren, sah man davon ab, dass sie entweder von eigener Hand oder den Waffen ihrer eigenen Schiffsgefährten gestorben waren.

Noch konnte man von den Lebenden etwas erfahren, weil diese keines vernünftigen Wortes fähig waren.

Die einzige Information, die dem Stammeln der heulenden Männer zu entnehmen war, war der eine Satz, den viele von ihnen immer wieder wiederholten -

Der Graue Tod... der Graue Tod.

Niemand wusste, was das bedeuten sollte.

Was war es aber, das ein Schiff voll Männer in den Wahnsinn getrieben hatte? Und was war mit Karm Karvus? Lebte der Prinz noch, oder war er tot? Und wenn er noch lebte, gehörte er dem heulenden Chor der Verrückten an?

Die Ratsherren überlegten, was den Verschwundenen widerfahren sein mochte. Eine logische Antwort war, dass sie sich in ihrem Wahnsinn ins Meer geworfen hatten.

»Die Krone kann unmöglich Vozashpa erreicht haben und wieder zurückgekehrt sein«, überlegte Drath Horvan grimmig. »Die Reise erfordert im besten Falle und bei günstigen Winden sieben Tage. Und zwischen Tsargol und Vozashpa ist nichts, nur leere Strände und Urwald, keine Stadt, keine menschliche Ansiedlung. Was die Männer in den Wahnsinn getrieben hat, muss auf hoher See zugeschlagen haben. Und da wir unseren Prinzen nicht an Bord finden konnten, sehen wir uns leider zu dem Schluss gezwungen, dass er entweder in die endlosen Wellen des Yashengzeb Chun gestürzt oder geworfen worden ist...«

Stumme Gesichter und gesenkte Augen um den Ratstisch widersprachen nicht. Drath Porvis biss sich wild auf die Lippen und furchte die Stirn.

»Was wir noch herausfinden müssen, ist, ob diese Tragödie ein Werk der Natur ist, eines der vielen Geheimnisse des unbekannten Meeres, oder vielleicht ein geplanter Angriff eines bösen Feindes, der sich uns noch nicht erklärt hat. Denn ...« und damit fiel er in den Flüsterton »- das Schreckliche kann auch das Werk von Hexerei sein.«

Die Beratung endete ohne Beschluss, wie das häufig bei Ratssitzungen der Fall ist. Aber Tsargol war gewarnt, und Wachen mit scharfen Augen hielten von Türmen und Wällen, an Toren und Straßen Ausschau, blickten seewärts, spähten nach den Spuren eines unbekannten Feindes. Wenn dies das Vorspiel zu einem Angriff war, so würde dieser die rote, steinerne Stadt am Meer in Waffen und bereit vorfinden.

Und von den Landeplattformen auf dem Dach des mächtigen Palastes von Tsargol, wo ein Kontingent der Luftgarde von Patanga stationiert war, erhob sich beim ersten Morgenschimmer ein einsames Schiff, in dessen kleiner Kabine ein patanganischer Pilot und ein königlicher Herold von Tsargol saßen.

Das schlanke, kleine Flugboot erhob sich über der erwachenden Stadt in die Morgendämmerung, umkreiste sie einmal und jagte dann in nordöstlicher Richtung davon, schoss wie ein silberner Pfeil durch den klaren Morgenhimmel, um die Kunde vom Verlust Karm Karvus' zum Throne von Thongor dem Mächtigen, dem Herrn des Westens der Welt, zu tragen. 

 

 

  Kapitel 2: Der Ring des Schwarzen Falken

 

 

»Hatte ein grimmiges, schwarzes, ein unbekanntes Verderben

den kühnen Karm Karvus dahingerafft?

War er in ein namenloses Grab gegangen,

unter der von Drachen heimgesuchten See?«

 

- Thongors Saga, XIX. Gesang

 

 

 

Kurz vor Mitternacht, einen Tag, nachdem der Graue Tod zum ersten Mal zugeschlagen hatte und die fast zerstörte Trireme in den Hafen von Tsargol gefahren war, glitt viele Meilen nordöstlich jener roten, steinernen Stadt ein zweites Schiff in einen Hafen.

Hier - an der Mündung des Golfes von Patanga -, wo die Zwillingsflüsse sich ins Meer ergossen, erhob sich die große Metropole von Patanga: der Sitz Thongors des Mächtigen, die bedeutendste der Neun Städte des Westens.

Aber dieses zweite Schiff war nicht die Trireme eines Prinzen, vergoldet und geschmückt, um einem König Vergnügen zu bereiten. Nein, dieses Schiff war lang und flach und schnell, mit schlankem, schwarzem Rumpf. Scharlachrote Segel blähten sich im Wind, und ein scharfer Bug durchschnitt lautlos die Wellen. Und an Bord dieses Schiffes befanden sich lebende, vernünftige Männer, nicht heulende Wahnsinnige. Sie drängten sich an die Reling, um das hohe Patanga im Glorienschein des Mondes sehen zu können.

Ein Hauptmann der Luftgarde erblickte die schlanke, schwarze Galeere, als sie in den Hafen glitt. Nirgendwo an ihr brannten Signallampen, und sie glich einem Piratenschiff. Das Luftboot kreiste, Lampen trugen Codesignale zu Wachmännern in der mächtigen Luftzitadelle, die sich östlich des Großen Platzes im Herzen Patangas emporreckte. Hörner schallten - Boten sprengten auf Krotern die breite Thorian-Straße hinunter zum Seetor, um Alarm zu schlagen.

Und so kam es, dass eine halbe Kompanie der Bogenschützen von Patanga mit grimmigen Gesichtern im Fackelschein bereit stand, als die schlanke, schwarze Galeere am Dock anlegte. Der Otar der Kompanie trat vor, um den unbekannten Eindringling aus der mitternächtlichen See anzurufen.

»Ahoi, die schwarze Galeere! Name, Heimathafen und Meister?«

Gesichter drängten sich an der Reling - eine zusammengewürfelte Mannschaft, der Abschaum der Gosse aus fast allen Städten des Westens. Da war ein fetter, mondgesichtiger Kovianer, der sich ein buntes Tuch um die Stirn gebunden hatte; braune, schwarzhaarige Thuranier und Cadornaner mit bernsteinfarbener Haut und Mandelaugen - selbst einer der mächtigen Blauen Nomaden aus den grenzenlosen Ebenen im fernsten Westen. Es schien sich wirklich um eine zusammengewürfelte Mannschaft aus Raufbolden zu handeln, an denen Juwelen und Schmuck glänzten. Einige von ihnen trugen Säbelnarben, andere die Brandzeichen der Gesetzlosen. Und ihre Schärpen und Gürtel starrten von Waffen.

Dann schob eine mächtige Hand sie zur Seite und machte einem hünenhaften Rotbart Platz, der sich ein hellrotes Tuch um die Stirn geschlungen hatte. Er trug eine flaschengrüne Hose, mächtige schwarze Stiefel und einen breiten, mit Edelsteinen verzierten Gürtel. Seine nackte, bronzefarbene Brust war von lockigem, goldenem Haar bedeckt, und unter seinen dichten Augenbrauen flammten eisgraue Augen. Er war ein Bulle von einem Mann, mit breiter Brust, mächtigen Schultern, und Armen mit Muskelsträngen wie die Äste einer knorrigen Eiche.

»Dies ist die Scitnitar aus dem Hafen Tarakus«, knurrte er, »und ich bin Barim Rotbart, ihr Meister.«

Der junge Offizier schob das Kinn vor. »Die Piraten von Tarakus sind in der Stadt der Flamme nicht willkommen. Weshalb schleicht Ihr Euch bei Nacht wie ein heimtückischer Dieb in unseren Hafen?«

Barim Rotbart grinste, und seine weißen Zähne blitzten unter seinem feurigen Bart auf. »Je weniger meine Mission kennen, desto besser, Junge! Aber meines Willkomms in der Feuerstadt bin ich sicher: Hier - fangt!«

 

Er zog einen kleinen Gegenstand aus dem Gürtel und warf ihn dem Anderen hin. Er blitzte im Fackelschein. Gold. Der junge Otar fing den Gegenstand geschickt auf und drehte ihn in der Hand, musterte ihn neugierig.

Es war ein schwerer Ring aus massivem Gold. Tief in seinen Kopf eingeschnitten, waren zwei Zeichen in der Bilderschrift des Südlands; die beiden Zeichen nannten sich Ka Thon und Gor Yaa.

Der Otar riss erstaunt die Augen auf. Er konnte seinen Augen nicht trauen. Uber ihm an der Reling lachte der vierschrötige Rotbart.

»Thongor!«, stöhnte der Offizier.

»Jawohl«, grinste der Pirat. »Der Name von Lord Thongor, eingeschnitten in das massive Gold Patangas. Der große König selbst hat mir den Ring gegeben, sollte ich je Zugang zu ihm brauchen und meinte, wenn ich ihn an seinem Tor zeigte, würde mir das schnell den Weg zu ihm bahnen.«

Der Otar war verblüfft. Auf der ganzen Welt existierten es nur zehn derartige Ringe, große Siegelringe, die den Namen des Herrn der Sechs Städte trugen. Könige und Prinzen trugen sie, hohe Herren, die dem Banner des Schwarzen Falken die Treue geschworen hatten. Solche Ringe waren wie Schlüssel und verschafften zu jeder Stunde des Tages und der Nacht Zugang zu Thongor.

Der junge Offizier richtete sich auf, nahm Haltung an und salutierte dem grinsenden Korsaren, als wäre er ein Prinz des Reiches.

»Ihr tragt das Siegel Thongors, Kapitän, und ich stehe zu Eurer Verfügung. Begleitet mich, dann führe ich Euch vor den Herrn des Westens...«

 

Barim hatte schon so manchen Palast gesehen und blieb daher nicht stehen, um den glänzenden Marmor, die Banner aus flatterndem Gold, oder den Prunk der herrlichen Spitzen, die in den sternenübersäten Himmel reichten, anzustarren.

Aber als er den Knaben sah, der grinsend am Palasttor stand und die Hände zum Gruß ausgestreckt hielt, blieb er stehen, und seine Augen weiteten sich.

»Junge, bist du das? So groß und stark - kaum hätte ich in diesem erwachsenen Burschen meinen kleinen Schiffsgenossen erkannt!«, staunte er.

Prinz Thar lachte vergnügt.

»Natürlich bin ich gewachsen, Kapitän Barim - schließlich sind drei Jahre vergangen, seit wir zusammen segelten, seinerzeit, als Charn Thovis mich dem Usurpator Dalendus Vool entführte, und du uns halfst, zu entkommen. Es ist wunderbar, dich wiederzusehen! Aber was führt dich zur Hauptstadt meines Vaters, des Nachts und im Geheimen?«

Der Rotbart wurde ernst. »Finstere Geschäfte, Junge, ja, wahrhaftig schwarz und düster. Aber sicher erinnerst du dich deiner alten Schiffsgefährten hier...«

Seine Begleiter schoben sich von hinten heran, umdrängten den Sohn Thongors und grinsten freundlich.

»Du erinnerst dich doch sicher an den fetten, alten Blay«, keuchte ein jovial wirkender mondgesichtiger Kovianer. Sein Gurt, der den mächtigen Bauch umspannte, starrte von Dolchen.

»Durgan auch, hoffe ich!«, keuchte ein hagerer, ledern wirkender, alter Kämpe, der über einem Auge eine schwarze Klappe trug.