Western Sammelband 4 Romane: Wo die Wölfe warten und andere Western

Alfred Bekker et al.

Published by Alfred Bekker präsentiert, 2018.

Inhaltsverzeichnis

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Western Sammelband 4 Romane: Wo die Wölfe warten und andere Western

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Grainger und die Squaw

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WO DIE WÖLFE WARTEN

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Jagd in die Hölle

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Die Hauptpersonen des Romans:

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Grainger und das Bluffer-Paar

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Further Reading: 10 Marshal Western August 2016

Also By Alfred Bekker

Also By Thomas West

Also By Uwe Erichsen

Also By Wolf G. Rahn

Also By Hans W. Wiena

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Western Sammelband 4 Romane: Wo die Wölfe warten und andere Western

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Dieses Buch enthält folgende Western:

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ALFRED BEKKER/THOMAS West: Grainger und die Squaw

Uwe Erichsen: Wo die Wölfe warten

Hans W. Wiena: Jagd in die Hölle

Wolf G. Rahn: Grainger und das Bluffer-Paar

Kopfgeldjäger sind hinter Dundee her. Dundee hat in der Vergangenheit schwere Schuld auf sich geladen. Dundee, der eigentlich Paul Massey heißt, arbeitet am Bau der Eisenbahn in Wyoming. Nie hätte er damit gerechnet, dass man ihn dort aufspürt. Nun muss er sich die Verfolger vom Hals schaffen und herausbekommen, wer ihn verraten hat.

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COVER: EDWARD MARTIN

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© Cover by Firuz Askin, 2018

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

© Cover Edward Martin

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Grainger und die Squaw

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von Alfred Bekker & Thomas West

Der Umfang dieses Buchs entspricht 108 Taschenbuchseiten.

Ungefähr hundert Mann reiten unter dem Kommando eines bisher unbekannten Anführers. Sie haben es inzwischen geschafft, den gesamten Bahnverkehr auf der Strecke zwischen Devil’s Slide und Salt Lake City unsicher zu machen. Die Überfälle werden mit fast militärischer Präzision durchgeführt. Die Bande schlägt mit großer Übermacht zu und geht dabei äußerst rücksichtslos vor. Wer sich ihr in den Weg stellt, wird kaltblütig erschossen. Grainger wird sich ihnen in den Weg stellen...

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© 2006 by Alfred Bekker & Thomas Ziebula; Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Autoren.

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de 

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Die Reihe der maskierten Reiter wartete auf dem Kamm des Hügels. Die Männer blickten ins Tal, wo sich die Gleise der Union Pacific Railroad durch das karge, steinige Land zwischen Ogden und Bear River City zogen. Ein eiskalter Wind fegte seit Tagen über den Norden Utahs. Es sah ganz nach einem frühen Wintereinbruch aus.

Lange bevor der Zug sichtbar wurde, hatte man ihn hören können und jetzt sah man auch seine Rauchfahne hinter den Anhöhen. Die Reiter banden sich die Halstücher vor Mund und Nase und zogen die Winchester-Gewehre aus ihren Scubbards. Einer hob die Rechte zum vereinbarten Zeichen für die beiden Männer, die unten, am Fuß des Hangs, in geduckter Haltung im Buschwerk neben der Gleistrasse kauerten. Die Dynamitstangen hatten sie zuvor schon sorgfältig zwischen die Schwellen deponiert.

Der größere der beiden Männer winkte zurück. Danach riss er ein Streichholz an der Stiefelsohle an und hielt die Flamme an die Zündschnur. Kaum sprühte sie Funken, sprangen die Männer auf, rannten davon und brachten sich in einer nahe gelegenen Mulde in Sicherheit.

Jetzt bog das Dampfross aus der engen Schleife der Hügelschneise. Rasselnd und zischend beschleunigte es. Immer schneller dampfte es der glühenden Lunte entgegen, immer näher kam es ihr. Im nächsten Moment gab es eine Explosion. Eine Fontäne aus Erde, Staub, Geröll, Gleisstücken und Schienenschwellen erhob sich über der Trasse. Wie ein überirdischer Hammerschlag dröhnte der Detonationslärm durch das Tal.

Der Zug bremste. Funken sprühten, die Metallräder blockierten, das Dampfross rutschte über die Gleise.

Gleichzeitig fielen die ersten Schüsse. Die Horde der Angreifer preschte mit lauten Kampfgeheul von den Hügeln hinab. Die beiden Männer in der Talsohle sprangen aus ihrer Deckung, rissen ihre Revolver aus den Holstern und rannten zur Lokomotive.

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Dem Zug gelang es nicht rechtzeitig anzuhalten. Die aus ihrem Bett gesprengten Gleise und Schwellen sorgten dafür, dass die Lokomotive seitlich ausbrach. Ihre durch die Bremsen blockierten, Funken sprühenden Räder frästen sich mit einem schabenden, ohrenbetäubenden Geräusch in den steinigen Boden hinein. Schließlich blieb die Lok stehen.

Der Kohlenwagen verkeilte sich in ihr, sodass der darauf folgende Waggon ebenfalls aus den Gleisen sprang und sich quer stellte. Überall im Zug schrien Menschen.

Bremser und Heizer luden ihre Gewehre und zielten auf die Reiter, die in weit auseinander gezogener Angriffsreihe den Hang herab galoppierten. Der Lokführer war mit seiner Dampfmaschine beschäftigt. Keiner der drei bemerkte rechtzeitig die beiden Revolvermänner, die dicht an Räder und Kessel gepresst an das Führerhaus heranschlichen.

Dann drei Schüsse aus Revolvern – der Bremser war sofort tot, der Heizer ließ das Gewehr fallen und hielt sich stöhnend die Schulter fest und der Lokführer streckte beide Arme in die Luft. „Nicht mehr schießen! Bitte!“

Die Reitermeute der Angreifer näherte sich schnell. Schon waren die ersten an der Trasse. Aus einem der hinteren Wagen kam Widerstand. Mehrere Schüsse peitschten in Richtung der maskierten Reiter. Die Kugeln der Verteidiger rissen zwei von ihnen aus den Sätteln.

Die anderen feuerten um so heftiger zurück.

Ihre Kugeln heulten Hang abwärts, schlugen durch das dünne Sperrholz, aus dem die Wände der Waggons gefertigt waren, durchlöcherten sie förmlich. Manchmal mischten sich heisere Schreie in den Schusslärm.

Nach kurzer Zeit war der Widerstand gebrochen.

Weder ein Schuss noch ein Schrei drang jetzt noch aus dem letzten Waggon. Nur heisere Flüche, leises Stöhnen, jämmerliches Wimmern.

Vor dem Waggon hörte man bald die rauen, durch die Tücher gedämpften Stimmen der Maskierten. „Na los, mach ein Ende!“, blaffte einer und ein anderer fragte: „Bist du sicher?“ und dann die laute Antwort: „Wir gehen kein Risiko ein – die verfluchten Hunde haben es ja nicht anders gewollt!“

Einer der Maskierten ritt mit einer Dynamitstange in der Hand an ein geborstenes Fenster des letzten Waggons heran. Der Mann riss ein Streichholz an und entzündete die Lunte. Er holte aus und schleuderte die Dynamitstange durch das zerbrochene Fenster ins Innere des Waggons.

Der Maskierte gab seinem Pferd die Sporen, beugte sich tief über den Hals seines Pferdes. Hinter den anderen her galoppierte er zum Mittelteil des Zuges.

Sekunden später die Explosion: Ein Glutball füllte für Sekunden den Waggon aus. Ein Teil des Daches wurde weggesprengt. Glas splitterte. Vorn und hinten flogen die Türen aus ihren Halterungen.

„Das dürfte reichen!“, rief einer der Maskierten.

„Verdammte Bastarde!“

Inzwischen hatte die gesamte Bande den Zug erreicht. Die Maskierten verteilten sich, sprangen von den Pferden und bestiegen die Waggons, um Waffen und Wertsachen einzusammeln.

Insgesamt zählten die Banditen gut hundert Mann. Ein Dutzend von ihnen versammelten sich um den Frachtwaggon, der hinten an den Zug angehängt worden war. Darunter auch jener Mann, der die Befehle gab und offenbar ihr Anführer war.

Das schwarze Tuch bedeckte sein Gesicht bis unter die Augen. Unter dem dunklen Filzhut quoll graues Haar hervor, das ihm fast bis zu den Schultern reichte. Er trug eine Lederweste und ein Doppelholster, bei dem die Griffe der Revolver nach vorn gerichtet waren. Am Ringfinger der linken Hand trug er einen goldenen Ring mit einem schwarzen Stein.

Er nahm einem seiner Leute die Dynamitstange aus der Hand und klemmte sie hinter den Griff an der Tür des Frachtwaggons. Anschließend holte er ein Streichholz hervor, riss es an und entzündete die kurze Schnur. Er wich ein paar Schritte zurück und drückte sich mit den anderen gegen die Seitenwand des Waggons.

Die Ladung explodierte, die Waggontür sprang auf.

Noch bevor sich der Rauch verzog, drangen schon die ersten Banditen in den Wagen ein. Taschen und Koffer flogen ins Freie. Wie die Geier stürzten sich die Männer darauf, schlitzten die Gepäckstücke mit den Bowiemessern auf, wenn sich die Verschlüsse nicht schnell genug öffnen ließen und durchwühlten die Beute.

Geld, Schmuck, Waffen – alles andere war ihnen gleichgültig. Ein Sack mit Post war dabei. Auch den nahmen sich zwei der Kerle systematisch vor.

„Seht zuerst nach den Lohngeldern für die Silbermine in Bear River City!“, rief der Anführer. „Der Rest ist Kleingeld!“

Wenig später wurde eine Kiste gefunden, die mit dem Schriftzug der Utah Territory Mining Company versehen war. Zwei Männer warfen sie aus dem Frachtwaggon. Einer von ihnen sprang hinterher. Er trug am Gürtel außer einem 45er Peacemaker auch noch ein langes Bowiemesser und einen indianischen Tomahawk, dessen Stiel in einem Lederfutteral steckte.

Der Kerl zog den Tomahawk mit der Linken und begann die Holzkiste zu zertrümmern. Schon bald war es kein Problem mehr, an die darin enthaltenen Leinensäcke zu gelangen.

Der Tomahawk-Mann öffnete einen der Beutel und holte ein Bündel mit Geldscheinen hervor. Dem Anführer der Banditen warf er einen zweiten Beutel zu und rief: „Hier, überzeug dich selbst, Jim! Diesmal hat sich der Fischzug wirklich gelohnt!“

In einem der vorderen Waggons fielen plötzlich wieder Schüsse. Die Männer fuhren herum. Der Anführer hängte den Leinenbeutel an seinen Sattelknauf, schwang sich auf sein Pferd und preschte los. Schon nach wenigen Augenblicken erreichte er den Waggon. Er zog seinen rechten Revolver und spannte den Hahn.

Zwei, drei Schüsse tönten noch, dann verebbte die Schießerei im Waggon. Zwei Banditen traten ins Freie. Die Taschen ihrer Jacken waren von Diebesgut ausgebeult. Einer der beiden hatte sich eine goldene Kette mit Bernsteinschmuck um den Hals gehängt. Die Männer steckten ihre Revolver zurück in die Holster.

„Gab’s Probleme?“, fragte der Anführer.

„So ein Narr meinte unbedingt, er müsste sich hektisch bewegen, als er sein Zigarettenetui in der Jackentasche suchte!“, berichtete der mit der Bernsteinkette.

Der andere zuckte mit den Schultern. „Für mich sah es im ersten Moment wie ein Derringer aus“, ergänzte er. „Hinterher habe ich gesehen, dass der Kerl eine Holzhand hatte. Wahrscheinlich eine Kriegsverletzung!“

Der Anführer steckte den Colt wieder ein. „Also ein elender Yankee-Soldat. Um den ist es nicht schade. Machen wir, dass wir wegkommen!“

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Eine Woche später.

Schneidend kalter Wind fegte über das zerklüftete Land. Es hatte in der Nacht etwas gefroren. Jetzt krochen die ersten Sonnenstrahlen als ferner Schimmer über die Hügelkette am Horizont.

Grainger hatte kaum geschlafen; zu kalt, viel zu kalt. Er stellte den Kragen seiner Lammfelljacke hoch und schloss nun auch den obersten Knopf. Mühsam gelang es ihm, das niedergebrannte Lagerfeuer wieder zu entfachen, um sich eine Tasse Kaffee  kochen und den Rest der Bohnen vom Vorabend aufwärmen zu können.

Das Feuerholz war feucht geworden.

Grainger stand auf, nachdem es ihm endlich gelungen war, die Glut wieder zu entfachen. Mit hoch gezogenen Schultern ging er ein paar Schritte auf und ab und rieb sich die Hände. Dabei blickte er zur Hügelkette am Horizont.

Dort, ein paar Meilen weiter südlich, begannen die nördlichsten Ausläufer der großen Salzwüste. Ein Land, so schroff und lebensfeindlich, dass man es den Indianern überlassen hatte. Pawnees, Crowes und manchmal auch Blackfeet zogen durch diese Einöde auf ihrem ständigen Kampf ums Überleben.

Genau dorthin sollte auch Graingers Weg führen.

Der Mann von der U.S. Government Squad ging vor seinem bescheidenen Feuer in die Hocke und rückte den verrußten Wassertopf zurecht. Als er aufblickte, entdeckte er im Osten eine Ansammlung dunkler Punkte. Sie bewegten sich Richtung Süden.

Reiter, dachte er, mindestens ein Dutzend. Vielleicht waren es sogar noch mehr. Er stand auf, schirmte die Augen mit der Hand gegen die Morgensonne ab und beobachtete die Reiter. Immer wieder verlor er sie aus dem Blickfeld, denn sie verschwanden häufig in den Schatten von Felsmassiven.

Ihre Entfernung war schwer zu schätzen. Vielleicht eine Reitstunde, vielleicht eine halbe. Jedenfalls blieb ihm Zeit genug, seinen Kaffee zu trinken und ein paar Bohnen zu essen. Dann räumte er sein Lager auf, sattelte den Braunen, den er seit zwei Wochen ritt und stieg auf.

Offenbar hatte er denselben Weg wie die Meute, die er aus der Ferne gesehen hatte. Auch sie waren in Richtung des Indianergebiets unterwegs. Grainger trieb seinen Gaul an, galoppierte in einem Bogen und schnitt der Reitergruppe auf diese Weise den Weg ab.

Der Mann der U.S. Government Squad hatte sich genauestens mit den Karten beschäftigt, die es inzwischen über dieses Gebiet gab. Sowohl die Mormonen als auch die Oregon-Siedler hatten es durchquert und so war das Utah-Territory schon lange kein weißer Fleck auf der Landkarte mehr.

Grainger ahnte, welchen Weg der Reitertrupp nehmen würde.

Am White Creek band er seinen Braunen im dichten Gestrüpp auf einer Hügelkuppe fest. Der White Creek floss nach Süden und versickerte dort ein paar Dutzend Meilen weiter in einem brackigen Sumpf. Auf dieser Höhe jedoch war das Wasser noch genießbar und für die Männer, die auf dem Weg nach Süden waren, eine willkommene Gelegenheit, ihre Trinkwasservorräte aufzufrischen und die Pferde ausgiebig saufen zu lassen.

Der große Mann zog seine Winchester aus dem Scubbard und schritt zum Rand des Gestrüpps, das fast die gesamte Kuppe eines langgestreckten, flachen Hügels bedeckte. Von hier aus hatte er einen guten Blick auf den Ausgang der schlauchartigen Schlucht. Durch ihren Ausgang führte die günstigste Route Richtung Süden.

Noch hatte Grainger keine Ahnung, wer die Reiter waren, die er gesehen hatte. Doch er hielt sich seit jeher für einen Glückspilz und mit etwas Glück waren es jene Männer, derentwegen ihn die U.S. Government Squad in diese Gegend geschickt hatte.

Die Sonne war inzwischen zur Gänze über den östlichen Horizont gekrochen, aber das bedeutete leider nicht, dass es sehr viel wärmer geworden war. Grainger fröstelte. Er wusste, wie schnell sich in dieser Gegend das Wetter umstellen konnte.

Im Sommer war es mörderisch heiß. Salzstaub bedeckte dann alles. Der Wind trug den Staub überall hin, während die sengende Sonne alles verdorren ließ. Um hier überleben zu können, musste man entweder ein Pawnee-Indianer oder ein Kaktus sein.

Während des eisigen Winters fegten dann häufig Blizzards über das Land, die alles gefrieren ließen und unter einer hohen Schneedecke begruben. Schon im Herbst konnte es deswegen zu gefährlich werden, um nach Westen aufzubrechen. Ungezählten Siedlern waren die plötzlichen Wetterumschwünge schon zum Verhängnis geworden. Ihre Gräber säumten die Trails, die durch dieses Gebiet führten. Und hin und wieder gemahnten bleiche Ochsen- und Pferdeschädel am Wegrand daran, wie schnell für jeden, der sich hierher wagte, die Reise zu Ende gehen konnte.

Endlich preschten die Reiter heran. Schon aus der Ferne war der Hufschlag zu hören. Insgesamt zählte Grainger fünfzehn bis an die Zähne bewaffnete Männer. Tatsächlich ritten sie zum Ufer des White Creeks und stiegen dort aus den Sätteln. Die Gäule dampften. Die Reiter führten sie ins seichte Wasser und ließen sie erst einmal ausgiebig saufen.

So gierig, wie die Pferde soffen und so träge, wie die Reiter sich bewegten, vermutete Grainger, dass die Gruppe die ganze Nacht über geritten war. Reiter und Pferde machten einen erschöpften Eindruck. Nacheinander sanken die Männer in die Uferböschung und streckten sich aus.

Der ratschende Laut einer Winchester, die gerade durchgeladen wurde, ließ Grainger erstarren. Jemand drückte ihm den Lauf einer Waffe ziemlich schmerzhaft in den Rücken.

„Keine Bewegung, Hombre!“, wisperte eine Stimme. „Und hoch mit den Händen.“ Grainger hing am Leben, also hob er die Arme. Der Unbekannte nahm ihm den Revolver und die Winchester ab und warf sie zur Seite.

„Aufstehen!“, befahl er. „Wir werden schon aus dir herausprügeln, wo deine Leute sind.“

„Du machst einen Fehler!“ Grainger drehte sich halb herum.

Ein heiseres Lachen war die Antwort. „Nein, den Fehler hast du gemacht, als du dich an dem Überfall auf den Zug zwischen Ogden und Bear River City beteiligtest!“

Grainger gehorchte und stand auf. Vorsichtig drehte er sich jetzt ganz um. Der Mann, der sich so geräuschlos angeschlichen hatte, war zweifellos ein Indianer oder zumindest ein Halbblut. Die wettergegerbte, dunkelrote Haut wirkte ledrig. Zwei Zöpfe aus blauschwarzem Haar hingen bis zu den Schultern herab. Er trug einen blauen, etwas verblichenen Army-Mantel ohne Rangabzeichen, über den er einen breiten Gürtel mit Revolverholster und Messer geschnallt hatte.

Seine Augen wurden schmal, als er Grainger musterte. „Die Hände noch höher!“

„Ich bin keiner von den Eisenbahnräubern, hinter denen ihr offenbar her seid!“, sagte Grainger.

„Das Gewinsel eines Coyoten hört sich überzeugender an als deine Lüge.“

„Es ist die Wahrheit!“ Graingers Winchester und Revolver hatte der Kerl außerhalb seiner Reichweite auf den Boden geworfen. Den Lauf der eigenen Waffe richtete er auf den Bauch des Mannes, der gut einen halben Kopf größer war als er selbst.

„Jetzt werden wir schön langsam zu den anderen gehen“, forderte er.

„Du gehörst zu der Truppe dort unten?“

„Erraten, Hombre. Und du kannst von Glück sagen, dass es hier so wenig Bäume gibt, an denen man dich aufhängen könnte!“

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Der Indianer trieb Grainger den Hügel hinunter zum Bachufer. Die Männer dort sahen sie kommen und erhoben sich aus der Böschung. Sie sahen müde und abgekämpft aus. Zweifellos hatten sie einen langen, scharfen Ritt hinter sich. Doch die Tatsache, dass einer der ihren einen Gefangenen gemacht hatte, weckte ihre Lebensgeister wieder.

„Wen bringst du uns denn da mit, Cold Blood?“, fragte ein graubärtiger Mann mit leuchtend blauen Augen. Er schien der Anführer der Gruppe zu sein.

„Ich habe einen von den verfluchten Eisenbahnräubern erwischt“, zischte der Indianer. „Er lauerte oben im Dornengestrüpp.“

„Endlich!“ Der Graubärtige trat auf Grainger zu. „War er der einzige dort oben? Von den anderen keine Spur?“

„So ist es“, erklärte der Indianer namens Cold Blood. „Ich habe ihn schon nach den anderen gefragt, aber der Kerl ist nicht besonders gesprächig.“

„Dann werden wir ihm etwas auf die Sprünge helfen müssen“, sagte der Bärtige und seine Stimme klang jetzt wie klirrendes Eis. Er öffnete den Mantel. Sein Revolver kam zum Vorschein und der vergoldete Blechstern an seiner Weste auch.

Grainger zuckte nicht einmal mit der Wimper, als er den Stern sah. Tatsächlich war auch er selbst dieser Bande wegen in die Gegend gekommen. Eine brandgefährliche Horde: Ungefähr hundert Mann, so hieß es, ritten unter dem Kommando eines bisher unbekannten Anführers.

Sie hatten es inzwischen geschafft, den gesamten Bahnverkehr auf der Strecke zwischen Devil’s Slide und Salt Lake City unsicher zu machen. Die Überfälle wurden mit fast militärischer Präzision durchgeführt. Die Bande schlug mit großer Übermacht zu und ging dabei äußerst rücksichtslos vor. Wer sich ihr in den Weg stellte, wurde kaltblütig erschossen.

Kein Wunder, dass ihre Jäger solche harten, zum Äußersten entschlossenen Mienen machten. Grainger musterte die Männer. Das waren Kerle, die keinen Spaß verstanden, weiß Gott nicht!

„Hör zu, Bursche“, sagte der Sternträger bedrohlich leise. „Ich bin Jed McCabe, der Town Marshal von Ogden und diese Männer hier gehören zu einem Aufgebot, das deinesgleichen das Handwerk legen wird! Also empfehle ich dir dringend, den Mund aufzumachen und zwar jetzt. Sonst ziehen wir den Prozess vor, der dich sowieso erwartet!“

Er trat so nahe an Grainger heran, dass der den Schweiß des anderen riechen konnte. „Es wird ein kurzer Prozess, das kannst du mir glauben, Mann.“ Der Town Marshal flüsterte fast. „Und das Urteil vollstrecken wir auf eine Weise, dass du dir wünschen wirst, man hätte dich ganz normal an den Galgen gebracht.“

Grainger sah dem Marshal in die Augen und begriff, dass dieser Mann jedes Wort genau so meinte, wie er es sagte. Und das Unangenehme war: Er wusste, warum dieser Mann gar nicht anders konnte, als hart und unerbittlich zu sein.

Dutzende von Fahrgästen hatten ihr Leben auf der Strecke nach Utah verloren. Die Eisenbahngesellschaft hatte versucht, dem Problem mit bewaffneten Zugbegleitern Herr zu werden. Inzwischen fand man kaum noch Männer, die bereit waren, das Risiko auf sich zu nehmen. Nach jedem Überfall floh die Bande in die Indianergebiete. Für Wochen, manchmal Monate, tauchte sie dort unter. Bisher war es niemandem gelungen, der mörderischen Rotte zu folgen, geschweige denn sie zu stellen.

Es war nur eine Frage der Zeit bis zum nächsten Überfall.

„Hören Sie, McCabe“, sagte Grainger. „Sie sind hinter den Eisenbahnräubern her, die seit einiger Zeit die Gegend unsicher machen – so viel habe ich verstanden. Aber Sie irren sich, wenn Sie glauben, ich würde dazu gehören.“

„So?“ Der Marshal lachte heiser. „Das würde ich an Ihrer Stelle auch sagen.“

„Es ist die Wahrheit, McCabe!“

Die Banditen wussten ganz genau, wann ein Raubzug sich lohnte und wann nicht. Selbst wenn mit einem größeren Kontingent an bewaffneten Begleitern zu rechnen war, schienen sie durch dunkle Kanäle vorher zu erfahren. Die Eisenbahngesellschaft hatte bereits Detektive engagiert, die ihre Mitarbeiter überprüfen sollten. Aber bislang war keine diese Maßnahmen von Erfolg gekrönt worden.

„Die Wahrheit also, so, so.“ Der Marshal feixte und sein Gesicht bekam einen bitteren Ausdruck. „Ein seltenes Gut in dieser Gegend hier.“ Er blickte sich nach seinen Leuten um. Alle hörten sie schweigend zu, alle taxierten Grainger mit feindseligen Blicken. „Na gut, Fremder, erzähl deine Story, das gehört ja zu einem Prozess dazu, schätze ich mal. Warten wir ab, ob sie überzeugend klingt, deine Wahrheit – oder wie das Lügenmärchen eines Banditen!“

„Okay, Marshal.“ Grainger nickte langsam. „Nett, dass Sie mir zuhören wollen.“

Der Mann von der U.S. Government Squad konnte den verbitterten McCabe gut verstehen. Es war kein Vergnügen den Stern zu tragen und ständig mit Mord, Raub und Totschlag konfrontiert zu werden.

Die Sheriffs und Town Marshals in der Gegend waren mit ihren herkömmlichen Methoden nicht in der Lage, dem Gesetz die nötige Achtung zu verschaffen. Und an einen Einsatz der Army war vorerst nicht zu denken. Also war man an die U.S. Government Squad herangetreten und die Geheimorganisation hatte ihren besten Mann in den Einsatz geschickt.

„Mein Name ist Grainger und ich bin in diese Gegend gekommen, weil ich selbst auf der Jagd nach dieser Bande bin.“ Damit sagte er noch nicht einmal die Unwahrheit.

„Als einzelner Mann?“, höhnte McCabe. Er wandte sich an den Indianer. „Was sagst du dazu, Cold Blood?“

„Dieser Kerl spricht mit gespaltener Zunge!“

„Sehe ich auch so.“ McCabe drehte sich wieder zu Grainger um. „Cold Blood ist mein Assistant Marshal. Er ist Cherokee und war Scout während des Bürgerkrieges. Vor allem aber hat er die Fähigkeit, einen Lügner nicht nur zu erkennen, sondern auch zum Reden zu bringen, wenn es sein muss...“

„Schön für Sie, McCabe“, sagte Grainger mit rauer Stimme. „Aber er würde seine Kunst an mir verschwenden. Ich kenne die Verbrecher nicht, die Sie jagen.“

Da die Existenz der U.S. Government Squad absolut im Verborgenen bleiben musste, konnte Grainger McCabes Leuten gegenüber schlecht die Karten auf den Tisch legen. Es musste unbedingt geheim bleiben, in wessen Auftrag er in der Gegend um den White Creek unterwegs war. Zwar war auch Grainger auf seine Weise ein Gesetzeshüter, aber einer ohne Stern oder sonst irgendein offizielles Dokument, das ihn als solchen ausgewiesen hätte. Also musste er diesen Männern eine Geschichte erzählen, die überzeugend genug klang, sodass sie ihn am Leben ließen.

„Ich verschwende meine Kunst nie.“ Cold Blood zog seinen Dolch. „Soll ich dem Kerl die gespaltene Zunge wieder zusammenwachsen lassen?“, wandte der Cherokee sich an den Marshal.

McCabe winkte ab. „Das können wir uns für später aufheben.“

„Wie Sie meinen, Marshal.“

„Ist das alles, was Sie zu sagen haben, Grainger?“, fragte McCabe.

Alle Augen waren auf Grainger gerichtet, während er fortfuhr: „Mein Pferd ist etwa eine halbe Meile von hier entfernt in den Sträuchern auf dem Hügel festgebunden", berichtete Grainger. „Schicken Sie einen Ihrer Männer hinauf, damit er es herholt! Und dann durchsuchen Sie die Satteltaschen. Sie werden nichts finden, was mich mit dieser Bande in Verbindung bringt. Keinen Baumwollsack mit den verschwundenen Lohngeldern der Utah Territory Mining Company oder sonst etwas. Aber diese Männer haben einen meiner besten Freunde auf dem Gewissen. Sie haben die Fahrgäste aufgefordert, ihre Wertsachen und Waffen auszuhändigen und als er ihnen sein Zigarettenetui geben wollte, haben sie ihn abgeknallt wie einen tollwütigen Hund.“

„Das ist doch alles Bullshit, was der Kerl da redet!“, meldete sich einer der anderen Männer zu Wort. „Hängen wir ihn doch einfach auf!“

„Jawohl, kurzen Prozess gemacht mit diesem Mörderpack!“ Die Banditenjäger riefen jetzt durcheinander. „Aber vorher soll er uns noch sagen, wo seine Komplizen sind!“

„So ein Mist, dass es hier keine Bäume gibt!“ Der Indianer sah sich um. „Wir ersäufen ihn im White Creek wie eine Katze! Wie wäre es damit?“

„Gute Idee!“ Die anderen stimmten ihm zu.

Marshal McCabe aber verengte die Augen. Er trat auf Grainger zu und hob die Hand. Damit brachte er seine Leute zum Schweigen. Er wandte sich an Cold Blood. „Such sein Pferd. Ich will mir hinterher keinen Fehler vorwerfen lassen müssen!“

Der Indianer senkte den Kopf. „In Ordnung. Ich muss ohnehin noch meinen eigenen Gaul herholen.“ Er zog ab.

„Sie glauben dem Kerl doch nicht etwa, Marshal?“, rief ein stiernackiger Kerl mit roten Haaren.

„Das wird sich herausstellen, O’Flaherty!“, erwiderte McCabe. Er musterte Grainger abschätzig. „Geben wir ihm doch ruhig noch ein paar Minuten.“

Der große Mann hatte bereits eine Ahnung davon, was den Umschwung in der Haltung des Townmarshals von Ogden bewirkt haben könnte. Die U.S. Government Squad hatte ihrem Agenten über einen ihrer Mittelsmänner umfassend informiert. Dazu hatten auch nähere Angaben zu einem Überfall gehört, der erst vor kurzem auf der Strecke zwischen Ogden und Bear River City von der Bande verübt worden war.

„Wie hieß Ihr Freund, den die Banditen angeblich umgebracht haben?“, fragte McCabe.

Es wurde augenblicklich still. Man hätte in dieser Sekunde einen Aschenkegel von einem Zigarillo fallen hören können. Das aufgebrachte Stimmengewirr, das gerade noch geherrscht hatte, verstummte.

Grainger war sehr bewusst, dass von der richtigen Beantwortung dieser Frage sein Leben abhing. „Er hieß Owen Jennings und betrieb einen Werkzeughandel in Minneapolis. Im Bürgerkrieg hatte Owen seine rechte Hand verloren. Deswegen trug er eine Holzprothese. Er wäre gar nicht in der Lage gewesen, eine Waffe zu ziehen, geschweige denn abzudrücken. Aber das hat diese Kerle nicht gekümmert. Ich war dabei, als man seiner Witwe Marjorie das Telegramm mit der traurigen Nachricht überbrachte. Die Arme ist seitdem nicht mehr dieselbe!“

„Alles Gewäsch!“, polterte der rothaarige O’Flaherty. „Der Kerl denkt sich irgendetwas aus, um davonzukommen.“ Er spuckte vor Grainger auf den Boden. „Gleichgültig, ob er einen Prozess bekommt oder wir ihn gleich töten, er sollte nie wieder ein Pferd besteigen!“

„Bringt ihn um!“ Wieder erhob sich Palaver. Grainger wurde heiß und kalt. „Eine Kugel ist für diesen Bastard noch zu schade!“

Der Town Marshal von Ogden hob erneut die Hand und wieder trat Stille ein. „Nein, es stimmt, was er sagt!“, widersprach McCabe. Er wandte sich an seine Männer. „Ich habe tatsächlich ein Telegramm an die Witwe von Mr. Jennings geschickt. Und ihr Name ist wirklich Marjorie. Ich muss also annehmen, dass dieser Mann die Wahrheit sagt.“

Er drehte sich nach seinen Leuten um. „Oder hat einer von euch eine bessere Erklärung, warum er all diese Einzelheiten weiß?“ Schweigen und betretene Gesichter, sonst nichts. O’Flaherty trat von einem Fuß auf den anderen und nagte an seiner Unterlippe herum.

McCabe aber wandte sich wieder an Grainger. „Ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen, Mr. Grainger.“

„Nichts für ungut, ist ein verdammt harter Job, den Sie tun.“

„Sie verstehen den Ärger dieser Männer sicher besser, wenn ich Ihnen sage, dass die meisten von ihnen Freunde oder Verwandte durch diese Mörderbande verloren haben.“

„Verstehe.“ Grainger blickte in die Runde. „ Doch Hass und Rache sind schlechte Ratgeber – auch wenn ich sehr gut nachvollziehen kann, wie es dazu kommt. Doch man neigt allzu schnell zu Fehlurteilen.“

„Mag sein, aber wir sind keine Heiligen, Grainger!“

„Ich auch nicht.“

„Und erzählen Sie mir nicht, dass es Ihnen nicht um Rache geht, sonst würden Sie es kaum auf sich nehmen, sich in dieses schroffe Land zu wagen. Ein Land, das Gott im Zorn erschaffen haben muss!“

„Es geht mir um das Recht, Marshal.“ Grainger sah dem anderen in die Augen. „Um das Recht, und um sonst nichts.“

„Gibt’s da einen Unterschied?“ McCabe zuckte mit den breiten Schultern. „Ich weiß es selbst nicht.“

Es dauerte nicht lange, bis Cold Blood hoch zu Ross zu den anderen zurückkehrte. Er führte Graingers Braunen am Zügel mit sich. Außerdem hatte er dessen Waffen eingesammelt. Die Winchester steckte im Scubbard, der Remington Revolver hinter seinem breiten Gürtel.

McCabe erzählte ihm, was inzwischen geschehen war. „Ich hätte es selbst nicht geglaubt, aber der Mann hat mich davon überzeugt, dass er nicht zu den Eisenbahnräuber gehört“, schloss er. Cherokee zog wortlos den Remington aus seinem Gurt und warf ihn Grainger zu. Der streckte die Hand aus und fing ihn sicher auf.

„Reiten Sie mit uns?“, fragte Cold Blood. „Ich denke wir können jeden gebrauchen, der in der Lage ist, eine Waffe zu benutzten! Und da Sie ohnehin in der Gegend waren, um die Spur der Banditen aufzunehmen...“ Er wandte sich an seinen Boss. „Oder was denken Sie, McCabe?“

„Allein haben Sie keine große Aussicht, den nächsten Tag zu überleben“, stellte McCabe klar. „Die Eisenbahngesellschaft hat bereits einen Trupp von sechs Pinkerton-Detektiven hinter der Bande hergeschickt. Keiner von denen wurde je wieder gesehen. Die verfluchten Pawnees und Crowes machen kurzen Prozess mit jedem, der in dieses Gebiet eindringt.“

„Ich komme mit Ihnen“, kündigte Grainger an.

„Okay“, sagte McCabe.

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Gemeinsam ritten sie nach Süden ins Indianergebiet. Im Laufe der Vormittagsstunden gab es erste Graupel-Schauer. Kein gutes Omen, dachte Grainger. Ein früher Wintereinbruch konnte die Verfolgung der Banditen völlig unmöglich machen.

Das Aufgebot erreichte eine Einöde, die an Trostlosigkeit kaum zu überbieten war. McCabes Leute hatten auf ihrer Jagd nach den Banditen anfangs eine Spur gehabt. Aber die war längst verloren.

Sie glaubten nur zu wissen, dass die Bande nach jedem Überfall in dieses Gebiet floh und von den Indianern geschützt wurde. „Wir vermuten, dass die Scheißkerle Waffen und Alkohol an die Roten liefern“, sagte McCabe zu Grainger.

Der Weg des Aufgebots führte durch eine lang gezogene Schlucht. Immerhin war die Gruppe hier dem Wind nicht so ausgesetzt. Cold Blood zügelte plötzlich sein Pferd und hielt an. „Was ist los?“, fragte McCabe. „Eine Spur?“

„Nein. Seht euch nicht um.“ Cold Blood tat, als würde er den staubigen Boden betrachten . „Wir werden beobachtet.“

„Crowes?“

„Ich denke, es sind Pawnees.“

„Was sollen wir tun?“

„Ruhig bleiben und weiterreiten, als wäre nichts geschehen.“ Der Cherokee gab seinem Pferd die Sporen. „Aber wir müssen auf einen Angriff gefasst sein.“

Das Aufgebot setzte zunächst den Weg fort. McCabe und seine Männer hatten im Übrigen auch gar keine andere Wahl.

Grainger bemerkte jetzt ebenfalls, dass sich hoch oben an den Hängen etwas tat. Hier und da sah er eine Bewegung aus den Augenwinkeln, kaum mehr als Schatten; manchmal nicht einmal das. Cold Bloods Instinkt und seine Erfahrung als ehemaliger Army Scout waren untrüglich.

Der Weg wurde immer schmaler. Der Trupp musste einen steilen Geröllhang bewältigen. Die Pferde rutschten und strauchelten. Den Männern blieb zeitweilig nichts übrig als aus den Sätteln zu steigen und die Tiere hinter sich herzuziehen.

Endlich erreichten sie ein Plateau. Der Untergrund wurde wieder fester. Die Männer schwangen sich zurück in die Sättel.

„Haben Sie schon irgendwo auch nur ein winziges Stück Feuerholz gesehen, Grainger?“, fragte McCabe.

Grainger schüttelte den Kopf. „Wird ‚ne kalte Nacht werden.“

McCabe wollte noch etwas erwidern. Aber er kam nicht mehr dazu. Ein Schuss traf ihn in die Brust. Er sackte nach vorn. Seine Hände krallten sich um den Sattelknauf. Bevor er auf dem Boden aufschlug, lag Cold Blood schon im Staub und legte sein Gewehr an. Auch Grainger riss seine Winchester aus dem Sattelholster. Aber wohin schießen, wenn man den Gegner nicht sah?

Von allen Seiten hagelte es jetzt Blei, Schusslärm hallte von den Berghängen wider. Der rothaarige O’Flaherty bekam einen Treffer in den Rücken und einen weiteren in den Kopf, noch ehe er seinen Colt aus dem Holster gezogen hatte. Die meisten Männer des Aufgebots waren voll und ganz damit beschäftigt, ihre Tiere zu bändigen. Die Gäule stiegen auf die Hinterbeine, wieherten und waren innerhalb weniger Augenblicke wie von Sinnen.

Die Angreifer saßen in den Bergen verteilt und feuerten drauflos. Von allen Seiten prasselte das Blei nur so auf den Trupp des Marshals herab. Die ersten Toten lagen schon am Boden. Heisere Schreie tönten zwischen den Berghängen und Felsbrocken. Das Kriegsgeheul der Angreifer vermischte sich mit den Todesschreien der Männer, die in dieses bleierne Höllenfeuer geraten waren.

„Pawnees!“, rief Cold Blood grimmig. „So wie ich es gesagt habe!“ Sein Gesicht war zur Maske gefroren. Das Kriegsgeheul der Indianer schwoll an und vermischte sich mit dem Echo der Schüsse.

Grainger ließ den Remington stecken. Die Angreifer waren zu weit entfernt, um sie mit dem Revolver bekämpfen zu können. Stattdessen lud er seine Winchester durch, klemmte sich nach Indianerart seitlich an den Sattel und legte den Lauf der Waffe über den Hals des Braunen. Während er feuerte, ließ er den Gaul voranpreschen.

Nach wenigen Metern wurde sein Pferd an der Seite getroffen. Der Braune stieß ein markerschütterndes Wiehern aus und wurde im nächsten Moment von einer zweiten Kugel erwischt. Der Gaul strauchelte, brach in den Vorderläufen ein, ging wiehernd nieder. Grainger warf sich auf den Boden, um nicht von dem massigen Körper des Tieres begraben zu werden.

Schuss um Schuss feuerte er mit seiner Winchester 44 ab. Immer wieder fuhr seine Hand zum Patronengurt, um nachzuladen. Glücklicherweise konnte er für das Gewehr dieselbe Munition verwenden, wie für den Remington an seiner Seite.

Schreie gellten von allen Seiten. Mehrere der Angreifer stürzten getroffen den Hang hinunter. Aber die meisten Schreie stammten von Angehörigen des McCabe-Aufgebots. Innerhalb der ersten zwei Minuten des Gefechts wurden bereits über die Hälfte der Männer getroffen. Einige gaben ihren Pferden die Sporen und preschten zurück nach unten, zum Ausgang der Schlucht – nicht ahnend, dass dort das Verhängnis auf sie wartete.

Graingers Brauner lag in seinem Blut. Der Mann von der U.S. Government Squad gab dem zuckenden Tier mit dem Remington den Gnadenschuss und duckte sich hinter den Pferdekörper. Er tauchte empor, feuerte mit der Winchester und rettete sich anschließend hinter einen Felsblock.

Dutzende von Geschossen schlugen links und rechts von ihm ein. Eines riss ihm den Hut vom Kopf. Grainger kauerte hinter dem Felsen und begann wieder, die Winchester nachzuladen. Zwölf Patronen fasste das Magazin der Carbine-Ausführung. Er blickte sich um – McCabes Männer verschwanden gerade in der Bergschneise. Warum schoss Cold Blood nicht mehr?

Kaum war Grainger mit dem Laden fertig, verebbte der Bleihagel von den Hängen. Augenblicke lang geschah gar nichts. Nur das Stöhnen der Sterbenden und das Summen der Fliegen, die sich über dem Kadaver und Blut des Braunen sammelten, durchdrangen die Stille.

Die Pawnees kletterten in die Hänge. Wenig später hörte Grainger den Hufschlag galoppierender Pferde auf hartem, steinigem Untergrund. Es konnte nicht lange dauern, bis sie von einer leichter zugänglichen Seite am Ort des Überfalls auftauchten, um sich Pferde und Waffen der Toten zu greifen.

Darauf wollte Grainger nicht warten. Er sprang auf und rannte zu seinem toten Pferd. Kein Schuss heulte über den Hang, die Pawnees lauerten also nicht mehr oben zwischen den Felsblöcken. Er bückte sich und nahm seinem toten Braunen die Satteltaschen ab.

Dann wählte er sich eines der Pferde aus, die das Gemetzel überlebt hatten. Die Pawnees waren anscheinend sehr darauf bedacht gewesen, die Tiere möglichst nicht in Mitleidenschaft zu ziehen. Schließlich gehörten sie zur Beute. Grainger steckte die Winchester in den Scubbard, befestigte seine Taschen und schwang sich in den Sattel.

McCabe kauerte kniend vor seinem Pferd. Nicht weit von ihm lag der Cherokee und rührte sich nicht. Grainger sprang vom Pferd und drehte Cold Blood um. Aus einem kleinen, schwarzroten Loch in seiner Stirn rann Blut.

Grainger half dem Marshal von Ogden in den Sattel. Dieser stöhnte laut. Grainger kletterte wieder auf seinen Gaul und nahm die Zügel von McCabes Pferd. „Durchhalten, McCabe! Ich nehme Sie mit!“

„Blödsinn!“, stöhnte der Sternträger. „Sie schaffen... es... nicht...“

„Lassen Sie das meine Sorge sein, Marshal!“

Schüsse explodierten jetzt am Ausgang der Schlucht. Schreie hallten zwischen den Felsen wider. Die letzten Überlebenden aus dem Aufgebot des Marshals von Ogden wurden gerade von der erdrückenden Übermacht der Pawnees niedergemetzelt. Anders konnte Grainger sich den Lärm nicht erklären.

Das Ganze dauerte nur wenige Augenblicke. Der Lärm des Kampfes ebbte ab. Dann herrschte Ruhe. Grainger trieb sein Pferd voran und zerrte McCabes Gaul hinter sich her.

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Eine Stunde lang ritt Grainger in scharfem Galopp. Wieder und wieder drehte er sich nach McCabe um. Der Marshal klammerte sich mit beiden Händen am Sattelknauf fest. Trotz seiner schlimmen Verwundungen hielt er sich einigermaßen aufrecht. Er war mehr tot als lebendig. „Lassen Sie mich zurück“, stöhnte er immer wieder. „Lassen Sie mich doch einfach zurück.“

Grainger lehnte das ab. Er brachte den Marshal zusammen mit den Pferden zu einer geschützten Stelle unter einer überhängenden Felswand. Dort holte er McCabe aus dem Sattel und bettete ihn auf seinen Regenmantel.

Er zerriss ein Ersatzhemd, das er in seiner Satteltasche mit sich führte und versorgte McCabes Wunden mit einem provisorischen Verband. McCabe deutete dauernd auf sein Pferd. „Whisky!“, murmelte er.

Grainger begriff, was der Andere meinte, sah in den Satteltasche nach und fand einen Flachmann mit Whisky. Der musste zur notdürftigen Desinfizierung der Schusswunde herhalten.

„Besser Sie lassen mich zurück, Grainger!“

„Der Schuss ist glatt durch die Lunge gegangen. Sie haben eine Chance, McCabe.“

„Ach was...“

„Ich bringe Sie nach Ogden.“ 

„Das kann Sie den eigenen Kopf kosten. Wenn die Roten uns auf den Fersen sind, sind wir geliefert!“

„Ich denke, den Pawnees ist die Beute im Moment viel wichtiger als die Jagd auf uns.“ Grainger nahm seine Winchester. „Ich werde die Lage auskundschaften.“ Er ließ den Marshal unter der überhängenden Felswand und im Schatten einiger Felsbrocken zurück und kletterte in die Felsen bis er einen erhöhten Aussichtspunkt fand. Von dort aus spähte er in die gespenstische Felsenlandschaft. Von den Pawnees war nirgends etwas zu sehen.

Wenn sie Glück hatten, verzichteten die Indianer darauf, ihn und McCabe zu verfolgen. Wenn es stimmte, dass die Banditen die Indianer dafür bezahlten, ihnen den Rücken freizuhalten, dann lag das nahe. Schließlich war bei den Pawnees keinerlei persönliches Motiv im Spiel. Weder Rache noch verletzte Ehre oder dergleichen.

Grainger kehrte schließlich zu McCabe zurück. „Wir müssen weiter, Marshal.“

Der Mann der U.S. Government Squad half McCabe auf sein Pferd. Anschließend schwang er sich selbst in den Sattel. McCabe hielt sich am Knauf fest. Er blinzelte. Ob er es tatsächlich bis nach Ogden schaffte, erschien Grainger keineswegs als ausgemacht. Obwohl er sich dessen bewusst war, wollte er es versuchen.

Er führte McCabes Pferd am Zügel hinter sich her, sodass sich der Town Marshal nur darauf konzentrieren musste, nicht aus dem Sattel zu rutschen.

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Bis zum Abend zeigte sich kein einziger Pawnee. McCabe ging es immer schlechter. Grainger gönnte den Pferden in der Nacht nur eine kurze Pause. So gut es ging, versorgte Grainger McCabes Wunden aufs Neue. Schon vor dem Morgengrauen setzten sie ihren Weg Richtung Norden fort.

Um die Mittagszeit hatte Grainger das Gefühl, beobachtet zu werden. Zweifellos von Indianern, denn ein Weißer wäre kaum in der Lage gewesen, ihnen unbemerkt zu folgen.

„Vielleicht ist es den Pawnees ganz recht, wenn jemand entkommt und davon berichten kann, was mit dem Rest des Aufgebots geschehen ist“,  dachte Grainger laut.

„Schon möglich.“ McCabes Stimme war nicht mehr als ein heiseres Krächzen. „Soll ich Ihnen was sagen, Grainger? Ich persönlich habe die Theorie, dass es im Indianergebiet gar keinen Unterschlupf gibt.“

„So?“

„Die Bande reitet in die Salzwüste, lässt sich von den Roten den Rücken freihalten, und wenn der Abstand groß genug ist, trennen sie sich einfach und kehren auf unterschiedlichen Wegen in besiedeltes Land zurück. Wo sollten sie sonst unterkriechen? In irgendeiner Höhle?“

„Warum nicht?“

„Das letzte Mal sind den Misthunden die Lohngelder der Mining Company in die Hände gefallen. Wenn Sie so viele Dollars in der Tasche haben, dann wollen sie die auch genießen, verstehen Sie Grainger? Kerle wie die haben doch keine Lust den Salzstaub von den Kakteen zu kratzen, damit sie deren bitteren Saft trinken können, weil es ansonsten im Umkreis von hundert Meilen kein einziges Wasserloch gibt! Kerle wie die, ziehen los und hauen die Beute mit Huren, beim Spiel und für Whisky auf den Kopf.“

Der Mann von der U.S. Government Squad dachte nach. „Da ist was dran“, sagte er schließlich.

Grainger hätte die Spuren der Bande trotzdem gerne weiter in die Wüste hinein verfolgt. Aber das hätte für den Marshal unweigerlich den Tod bedeutet. Also fand Grainger sich zunächst einmal damit ab, nach Ogden zurück zu reiten.

Am Nachmittag gab ihr Verfolger seine Tarnung auf. Die Gestalt eines Reiters tauchte auf der Kuppe eines Hügels auf und blieb dort ruhig stehen. McCabe sah den Reiter auch. Ein Indianer, das verriet seine Silhouette von weitem.

„Ich habe ein Fernglas“, sagte McCabe. Er versuchte zu seiner Satteltasche zu langen, stöhnte auf und ließ es dann bleiben. Grainger ritt an ihn heran und holte das Glas aus der Tasche.

„Danke, Grainger, danke für alles..“

Grainger nickte nur knapp. „Für Pawnees waren die verdammt gut bewaffnet, als sie uns angriffen.“

„Ja. Repetiergewehre und Winchester-Karabiner“, krächzte McCabe. „Dazu so viel Munition, dass sie nicht sparen mussten. Ich wette, die Waffen stammen von den Banditen.“

Grainger spähte durch das Fernglas. „Merkwürdig, dass er sich zeigt.“

„Eine Falle“, stöhnte der Marshal.

Grainger sah sich den Krieger dort oben auf dem Hügel genauer an. „Eine Frau!“, stellte er erstaunt fest.

Fasziniert betrachtete Grainger die Squaw. Das blauschwarze Haar fiel ihr weit über die Schultern. Ein Stirnband hielt es zusammen. Es war anzunehmen, dass sie eine Pawnee war. Allerdings fiel Grainger auf, dass ihr Pferd einen Sattel trug, wie ihn normalerweise die Cowboys verwendeten. Auch die Satteltaschen und der Scubbard sahen nach Ausrüstung von Weißen aus. Vielleicht Beutestücke, dachte Grainger. Auf jeden Fall war es ungewöhnlich, dass sie als Kriegerin hinter ihnen hergeschickt worden war.

„Wir werden die Augen aufhalten müssen, McCabe.“

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Im Verlauf des folgenden Tages zeigte sich die Indianerin nicht mehr. Eine kurze, kühle Nacht verbrachten Grainger und McCabe noch im Freien. McCabe hatte inzwischen schweres Wundfieber. Grainger fragte sich ernsthaft, ob der Marshal es noch bis Ogden schaffen würde. Als sie gegen Mittag des folgenden Tages die Stadt erreichten, war der Marshal so gut wie tot. Er reagierte nicht mehr, wenn er ihn ansprach, sein Atem flog, kalter Schweiß stand auf seiner glühend heißen Stirn und sein Puls raste.

Grainger fragte den erstbesten Passanten, eine ältere Frau, auf dem Sidewalk der Main Street nach dem Arzt. Die Lady schluckte, als sie das nasse, aschgraue Gesicht McCabes sah. „Das ist ja unser Marshal“, stöhnte sie. Sie führte Grainger zum Ende der Straße, wo das Haus eines gewissen Dr. Brent O’Hines stand.

O’Hines musste erst aus dem Saloon geholt werden. Nach kurzer Zeit hatte sich eine Traube von Bürgern um Grainger gebildet. Sie löcherten ihn mit Fragen.

„Was ist mit den anderen Männern des Aufgebots?“, fragte eine Frau.

Es blieb Grainger keine Wahl, als die bittere Wahrheit auszusprechen. „Sie sind alle tot“, erklärte er. Daraufhin herrschte Schweigen und nichts als Schweigen. Grainger deutete auf das Pferd, auf dem er geritten war. „Dieser Gaul gehörte einem der Männer. Ich habe ihn nicht gekannt, aber ich möchte das Tier gerne zurückgeben.“

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In Ogden gab es eine Telegraphenstation. Über diese Station nahm Grainger Kontakt mit einem Mittelsmann der U.S. Government Squad in Minneapolis auf. Er informierte ihn über den niederschmetternden Verlauf seiner Mission.

Danach mietete er sich in einem Hotel ein. Der Saloon im Erdgeschoss hieß The Drunken Cheyenne. Grainger setzte sich an die Theke, bestellte Stew und aß schweigend. Er hatte schon zuversichtlichere Tage erlebt, alles was recht war. Doch die Prügel, die er bezogen hatte, stärkte nur seinen Entschluss, die verdammten Eisenbahnräuber hochzunehmen.

Nach dem Essen bestellte er einen Kaffee und einen doppelten Whisky. Manchmal brauchte er diese Kombination einfach. Eine Weile hörte er den Gesprächen der Männer an der Theke zu. Er bemerkte ein Mädchen, eines der Salon Girls, das ihn beobachtete.

Sie war blond, besaß ein feingeschnittenes Gesicht mit meergrünen Augen, die ihn herausfordernd ansahen. Schöne Augen, schönes Mädchen. Ja, genau das war es, was er jetzt brauchte.

Er bestellte einen zweiten Whisky, den er auf McCabes Wohl trinken wollte und wechselte von der Theke an einen kleinen Tisch neben der Treppe. Dort hatte er einen Überblick über den Schankraum und saß selbst im toten Winkel.

Es lief, wie es immer lief zwischen einsamen Männern und gewissen Ladys. Die Frau kam an seinen Tisch. „Geben Sie mir einen Drink aus?“

Grainger sah auf und musterte sie kurz. Ihr Kleid brachte die aufregende Silhouette ihres sehr weiblichen Körpers gut zur Geltung. Die Strapazen der vergangenen Tage traten plötzlich in den Hintergrund, Graingers Lebensgeister regten sich wieder.

„Setzen Sie sich, Ma’am. Ich war tagelang in der Wildnis des Südens. Da ist die Gesellschaft einer schönen Frau eine willkommene Abwechslung!“

„Danke. Mein Name ist Nora.“

„Ich heiße...“

„Ich weiß, wie du heißt!“, hauchte sie in sehr viel intimeren Tonfall. „Die ganze Stadt weiß es – Grainger!“

Die Nachricht vom tragischen Ende des Aufgebots hatte sich offenbar in der Zeit, die Grainger auf der Telegraphenstation verbracht hatte, bereits überall verbreitet.

„Ich konnte nichts tun – außer dem Marshal das Leben retten. Jedenfalls hoffe ich, dass es nicht zu spät war. Ob er durchkommt, ist ja noch nicht gesagt.“

„Dr. O’Hines ist kein Quacksalber. Er versteht sein Fach.“

„Wollen wir es hoffen!“

„Ich habe noch nie von dir gehört, Grainger.“

„Ich komme nicht aus der Gegend.“

„Dachte ich mir schon.“

In diesem Augenblick flogen die Saloon-Türen zur Seite. Fünf Männer traten ein. Die Jacken und Mäntel waren zur Seite geschlagen, die Hände an den tiefgeschnallten Revolvern.