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Anton taucht ab. In Einfacher Sprache

Milena Baisch, geboren 1976 in Bochum, wuchs in Wuppertal auf. Nach der Schule begann sie, sich Kindergeschichten auszudenken, und studierte an der Filmakademie in Berlin Drehbuch. Heute lebt sie als freie Autorin mit einer schlauen Katze in einem kleinen Dorf in der Nähe von Berlin. Neben Drehbüchern für Film und Fernsehen hat sie bereits zahlreiche Bilderbücher sowie Vorlese- und Erstlesegeschichten veröffentlicht. Nach Anton taucht ab ist inzwischen auch Antons neues Abenteuer Anton macht’s klar bei Beltz & Gelberg erschienen. Anton taucht ab wurde von der Stiftung Buchkunst als eines der schönsten Bücher ausgezeichnet und hat 2011 den Deutschen Jugendliteraturpreis erhalten.

Mehr zur Autorin findet ihr im Internet unter www.milenabaisch.de

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INHALT

Jetzt erzähle ich eine Abenteuer·helden·geschichte. In der geht es um mich, Anton unter Wasser. Es beginnt in der Zeit, als ich noch Star·flash·man hieß. Ihr sollt sitzen bleiben und zuhören, alles klar?

Also, es beginnt auf der Autobahn. Die Reise ging los. Opa lenkte den Wagen und ich zog meine Badehose an. Oma sang die Schlager·musik aus dem Radio mit.

»Gib Gas, Kumpel!«, sagte ich zu Opa. Ich mag es, wenn Autos schnell fahren. Doch Opa fuhr nur 100 Stunden·kilometer, wegen dem Wohnwagen. Der Wohnwagen wackelte hinter uns her. Immerhin kamen wir vorwärts.

Dann kamen wir am Camping·platz an. Ich sprang aus dem Auto, in meiner Badehose. Ich rannte über den Camping·platz und war entsetzt. Denn wo man auch hinsah: kein Swimming·pool.

»Wo ist der verdammte Swimming·pool?!«, fragte ich.

Oma lachte. »Wir sind doch hier am See.«

»Das ist nicht euer Ernst, oder?«, sagte ich leise. Aber ich war Star·flash·man, deshalb würde es gleich laut werden. »Hier soll ich Ferien machen? Geht’s noch?! «

In einen Swimming·pool hätte ich einen Köpper und Arschbomben gemacht. Ich wäre getaucht. Auf jeden Fall hätte ich kleine Kinder vorm Ertrinken gerettet.

Am Abend sprach ich kein Wort mehr mit den beiden Verrätern. Ich guckte einen Action·film. Dann baute ich das Sofa zu meinem Bett um und legte mich schlafen. In diesem Loch im Nirgendwo.

Ich war verdammt alleine. Mit meinen Ferien. An einem Ort ohne Swimming·pool, an dem es keine Ratte ausgehalten hätte.

Am nächsten Morgen wurde ich von einer verfluchten Angel geweckt. Sie stupste mich in den Bauch. Ich wollte weiter·schlafen, da fing Opa an zu sprechen.

»Wo sind bloß meine Würmer?«, murmelte er.

Schlagartig riss ich die Augen auf. »Habe ich da gerade Würmer gehört?«

Opa drehte sich zu mir um. »Guten Morgen, Anton«, sagte er. Dann suchte er weiter unter dem Sofa, das zu meinem Bett umgebaut war. Ich sprang auf den Tisch.

»Ich hatte die Würmer in einer Dose …«, murmelte Opa weiter. Aber er wurde von Oma unter·brochen, die uns zum Frühstück rief. Ich wollte nicht durch den mit Würmern verseuchten Wohnwagen laufen. Deshalb holte ich Schwung und sprang in Richtung Ausgang.

Nach dem Frühstück machte Opa wieder mit seinen Angelsachen rum. Immerhin hatte er die Würmer nun gefunden. Oma zog ihren Badeanzug an. Sie wollten zum See gehen. Ich hatte nichts dagegen. Ich wollte schön Fernsehen gucken.

Als ich es mir bequem gemacht hatte, klopfte Oma von außen an die Scheibe. »Wir wollen los!«, rief sie. »Anton, komm!«

Na ja, und dann ging der Ärger los. Ich sollte mit zum See. Sie zwangen mich dazu.

Also stiefelte ich hinter zwei alten Leuten her. Die eine trug ein Sonnen·hütchen und ein Sonnen·schirmchen. Der andere trug eine Angel·ausrüstung. Ich sagte auf dem ganzen Weg kein Wort, weil ich beleidigt war.

Der See war gleich hinter dem Camping·platz. Es gab eine große Badestelle mit Sandstrand und einem Holzsteg. Da machten Kinder Arschbomben. Oma und Opa hatten eine Stelle gefunden, die ihnen gefiel. Dort legten sie ihr Zeug ab, direkt am Wasser.

Ich blieb bei den Bäumen, die einige Meter entfernt vom Ufer standen. Oma ging zum See und steckte ihren Fuß ins Wasser.

»Oh, ist das herrlich!«, rief sie. »Komm, Anton! Wir gehen schwimmen!«

Sie drehte sich zu mir um und winkte. Ich rührte mich nicht von der Stelle.

Hatte ich bereits gesagt, dass ich Seen hasste?

Widerlich. Schon von Weitem konnte ich sie sehen: die Schling·pflanzen und den ganzen Horror. Nein, ich konnte sie nicht wirklich sehen. Ich sah nur die Wasser·oberfläche und die war: schwarz. Uah!

Warum ist das Wasser im See schwarz und im Swimming·pool schön blau? Eben. Der See musste voll sein von Schling·pflanzen und dem Ekels·dreck. Glipschige Fische, die den Menschen an die Beine glipschen. Schnecken, die ihren Schleim ausstoßen. Auch die Fische stoßen was aus. Sie pinkeln ins Wasser und machen sonst was da rein. Und die Quallen erst!

Am schlimmsten aber sind die Schling·pflanzen. Sie kommen von ganz tief unten, vom Grund. Und dann wachsen sie hoch, werden dabei immer schleimiger.

Wenn ich einen Feind gehabt hätte, ich hätte ihn da rein·geschmissen.

wollte.