E-Books für Autorinnen und Autoren

Band 4: Heftroman

von Anna Basener

Mit einem Interview mit Anita Friedrich

herausgegeben

von Sandra Uschtrin

Uschtrin Verlag

Impressum

Copyright: Uschtrin Verlag, München

Band 4: Heftroman

ISBN 978-3-932522-96-3

Vorwort

Sie wollen wissen, wie man Heftromane schreibt und was man damit verdient? Dann ist Band 4 „Heftroman“ aus unserer Reihe „E-Books für Autorinnen und Autoren“ genau richtig für Sie.

„E-Books für Autorinnen und Autoren“ ist die Reihe mit den kleinen smarten Büchern für alle, die schreiben, aus dem Uschtrin Verlag ().

Der Uschtrin Verlag versorgt Autorinnen und Autoren mit Fachinformationen rund ums Thema Schreiben und Veröffentlichen. Seit über 25 Jahren erscheint hier das „Handbuch für Autorinnen und Autoren“, die „Bibel für Schreiber“, so ein Rezensent über den renommierten Longseller ().

Prallvoll mit wertvollem Insiderwissen ist auch die „Federwelt – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren“ (, alle zwei Monate), die von Sandra Uschtrin herausgegeben wird.

In der Reihe „E-Books für Autorinnen und Autoren“ bündelt der Uschtrin Verlag sein Know-how in kleinen smarten Einheiten – für die BestsellerautorInnen von morgen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

Sandra Uschtrin

1 Die Literaturfabrik: Der Heftroman und wie man ihn verkauft

Der Buchmarkt ist vor allem ein Markt. Man muss nicht nur schreiben, man muss seine Texte zur richtigen Zeit am richtigen Ort dem richtigen Verlag mit den richtigen Argumenten verkaufen können. Wenn Sie einen Heftroman verfasst haben und einen Verlag für ein kleines, feines Stück Trivialliteratur suchen, dann wollen Sie einen Betrieb bedienen, dessen Produkte einen noch stärkeren Warencharakter haben als die des Buchmarkts.

Streitbar ist, wo die Trivialliteratur inhaltlich aufhört und wo die Unterhaltungsliteratur anfängt. „Bücher-Romane“ haben mitunter einen ähnlich trivialen Charme wie Heftroman und Co. Der Heftroman definiert sich daher nicht allein über seinen Inhalt und durch den Begriff der Trivialität. Es geht um die Form: Produktionsweise und Vertriebswege machen aus den „Groschenromanen“ das, was sie sind. Heftromane, Zeitschriften und Taschenhefte werden als Magazine vertrieben und an Kiosken und beim Zeitschriftenhändler verkauft. Sie haben mit dem Buchhandel, der über Grossisten einkauft, nichts zu tun. Der Heftroman macht seine äußere Form zum Gattungsmerkmal: Er wird geheftet und nicht mit einer Klebe- oder gar Fadenbindung zusammengehalten.

Etwa 50 Romantitel veröffentlichen die beiden großen Heftromanverlage Bastei und Kelter in Deutschland wöchentlich; das sind 200 Hefte pro Monat und 2400 Publikationen im Jahr. Hier findet also eine große Menge an Texten ihren Weg an die Öffentlichkeit. Wäre da nicht auch Platz für einen Roman von Ihnen? Vielleicht. Aber bevor Sie sich an einen Verlag wenden, sollten Sie sich mit der Gattung Heftroman gründlich auseinandersetzen. Auf keinen Fall dürfen Sie wie ein gescheiterter Hochliterat wirken, der es jetzt eben bei Kelter versucht. Lernen Sie die Gattung kennen und lieben! Das folgende Kapitel wird Ihnen dabei helfen und Ihnen die Besonderheiten zeigen.

2 Aus der Sicht des Verlages

2.1 Die Liebe

Der Heftroman teilt sich in zwei Bereiche oder Abteilungen. Früher unter dem Namen „Frauenromane“ zusammengefasst, definiert sich die erste Abteilung heute über ihr Thema: die Liebe. Man hat davon Abstand genommen, den Leserkreis gleich zu Beginn auf ein Geschlecht zu reduzieren. Liebesromane werden nach wie vor hauptsächlich von Frauen gelesen. Dennoch kann es nicht Ziel des Verlages sein, die Hälfte aller potenziellen Leser bereits über den Namen auszuschließen. Die Leserinnen und Leser können sich selbst einem Thema zuordnen und nach ihren Interessen Hefte kaufen. Im Falle des Liebesromans finden sie in jedem Roman die Geschichte von mindestens einer großen, glücklichen Liebe. Mindestens ein Paar findet zueinander und verspricht sich im Happy End ewige Treue.

Ob Arzt-, Fürsten-, Heimat-, Romantasy-Roman oder genrelos, der Liebesroman hat eine starke, unumstrittene Heldin: die Liebe. Ihr gegenüber steht die Erzfeindin: die Vernunft. Diese wird der Liebe einige Probleme bereiten, ihre Antagonistin ins Schleudern bringen, die Liebenden an ihren tiefen Gefühlen zweifeln lassen – und am Ende besiegt werden. Die Vernunft ist, über kurz oder lang, der Liebe unterlegen. Bis dahin säumen Missverständnisse, Hass, Eifersucht und Schicksalsschläge den Weg des jungen Paares, das sich sein glückliches Ende erst verdienen muss.

Das Genre Romantasy (Romantic Fantasy oder Romantic Thriller) zählt, wie der Name schon ahnen lässt, ebenfalls zu den Liebesromanen, ist aber ein Sonderfall: Die Genremerkmale Fantasy beziehungsweise Thriller sind mitunter dominanter als der Plot der Liebesgeschichte. Hier kann die Dramaturgie Verlieben – Konflikt – Lösung nicht zwingend auf jeden Roman angewandt werden. Manchmal bezieht die Geschichte ihre Spannung auch komplett aus der Konfrontation der Figuren mit mystisch fantastischen oder anderweitig bedrohlichen Vorgängen.

Vorbilder der Standard-Liebesheftromane sind die Romane von Marlitt, Hedwig Courths-Mahler und Konsalik. Es wird dramatisch, aber nie zu tragisch, es wird geweint und geküsst – und vor allem: gefühlt. Der Liebesheftroman ist der Inbegriff des Kitsches, und er ist es gerne. Aber er ist auch die Geschichte von jungen Menschen, die erwachsen werden, die mit dem richtigen Partner auch sich selbst finden, die lernen, Fehler auszubügeln und Verantwortung zu übernehmen, von politisch und moralisch korrekten Helden, die jeden Leser unmissverständlich auf ihre Seite ziehen. Liebesheftromane pflegen ein Millionenpublikum, weil sie unter Garantie gut ausgehen, und werden trotzdem belächelt – meistens von denen, die nie einen Heftroman gelesen haben.

2.2 Die Spannung

Früher von der „Frauenredaktion“ völlig getrennt, sind die „Männerromane“ heute in der Abteilung „Spannung“ zusammengefasst. Dramaturgisch gesehen benötigt jede Geschichte – ob kurz oder lang, ob auf Liebe oder Spannung fokussiert – einen Spannungsbogen. Spannung meint im Fall der Spannungsromane ganz konkret den Fantasy-, Horror-, Kriminal-, Kriegs- und Science-Fiction-, aber auch den Erotikroman. Das Thema in dieser Abteilung ist das Überleben: Sich selbst und andere im Weltraum oder in einer Millionenmetropole vor Verbrechern zu retten, übersinnliche böse Mächte oder landesweit gesuchte Banditen zu besiegen, darum geht es hier. Die erotischen Romane sind als Western ebenfalls Abenteuergeschichten. Auch hier müssen die Helden Leben retten, sie werden dafür nur anders belohnt als in ihren nichterotischen Parallelreihen.

In der Abteilung „Spannung“ werden lebensbedrohliche Gefahren überwunden. Die Subtextfrage des Liebesromans – „Kriegen sie sich?“ – lautet hier: „Werden sie überleben?“ Die jeweilige Frage ist in beiden Bereichen meistens eine rhetorische. Das Happy End ist auch im Spannungsroman gern gesehen. Jerry Cotton wird auf keinen Fall sterben, genauso wenig wie John Sinclair. Aber für die eine oder andere Maddrax-oder Perry-Rhodan-Figur ist die Reise tatsächlich bereits zu Ende. Im Landser werden die Soldaten erst durch ihren Tod zu Helden. Diese umstrittene Romanreihe macht aus der Niederlage einen Sieg und wird oft als kriegsverherrlichend eingestuft.

Der Spannungsroman erlaubt sich mehr Brutalität und Sexualität als die Abteilung Romantik, ist aber natürlich nicht frei von Liebe: Diese gibt ein gutes Mordmotiv ab, auch für einen Höllenfürst. Und was wäre Maddrax ohne seine aufreizende Gefährtin Aruula? Dennoch will der Spannungsroman nicht romantisch oder gar gefühlig sein und wird deshalb selten so nah an den Kitsch herangerückt wie der Liebesroman.