Inhaltsverzeichnis

Starke Krimis für den Urlaub

Copyright

DER MÖRDER IRRTE

Travers im Netz des schwarzen Satans

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Die Rückkehr des Mörders

Die Hauptpersonen des Romans:

Prolog

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DER HOLLYWOOD-KILLER

Travers und die Jagd auf Cora

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Wir fanden Knochen

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Der Mann mit den 1000 Gesichtern

Die Hauptpersonen des Romans:

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DEN TOD VOR AUGEN

Starke Krimis für den Urlaub

von Alfred Bekker, Uwe Erichsen & A. F. Morland

Der Umfang dieses Buchs entspricht 602 Taschenbuchseiten.

Krimis der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre. Mal provinziell, mal urban. Mal lokal-deutsch, mal amerikanisch. Und immer anders, als man zuerst denkt.

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

Alfred Bekker: Der Mörder irrte

Uwe Erichsen: Travers im Netz des schwarzen Satans

A. F. Morland: Die Rückkehr des Mörders

Alfred Bekker: Der Hollywood-Killer

Uwe Erichsen: Travers und die Jagd auf Cora

Alfred Bekker: Wir fanden Knochen

A. F. Morland: Der Mann mit den 1000 Gesichtern

Alfred Bekker: Den Tod vor Augen

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Authors /Cover Firuz Askin

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

DER MÖRDER IRRTE

von Alfred Bekker

Janice schlug das Herz bis zum Hals. Alles war ganz schnell gegangen und jetzt lag ihr Mann Graham lang ausgestreckt auf dem Teppichboden. Er hatte ein kleines, rotes Loch in der Stirn. Im Fenster war ebenfalls ein Loch. Janice warf einen Blick hinaus in die Dunkelheit. Der Wind wehte die Ziersträucher hin und her. Sie atmete tief durch und ging dann zum Telefon. Mit zitternden Händen nahm sie den Hörer. "Hallo?", flüsterte sie. "Bitte geben Sie mir die Mordkommission!"

*

Die Polizei rückte schnell an. Männer von der Spurensicherung untersuchten den Tatort und ein Inspektor namens Crowley versuchte von Janice ein paar Anhaltspunkte zu bekommen, wer ihren Mann wohl umgebracht haben könnte. Janice wirkte zunächst wie versteinert. Als sie sich schließlich etwas gefasst hatte, erklärte sie: "Der Schuss kam von draußen und ging durchs Fenster. Mein Mann war sofort tot!" Sie kämpfte mit den Tränen. "Ihr Mann - Graham Dickson - ist Verleger, nicht wahr?", fragte Crowley vorsichtig. "Ja, ihm gehören eine Reihe von regionalen Tageszeitungen." "Können Sie sich vorstellen, wer ein Motiv gehabt haben könnte, ihn umzubringen - oder umbringen zu lassen?" Janice runzelte die Stirn. "Was?" "Wir müssen erst die Laborberichte abwarten, aber auf den ersten Blick sieht mir das ganze wie die Arbeit eines Profis aus!" Der Inspektor bedachte Janice mit einem ernsten Blick. "Versuchen Sie sich zu erinnern! Ihr Mann wird als Zeitungsverleger sicher jemandem auf die Füße getreten haben!" Janice nickte. "Natürlich!", sagte sie. "Aber ich glaube, dass mein Mann meinetwegen sterben musste..." Und als sie das sagte, begann sie kurz zu schluchzen. Inspektor Crowley wartete geduldig ab und gab der Witwe ein Taschentuch. Dann fragte er: "Wie meinen Sie das?" "Kommen Sie mit!", forderte Janice den Inspektor dann auf. Sie gingen zu einem Schreibtisch. Janice öffnete eine Schublade und holte einen zusammengeklebten Drohbrief heraus. "Der kam heute mit der Post!" Crowley nahm den Brief an sich. 'Heute wirst du sterben, Janice Moran!' stand dort. "Moran - ist das Ihr Mädchenname?", fragte Crowley. Sie nickte. "Graham und ich standen beide am Fenster. Der Mörder hat mich einfach verfehlt und meinen Mann getroffen, als dieser plötzlich einen Schritt nach vorn machte..." "Haben Sie irgend etwas sehen können?" Sie schüttelte den Kopf. "Nein. Wir hatten Licht an und draußen war es dunkel, so dass die Scheiben wie Spiegel wirkten..." "Verstehe... Haben Sie einen Verdacht, wer den Brief geschrieben haben könnte?" "Ja", sagte Janice. "Ich bekomme solche Briefe seit zwei Wochen und habe sie bisher nicht ernstgenommen. Aber wenn ich darüber nachdenke..." Sie sah auf. "Wissen Sie, ich habe als Journalistin gearbeitet, bevor ich geheiratet habe." "Bei einer der Zeitungen, die ihrem Mann gehörten?" "Ja. Ich habe keine besondere Karriere gemacht, war in der Lokalredaktion... Aber eine brisante Sache war doch dabei! Ein Finanzskandal um eine Versicherungsgesellschaft hier in der Gegend." "Ich erinnere mich dunkel", erwiderte Crowley. Und Janice erklärte: "Einer der leitenden Angestellten hat mit dem Geld der Versicherten spekuliert und damit das Unternehmen ruiniert. Er hat ein paar Jahre Gefängnis bekommen und müsste eigentlich wieder auf freiem Fuß sein. Sein Name war Peter Stevens. Ich glaube nicht, dass er je wieder einen Job in seiner Branche bekommen wird! Finden Sie nicht, dass das ein Motiv wäre?"

*

Peter Stevens lebte seit seiner Entlassung aus der Haft von der Fürsorge. Und sofern er je wieder etwas verdienen würde, das über das Existenzminimum hinausging, würde eine ganze Legion von Geschädigten vor seiner Tür stehen und dafür sorgen, dass alles eingezogen wurde. Crowley traf ihn in einem schäbigen Ein-Zimmer-Apartment. Stevens schien einen Vollrausch gerade halbwegs ausgeschlafen zu haben und rieb sich die Augen. "Crowly, Mordkommission!", sagte Crowley "Was wollen Sie von mir?", fragte Stevens ziemlich mürrisch. "Sie kennen eine gewisse Janice Dickson, ehemals Janice Moran?" Mit demonstrativer Gleichgültigkeit hob Stevens die Schultern. "Ist sie tot?", fragte er dann.

"Na, weil Sie doch von der Mordkommission sind!" "Der Mörder hat ihren Mann erschossen, nicht sie." Stevens zuckte die Achseln. "Das tut mir leid", sagte er. "Ich hätte dieser Schlange alles Schlechte gegönnt!" "Sie hat Sie ruiniert, nicht wahr?", stellte Crowley fest. Stevens nickte und strich sich das Haar zurück. "Ja", sagte er düster. "Ich werde sicher niemals wieder einen Job bekommen! Nicht einmal als Buchhalter!" "Janice Dickson vermutet, dass nicht Ihr Mann, sondern sie das Opfer hätte sein sollen und der Täter sein Ziel nur verfehlt hat!" Crowley holte den zusammengeklebten Drohbrief aus der Tasche und hielt ihn Stevens unter die Nase. "Kennen Sie den?" Stevens wurde blass.

Auf einmal ging sein Blick unruhig im Zimmer umher. Diese Reaktion war für Crowley so gut wie eine Antwort. Er ging zu dem überfüllten Papierkorb, der aussah, als hätte sein Besitzer ihn wochenlang nicht geleert, und stieß mit dem Fuß dagegen. Der Inhalt kippte auf den Boden. Crowley wühlte in den Schnipseln und alten Tageszeitungen herum, bis er gefunden hatte, wonach er suchte: Eine Illustrierte, in deren Text herumgeschnitten worden war. "Der Fall dürfte klar sein", meinte er mit einem Blick auf den völlig fassungslosen Stevens.

*

Janice Dickson schien überrascht, als der Inspektor sie am nächsten Tag besuchte. "Waren Sie bei Stevens?" "Ja", nickte Crowley. "Er hat offensichtlich den Drohbrief geschrieben!" "Dann haben Sie ihn hoffentlich verhaftet!" "Ja.

Aber Stevens war nicht der Mörder Ihres Mannes!" Janice kniff die Augen zusammen. "Und was macht Sie da so sicher?" "Der Laborbericht", erklärte Crowley.

"Ihr Mann ist nicht durch die Kugel getötet worden, die von draußen abgefeuert wurde. Der Mörder hat ihn aus nächster Nähe erschossen." "Das heißt, dass es eine zweite Kugel geben müsste!", folgerte Janice. "Ja", erwiderte Crowley. Er deutete auf einen bestimmten Punkt an der Decke. Ein Kratzer war dort zu sehen. Crowley wandte sich an Janice. "Selbstverständlich waren Sie so klug, die Kugel zu entfernen, Mrs. Dickson! Nachdem Sie Ihren Mann erschossen haben, sind Sie hinaus in den Garten gelaufen und haben von dort einen zweiten Schuss durch die Scheibe abgegeben, damit der Eindruck entstand, als sei von dort der tödliche Schuss gefallen." "Und warum sollte ich das getan haben?", fragte Janice tonlos. "Aus Habgier", erklärte Crowley. "Sie wollten das Zeitungsimperium erben, auf das Sie bei einer Scheidung wahrscheinlich keinen Anspruch gehabt hätten. Mr.Dickson hatte in dieser Hinsicht mit einem Ehevertrag vorgesorgt! Tut mir leid, ich muss Sie verhaften!" "Das sind doch alles nur Indizien!", rief Janice. "Keine Beweise!" "Oh, habe ich das vergessen? Meine Leute haben sich doch gestern Nachmittag Ihren Garten vorgenommen und dabei den Abdruck eines Damenschuhs an genau der Stelle gefunden, von der der Schuss von draußen abgegeben worden sein muss! Schuhgröße 38, die tragen Sie doch auch!"

"Das ist unmöglich!", rief Janice. "Das ist völlig unmöglich! Und wenn, dann kann der Abdruck nicht aus jener Nacht stammen!" Sie lief ziemlich aufgeregt zum Fenster, öffnete es und rief den Gärtner herein, der schließlich auch kam.

"Würden Sie dem Inspektor bitte bestätigen, dass Sie vorgestern morgen das Bethunien-Beet geharkt haben?" Ehe der Gärtner antworten konnte, fragte Crowley:" Woher wissen Sie, dass von dort aus geschossen wurde? Ich hatte das nicht erwähnt!"

ENDE

Travers im Netz des schwarzen Satans

von Uwe Erichsen

Als ein amerikanischer Geologe im Hochland des kleinen unabhängigen afrikanischen Staates Malomwe entführt wird, beauftragt das US-Außenministerium seinen besten Mann, den Spezialagenten Cal Travers, um den Wissenschaftler zu finden und die Hintergründe für sein Verschwinden aufzudecken. Denn die USA stehen mit dem Regierungspräsidenten von Malomwe, Ulu Alama, wegen des Baus eines Militärflughafens in Verhandlungen. Aber auch die Russen und China haben ein Auge auf dieses strategisch wichtige Land in Ostafrika geworfen und könnten die Drahtzieher sein. Oder waren die Entführer einheimische Rebellen? Für den Top-Agenten beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, als auch die schöne Chutu-Prinzessin Me entführt wird.

1

Frank Donahue spürte es genau — etwas war anders als an den vergangenen Tagen. Er hielt inne, und weil ihn die kleine Flamme blendete, blies er das Streichholz aus, mit dem er die Pfeife anzünden wollte.

Er lauschte in die Nacht. Nichts war zu hören. Nicht einmal der Wind erzeugte ein Geräusch. Aber er war da, man spürte ihn. Während des Tages erinnerte er an den Luftzug, der aus der geöffneten Tür eines Backofens strömt. Und auch jetzt bot er keine Kühlung.

Donahue legte die Pfeife auf den Klapptisch und stand auf. Er verließ das Schutzdach vor seinem Schlafzelt. Ein paar Schritte abseits brannte das Lagerfeuer. Im zuckenden Schein der Flammen erkannte der Amerikaner das große Zelt, in dem das Labor untergebracht war. Am Feuer sah er die großen stämmigen Schwarzen, die schweigend kleine Stücke getrocknetes Fleisch kauten.

Es waren Chutus. Männer vom Stamm der Chutus galten als mutig, und er war froh, an diese Männer geraten zu sein.

Absolute Stille herrschte. Unheimlich, bedrohlich.

Und dann zuckte Donahue zusammen.

Er hatte nichts gehört, und trotzdem wusste er, dass außerhalb des Lichtkreises, den das Lagerfeuer warf, die Gefahr lauerte. Sie waren nicht allein. Donahue wusste es. Da draußen lauerten Augen, vielleicht hatte er den Widerschein einer auflodernden Flamme im Weiß eines Auges gesehen.

Außerhalb des Feuers herrschte samtschwarze Nacht. Donahue stieß mit dem Knie gegen einen Stuhl. Er bückte sich rasch, um den Stuhl am Umkippen zu hindern. Dabei nahm er den Revolvergurt an sich, der auf dem Stuhl lag. Er behielt den schweren Ledergurt in der linken Hand. Die Rechte legte er an den Kolben des Smith & Wesson. Das Metall fühlte sich angenehm kühl an.

Donahue bewegte sich langsam nach links, und er starrte in die Dunkelheit, wartete darauf, dass seine Augen sich nach dem Blick ins Feuer wieder an die Finsternis gewöhnten.

Wer lauerte da draußen? Die Tiere des Hochlandes mieden die Lagerstätten der Menschen, das wusste Donahue. Wenn ein wildes Tier um das Lager streichen würde, müssten die Chutus unruhig werden. Die Instinkte der Schwarzen funktionierten garantiert besser als seine eigenen, dachte Donahue.

Donahue blickte über seine Schulter zurück. Das war ein Fehler, denn jetzt sah er wieder ins Feuer. Die Schwarzen starrten ihm nach. Er sah ihre dunklen Gesichter, die ihm in den wenigen Tagen seltsam vertraut geworden waren.

Was er nicht sah, waren die muskulösen Gestalten, die draußen in der Dunkelheit hockten. Männer mit nackten Oberkörpern, schwarze, wie Ebenholz schimmernde Haut, darüber die gekreuzten Patronengurte mit den stumpf schimmernden Bleigeschossen. Acht Männer. Lauernde Gestalten, die das Lager beobachteten. Donahue starrte in die Dunkelheit hinaus. Die Chutus verrieten keine Unruhe. Vielleicht kennen sie einfach keine Angst, dachte der Amerikaner. Donahue zog den schweren Revolver aus dem Holster und spannte den Hahn. Das scharfe metallische Klicken, mit dem der Hammer einschnappte, war weit zu hören.

Das Schnappen wirkte wie ein Signal. Plötzlich explodierte die Dunkelheit. Feuerlanzen stachen durch die Finsternis, sie zerfetzten die Stille, brüllten, betäubten Donahues an die Stille gewöhnte Ohren. Er ließ sich auf die Knie fallen und riss die Hand mit der Waffe in die Höhe. Er hörte die Schreie der Chutus durch das Bellen der Schüsse, und er wusste, dass die Schüsse ihnen galten, denn er hatte gesehen, wie die erste Garbe einem der Männer die Brust zerfetzte.

Donahue sah im Aufblitzen des Mündungsfeuers den Umriss einer Gestalt. Er schoss sofort. Die schwere Waffe in seiner Hand ruckte. Gegen die Maschinenwaffen und die Schnellfeuergewehre des Feindes draußen klangen die Revolverschüsse heiser und beinahe harmlos.

Dennoch schien er einen der heimtückischen Schützen getroffen zu haben, denn er hörte einen gellenden Schrei. Die Schüsse aus der Dunkelheit brachen ab.

Donahue ließ sich nach vorn auf den harten Boden fallen. Er atmete flach, starrte in die Dunkelheit, die ihr Geheimnis bewahrte. Er konnte nicht denken. Er lebte, hatte den ersten Feuersturm überlebt. Aber er fragte sich nicht, was geschehen war und warum. Es war so sinnlos.

*

Er blickte zurück. Das Feuer war heruntergebrannt. Er sah die dunklen Erhebungen rings um das Lagerfeuer herum, er sah die mächtige Gestalt des Anführers seiner kleinen Hilfstruppe, die jetzt verkrümmt mitten in der Glut lag und sich nicht mehr bewegte.

Donahue wandte den Kopf ab. Sie waren tot. Alle fünf. Seine Chutus. Jetzt hätte er die Frage am liebsten hinausgeschrien.

Warum? Warum?

Er wartete. Sie waren da. Sie verhielten sich jetzt still. Donahues Nackenhaar stellte sich auf, als er die schnelle Bewegung in seinem Rücken spürte. Er warf sich herum, streckte den Arm aus, sein Finger riss den Abzug durch.

Die Waffe brüllte auf. Die schwere Kugel stoppte die Gestalt mitten im Sprung. Donahue wälzte sich zur Seite, damit der Getroffene nicht auf ihn fiel und ihn unter sich begrub.

Doch da waren andere. Von allen Seiten sprangen hünenhafte Gestalten aus der Dunkelheit, waren blitzschnell über ihm, bevor er noch einmal den Finger am Abzug krümmen konnte.

Sie warfen ein Netz über ihn, sie stießen ihn mit ihren nackten Füßen und rollten ihn so lange über die Erde, bis er sich nicht mehr bewegen konnte.

2

In Nairobi hatte Travers sofort Anschluss bekommen, sodass er noch am späten Nachmittag in Malomwe eintraf. Er sah aus dem runden Kabinenfenster auf das rotbraune Land hinunter, als die Maschine zum Landeanflug ansetzte. Er erkannte die Gras- und Lehmhütten am Rand der Hauptstadt Arbora, er sah aber auch die großzügig angelegte Innenstadt mit dem quadratischen, hellgrün leuchtenden Park um den Regierungspalast herum. Der Flughafen lag im Westen der Stadt. Zwei sich kreuzende schnurgerade Pisten in der Savanne, ein von Israelis erbauter Tower und ein paar flache Wellblechhallen. Das war der Flughafen einer afrikanischen Hauptstadt, deren Namen Travers bis gestern nahezu unbekannt gewesen war.

Travers sah dem Schatten der Maschine nach, der über den braunen Boden huschte, langsam größer und schärfer wurde.

Die DC8 strich über Häuser und Parks hinweg. Travers erkannte eine Bahnschiene, das dunkelblaue Wasser eines Flusses, dann setzte das Flugzeug ruckend auf. Die Turbinen pfiffen schrill, als der Umkehrschub einsetzte, dann rollte die Maschine bereits auf eine der Hallen zu.

Travers blickte auf. Die wenigen Mitreisenden — vier Schwarze und drei Weiße — standen bereits im Gang. Die schwarze Stewardess lächelte, und Travers hatte das Gefühl, als ob das Lächeln speziell ihm galt. Er lächelte zurück, herzlich sogar. Es war immer gut, wenn man eine freundliche Seele in der Nähe wusste.

Nach der klimatisierten Luft in der Kabine traf ihn die Hitze draußen auf der Passagiertreppe wie ein Schlag. Er hatte mit Hitze gerechnet, aber nicht mit diesen Backofentemperaturen.

Langsam stieg er die Stufen hinab. In der Hand trug er seinen flachen Metallkoffer, über dem Arm lag die Jacke. Er fischte den Pass heraus und reihte sich hinter den anderen an der schmalen Tür zur Halle ein. Die tiefstehende Sonne brannte auf seinen Rücken.

Die Farbigen drängten sich vor, sie schnatterten auf den schwarzen Passbeamten ein und durften passieren. Die Pässe der Weißen wurden vom Umschlag bis zur letzten Seite genau geprüft.

Die Weißen waren zwei Tschechen, Militärberater, schätzte Travers, und ein Franzose. Die Passbeamten nahmen die Tschechen zur Seite. Ein Mann in einer hellbraunen Uniform blieb zurück. Er untersuchte den Pass des Franzosen. Die Prozedur dauerte eine Viertelstunde.

Dann war Travers dran. Er hatte gesehen, dass der Polizist die Angaben aus dem Pass des Franzosen in eine Liste eingetragen hatte.

Travers legte seinen Pass auf das Pult. Er spürte eine Bewegung hinter sich und drehte sich um. Die schwarze Stewardess in ihrer blauroten Uniform zwängte sich an ihm vorbei. Sie lächelte ihn an. Sie hatte ein zierliches, ovales Gesicht mit glatter Haut und vollen roten Lippen. Sie winkte dem Polizisten hinter der Sperre zu und ging durch die Halle. Travers sah ihr nach. Sie trug einen kleinen Lederkoffer. Etwas später folgte die Crew. Die Besatzung der DC8 von der Air Togo legte die vorgeschriebene Rast hier in Arbora ein, vermutete Travers.

Der Beamte beschäftigte sich sehr lange mit Travers' Pass, doch Travers bemühte sich, seine Ungeduld mit keiner Geste zu verraten. Smith hatte nicht durchblicken lassen, ob die Behörden von Malomwe über Travers' Mission unterrichtet waren oder nicht, weshalb Travers es für besser hielt, keinerlei Aufsehen zu erregen. Natürlich mussten die Behörden von Malomwe daran interessiert sein, das Schicksal des verschwundenen amerikanischen Geologen Frank R. Donahue so rasch wie möglich aufzuklären.

Es hatte einen Notenwechsel gegeben und unbefriedigende Erklärungen des Außenministers von Malomwe. Es gebe eine äußerst aktive Rebellenbewegung, die für die Entführung des Geologen verantwortlich zu machen sei. Der CIA hatte wieder einmal nicht mit schlüssigem Material aufwarten können. Von einer starken Rebellenbewegung war dem amerikanischen Geheimdienst nichts bekannt. Deshalb hatte Smith den Fall an sich gerissen und Travers aus dem Urlaub in Südfrankreich geholt.

Smith, dachte Travers missvergnügt, ließ sich keine Gelegenheit entgehen, dem CIA eins auszuwischen. Smith leitete eine geheime Organisation, die direkt dem Außenminister unterstand und mit geradezu fabelhaften Vollmachten ausgestattet war.

Travers dachte an die bevorstehende Begegnung mit Jim Hammond vom CIA-Büro in Nairobi. In Malomwe gab es keinen Residenten der CIA. Noch nicht, meinte Travers. Hammond war schon seit drei Tagen in Arbora, und Travers hoffte, dass Hammond inzwischen etwas getan hatte.

Das kleine Land Malomwe, unabhängig seit nunmehr fünf Jahren, lag zwischen dem Indischen Ozean und dem Victoriasee. Es galt als strategisch außerordentlich wichtiger Punkt im großen Ringen um die Sicherheit der Welt, denn von hier aus waren die arabischen Ölländer leicht zu erreichen, und die amerikanische Regierung führte zur Zeit geheime Verhandlungen mit der Regierung von Malomwe über den Bau eines Militärflughafens im Hochland von Kikore. Diese Verhandlungen durften auf keinen Fall beeinträchtigt werden. Die Sache mit Donahue musste lautlos bereinigt werden, Wiederholungen waren zu unterbinden. Klare Anweisungen, dachte Travers bitter, als er endlich seinen Pass entgegennehmen konnte und sich der Zollkontrolle zuwandte.

Ein fetter Schwarzer begann uninteressiert in Travers' Koffer zu stochern. Er stellte seine Bemühungen jedoch sofort ein, als Travers einen größeren Geldschein auf das Gepäck flattern ließ. Der Schwarze grinste und winkte.

Es gab tatsächlich ein Taxi, ein einziges, das sich in Bewegung setzte, als Travers aus der Halle in die brüllende Hitze hinaustrat. Es war ein klappriger Dodge. Die hintere Tür flog auf, noch bevor der Wagen wieder zum Stillstand kam, und Travers sah einen schlanken nackten Arm, der aus dem Schatten heraus sichtbar wurde.

Er bückte sich. Die schwarze Stewardess saß im Fond. Sie lächelte und winkte. Travers setzte sich neben sie und sagte: »Danke.«

Der Fahrer gab Gas und zog den Wagen in die gewundene Ausfahrt.

»Ich bekam das letzte Taxi«, begann das Mädchen, »und ich dachte mir, dass Sie auch in die Stadt wollen, deshalb habe ich gewartet.«

Travers grinste sie an. Sie war eine Schönheit. Sein Mund wurde trocken. »Danke«, sagte er noch einmal.

»Die Taxis vom Flughafen bleiben nach der Ankunft der letzten Maschine in der Stadt«, plauderte die Stewardess. »Sie hätten zu Fuß gehen müssen. Welches Hotel haben Sie?«

»Man hat mir das Pan Afric genannt.«

Sie lachte. »Es ist praktisch das einzige Hotel. Wir übernachten auch dort ... Ich heiße Megale Kabo, aber man nennt mich einfach Me.«

Travers lächelte. »Nennen Sie mich Travers, einfach Travers.« Er drehte sich zu ihr, weil er die Zeit für gekommen hielt, sie genauer zu betrachten — und aus der Nähe, mit den Augen eines Mannes, eines interessierten Mannes. Aus den Augenwinkeln sah er den Wagen.

Die Straße war breit, Palmen säumten die Ränder. Überall wehte der Staub, er bedeckte die Hütten am Straßenrand ebenso wie die weißen Häuser in den großen Parks, die einen verwahrlosten Eindruck machten. Hier hatten die englischen Beamten und die indischen Kaufleute gelebt, bevor sie von den neuen Machthabern vertrieben wurden.

Der Wagen, der ihnen folgte, war ein schwarzer älterer Mercedes. Er hielt sich in respektvollem Abstand. Dennoch war es Travers klar, dass man es auf das Taxi abgesehen hatte. Grund genug, alle Alarmglocken schrillen zu lassen. Von den Insassen des Fahrzeugs konnte er niemanden erkennen.

Er sah Me wieder an. Sie blickte geradeaus. Etwas zu starr vielleicht. Als sie Travers' Blick bemerkte, wandte sie den hübschen Kopf.

»Sind Sie Togolesin?«, fragte er.

»Nein. Ich bin eine Chutu. Wissen Sie, wer die Chutus sind?«

Travers schüttelte den Kopf. »Der Flughafen heißt Arbora Chutu. Hat das etwas zu bedeuten?«

»Der Stamm der Chutus ist einer der bedeutendsten dieses Landes. Sie wissen vielleicht, dass dieser Staat ein künstliches Gebilde ist, das versucht, Gegensätze zu kitten, die nicht zu kitten sind. Uralte Stammesfehden sind nicht innerhalb weniger Jahre beizulegen. Die Regierung versucht es, indem sie den Flughafen nach den Chutus benennt, das Regierungsgebäude nach den Ukimbus, die Universität nach den Dondes. Gesten, mehr nicht.«

Travers sah wieder zurück. Der schwarze Mercedes folgte ihnen beharrlich. Die Schatten waren länger geworden, und in der Staubfahne, die das Taxi hinter sich herschleppte, war der Wagen manchmal kaum zu erkennen.

Niemand konnte wissen, dass er, Travers, mit der Maschine der Air Togo heute in Arbora ankam. Niemand außer Hammond.

»Wie viele Linienmaschinen landen täglich hier?«, fragte er die Stewardess.

»An Wochentagen drei«, antwortete sie.

Die Häuser zu beiden Seiten der Straße standen jetzt dichter. Travers entdeckte verschiedene Geschäfte, Restaurants und auch Tankstellen, aber er hatte den Eindruck, dass die meisten Betriebe geschlossen waren.

3

Seine Vorbereitung auf diesen Einsatz war zu kurz gewesen, praktisch gleich null. Ein langes Telefongespräch mit Smith, ein Besuch in der Stadtbücherei von Nizza. Das war schon alles.

Er wusste ein wenig über die verworrenen innenpolitischen Verhältnisse, über die mühsam gekitteten Gegensätze zwischen den verschiedenen Stämmen. Natürlich wusste er, wer die Chutus waren. Sie waren der mächtigste Stamm im Land, sie stellten auch den Regierungschef, einen sauf- und rauflustigen Hünen namens Ulu Alama, der in der Bevölkerung, also auch bei Nicht-Chutus, ungeheuer populär war, weil er die Engländer und Inder vertrieben und ihre Besitzungen unter der Bevölkerung aufgeteilt hatte. Mit dem Erfolg, dass im Land jetzt alles drunter und drüber ging. Der junge Staat taumelte am Abgrund des Bankrotts entlang, mühsam gestützt von amerikanischer Hilfe und vielleicht auch von einigen kommunistischen Staaten. Das wusste niemand so genau. Die Berichte des CIA, angefertigt an Schreibtischen im weit entfernten Nairobi, gaben nichts her. Natürlich waren Russen im Land, auch Tschechen, und im Süden sollte es sogar eine Waffenfabrik geben, die von chinesischen Ingenieuren geleitet wurde. Wenn die Amerikaner die strategische Bedeutung dieses Landes erkannt hatten, waren die Russen schon lange da, schätzte Travers.

Es war ein Höllenjob, das wusste er schon jetzt. Es ging Smith nicht allein um das Schicksal eines amerikanischen Geologen, der das Hochland von Kikore auf das Vorhandensein von Bodenschätzen hin absuchte. Travers kannte Smith viel zu gut. Dieser kleine Mann in Washington witterte Zusammenhänge, lange bevor sie von anderen Menschen auch nur geahnt wurden. Dabei konnte man Smith alles nachsagen, nur eins nicht — dass er ein Menschenfreund war.

Das Taxi fegte mit scheppernden Kotflügeln um eine Kurve und rumpelte dann die Auffahrt zu einem Hotel hinauf.

Das Pan Afric verfügte über zwölf Stockwerke. Neben dem breiten gläsernen Eingangsportal standen hohe Palmen, aber keine Boys. Travers bezahlte das Taxi und nahm seinen Koffer auf. Im Aussteigen sah er den Mercedes, der unten an der Ecke gehalten hatte. Die Scheiben blieben geschlossen. Travers konnte keinen der Insassen erkennen.

Achselzuckend ging er zusammen mit Me ins Hotel.

Die Klimaanlage funktionierte glücklicherweise, und Travers atmete auf. Zögernd blieb er in der Mitte der Halle stehen. Auch Me wartete.

»Sehen wir uns nachher?«, fragte er. »Zum Essen vielleicht?«

Me lächelte. Ihre weißen Zähne leuchteten. »Ich esse mit der Crew, Travers. Aber anschließend in der Bar ...?« Ihre Stimme klang dunkel. Eine Verlockung, die Travers Schauer über die Haut jagte. Er wandte sich rasch um und trat an die Rezeption. Er trug sich ein, legte seinen Pass vor, bekam den Zimmerschlüssel ausgehändigt und war sich selbst überlassen.

Rasch trat er noch einmal an die Tür. Durch das Glas der Drehtür blickte er nach draußen.

Ein Mann stand jetzt neben dem Mercedes, die Tür auf der Fahrerseite war geöffnet. Der Mann war ein Weißer.

Die Tür zu seinem Apartment im achten Stock des Pan Afric war nicht abgeschlossen. Travers zog den Schlüssel wieder ab und stieß die Tür auf.

Sie krachte gegen die Wand und schwang langsam zurück. Travers stoppte sie mit dem rechten Fuß. Er sah den Mann, der auf dem langen Ledersofa unter dem breiten getönten Fenster saß. Travers verzog das Gesicht. Er warf seinen Koffer auf den Teppich, stieß die Tür ins Schloss und nickte dem Mann zu.

Der Mann war Hammond. Jim Hammond. Travers kannte ihn noch von seiner Zeit beim CIA her.

Er mochte Hammond nicht. Der Bursche war ihm zu impulsiv, zu leicht erregbar. Travers wunderte sich, dass Hammond noch lebte. Er erinnerte sich an eine Geschichte, die über Hammond in Umlauf war. Hammond und eine junge portugiesische Agentin hatten einen Einsatz in Angola, bei dem die Portugiesin von Aufständischen getötet wurde. Hammond inszenierte daraufhin einen privaten Rachefeldzug, bei dem er zwei Lager der Rebellen im Alleingang angriff und die Soldaten bis zum letzten Mann niedermachte. Unerklärlicherweise kam er mit einer Verwarnung davon.

Hammond schraubte sich in die Höhe. Er war groß und beinahe mager, er hielt sich gebeugt. Sein dünnes blondes Haar trug er lang, es hing weich bis in den Nacken. Er hatte ein langes Kinn mit großen gelben Zähnen, die er jetzt bleckte wie ein Pferd. Er wollte etwas sagen.

Travers hob die Hand an den Mund. Er hatte das Zimmer noch nicht gefilzt, und er bezweifelte, ob Hammond ihm die Arbeit abgenommen hatte. Travers deutete auf das Telefon und die Wand hinter den Übergardinen, und am Ausdruck in Hammonds braunen Augen erkannte er, dass er mit seiner Vermutung richtig lag. Hammond begann eine systematische Suche.

Travers klappte seinen Koffer auf und öffnete den zweiten Boden. Er nahm die MK IV aus der Halterung, schob ein Magazin in den Griff und legte die schwere Pistole auf das Bett, das in einer Nische untergebracht war. Über dem Bett mahlte ein großer altertümlicher Ventilator, obwohl der Raum an die zentrale Klimaanlage angeschlossen war und die Luft gut und frisch war.

Travers holte den zigarettenschachtelgroßen Frequenzprotektor aus dem Koffer und ließ die Antenne ausfahren. Er schaltete das Gerät ein und drückte nacheinander auf die Frequenzbereichsknöpfe. Im Bereich 90 - 100 Megahertz schlug die optische Anzeige aus.

Es gab also eine Wanze im Raum. Travers drehte den Sucher, der zuverlässig anzeigte, wenn sich ein Abhörgerät im Raum befand. Das Signal wurde stärker, als Travers die Antenne gegen das Telefon hielt.

Hammond verstand. Er schraubte den Boden ab und fand die kleine Kapsel, die er dann in der Hand wog. Sein Gesicht zeigte einen betroffenen Ausdruck. Travers deutete auf die Tür zum Bad. Hammond brachte die Kapsel hinüber und schloss die Tür. Das Suchgerät zeigte nur noch eine sehr schwache Reaktion. Hammond schaltete das Gerät ab.

Er streckte Travers die Hand hin. Travers nahm sie und drückte sie kurz.

»Ich kann es mir nicht erklären«, sagte er.

»Machen Sie sich nichts draus. Wahrscheinlich hat ein eifriger Sicherheitsmann alle Zimmer mit Wanzen ausgestattet. Was haben Sie erreicht?«

Hammond breitete die Hände aus. »Es gibt kaum Informationen. Ich ermittele schließlich offen, aber man gibt mir Akten, die ganz offensichtlich unvollständig sind. Nicht einmal die genaue Stelle, an welcher der Überfall stattgefunden hat, geht daraus hervor.«

»Vermutungen?«

Travers war ans Fenster getreten. Er winkte Hammond zu und deutete dann nach unten. Der Mercedes stand noch da. An der Motorhaube lehnten jetzt zwei Männer, der Weiße und ein Schwarzer.

»Wie kommt es, dass ich jetzt schon beschattet werde?«, fragte Travers.

Hammond zog scharf die Luft ein. Er kniff die Lider zusammen, konnte die Männer jedoch nicht genauer erkennen, denn unten lagen jetzt tiefe Schatten über der Straße. An der Ecke brannte eine Straßenlaterne, deren Schein jedoch nicht ausreichte, um beim Mercedes mehr als die Konturen und die Flächen der Gesichter erkennen zu lassen.

»Stellen Sie fest, wer die Kerle sind«, befahl Travers. »Und dann können Sie mir die Akten besorgen.«

»Mann, Travers, das geht nicht! Ich durfte sie mir ansehen, aber nur unter Aufsicht! Keine Kopien. Nichts zu machen.«

»Dann schalten Sie gefälligst den Botschafter ein. Diese Halunken werden schon spuren. Es geht um große Beträge.«

»Travers, ich habe meine Anweisungen. Nichts an die große Glocke hängen. Der Botschafter hat die gleiche Order. Er ist froh, dass er geduldet wird. Damit müssen Sie sich abfinden!«

Travers starrte den Agenten an. Er fragte sich, warum der Mann überhaupt hier war. »Gibt es Fotos?«

Hammond nickte. »Donahues Männer, es waren fünf Schwarze, wurden alle getötet. Die Schusswunden sind gut zu erkennen. Großkalibrige automatische Waffen. Es gibt auch Fotos von Einschlägen in Materialkisten. Schwerste Munition. Aber sonst keine Spuren. Man vermutet, dass die Rebellen aus dem Hochwald kamen und sich sofort wieder dorthin zurückgezogen haben. Sie haben ihr Versteck westlich eines großen Sees. Wenn Sie mich fragen, haben die Banditen einen Hubschrauber benutzt.«

»Gibt es Anhaltspunkte dafür?«

»Keine Reifenspuren, jedenfalls vermerkt der Bericht diese Tatsache ausdrücklich. Aber«, jetzt grinste Hammond flüchtig, »es gibt keine einzige Straße ins Hochland.«

»Na, dann versuchen Sie, einen Hubschrauber zu bekommen.«

»Unmöglich, Travers!« Hammond beugte sich vor. Seine Gesichtshaut bedeckte sich mit Schweiß. »Mann, Sie kennen hier die Verhältnisse nicht! Die Hubschrauber unterstehen alle dem Militär, und das rückt keinen raus.«

»Bestechen Sie einen Offizier.«

Hammond stöhnte. »Hören Sie auf, Travers! Ich will genau wie Sie herausfinden, was mit Donahue geschehen ist. Er arbeitete schließlich für die Regierung. Genau wie wir.«

Travers' Magen zog sich zusammen. Davon hatte ihm niemand etwas erzählt. Donahue arbeitete für die Regierung! Verdammt, dachte er, hatte Smith sich diesmal reinlegen lassen?

»Kennen Sie Einzelheiten?«, fragte Travers, sich gelassen gebend.

»Sicher. Es ging um den Flughafen. Donahue sollte herausfinden, was es da oben Interessantes gibt. Das Pentagon will nicht den Stützpunkt bauen und dann eines Tages von Bergwerken umgeben sein. Das war Donahues Job. Offiziell war er dem großen Ulu Alama vom Friedenskorps als Entwicklungshelfer untergejubelt worden.«

Hammond lachte auf. Es klang vergnügt.

Travers lachte nicht. Wieder einmal war jemand verheizt worden. Jemand, der das Risiko nicht kannte. Es war zum Kotzen. Frank Donahue war ein harmloser Wissenschaftler, Mitglied der Geologischen Gesellschaft, Fachmann für die geologischen Verhältnisse Afrikas. Verschollen seit viereinhalb oder fünf Tagen, vielleicht auch schon länger. Niemand wusste das so genau. Man nahm die Todeszeit der Schwarzen aus Donahues Begleitung als Zeitpunkt des Überfalls.

»Kümmern Sie sich jetzt um die Kerle mit dem Mercedes«, sagte Travers rau. Er wartete, bis Hammond den Raum verlassen hatte, dann stellte er sich ans Fenster und starrte auf den Wagen und die beiden Männer hinab. Er hatte das fatale Gefühl, als sei die Gegenseite ihm einen mächtigen Schritt voraus.

Travers schaltete schließlich das Licht an, dann zog er sich aus, duschte lange und bestellte das Abendessen und alle Zeitungen, die es im Land gab, aufs Zimmer.

Um halb elf betrat Travers die Safari Lounge des Hotels. Die Bar war nur schwach beleuchtet. In den Nischen saßen einige Weiße, offenbar Geschäftsleute, die meisten Gäste waren jedoch Schwarze.

Travers entdeckte Me zusammen mit der Crew der DC8 an der Bar. Me winkte, und Travers gesellte sich zu ihnen. Die Crew und Me unterhielten sich in einer Sprache, die Travers nicht verstand, doch sie wechselten dann auf Englisch über. Der Kapitän und der Flugingenieur waren Liberianer, nur der Kopilot stammte aus Togo. Sie tranken eine zähflüssige gelbliche Flüssigkeit, die wie Likör aussah.

»Das ist Waragi«, erklärte Me. »Bananenschnaps. Probieren Sie mal.«

Travers nickte, und der Kapitän winkte dem Barkeeper. Die Bewegungen des Piloten waren langsam und schwerfällig, und Travers vermutete, dass er schon beim Diner mit dem Trinken angefangen haben musste, denn bei genauem Hinsehen entschied Travers, dass die Cockpitbesatzung sternhagelvoll war.

Travers probierte den Schnaps. Er schmeckte weich und nur leicht süßlich. Die Piloten und der Flugingenieur hielten immer noch mit. Travers beschloss, für den Rückflug die Dienste einer anderen Gesellschaft in Anspruch zu nehmen. Die Männer verabschiedeten sich jedoch bald, und Me erklärte ihm, dass sie alle erst in zwei Tagen wieder zu fliegen brauchten.

Travers betrachtete das Mädchen. Sie trug jetzt ein schlichtes grünes Seidenkleid, das bis zum Hals geschlossen war, aber die Schultern und den größten Teil des hinreißend geformten Rückens sehen ließ. Travers legte ihr seine Hand auf den Rücken. Die Haut fühlte sich glatt und weich an. Es war ein erregendes Gefühl.

»Fahren wir in den Country Club?«, fragte sie.

Erfreut stellte Travers fest, dass ihre Stimme leicht heiser klang. Er nickte nur, bezahlte die Drinks und ließ sich vom Hocker gleiten.

Der Mercedes stand noch draußen. Er war unbeleuchtet. Von Hammond war keine Spur zu erblicken. Travers wartete, bis ein altersschwaches Taxi die Auffahrt hinaufkeuchte. Er half Me auf den Rücksitz und setzte sich dann neben sie. Der Wagen fuhr an.

Sofort flammten die Scheinwerfer des Mercedes auf. Travers fluchte lautlos. Er drückte sich in eine Ecke und starrte am Kopf des Fahrers vorbei in die Nacht hinaus. Er spürte Mes Gegenwart, es war ein irritierendes und erregendes Gefühl. Er dachte an die Berührung der glatten weichen Haut, und er konnte nicht verhindern, schneller zu atmen.

Die Lichtfinger der Scheinwerfer hinter ihnen füllten jetzt den Innenraum des Taxis. Travers öffnete das leichte Jackett, das er trotz der hohen Temperatur trug, um die Waffe zu verbergen.

Er war im Einsatz von jetzt an. Tag und Nacht.

Die Fahrt dauerte etwa zwanzig Minuten. Der Club lag am Stadtrand inmitten eines hügeligen Geländes. Die Gebäude scharten sich um einen großen Swimmingpool, der von innen beleuchtet war. Es gab eine langgestreckte Freiluftbar, hinter der vier schwarze Mixer in roten Jacken arbeiteten. Jeder Hocker und fast jeder Stuhl auf dem Rasen um den Swimmingpool herum waren besetzt, und als Travers aus dem Wagen stieg, hörte er die Musik einer Combo. Die Musiker saßen hinter einer dichten Hecke.

Den Mercedes konnte Travers nicht mehr entdecken.

Er half Me aus dem Wagen und richtete sich auf. Wie aus dem Boden gewachsen standen zwei Männer in braunen Uniformen neben ihnen. Offiziere, wie Travers nach einem Blick auf üppig geschmückte Ordensbrüste und goldene Schulterstücke vermutete. Sie grüßten höflich, musterten Travers misstrauisch und abweisend. Der ältere der beiden öffnete den Mund und stieß für Travers unverständliche Laute aus.

*

Me antwortete. Es klang scharf. Die Uniformierten starrten Travers an, dann grüßten sie höflich, drehten sich zackig um und verschwanden in der Dunkelheit hinter den Lichtkreisen, die von den bunten Lampen über den Rasen geworfen wurden.

Travers nahm Mes Arm. »Was war los?«, fragte er leise.

»Es war wegen dir. Sie wollten wissen, wer du bist, weil Fremde keinen Zutritt haben, außer in Begleitung ... «

Wie im feudalen England. Oder zu der Zeit, als die englischen Offiziere noch das Leben in ihren ehemaligen Kolonien bestimmten. Damals mussten die Schwarzen draußen bleiben. Jetzt war es umgekehrt. Oder? Travers bemerkte zwei Weiße an der Bar.

»Es ist nicht deshalb«, sagte Me auf eine entsprechende Frage von Travers. Nebeneinander schritten sie über den Rasen. Me hatte eine Hand auf Travers' Arm gelegt. »Es ist ein Club, deshalb haben Fremde keinen Zutritt. Verstehst du?«

Travers sah sie an. Er merkte erst jetzt, dass sie ihn mit Du anredete. »Und du«, fragte er, »bist Mitglied?«

Ihr Gesicht wirkte seltsam starr, als sie antwortete.

»Ich habe Zutritt«, sagte sie einschränkend, »weil ich als George Assingas Freundin gelte.«

Travers blieb stehen. Kladu >George< Assinga war einer der herrschenden Männer in Malomwe. Er war nubischer Abstammung. Travers hatte sein Bild gesehen. Ein aufgeschwemmtes, fleischiges Gesicht mit vorquellenden Augen. Assinga hatte sich selbst den Rang eines Brigadiers verliehen und war damit nur eine Stufe unter dem Regierungschef geblieben.

Unter den Engländern war Assinga Feldwebel in der Askari-Truppe gewesen. Mehr nicht. Er hatte die Stämme des Nordens hinter sich, die Dondes und Ukimbas, und mit dieser Hausmacht hatte er es verstanden, sich das Außenministerium und die Herrschaft über die Polizei zu sichern. An das Militär kam er nicht heran. Für Verteidigungsfragen war Ulu Alama, der Regierungschef, zuständig, und das Militär war ihm treu ergeben, weil die Offiziere Chutus waren — wie Alama selbst.

Travers ging langsam weiter. Er spürte, dass sie jetzt beobachtet wurden. Die Männer an der Bar drehten sich um. Es waren Uniformierte dabei. Männer in gelben Uniformen — Militär, schätzte Travers — und andere in den braunen der Polizei, die er schon kannte.

Er erkannte George Assinga sofort. Der Mann hatte den größten Hintern, den Travers je gesehen hatte. Die mächtigen Schultern drohten die Uniformjacke zu sprengen. Auf dem Hals quoll das Fett in breiten Wülsten. Er sah noch viel hässlicher aus als auf den Fotos, die Travers in der Stadtbücherei von Nizza gesehen hatte. Wieder musste Travers sich das Mädchen an seiner Seite ansehen. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass dieses zarte, gazellengleiche Geschöpf es mit einem Mann trieb, der eher an ein Flusspferd erinnerte. Er spürte, wie sich ihre Haltung spannte.

»Ich bin nicht seine Freundin«, wisperte sie. »Aber ich muss so tun ...« Sie lächelte mechanisch.

Assinga rutschte vom Hocker. Der Boden dröhnte, als er unten ankam. Der Mann war überraschend klein. Er reckte die Schultern und hob seinen schweren Körper auf die Fußballen, damit er mit seinen aufgeworfenen Lippen Mes Gesicht erreichen konnte. Sie hielt ihm die Wange hin, und er drückte seine Lippen darauf.

Er sprach Sandawe, und Me antwortete kurz, doch dann wechselte sie zum Englischen über.

»George, ich möchte dir Mr. Travers vorstellen. Ich habe ihn im Flugzeug kennengelernt ... «

Assinga tat so, als sehe er Travers zum ersten Mal. Er musterte den Amerikaner aus kleinen glitzernden Augen. Das Weiße der Augen leuchtete bläulich. Er nickte Travers knapp zu und wandte sich gleich wieder an Me. Er half ihr auf den Hocker, den er eben noch selbst belegt hatte, und wandte Travers dann den Rücken zu.

Travers fühlte sich ungemütlich. Wenn er gewusst hätte, dass Me hier jemanden kannte, wäre er nicht mitgegangen. Er wollte sich schon umdrehen und das Gelände verlassen, als Me ihn am Ärmel fasste und festhielt.

»Komm, hier ist noch Platz.« Sie zog ihn an ihre linke Seite. Travers lehnte sich gegen die Bar.

Assinga bestellte für Me.

Travers entdeckte eine Hasche Bourbon im Regal und deutete darauf. Es gab sogar Eis, und als er den ersten Schluck durch seine Kehle rinnen ließ, beschloss er, die Lage von ihrer positiven Seite zu betrachten. Okay, das Mädchen wollte von dem Flusspferd nichts wissen, konnte es aber auch nicht direkt vor den Kopf stoßen und hatte deshalb ihn, Travers, mitgenommen. Okay, sollte sie. Er konnte sie verstehen. Assinga wollte sie vielleicht in seine Hütte schleppen, und sie wollte es nicht. So etwas passierte jeden Tag überall auf der Welt, aber nicht zwischen einem zarten Mädchen und einem Mann, dem die Polizei eines ganzen Landes unterstand. Assinga konnte ihren Pass einziehen lassen, er konnte sie notfalls mit Gewalt in sein Haus bringen lassen. Welcher Hahn krähte schon danach?

Travers schauderte. Er nahm noch einen Bourbon.

Plötzlich legte sich eine Hand, groß und schwarz wie eine Kohlenschaufel, auf seinen Arm. Er spürte Assingas alkoholgeschwängerten Atem auf seinem Gesicht. »He, Amerikaner!«, sagte Assinga. »Was suchen Sie in Malomwe?«

Die Flusspferdaugen glitzerten klein, feucht und tückisch.

Travers rührte mit dem Finger in einer Wasserpfütze herum. »Ich bin Geologe. Dr. Donahues Assistent, wenn Ihnen der Name etwas sagt.«

Travers blickte auf. Die Augen der beiden Männer verhakten sich. Wissenschaftlicher Assistent stand auch auf seinem Visum, das er in Nairobi beantragt hatte.

Schwere Lider fielen über die vorquellenden Augen. »So«, sagte Assinga gedehnt. »Sie wollen also Ihren Boss besuchen, Mister ... «

»Travers«, half der Amerikaner.

»Mister Travers, richtig. Unglücklicherweise scheint Mr. Donahue etwas zugestoßen zu sein, Mister ... «

»Travers.«

»... Travers. Wir wissen nicht, wo er ist. Weil Sie ein Freund von Me sind«, er tätschelte den Rücken des Mädchens, »werde ich Sie benachrichtigen lassen, sowie wir seinen Aufenthaltsort kennen.«

»Danke«, murmelte Travers.

Der Schwarze machte eine großzügige Bewegung mit der freien Hand, wobei er ein Glas umwarf. Der Mixer sprang herbei und wischte die verschüttete Flüssigkeit auf. Assinga stieß ihn vor die Brust. »Weg!«, schrie er. »Weg!«

Mes Haltung war starr. Sie sah weder Travers noch Assinga an, als sie sagte: »Bitte, George ... «

Assinga lachte schallend auf. Er ließ die rechte Hand auf seinen kräftigen Schenkel klatschen. Die Linke lag immer noch auf Mes nacktem Rücken. »Sie ekelt sich vor mir, weil ich ein fetter, alter, schwarzer Narr bin!«, grölte er dann. »He, Amerikaner, würden Sie sich wegen ihr schlagen?«

Travers antwortete nicht. Er trank sein Glas leer und bedeutete dem Mixer, es neu zu füllen. Assingas Hand schoss vor. Er wischte das Glas vom Tisch.

»Hier bekommt niemand einen Drink«, schrie er, »wenn ich es nicht will! Haben Sie mich gefragt, Amerikaner?«

»Gestatten Sie?«, fragte Travers. Er sah in Assingas verschwitztes Gesicht. Die Unterhaltungen der anderen Gäste waren verstummt. Travers spürte einen unbestimmten Zorn auf Me. Sie hätte ihn nicht hierherschleppen dürfen.

Assinga schnippte mit den Fingern, und der Mixer füllte ein Glas für Travers. Die Gäste starrten herüber, auch die beiden Weißen. Travers leerte das Glas. Der Schwarze rülpste und schien das Interesse an Travers zu verlieren.

Me beugte sich rasch zu Travers. »Lass uns gehen«, flüsterte sie. »Schnell, bitte.«

Travers runzelte die Stirn. Wenn sie jetzt gingen, bedeutete das einen Affront gegenüber Assinga. Er rollte unbehaglich mit den Schultern. Wenn Hammond wenigstens in der Nähe wäre ... Draußen wartete wahrscheinlich die Besatzung des schwarzen Mercedes. Die Kerle hatten garantiert etwas vor ...

Travers zog seine Geldrolle hervor. Die Bewegung erweckte erneut die Aufmerksamkeit des schwarzen Politikers.

»Sie sind mein Gast, Amerikaner!«, schrie er.

Travers steckte das Geld wieder ein. Neben sich hörte er eine Stimme.

»So ist es richtig, Sir.« Travers wandte den Kopf. Er blickte in ein Paar ruhige Augen in einem länglichen Gesicht. Es war schwarz wie das Assingas. Der Mann trug einen leichten hellen Anzug, und er rauchte eine amerikanische Zigarette. »Er wird jetzt unberechenbar. Sie gehen besser.« Der Mann lächelte, als er Travers' abweisende Miene bemerkte. »Entschuldigen Sie bitte, ich heiße Endo Liwale.«

Liwale. Travers kannte den Namen. Liwale war ebenfalls Minister in Alamas Koalitionskabinett. Ein gemäßigter Politiker, zuständig für Soziales. Er hatte wahrscheinlich den schwersten Job in diesem zerstrittenen, korrupten Haufen, der das Land zu regieren versuchte.

Travers nickte dem Politiker zu. Liwale reichte ihm eine Karte.

»Ich höre, Sie sind Frank Donahues Assistent. Wenn ich Ihnen helfen kann, Sir, rufen Sie mich an.«

Travers steckte die Karte ein und wandte sich wieder Me zu. Assinga hatte Travers' kurze Unterhaltung mitbekommen. Er lallte vor sich hin. Seine schwere Hand hielt Mes Oberarm umklammert, die dicken Finger gruben sich tief in ihr Fleisch.

»Lass uns gehen«, sagte Travers laut. Er musste es hinter sich bringen. Er machte einen Fehler, er wusste es. Er sollte sich zurückziehen, so unauffällig wie es noch möglich war, nachdem er die Aufmerksamkeit eines jeden, der in diesem Land Einfluss hatte, auf sich gezogen hatte. Wie hatte er ausgerechnet den Country Club aussuchen müssen! Wenn jetzt etwas schiefging, wenn seine Mission platzte, würde Smith ihn zerfetzen, und zwar mit vollem Recht.

Me glitt vom Hocker. Sie drückte Assinga einen flüchtigen Kuss auf die Wange und wandte sich um. Immer noch hielt die Hand des Schwarzen ihren Oberarm.

Travers wartete einen Augenblick, ehe er sagte: »Bitte, Sir ... «

Assinga blickte auf. Leise sagte er: »Sie bleibt hier, Amerikaner. Diesmal bleibt sie hier. Beim alten, fetten Assinga. Ich werde sie mitnehmen, Amerikaner, und niemand wird mich daran hindern.«

Travers fischte eine zerdrückte Zigarettenschachtel aus seiner Tasche und schnippte ein Stäbchen heraus. Neben seinem Gesicht flammte ein Streichholz auf.

Endo Liwale hielt das Streichholz an Travers' Zigarette. »Sie sollten gehen, Mr. Travers«, sagte der Schwarze. Seine Augen blickten ruhig. »Sie gilt als seine Freundin. Jeder hier weiß das, und niemand außer einem Fremden würde es wagen, überhaupt mit ihr zu reden.« Liwale sprach leise in Travers' Ohr. »Sie ist eine Prinzessin, Mr. Travers, aus dem ehemaligen freien Königreich der Chutus. Wussten Sie das? Assinga möchte sie gern seinem Harem einverleiben. Wenn er das schafft, kann er versuchen, Alama zu stürzen.«

Warum erzählt er mir das?, fragte sich Travers. Mir, einem Wildfremden?

»Sie spielt die Stewardess, weil sie wegen ihm das Land nicht verlassen will, aber auch nicht ständig in seiner Nähe sein möchte«, fuhr der Politiker fort. »Gehen Sie. Es ist besser für Sie. Er ist unberechenbar.«

Me riss sich los. Es war eine plötzliche Bewegung, die Assinga überraschte. Der Außenminister und Polizeichef stolperte und krachte gegen die Bar. Me wirbelte herum und rannte davon.