Das 1486 Seiten Krimi Ferien Paket – Mörderische Indizien: 15 Kriminalromane und Erzählungen

Alfred Bekker et al.

Published by Alfred Bekker, 2018.

Inhaltsverzeichnis

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Das 1486 Seiten Krimi Ferien Paket – Mörderische Indizien: 15 Kriminalromane und Erzählungen

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Ein Sarg für den Prediger

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Nach Anruf kam der Mörder: N.Y.D. – New York Detectives

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Das Haus der tanzenden Schatten

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Tardelli und der Teufel von Chicago

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Bount Reiniger auf der Todesliste: N.Y.D. – New York Detectives

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Tardelli im Vorhof der Hölle

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Karussell des Schreckens

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Treffpunkt Tigerkäfig

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Falsche Indizien

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Die Anhalterin

Die Nachtwache: Preisnachlass wegen Geisterbefall

Der Zettel

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Ausweichen

Leben ist Veränderung

Silvester

Der Papierflieger

Heißer Stoff im Eichensarg: N.Y.D. – New York Detectives

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Die Hauptpersonen des Romans:

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Prügel aus erster Hand

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Prolog

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

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Further Reading: 10 hammerharte Strand-Krimis

Also By Alfred Bekker

Also By A. F. Morland

Also By Theodor Horschelt

Also By Hendrik M. Bekker

Also By Konrad Carisi

Also By Cedric Balmore

Also By Wolf G. Rahn

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Das 1486 Seiten Krimi Ferien Paket – Mörderische Indizien: 15 Kriminalromane und Erzählungen

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Krimis von Alfred Bekker, Wolf G. Rahn, A.F.Morland, Hendrik M. Bekker, Konrad Carisi, Cedric Balmore, Theodor Horschelt

Der Umfang entsprich 1486 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

Alfred Bekker: Ein Sarg für den Prediger

Wolf G. Rahn: Nach Anruf kam der Mörder

Theodor Horschelt: Das Haus der tanzenden Schatten

A.F.Morland: Tardelli und der Teufel von Chicago

Wolf G. Rahn: Bount Reiniger auf der Todesliste

A.F.Morland: Tardelli im Vorhof der Hölle

Cedric Balmore: Karussel des Schreckens

Cedric Balmore: Treffpunkt Tigerkäfig

Theodor Horschelt: Falsche Indizien

Hendrik M. Bekker: Die Anhalterin

Hendrik M. Bekker: Preisnachlass wegen Geisterbefall

Konrad Carisi: Der Zettel

A.F.Morland: Heißer Stoff im Eichensarg

Theodor Horschelt: Prügel aus erster Hand

Alfred Bekker: Die schlesische Zeitmaschine

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DAS GLÜCK SCHEINT DEM jungen Rechtsanwalt Donald Sherman nicht geneigt zu sein. Jedenfalls sieht seine Zukunft mit einem Schlage ganz anders aus als geplant.

Judy Sellwyn, Shermans Verlobte, wird in dessen Wohnung ermordet aufgefunden! Der Verdacht richtet sich gegen Sherman.

In solch einer Situation ist es gut, zuverlässige Freunde zu haben. Als solcher ist seit Jahren der gut aussehende Eric Winston bekannt, an ihn wendet sich die Polizei zuerst. Winston bittet daraufhin Sherman um laufende Unterrichtung über das Fortschreiten der Nachforschungen. Noch jemand neigt nicht zu dem offiziellen Verdacht. Es ist Captain Mart Jones. Seine Vermutungen gibt er nicht preis, sie werden aber untermauert, als Mr. Balduff, der Großvater der entzückenden Patricia, tot aufgefunden wird.

Wie kommt es aber, dass wieder Donald Sherman der erste ist, der die Leiche sieht? Kann man jetzt noch an seine Unschuld glauben?

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Ein Sarg für den Prediger

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Kriminalroman von Alfred Bekker

Der Umfang dieses Buchs entspricht 105 Taschenbuchseiten.

Moss Gardner, der Leiter einer wohltätigen Stiftung, ist als populärer Fernseh-Prediger der Liebling von Millionen. Und doch scheint es jemanden zu geben, der ihn so sehr hasst, dass er ihm die Halsschlagader durchschneidet. Nachdem Gardner nach einem seiner Kamera-Auftritte in seiner Garderobe aufgefunden wird, schlägt der Fall bald hohe Wellen, zumal der Mord auf das Konto eines Serienmörders zu gehen scheint, der es auf Prominente abgesehen hat. Der Sender beauftragt Bount Reiniger mit den Ermittlungen, da die Polizei offenbar auf der Stelle tritt. Schon bald muss Bount Reiniger dann erkennen, dass nicht alle Spuren zu dem sogenannten Prominenten-Killer führen, auf den sich die Polizei fixiert hat. Bount ermittelt schließlich hinter der sauberen Barmherzigkeitskulisse im Dunstkreis von Gardners Stiftung und trifft auf eine ganze Reihe von Verdächtigen.  

Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jonas Herlin, Adrian Leschek, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet Farell.

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Ein CassiopeiaPress Buch

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© dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Jesus lebt!“, rief die sonore, angenehm klingende Stimme von Moss Gardner durch das Mikrofon, während im Hintergrund der Gospel-Chor summte. Gardner wandte sich jetzt ein paar Grad von seinem Publikum ab, das sich zum Teil in einem tranceartigen Zustand der Verzückung zu befinden schien. Zufriedene, entspannte Gesichter, vielfach geschlossene Augen und erhobene Hände. Indessen blickte Gardner direkt in die Kamera. Der hochgewachsene und etwas zum Übergewicht neigende Prediger mit dem angegrauten Bart und der sympathischen Stimme war in diesem Moment in einigen Millionen Wohnzimmern und Küchen zu sehen.

Gardner schloss ein paar Sekunden lang die Augen, ehe er wiederholte: „Jesus lebt! Und er ist jetzt mitten unter uns! Er ist mitten unter uns, aber er will nicht, dass wir die Hände einfach nur in den Schoß legen.“ Eine kleine, rhetorische Pause folgte. Ein Muskel zuckte in Gardners Gesicht und er öffnete wieder die Augen. „Er will, dass wir Barmherzigkeit üben! Jeder einzelne von uns! An jeden von uns geht die Frage: Was kannst du tun, um das Leid deines Nächsten mitzutragen!“ Und dabei war sein rechter Zeigefinger direkt in die Kamera gerichtet. „Was kannst du tun, damit Alten und Kranken geholfen wird?“, fuhr Gardner fort. „Wir brauchen Krankenhäuser und Altenheime, wir brauchen Schulen, an denen unsere Kinder nicht nur den Umgang mit Drogen und Schlagringen lernen, um dann als Analphabeten ins Leben zu gehen - als Menschen, die nicht einmal in der Lage sind, Gottes Wort zu lesen!“ Eine weitere Pause folgte. „Aber das alles kostet Geld, sehr viel Geld. Mehr Geld, als die meisten von euch in ihrem ganzen Leben verdienen werden! Doch wenn jeder von euch, jeder, der in diesem Augenblick am Bildschirm sitzt und mich hier stehen sieht, nur einen Dollar spendet, dann kämen schon mehrere Millionen zusammen!“

Auf Millionen Bildschirmen wurde jetzt eine Kontonummer eingeblendet. „Nur einen Dollar! Überlegen Sie sich, wie oft Sie einen Dollar für etwas Sinnloses verschwenden!“

Der Gospel-Chor wurde jetzt lauter und schließlich setzte das Playback für den Abspann ein.

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Moss Gardner ging den Flur zu seiner Garderobe entlang. Er fühlte sich müde und war froh, die wöchentliche Sendung hinter sich gebracht zu haben. Irgendjemand klopfte ihm auf die Schulter.

„Du warst großartig, Moss!“, rief ihm einer ins Ohr und war dann auch schon wieder weg. Am Zigarrengeruch erkannte Gardner, dass es Jay Raines gewesen sein musste, der Aufnahmeleiter.

Einen Augenblick später stand Gardner dann vor seiner Garderobentür. Er hatte die Klinke schon heruntergedrückt, da packte ihn plötzlich jemand an der Schulter.

„Hey, Moss! Einen Moment!“

Gardner drehte sich missmutig zu Saul Enright herum, der einen ganzen Kopf kleiner war als der Prediger. Enright war ein schmächtig wirkender Mann mit ungesunder Gesichtsfarbe. Und Kettenraucher. Auch jetzt steckte wieder so ein Glimmstängel zwischen seinen Fingern. Gardner konnte den Geruch nicht ausstehen. Und im Augenblick wollte er nichts anderes, als einfach allein zu sein. In der Sendung hatte er sich mental völlig verausgabt.

Gardner seufzte genervt. „Was gibt es denn so Wichtiges, Saul?“

„Eine Unterschrift!“

„Hätte das nicht bis morgen Zeit?“

„Nein, Moss, das muss heute noch raus!“

Saul Enright hielt dem Prediger einen Kugelschreiber unter die Nase. Gardner knurrte etwas Unverständliches in seinen Vollbart hinein, nahm den Stift und ließ sich die Papiere geben, auf denen seine Unterschrift vonnöten war.

Gardner drückte die Dokumente lustlos gegen den breiten Türrahmen und kritzelte nachlässig seinen Namen - oder das, was andere dafür halten sollten. „War das alles?“

„Ja“, nickte Enright. „Mach's gut, Moss! Sehen wir uns morgen?“

„Auf jeden Fall! Ich habe nämlich noch ein Hühnchen mit dir zu rupfen!“

Enright hob die Augenbrauen. „Ach, ja?“

„Nicht jetzt. Morgen, Saul, morgen...“, er rieb sich die müde wirkenden Augen und wandte sich zur Tür. „Grüß Carrie von mir!“

Enrights Gesicht veränderte sich ein wenig. In seinen blassblauen Augen blitzte es auf einmal. Aber das dauerte nur einen Augenblick lang. Enright grinste schwach und sah, wie Moss Gardner in seiner Garderobe verschwand. Sekunden später ließ Gardner sich in seinen Sessel fallen und schloss die Augen. Er versuchte nichts anderes, als einfach abzuschalten, aber auch bei geschlossenen Augen sah er die Menschenmenge vor sich, die zu ihm aufblickte und wie hypnotisiert an seinen Lippen hing. Es dauerte immer eine Weile, bis er diese Bilder loswurde und normal denken konnte.

Moss Gardner hatte keine Ahnung, wie lange er so in seinem Sessel gesessen hatte, als es plötzlich an seiner Garderobentür klopfte. Das ließ ihn aus seiner Versenkung hochschrecken.

„Ja?“

Gardner stand auf und öffnete.

Dann ging es blitzschnell und ehe Gardner begriffen hatte, was vor sich ging, war er schon so gut wie tot. Ein rasierklingenscharfes Messer hatte ihm im Bruchteil einer Sekunde die Halsschlagader geöffnet. Gardners Gesicht wurde starr, seine Augen traten vor Schrecken unnatürlich weit aus ihren Höhlen heraus.

Mit beiden Händen fasste er sich an den Hals, aber das Blut rann ihm in Strömen zwischen den Fingern hindurch. Panik erfasste Gardner. Er wollte schreien, aber es kam nicht ein einziger Laut über seine Lippen. Er wusste, dass es aus war, wenn nicht noch ein Wunder geschah. Er röchelte und blickte dabei seinem Mörder in die Augen, der einige schrecklich lange Sekunden damit verbrachte, seinem Opfer beim Sterben zuzusehen.

Dann wandte der Mörder sich ab, schloss die Tür und machte sich davon.

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Ihr Kostüm saß knapp, aber korrekt. Und an ihrer Frisur schien jedes einzelne Haar ihrer brünetten Mähne exakt gestylt worden zu sein. Vermutlich gehörte sie zu denjenigen, die in ihrem Job wie eine gut geölte Uhr funktionierten und die Karriereleiter unaufhaltsam nach oben rutschten. Wenn sie überhaupt einen Fehler hatte, dann vielleicht den, dass sie sehr schnell sprach.

„Wie bitte?“, unterbrach sie daher der Mann auf der anderen Seite des Schreibtischs stirnrunzelnd.

Sie hieß Lorraine Conrad und war bei einem Kabel-TVSender angestellt, der in letzter Zeit durch sprunghaft gestiegene Einschaltquoten innerhalb der Branche von sich reden gemacht hatte.

„Ich bin wegen des Mordes an Moss Gardner bei Ihnen, Mister Reiniger! Ich nehme an, Sie haben davon gehört!“

Bount Reiniger, der bekannte New Yorker Privatdetektiv ließ die Zigarette kurz zwischen seinen Lippen aufglimmen und nickte dann.

„Ich habe flüchtig in der Zeitung davon gelesen. Moss Gardner? Das ist doch dieser TV-Prediger, oder?“

„Ja. Mister Gardner hatte bei uns eine wöchentliche Sendung, die überaus erfolgreich war. Wir bekommen Waschkörbe voll Briefe, in denen die Leute fordern, dass der Schuldige endlich zur Rechenschaft gezogen wird.“

„Und?“, fragte Bount. „Gibt es schon Hinweise?“

„Das ist es ja eben!“, meinte Lorraine Conrad. „Unserem Eindruck nach tritt die Polizei auf der Stelle. Der Mord war am Dreizehnten dieses Monats...“

„Das ist mehr als eine Woche her!“

„Ja, sehr richtig! Und bis jetzt scheint man noch kein Stück weiter zu sein! Die machen zwar immer einen Nebel aus schönen Worten um die Sache, aber es läuft darauf hinaus, dass sie nichts in der Hand haben. Nicht das Geringste!“ Sie zuckte mit den zierlichen Schultern. „Und genau aus diesem Grund sitze ich ja nun auch hier in Ihrem Büro, Mister Reiniger! Sie sollen sehr gut in Ihrem Job sein...“

„Danke. Aber meine Dienste kosten auch 'ne Kleinigkeit.“

„Kein Problem. Ich bin autorisiert, Ihnen einen Vorschuss anzubieten. Ansonsten versichere ich Ihnen, dass unser Unternehmen sich nicht kleinlich zeigen wird.“ Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, das aber kalt und geschäftsmäßig wirkte.

Sie öffnete Ihre Handtasche und zog einen Scheck hervor, den sie dann vor Reiniger auf den Tisch legte.

„Moment! Ich habe noch nicht gesagt, dass ich den Auftrag an...“ Bount brach abrupt ab, als er die Summe gesehen hatte, die auf dem Formular eingetragen war. Er sah seiner Auftraggeberin offen ins Gesicht. „Ich brauche ein paar Informationen“, meinte er knapp.

Sie nickte. „Ich habe ein Dossier für Sie zusammengestellt, das Ihnen sicher hilfreich sein wird...“

Sie legte eine graue Mappe auf den Tisch, die Bount an sich nahm. Der Privatdetektiv blätterte ein wenig darin herum. Unterdessen ging die Tür auf und June March, Reinigers bildhübsche Assistentin, betrat den Raum. Sie brachte Kaffee und den hatte besonders Bount auch dringend nötig, denn den Großteil der vergangenen Nacht war er mit einer Observation beschäftigt gewesen.

Lorraine Conrad hob nur kurz die Augenbrauen, als June ihr einschenkte. Dann blickte sie zu Bount, der gerade an seiner Tasse schlürfte. „Ich hoffe, Sie sind zufrieden.“

Bount nickte beifällig.

„Ich sehe, dass Moss Gardner Vorsitzender einer Stiftung ist...“

„War“, verbesserte Miss Conrad. „Er war Vorsitzender der Mercy Foundation. Und zwar schon seit Jahren.“

„Sein Fernseh-Job war als mehr oder weniger eine Nebentätigkeit.“

„Ja, so kann man es sagen. Aber Gardner hatte außergewöhnliches Talent. Wir hatten vorher schon eine ähnliche Sendung, aber Gardner war besser! Und zwar um Längen!“

„Woran lag das?“, fragte Bount.

„An Gardner. Ganz allein an ihm. Sagen Sie bloß, Sie haben die Sendung nie gesehen, Mister Reiniger!“

Bount lächelte dünn.

„Nun, in meinem Job hat man keinen geregelten Feierabend. Wenn andere Leute vor der Glotze sitzen, habe ich oft noch was zu tun.“

„Ich verstehe.“

„Und was war nun so besonders an Gardner? Er ist ja schließlich nicht der einzige Prediger auf dem Schirm.“

„Ja, und außerdem knöpfte er den Leuten noch Geld ab“, nickte Miss Conrad. „Aber das nahm einem Mann wie Moss Gardner niemand übel. Er hatte einfach das gewisse Etwas. Persönlichkeit, wenn Sie verstehen, was ich meine. Sein Tod stürzt unseren Sender natürlich in erhebliche Schwierigkeiten. Aber das ist nicht Ihr Problem, Mister Reiniger.“

„Glücklicherweise. Ich frage mich, weshalb ein so beliebter Mann umgebracht wird. Hatte er vielleicht Feinde?“

„Nein. Er wurde von einer breiten Sympathiewelle getragen. Natürlich gibt es da immer die üblichen Rivalitäten.“ Sie machte eine Pause und meinte dann: „Wenn Sie keine Fragen mehr haben.“

Sie erhob sich und Bount brachte sie noch zur Tür. Als er zurückkam, sah er June in den Unterlagen blättern, die Miss Conrad zurückgelassen hatte.

„Die Halsschlagader aufgeschnitten. Kling ja ziemlich schlimm, Bount! Was hältst du davon?“

Bount Reiniger zuckte die Achseln.

„Ich weiß es noch nicht. Die Sache ist eine Woche her.“

June strich sich die blonde Mähne zurück. „Zu lang, denkst du?“

„Ich will's nicht hoffen!“

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Die Mercy Foundation hatte ihre Büros in einer piekfeinen Etage in Midtown Manhattan. Von Bount Reinigers Residenz in der 7th Avenue aus war es nicht weit entfernt.

„Was kann ich für Sie tun?“, lächelte ein entzückendes, braunäugiges Wesen Bount an, als er dort auftauchte. Die junge Frau hatte ein feingeschnittenes Gesicht. Ihre Haare waren genau in der richtigen Mischung aus Eleganz und Lässigkeit hochgesteckt.

Bount musterte ganz kurz die geschwungene Linie ihres grazilen Körpers und erwiderte dann ihr Lächeln.

„Mein Name ist Reiniger und ich...“

„Der Privatdetektiv?“

Bount hob die Augenbrauen. „Na sollte es wirklich wahr sein, dass ich schon so bekannt bin?“, meinte er ironisch. „Sagen Sie mir, wie ich noch als Detektiv arbeiten soll, wenn mich jeder kennt?“

Sie zwinkerte ihm zu und gab zurück: „Ich hoffe nicht, dass Ihre Eitelkeit allzu großen Schaden nimmt, wenn ich Ihnen verrate, dass ich nur deshalb erraten habe, wer Sie sind, weil es vorher hier die Runde gemacht hat, dass der Sender Sie engagiert hat!“

Bount zuckte die Achseln. „Ich hoffe, ich werde es überleben.“

„Das hoffe ich allerdings auch.“

Ihr Augenaufschlag war unnachahmlich.

„Eigentlich bin ich hier, weil ich mit Mister Enright sprechen möchte“, erklärte Bount. „Er leitet doch jetzt die Stiftung, oder irre ich mich?“

„Nein, Sie irren sich nicht. Er war Moss Gardners Stellvertreter und nun... Es war irgendwie logisch, dass er den Posten übernimmt.“

„Tritt er auch im Fernsehen auf?“

„Nein. Dazu hat er kein Talent.“

„Ich verstehe. Wo ist Enrights Büro?“

„Dahinten.“

Reinigers Blick folgte ihrem schlanken Arm. „Danke.“

Bount wollte sich schon in Bewegung setzen, da hielt ihre Stimme ihn zurück.

„Er ist nicht dort!“, meinte sie im Brustton vollkommener Überzeugung. Sie begegnete Bounts Blick und sah ihm offen in die Augen. „Sie können mir ruhig glauben, Mister Reiniger!“

„Sehe ich so aus, als würde ich Ihnen misstrauen, Miss...“

„Parker. Sally Parker. Und wenn Sie es genau wissen wollen: Sie sehen so aus, als würden Sie mir nicht ein einziges Wort glauben!“

Bount grinste und zuckte die Achseln. „Berufskrankheit, schätze ich. In meinem Job wird man ziemlich oft belogen, wissen Sie?“

„Sie Ärmster!“

„Wie wär's, wenn wir beide uns ein bisschen unterhalten? Schließlich ist Enright ja nicht da!“

„Liebend gerne, Mister Reiniger. Aber nicht während der Bürostunden. Ich habe jede Menge Arbeit, die darauf wartet, erledigt zu werden!“

„Was ist das denn für Arbeit?“

„Zum Beispiel überprüfe ich im Augenblick die Spesenabrechnungen unserer Mitarbeiter.“

Bount lächelte charmant.

„Ich glaube, wir sollten uns nach Büroschluss mal treffen. Wenn Sie mehr Zeit haben!“

Sie lachte und zeigte dabei zwei Reihen strahlend weißer Zähne. „Setzen Sie immer alles so auf eine Karte?“, gab sie den Ball zurück.

„Ab und zu schon“, nickte Bount.

Sie schenkte ihm ein entzückendes Lächeln. „Und warum jetzt?“

„Ich suche einen Mörder.“

„Wissen Sie was? Jetzt glaube ich Ihnen nicht!“

„Die Gedanken sind frei, Miss Parker!“

Ein breitschultriger Mann in den mittleren Jahren tauchte jetzt hinter Sally auf. Er hatte eine hohe Stirn und einen kräftigen, schwarzen Haarkranz. Eine modische Brille mit rotem Gestell gab seinem Gesicht etwas Markantes.

Er nahm Bount zunächst überhaupt nicht zur Kenntnis, sondern wandte sich an Sally.

„Miss Parker, ich muss Sie dringend sprechen, wenn Sie gleich mal in mein Büro kommen könnten.“

„Natürlich.“

„Gehen Sie schon einmal vor, ich komme gleich nach.“ Sie nickte, wechselte einen letzten Blick mit Bount und ging dann. Währenddessen unterzog der Mann Bount einer sekundenschnellen, aber sehr kritischen Musterung.

„Ich habe Sie noch nie hier gesehen!“, bekannte er.

„Ich bin Bount Reiniger...“

„Ach so! Ja, der Sender macht eine Menge Wirbel wegen dem Mord an Mister Gardner... Aber ich glaube nicht, dass Sie mehr herausbekommen, als die Polizei.“ Er zuckte die Achseln. „Ein Verrückter, so meinte der Mann von der Polizei, als er hier war. Ein Psychopath, der es auf Prominente abgesehen hat.“ Plötzlich hielt er Bount die Hand hin. „Entschuldigung, ich bin ziemlich unhöflich, was? Mein Name ist Sussman. Jerry Sussman. Ich bin für die Buchhaltung der Stiftung zuständig.“ Er lachte heiser.

„Ich könnte es auch anders ausdrücken: Ich bin eine gut bezahlte Sekretärin zum ordentlichen Abheften von Belegen!“

„Das klingt sehr bitter!“, stellte Bount fest.

„Na, ich hoffe, dass wenigstens Sie einen interessanten Job haben, Mister Reiniger.“

Und damit war er auch schon weg.

Reiniger brauchte nicht lange zu warten, dann schneite Saul Enright doch noch herein, begrüßte Bount mit etwas übertrieben wirkender Freundlichkeit und führte ihn dann in sein Büro. Zwischen den Fingern hatte er dabei eine Zigarette, an der er ziemlich regelmäßig alle zwei bis drei Sekunden zog. Er hatte ein blasses Gesicht, aber in seinen Augen funkelte es jetzt. Er wirkte irgendwie ziemlich aufgekratzt.

„Setzen Sie sich!“, sagte er und bot Bount einen Platz an. Dabei fiel der Blick des Privatdetektivs auf ein Türschild, das man irgendwo abgelegt hatte. 'Moss Gardner' stand darauf.

„War dies früher Mister Gardners Büro?“

„Ja. Aber jetzt habe ich seine Funktionen übernommen. Und auch sein Büro. Obwohl...“

„Obwohl was?“

„Nun, im Grunde, habe ich schon lange die Arbeit gemacht, wissen Sie? Moss hatte das Charisma. Die Ausstrahlung, die Wirkung auf Menschen. Mit dem, was sich hier unten auf der Erde abspielte, hatte er nicht viel zu tun. Die Kleinigkeiten interessierten ihn nicht. Er schwebte immer ein bisschen über den Wolken, wenn Sie verstehen, was ich meine.“

„Ich denke schon.“

„Tja, wir kommen natürlich jetzt in einige Schwierigkeiten.“

„Weil keiner Moss Gardner bei seinen Fernsehauftritten ersetzen kann?“

„So ist es. Wir verhandeln mit Thomas Hogan. Vielleicht kennen Sie ihn, er hatte eine religiöse Sendung auf demselben Kanal, bevor es Moss Gardners Show gab. Hogans Sendung wurde dann abgesetzt, weil Moss einfach besser war. Jetzt verhandele ich gerade mit Hogan. Aber der ist auch allenfalls eine Übergangslösung...“

Bount lehnte sich zurück und nahm eine von seinen eigenen Zigaretten, um sie sich in den Mund zu stecken und anzuzünden. Dabei fiel sein Blick auf das kleine Kreuz, das Enright als Anstecknadel unübersehbar am Revers seines Jacketts trug. Es war aus Rotgold und wirkte fast wie ein Erkennungszeichen. Hier trug jemand seine Überzeugung sichtbar vor sich her, so dass sie ja von niemandem übersehen werden konnte.

„Gardner wurde in der Garderobe des Studios ermordet, nicht wahr?“

„Ja.“

„Hatte denn da jeder Zutritt?“

„Im Prinzip nein.“

„Was heißt im Prinzip?“

„Die Garderobe war Moss' Heiligtum. Da durfte ihn niemand stören. Jeder hat das respektiert.“

„Der Mörder nicht.“

Enright beugte sich etwas vor. Der Zug, den er jetzt von seiner Zigarette nahm, verriet ein wenig Nervosität. „Hören Sie, Mister Reiniger. Jeder konnte in diese Garderobe hinein! Nach so einer Sendung, entsteht immer ein großer Tumult. Da laufen Dutzende von Menschen auf den Fluren herum. Der eine will dies, der andere das. Außerdem haben wir immer mit Publikum gedreht. Manche der Leute verlaufen sich einfach und benutzen die falsche Tür, weil sie denken, dass sie zum Ausgang gelangen...“

„Ein Mann, der so in der Öffentlichkeit steht, wie Mister Gardner... Sorgt der sich nicht um seine Sicherheit?“

Enright zuckte heftig mit den Achseln, und zwar zweimal kurz hintereinander. Es war eine ziemlich übertrieben wirkende Geste.

„Er wollte davon nichts wissen“, meinte der blassgesichtige Mann dann. „Er glaubte an das Gute im Menschen. Und irgendwie muss ich ihm recht geben.“

„In wie fern?“

„Na, wer bringt schon einen Menschen wie Moss Gardner um, der in seinem ganzen Leben nichts anderes getan hat, als Menschen zu helfen! Gehen Sie auf die Straße, fragen Sie die Leute danach, was sie von ihm halten! Ich sage Ihnen, Sie werden große Schwierigkeiten haben, jemanden zu finden, der ihn nicht mochte!“

„Einen gibt es aber!“

„Ein Verrückter! Eine andere Erklärung habe dafür nicht!

Oder fällt Ihnen was Besseres ein, Reiniger?“

„Noch nicht.“

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Als Bount wieder hinter dem Steuer seines champagnerfarbenen 500 SL saß, konnte er sich nicht so recht entscheiden, was er von Saul Enright nun halten sollte. Irgendetwas war merkwürdig an dem Mann. Aber es war nichts Greifbares. Jedenfalls machte er nicht unbedingt den Eindruck, als würde er aus Trauer über den Tod seines Bosses zerfließen. Das Gegenteil schien der Fall zu sein. Aber das war noch kein Verbrechen, nicht einmal für den Vorsitzenden einer frommen, christlichen Stiftung. Enright hatte einen Karrieresprung nach vorne gemacht und freute sich darüber. Dafür, dass er seine Freude darüber so schlecht verbergen konnte, konnte man ihn nicht verurteilen. Schauspielerei war ja schließlich auch nicht Enrights Job. Und dann war da noch Sally Parker. Ihr hübsches Gesicht ging Bount nicht aus dem Kopf - und das hatte nichts mit dem Mord zu tun, den er aufzuklären hatte. Sie war einfach eine aufregende Frau.

Bount versuchte per Autotelefon seinen Freund Toby Rogers vom Morddezernat Manhattan C/II zu erreichen. Vielleicht hatte Rogers ja Informationen, die Bount in der Sache weiterbringen konnten. Schließlich fiel der Fall ja in den Zuständigkeitsbereich seiner Abteilung und auch wenn er nicht selbst daran arbeitete, so doch mit Sicherheit einer seiner Kollegen. Aber Rogers war nicht aufzutreiben.

Stattdessen traf Bount nur Lieutenant Myers an, seines Zeichens Rogers’ Stellvertreter. Der Detektiv kannte auch Myers recht gut. Er hatte schon des Öfteren mit ihm zusammen ermittelt und so war der Lieutenant so freundlich, Bount zu verraten, wo sein Vorgesetzter jetzt zu finden war. Myers nannte eine Adresse.

„Ein Tatort?“, fragte Bount.

„Ja. Und wenn es nicht sehr wichtig ist, was du von ihm willst, dann solltest du dort nicht auftauchen, Bount!“

„Warum nicht?“

„Ich habe das nur so am Rande mitgekriegt, aber es muss ziemlich unappetitlich sein. Also nichts für schwache Nerven!“

„Na, ich werde schon nicht gleich umfallen. Worum geht es denn?“

„Aufgeschnittene Halsschlagader. Also ich bin nicht gerade traurig, dass ich nicht dabei bin!“

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Eine Viertelstunde später stand Bount in der Eingangstür zu einer schmucken Wohnung in Greenwich Village. Er hatte nur wenige Schwierigkeiten gehabt, an den Polizisten vorbeizukommen, die die Schaulustigen vom Tatort abschirmen sollten. Einige der Leute kannte er nämlich.

Ein Blick auf das Schild an der Klingel hatte Bount verraten, von wem die Wohnung bewohnt wurde. Der Mann hieß Dariusz Korzeniowski - wie immer das auch korrekt auszusprechen war. Schon im Flur sah Bount Blutspuren.

Im großzügig ausgestatteten Wohnzimmer sah Bount dann die berühmten Kreideumrisse. Die Leiche war offenbar schon abgeholt worden. Und wenn man nach den Begleitumständen ging, war das vielleicht auch besser so. Dann fiel Bounts Blick auf die massige Gestalt von Captain Toby Rogers, dessen Gesicht im Augenblick kaum Farbe hatte.

Nach dem, was er hier vorgefunden haben musste, war das auch nicht weiter verwunderlich.

„Komm ruhig herein!“, meinte Rogers, als er den Privatdetektiv sah. „Die Spurensicherung war schon hier und hat alles aufgenommen.“

„Sieht ja schlimm aus!“

Rogers zuckte die Achseln.

„Ein Psychopath, Bount. Er hat es nur auf Prominente abgesehen. Am liebsten wäre ihm wahrscheinlich der US-Präsident, aber der wird wohl zu gut bewacht. So musste er sich mit einem Schauspieler begnügen.“

„Dariusz Korzeniowski? Kann ja sein, dass ich in der Branche nicht so auf dem Laufenden bin, aber ich habe noch nichts von ihm gehört.“

„Kein Wunder. Seinen bürgerlichen Namen kann ja auch kein Mensch richtig aussprechen, deshalb nannte er sich beruflich Darry Korz.“

„Den Namen habe ich in riesengroßen Lettern am Broadway gesehen!“

Rogers nickte. „Stimmt. Er war ein Musical-Star, der zu einer Art Senkrechtstart angesetzt hatte. Sein fünftes Opfer. Der letzte in der Reihe war Moss Gardner, der Fernsehprediger...“

„Bist du sicher, Toby?“

Der Captain runzelte die Stirn.

„Was soll das heißen? Was machst du überhaupt hier?“

„Myers war so nett, mir zu sagen, wo du bist. Ich arbeite an dem Gardner-Fall!“

Toby Rogers verzog das Gesicht. „Dann sind wir ja hinter demselben Wahnsinnigen her.“

„Vielleicht“, meinte Bount. „Was habt ihr denn bisher in der Hand?“

Rogers schlug Bount freundschaftlich auf die Schulter.

„Komm“, meinte er. „Wenn wir uns unterhalten wollen, dann braucht das ja nicht unbedingt an einem solchen Ort zu sein, oder?“

Ein paar Augenblicke später befanden sich die beiden Männer im Freien. Bount zündete sich eine Zigarette an, während er dem Captain aufmerksam zuhörte.

„Der Kerl tötet immer auf dieselbe Weise“, sagte Rogers. „Mit einem Rasiermesser oder etwas ähnlich Scharfem. Er ist Rechtshänder und trägt Schuhgröße acht. Er ist in die Blutlache getreten, als er bei Gardner in der Garderobe war und hat ein paar Fußabdrücke hinterlassen. Aber ich glaube nicht, dass man damit viel anfangen kann! Wenn er wenigsten orthopädische Spezialschuhe getragen hätte!“

„Er?“, hakte Bount nach.

„Kann auch eine Frau sein. Auf jeden Fall aber mindestens 1,75 m groß. Das meint jedenfalls der Gerichtsmediziner. Bei einem kleinen Täter wäre die Schnittführung anders gewesen.“

Bount seufzte und blies dabei einen Schwall von Rauch hinaus.

„Besser wäre, wenn wir es mit einem Linkshänder mit Riesenfüßen zu tun hätten, was?“

„Auch davon gibt es Millionen, Bount.“

„Keine Fingerabdrücke?“

„Nein.“ Rogers zuckte mit den Schultern. „Ein Irrer, der unbedingt in den Medien erwähnt werden will!“, meinte der Captain. „Sinngemäß meint das jedenfalls unser Psychologe. Der Täter sucht sich berühmte Opfer, um selbst berühmt zu werden. Und er benutzt immer dieselbe Methode, damit man weiß, dass er es war. Und wie es scheint, ist seine Rechnung bislang aufgegangen. Die Zeitungen schreiben über ihn und selbst in den Fernsehnachrichten haben sie etwas über ihn gebracht!“

„Kein Wunder, wenn man Publikumslieblinge wie Moss Gardner ermordet!“

„Du sagst es!“

„Gardner war verheiratet, nicht wahr?“

„Ja.“

„Ich nehme an, du hast mit der Witwe gesprochen.“

„Nein, nicht ich. Lieutenant Lopez war dort. Aber es ist nicht viel dabei herausgekommen. Keine Drohbriefe, keine Feinde, nichts.“ Rogers seufzte und setzte dann noch hinzu: „Solche Fälle mag ich nicht, Bount. Ich bin da ganz ehrlich. Es ist zuviel Öffentlichkeit im Spiel. Jeden Tag ruft ein gutes Dutzend Journalisten in meiner Abteilung an, um nach Ergebnissen zu Fragen. Dabei merken diese Leute gar nicht, dass sie dem Killer mit ihrer Berichterstattung genau das geben, was er haben will!“

Reiniger zuckte die Achseln. „Was sollen sie machen? Nichts berichten? Es ist ihr Job!“

„Apropos Job... Wer hat dich eigentlich engagiert, Bount?“

„Der Sender, bei dem Gardner seine Sendungen hatte.“

Rogers grinste.

„Dann trauen die unserer Arbeit wohl nicht über den Weg.“

„Sagen wir's so, Toby: Sie meinen, dass ihr Unterstützung vertragen könntet!“

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Ich will eine andere Band und einen anderen Chor! Und dieses Bühnenbild ist zum Kotzen!“

„Mister Hogan...“

„Außerdem sollte man etwas am Konzept der Sendung ändern. Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht und auch schon mit dem Regisseur gesprochen, ob sich das machen lässt.“

„Mister Hogan, die Sendung ist beliebt und ich werde nicht zulassen, dass auch nur ein Jota am Konzept geändert wird! Haben Sie kapiert?“

„Jetzt hören Sie mal zu, Johnson.“

„Nein, ich will nichts mehr hören! Seien Sie froh, dass Sie überhaupt noch eine Chance bekommen! Ich glaube nicht, dass man Sie noch einmal auf den Schirm gelassen hätte, wenn Moss Gardner noch leben würde! Aber leider haben wir im Moment kein anderes Gesicht für die Sendung! Also seien Sie zufrieden, Hogan!“

Die beiden Männer drehten sich fast im selben Moment herum, als sie die Schritte hörten, die in dem leeren Studio widerhallten.

„Was machen Sie hier? Wie kommen sie überhaupt hier herein?“, rief Thomas Hogan ziemlich ungehalten. Der Mann, der da offenbar den letzten Teil des Gesprächs mitangehört hatte, lächelte. „Mein Name ist Bount Reiniger“, erklärte er. „Ich bin Privatdetektiv und ermittle im Fall Gardner.“

„Trotzdem, Sie können hier nicht einfach so herumschnüffeln!“, ereiferte sich Hogan, der offenbar einen Teil des Dampfes, der eigentlich noch für Johnson bestimmt gewesen war, nun an Reiniger ausließ.

Bount nahm das mit Gelassenheit hin.

„Ich darf“, sagte er. „Ich habe die Erlaubnis, mich überall umzusehen. Fragen Sie nach!“

Hogan machte eine wegwerfende Geste.

„Macht doch alle, was ihr wollt!“, schimpfte er und stampfte davon, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Bount sah ihm einen Moment lang nach und wandte sich dann an Johnson. „Was ist denn mit dem los?“

„Kleine Meinungsverschiedenheit. Nichts, was Sie interessieren muss, Mister Reiniger.“

„Ist das der Nachfolger von Gardner?“

„Ja. Vorausgesetzt, wir können uns mit der Mercy Foundation einigen.“

„Das verstehe ich nicht.“

„Die Stiftung besitzt alle Rechte am Sendekonzept und spricht auch bei der Besetzung mit. Das hat dieser Enright so arrangiert. Ein schlauer Fuchs, bei dem muss man immer zweimal hinsehen, bevor man irgendwo seinen Namen hinsetzt.“

„Ich habe mit Enright gesprochen. Er schien mir nicht so begeistert von Hogan zu sein.“

„Bin ich ebenfalls nicht. Aber mangels Alternative wird er es wohl so lange machen, bis ein besserer auftaucht. Er hatte früher schon einmal eine Sendung...“

„Aber dann kam Gardner!“

Johnson blickte auf und sah Bount direkt in die Augen. „Sie wissen aber schon ganz gut Bescheid - dafür, dass Sie noch nicht lange an dieser Sache dran sind. Mir war übrigens von Anfang an bekannt, dass Sie derjenige sind, den die da oben engagiert haben!“

„In einem Laden wie diesem kann wohl nichts geheim halten, was?“

Johnson lachte. „Nein, Mister. Das braucht man gar nicht erst zu versuchen. Völlig zwecklos!“

„Ich bin eigentlich nur hier, um mir mal den Tatort anzusehen“, erklärte Reiniger dann. „Vielleicht könnten Sie mir behilflich sein.“

Johnson zuckte die Achseln.

„Warum nicht? Kommen Sie!“

Johnson ging voraus und Bount folgte ihm. Als sie durch den Flur zur Garderobe gingen, fragte Bount: „Was ist eigentlich Ihr Job?“

„Ich bin der Producer der Sendung. Mann kann auch sagen Mädchen für alles. Jedenfalls komme ich mir oft so vor. Aber ich bin stolz darauf, die einzige wirkliche Livesendung zu machen, die auf unserem Kanal läuft!“

Dann waren sie am Ziel. Johnson öffnete die Garderobentür und ging voran. „Natürlich ist hier alles umgeräumt haben. Das Studio wurde zwischenzeitlich für andere Produktionen benutzt.“

Er zuckte die Achseln. „Unser Geschäft ist schnelllebig, Mister Reiniger. Wie heißt es doch so schön? The show must go on...“

„Sie arbeiten doch mit Publikum, nicht wahr?“

„Bei Gardners Sendung schon.“

„Wenn die Sendung zu Ende ist, dann könnte jeder aus dem Publikum hier her kommen, ohne, dass es besonders auffällt, oder?“

„Wir bemühen uns, dass es nicht passiert, aber bei dem allgemeinen Trubel...“

„Ich verstehe“, nickte Bount.

„Wirklich? Was glauben Sie, was hier dann los ist! In der Halle da draußen sind dann annähernd tausend Menschen.“

„Könnte außer diesen Tausend noch jemand unbefugt hier her gelangt sein?“

„Nein. Also, ich will mich nicht für unsere Pförtner verbürgen, aber normalerweise braucht man eine ID-Karte, die sichtbar am Revers zu tragen ist.“ Er lächelte. „So wie das Ding, das man Ihnen gegeben hat, Mister Reiniger!“

„Und die Leute aus dem Publikum? Bekommen die auch solche Karten?“

Johnson schüttelte den Kopf.

„Nein. Aber die haben vorher eine Eintrittskarte erworben.“

Er grinste. „Ab hundert Dollar sind Sie dabei! Aber es ist ja für einen guten Zweck.“

„Das heißt, wer immer Gardner umgebracht hat: Er gehörte entweder zum Publikum oder hatte hier im Sender an jenem Abend zu tun!“

Johnson hob die Augenbrauen.

„Sie sind der Detektiv!“

„Ich brauche eine Liste der Leute, die am Dreizehnten hier waren. Publikum, Angestellte. Einfach alle.“

„Wenden Sie sich an Mrs. Gordon in der siebten Etage. Wenn man Sie wirklich von ganz oben her autorisiert hat, dann wird eine solche Liste keine Schwierigkeiten machen. Aber ich warne Sie: Es werden sehr, sehr viele Namen darauf stehen. Ob Sie damit etwas anfangen können.“

„Irgendwo muss man ja anfangen...“

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Barry Douglas' Rechte umschloss den Griff des Rasiermessers, als die Meldung im Radio kam. Darry Korz, der Broadway-Star war in der vergangenen Nacht ermordet worden. Und die Polizei vermutete, dass der sogenannte Prominenten-Killer für die Tat verantwortlich war. Douglas verzog das Gesicht, als das Messer seine Haut ritzte. Der weiße Rasierschaum färbte sich an einer Stelle rot. Douglas fluchte und stillte die Blutung.

Als er wenig später mit der Rasur fertig war, klebte er ein Pflaster auf die Wunde und blickte in den Spiegel. Bis in den frühen Nachmittag hatte er geschlafen, aber sein Spiegelbild wirkte trotzdem müde und abgeschlagen. Douglas war gerade fünfzig geworden, aber als er sich selbst so gegenüberstand und in die blassblauen Augen mit den großen Tränensäcken sah, da sah er einen Mann, der mindestens zehn Jahre älter war.

Er atmete tief durch und verließ dann das Bad. Er wankte dabei, was an dem Bourbon lag, den er auf nüchternen Magen getrunken hatte.

Das Wohnzimmer war ein einziges Chaos. Bierdosen standen überall herum. Es stank nach einem drei Tage alten, halb verzehrten Hot Dog.

Douglas kämmte sich mit der Hand das schüttere Haar aus dem Gesicht.

Sein Blick fiel auf ein Foto, das eine Frau und ein Mädchen zeigte. Es war jedesmal schmerzhaft für ihn, dieses Bild anzuschauen. Auch jetzt noch, so viele Jahre nach dem Unfall. Unfall!, dachte er bitter und langte nach der Bourbonflasche um einen kräftigen Schluck zu nehmen. Unfall mit Fahrerflucht. Und in Barry Douglas' Augen konnte man dazu auch Mord sagen.

Jemand hatte zwei Leben ausgelöscht und es gab nichts, was sie wieder zurückbringen konnte. Nichts.

Douglas schluckte.

Seit jenem Tag hatte sich alles geändert. Nichts war seit damals mehr so, wie es einmal gewesen war.

Zu allem Überfluss war es auch noch der Vorsitzende einer frommen Stiftung gewesen, der dafür verantwortlich war, dass

Barry Douglas seine Familie verloren hatte.

Moss Gardner...

Ein Mann, der vielen half, der seit einiger Zeit sogar vom Fernsehschirm aus dazu aufforderte, für alle möglichen karitativen Zwecke Geld zu spenden.

Ein Heuchler, der nur anderen ein schlechtes Gewissen machte, damals aber nicht einmal zu seiner eigenen Verantwortung hatte stehen können! - So jedenfalls dachte Douglas darüber.

Jetzt war Gardner schon mehr als eine Woche tot. Der fromme Mann hatte bezahlt.

Douglas hatte eigentlich angenommen, dass er sich jetzt besser fühlen würde. Er hatte sich lange Zeit eine Möglichkeit zur Genugtuung gewünscht. Jahrelang hatte der unstillbare Durst nach Rache in ihm genagt und ihn fast zum Wahnsinn getrieben. Aber jetzt, da Moss Gardner mit aufgeschlitztem Hals unter der Erde lag, empfand er gar nichts.

Er fühlte sich nur völlig leer.

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Nach Büroschluss wartete Bount auf Sally Parker. Er fing sie ab, als sie gerade den Turm verließ, in dem die Mercy Foundation ihre Büros untergebracht hatte.

„Fahren Sie nicht mit dem Wagen?“, fragte Bount, weil sie sich sonst in Richtung Tiefgarage aufgemacht hätte.

„Nein, mit der Subway. Glauben Sie, ich stürze mich freiwillig zweimal täglich in das mörderische Verkehrsgewühl von Manhattan?“

Bount zuckte die Achseln.

„Eine Fahrt mit der Subway kann auch mörderisch sein.“

„Das ist nicht gefährlicher, als wenn ich meinen Wagen aus der Tiefgarage holen würde, Mister Reiniger!“

„Tun Sie mir den Gefallen und nennen Sie mich Bount!“

Sie zuckte mit ihren schmalen Schultern.

„Warum eigentlich nicht?“

„Kommen Sie, mein Wagen steht unten in der Garage. Und zusammen mit mir werden Sie sich da ja wohl hinwagen, oder?“

„Und wohin geht es dann?“

„Wie wär's mit dem ‘ Le Cirque’?“

„Dem Restaurant mit der angeblich besten Küche der Welt?“

„Ich habe einen Tisch reserviert.“

„Ich dachte, das geht nur Wochen im voraus?“

„Der Geschäftsführer war mir noch einen Gefallen schuldig...“

„Na dann.“

„Waren Sie schon mal dort?“

Sie lachte und schüttelte dabei den Kopf.

„Sie scheinen mir ziemlich abenteuerliche Vorstellungen davon zu haben, was eine Stiftung wie die Mercy Foundation ihren Mitarbeiten an Gehalt zahlt!“, meinte sie dann. Fünf Minuten später saßen sie in Bounts champagnerfarbenem Mercedes 500 SL.

„Sind Sie dem Prominenten-Killer schon ein bisschen mehr auf den Pelz gerückt, Bount?“

„Woher sind Sie denn so sicher, dass Gardner tatsächlich durch diesen Wahnsinnigen umgekommen ist?“

Sie sah ihn erstaunt an.

„Ich dachte, das wäre schon so gut wie sicher. Es steht ja schon in den Zeitungen...“ Sie verengte ein wenig die Augen.

„Glauben Sie etwa nicht daran, Bount?“

Bount zuckte die Achseln. „Im Moment glaube ich noch gar nichts“, meinte er. „War es wirklich so, dass Gardner von allen gemocht wurde?“

„Was meinen Sie damit, Bount? Millionen waren hingerissen von ihm und...“

„Die Millionen schenke ich Ihnen“, unterbrach Bount. „Die interessieren mich nicht. Mein Augenmerk gilt den zwei oder drei Dutzend Menschen, mit denen Gardner persönlich zu tun hatte.“

Sally zuckte mit den Schultern. Dann strich sie sich mit einer nachdenklichen Geste eine Strähne hinters Ohr. „Die Mercy Foundation ist kein Club von lauter Heiligen, das weiß ich auch! Wollen Sie vielleicht darauf hinaus, Bount?“

„Ja, das trifft es ganz gut.“

„Wollen Sie mich aushorchen?“

„Natürlich, Sally. Das ist mein Job.“

„Ist das der einzige Grund, aus dem Sie mich ausführen wollen?“

„Nein, der andere Grund sind Ihre schönen braunen Augen.“

„Sie sind ein schlechter Lügner, Bount!“

„Und Sie eine schlechte Gedankenleserin, sonst wüssten Sie, dass ich die Wahrheit gesagt habe.“

Den Rest des Weges redeten sie nicht mehr viel. Sie bekamen einen guten Platz im Le Cirque.

Nach der Vorspeise taute Sally etwas auf. Sie kam wieder auf Moss Gardner zu sprechen und das war Bount nur allzu recht. Schließlich wusste der Privatdetektiv so gut wie nichts über den Prediger. Nichts jedenfalls, was über die Dinge hinausging, die man auf dem Fernsehschirm zu sehen bekam oder in zahllosen Klatschgeschichten lesen konnte.

„Mister Gardner war etwas Außergewöhnliches“, sagte sie, nachdem Bount ihr eine seiner Zigaretten und Feuer gegeben hatte. „Es gab eigentlich niemanden, der das nicht akzeptiert hätte.“

„Mochten Sie ihn?“

„Ich weiß nicht.“

Bount runzelte die Stirn. „Das müssen Sie mir erklären!“

„Er schwebte immer ein bisschen über den Dingen und wirkte deshalb auf mich eher unnahbar. Vielleicht wollte er das gar nicht, aber so war er nun einmal. Ich hätte mir zum Beispiel nie vorstellen können, einmal mit ihm an einem Tisch wie diesem zu sitzen und mich einfach so mit ihm zu unterhalten - so wie jetzt mit Ihnen, Bount. Und das, obwohl ich Sie erst seit heute Morgen kenne, während ich für die Mercy Foundation schon jahrelang arbeitete und Gardner fast jeden Tag gesehen habe.“

„Was ist mit diesem Mister Enright? Wie stand der zu Gardner?“

„Die beiden hatten immer ihre Schwierigkeiten miteinander. Enright ist ein brillanter Organisator - aber Moss Gardner konnte er sich nicht messen. Ein blasser Bürokrat, ohne den der Laden nicht gelaufen wäre, aber keiner, der nur seine Stimme zu erheben braucht, um bei einer Gala die Dollars in Strömen fließen zu lassen.“

„Enright schien nicht gerade traurig über Gardners Tod zu sein“, stellte Bount fest. „Das ist ja auch nicht verwunderlich. Schließlich ist er jetzt die Nummer eins in der Stiftung.“

„Muss er denn deshalb gleich ein Mörder sein?“

„Nein, natürlich nicht.“

Sally lächelte. Ihre dunklen Augen hatten etwas Warmes, etwas, dass Bount magisch anzog und ihn veranlasste, immer wieder hineinzusehen. Dem Privatdetektiv kam es fast wie eine Art Hypnose vor. Aber in diesem Fall ließ er sich gerne hypnotisieren.

„Zwischen Enright und Gardner herrschte immer so etwas wie...“ Sally suchte eine Sekunde lang nach dem passenden Ausdruck. Als sie ihn hatte, blitzte es in ihren Augen. „...wie Rivalität! Ja, genau das ist es. Ich kann mich täuschen, aber möglicherweise kam das nicht nur daher, dass Mister Enright die ewige Nummer zwei war, die nicht die geringste Chance hatte, je einem Mann wie Moss Gardner auch nur das Wasser reichen zu können...“

Sally stockte und Bount horchte auf. Er beugte sich etwas vor.

„Sprechen Sie weiter, Sally!“

„Ich weiß nicht, ob es richtig ist, dass ich Ihnen das sage!“, meinte sie auf einmal und wandte den Kopf zur Seite. Ihr Blick ging ins Leere.

„Ich suche einen Mörder, Sally...“

„Ich weiß!“

„...und alles, was es über das Opfer zu sagen gibt, kann mich unter Umständen zu ihm hinführen.“

Sie atmete tief durch und sah Bount dabei offen an. Einen Augenblick noch, dann schienen ihre Zweifel verflogen. Sie hatte sich entschieden. „Mister Enright hatte eine sehr attraktive Frau“, fing sie an. „Sie heißt, glaube ich, Carrie und ist wohl auch bedeutend jünger als ihr Mann. Moss Gardner hat zwar in der Öffentlichkeit zu diesen Dingen immer eine sehr konservative Meinung vertreten, aber wenn es um seine eigenen Angelegenheiten ging, nahm er es nicht so genau.“

„Sie meinen, Gardner hatte mit Enrights Frau ein Verhältnis?“

„Ich habe die beiden einmal zufällig gesehen. Vielleicht interpretiere ich da zuviel hinein, aber für mich war das eindeutig.“ Sie lächelte kurz. „Ich hoffe nicht, dass Sie mit der Story zum nächsten Klatschreporter gehen!“

Bount schüttelte energisch den Kopf und erwiderte ihr Lächeln. Dabei hob er sein Glas und sie stießen an.

„Glauben Sie, ich wäre noch im Geschäft, wenn ich nicht diskret sein könnte, Sally?“

„Ich weiß nicht...“

„Informantenschutz ist das oberste Gebot!“, meinte Bount und grinste dabei.

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Den nächsten Morgen verbrachte Bount Reiniger in den Büros der von Captain Rogers geleiteten Mordkommission Manhattan C/II mit einer ziemlich anstrengenden Arbeit, die noch dazu völlig fruchtlos bleiben sollte. Bount hatte die Liste der Leute, die eine Karte für Gardners Show erworben hatten mitgebracht. Dazu kamen noch die Namen der Angestellten des Senders, die am Dreizehnten zur Mordzeit Dienst gehabt hatten. Mit etwas Glück hatte sich der Mörder vielleicht auf dieser Liste verewigt. Aber das Glück wollte sich einfach nicht einstellen. Jetzt war es fast Mittag und sowohl Reiniger als auch Rogers hatten drei Tassen Kaffee getrunken, ohne einen Schritt weiter zu sein. Sie hatten die Namen auf der Liste mit denen im Polizeicomputer gespeicherten abgeglichen, die dem vermuteten Täterprofil entsprachen: Schuhgröße acht, Rechtshänder, größer als 175 und wegen Delikten aufgefallen, die möglicherweise aus Geltungssucht begangen worden waren. Außerdem kamen noch alle Rasiermesser-Mörder in den Pool hinein. Aber es wurde ein Schlag ins Wasser. Keiner von denen, die gepasst hätten, war am Dreizehnten bei Moss Gardners Show gewesen, geschweige denn, hatte eine Anstellung beim Sender.

Rogers fuhr sich mit der flachen Hand über das inzwischen ziemlich entnervt wirkende Gesicht und schüttelte immer wieder den Kopf.

„Wir machen irgendeinen Fehler, Bount!“

„Ja, das scheint mir auch. Was ist zum Beispiel, wenn wir es mit einer ganz anderen Art von Mörder zu tun haben? Und vielleicht sind auch gar nicht alle Opfer vom demselben Täter ermordet worden!“

„Bount, das haben wir doch nun schon hundertmal durchgekaut!“

„Offenbar nicht oft genug, Toby!“