Für Laura und Elise, die liebsten Kinder der Welt.

Hier ist Eure Annabelleke

Miriam

 

 

 

 

 

Hier kommt Annabelleke.

Annabelleke ist das ALLERFRECHSTE Kind auf der ganzen Welt.

Man sagt, dass es vor vielen Jahren mal in Russland ein sehr freches Kind gegeben hat.

Aber das zählt nicht, es wurde nämlich von einem Mammut gefressen.

Denk an das frechste Kind, das du kennst.

Denk an das allerfrechste Kind, das du kennst.

Und dann denk an jemanden … der noch ZEHN Mal frecher ist.

Dieses superfreche Kind ist ein

braver, kleiner Pudding

im Vergleich zu Annabelleke.

 

Keiner weiß, warum Annabelleke so frech ist.

Sogar wenn sie schläft, musst du dich vor ihr in Acht nehmen.

(UND BITTE NIMM DICH WIRKLICH IN ACHT!)

 

Als Baby war Annabelleke ganz lieb.

Babys können noch nicht frech sein.

 

Aber Babys werden größer.

Ihr kleines Hirn wächst.

Ihre kleinen, scharfen Nägel wachsen.

Sie ballen ihre Hände zu kleinen Fäusten, und eines Tages …

kneifen sie dich in die Nase!

So war das auch bei Annabelleke.

Annabelleke wurde jeden Tag ein bisschen

unverschämter,

frecher,

ungezogener.

Es wurde immer schlimmer, bis …

 

Annabelleke schließlich

das ALLERFRECHSTE KIND AUF DER GANZEN WELT war.

 

Wäre es nicht toll, wenn es Zeugnisse für freche Kinder gäbe?

Dann hätte Annabelleke mit Sicherheit die allerbesten Noten.

Super gemacht, Annabelleke!

Du kannst richtig gut quengeln.

Du bist die Beste im Sachen-Kaputtmachen.

Beim Apfelmus-Weitwurf hast du es sogar bis zur Decke geschafft.

Du bekommst in jedem Fach eine 1!

Warnung

Weil es in diesem Buch um das allerfrechste Kind der Welt geht, stehen hier wirklich freche Dinge drin.

Lies diese Geschichte darum bitte

NUR

den richtig lieben und braven Kindern vor.

Das ist äußerst wichtig.

Ausschließlich Kindern, denen es nicht im Traum einfallen würde, so freche Dinge wie Annabelleke zu machen.

Denn du willst sie doch nicht auf dumme Gedanken bringen, oder?

Natürlich willst du das nicht.

Das wäre ja noch schöner …

 

Ich kann dir sagen, Annabelleke kann unglaublich stur sein.

Und Annabellekes SCHREI ist einfach fürchterlich.

Als Autorin hat mich dieses Buch nicht nur viel Zeit gekostet, sondern auch noch ein Pferd mit rosa Sattel.

Außerdem ist es Annabellekes Schuld, dass die Seiten Flecken haben.

Und Bissspuren.

Annabelleke muss immer das letzte Wort haben.

Piranha

Rums, machte Mamas Kopf.

Das Wasser plätscherte, und das ganze Zimmer stand voll Wasser.

Mama war im Schlaf aus dem Bett gespült worden. Jetzt trieb sie in ihrem Nachthemd ein Stück unter der Zimmerdecke.

»Was ist hier los?«, schrie Mama.

»Das Schlafzimmer ist zum Schwimmbad geworden. Das war natürlich Annabelleke«, erklärte Papa. Papa war so dünn wie eine einsame, nasse Strumpfhose an der Wäscheleine. Er schlug mit den Armen um sich, dass es nur so spritzte.

»Oh weh!«, seufzte Mama.

Annabelleke hatte wieder den Wasserhahn aufgedreht und das Wasser laufen lassen.

SO LANGE, BIS

DAS GANZE HAUS

VOLL WASSER WAR.

Papa tauchte unter, auf der Suche nach seiner Brille. Die Brille hatte auf dem Nachttisch gelegen, der jetzt ebenfalls unter Wasser war.

Kurz darauf tauchte Papa wieder auf.

»Ich hab sie«, keuchte er. »Und ich habe auch den Wasserhahn zugedreht.«

»Du wirst ja immer schneller. Übung macht den Meister«, sagte Mama lächelnd. »Hast du daran gedacht, die Fenster aufzudrücken?«, fragte sie.

»Aber natürlich, meine Liebe.«

Ja, das hatte er tatsächlich. Unter ohrenbetäubendem Rauschen stürzte das Wasser nun nach unten in den Garten.

»Es ist schon etwas nervig, jeden Morgen im kalten Wasser aufzuwachen«, sagte Papa. »Kauf doch Annabelleke bitte heute den Goldfisch.«

»Ich würde ja gerne, Schatz. Aber leider hat die Zoohandlung geschlossen«, erklärte Mama. »Es ist …«

Sie redete nicht weiter, denn im selben Moment kam Annabelleke durch die Tür geschwommen. Es war immer noch so viel Wasser im Zimmer, dass Annabelleke darin bequem herumplanschen konnte. Von Annabelleke sah man eigentlich nichts, sie war nämlich ganz in Luftpolsterfolie eingewickelt. Oben guckte nur noch ihr Kopf heraus.

»Was machst du denn da?«, fragte Mama erstaunt.

 

»Das ist mein neues Spiel«, sagte Annabelleke. »Es heißt Tintenfisch in Luftpolsterfolie sucht Goldfisch

Dann tauchte Annabelleke ab. Triefend und schniefend kam sie wieder hoch. Sie fragte: »Hat jemand einen Goldfisch gesehen? Nein? Wie schade. Na gut, dann muss ich eben weitersuchen.«

Aber Papa rief streng:

»Annabelleke!«

Wahrscheinlich wunderst du dich, dass Annabellekes Eltern nicht wütend wurden, doch sie hatten sich natürlich schon an all die Katastrophen gewöhnt. Außerdem hatten sie eine spezielle Katastrophenschutz-Versicherung abgeschlossen, als Annabelleke drei Jahre alt war. Das war eine sehr gute Versicherung, auch wenn sie ganz schön viel kostete. Solche Versicherungen sind superpraktisch, wenn du ein Kind wie Annabelleke hast.

Papa keuchte: »Du musst in die Schule.«

»Aber ohne Goldfisch kann ich nicht in die Schule gehen«, sagte Annabelleke. »Das ist doch wohl klar, oder, Papa?«

»Kümmer dich bitte darum, dass sie heute ihren Goldfisch bekommt«, sagte Papa nun noch mal zu Mama. »Schau doch einfach im Zoo vorbei, da haben sie auch Goldfische.«

»Aber im Zoo verkaufen sie keine Goldfische«, sagte Mama.

»Frag doch wenigstens mal«, sagte Papa. »Fragen kostet ja bekanntlich nichts.«

Er stand auf und zog sich an.

Dann machte er sich auf den Weg zur Arbeit, und Mama steckte die gesamte Bettwäsche in den riesigen Trockner.

Danach fuhr Mama mit Annabelleke zum Zoo.

In einem irre großen Raum waren Aquarien mit Fischen aus aller Welt ausgestellt.

»Ich guck mich mal ein bisschen um«, sagte Annabelleke.

Im Raum war es warm und dunkel und still.

Mama gähnte und setzte sich auf eine Bank. Annabelleke marschierte alleine los, um sich umzuschauen.

Es machte Spaß, die Fische beim Schwimmen zu beobachten.

Auf dem Grund des Beckens stand ein winzig kleines, gesunkenes Boot.

Außerdem gab es noch einen Tintenfisch und zwei kleine Seepferdchen.

Annabelleke lief zu einer Glaswand, hinter der ein großer Schwarm Piranhas schwamm. Da hing ein Schild, auf dem stand:

Die goldgesprenkelten Schuppen der Fische glitzerten, und sie hatten messerscharfe Zähne.

Ein Piranha ist viel toller als ein Goldfisch, dachte Annabelleke. Goldfische sind doch doof. Annabelleke wollte einen Piranha haben.

Mama saß auf der Bank, sie hatte die Augen zu und schlief.

Annabelleke öffnete die Tür neben dem Aquarium. Dahinter führte eine Treppe nach oben.

Annabelleke ging die Treppe rauf und landete auf einem Flur. Von hier aus konnte man die Fischbecken von oben sehen. Es war ganz still, nur die Pumpen gluckerten.

Ein bisschen unheimlich war das schon.

Vorsichtig nahm Annabelleke einen Kescher von der Wand. Dann schnappte sie sich einen Eimer mit Deckel. Sie hielt den Kescher ins Piranha-Becken und rührte darin herum wie in einem Suppentopf.

Und tatsächlich! Sie hatte einen Piranha gefangen! Der Piranha zappelte wie wild. Er schnappte nach Luft und klapperte mit den Zähnen.

Aber Annabelleke schaffte es, den Piranha in den Eimer zu werfen. Der Fisch schlug mit den Flossen und klatschte gegen den Deckel.

Danach rannte Annabelleke zurück zu Mama, die verschlafen blinzelte. Sie sagte: »Ahh, so ein kleines Nickerchen tut gut. Was hast du denn da, Annabelleke?«

Mama würde mit Sicherheit anfangen zu schreien, wenn sie wüsste, dass es ein Piranha war. Mamas Geschrei war meistens ziemlich peinlich, und es würde garantiert ein riesiges Tohuwabohu geben. Darum sagte Annabelleke: »Ich habe einen goldgesprenkelten Fisch gefangen.«

Und das war ja schließlich nicht gelogen.

»Wie schön. Ein Goldfisch«, sagte Mama. »Das ist doch gut, dann können wir ja wieder nach Hause fahren.«

Zu Hause zog sich Annabelleke dicke Handschuhe an. Sie setzte den Piranha in ein Goldfischglas und bedeckte es mit einem Buch, damit der Fisch nicht herausspringen konnte. Zum Glück machte sie das!

Beim Füttern sprang er nämlich manchmal so hoch, dass er dabei aus dem Glas fiel. Er liebte Katzenfutter! Da lag er dann auf der Erde und schnappte verzweifelt nach Luft.

Seine Schuppen glänzten. Seine Zähne klapperten. Aber mit Handschuhen konnte er einem nichts tun.

Es war superaufregend, einen Piranha als Haustier zu haben.

Vor allem, als Diederik kam, um ihn sich anzugucken.

Diederik war ziemlich zimperlich.

Darum lachten ihn alle aus,

als er sagte, dass der Goldfisch

ihn gebissen hatte.

Übernachtungsparty

»Annabelleke, heute darfst du woanders übernachten!«, sagte Mama.

»Na super«, sagte Annabelleke. Sie saß am Tisch und zog sich eine Nudel durch die Nase.