KARL EDWARD WAGNER

 

Legion der Schatten

- Ein Bran-Mak-Morn-Roman -

 

 

 

 

Roman

 

 

Apex-Verlag

Inhaltsverzeichnis

Das Buch 

LEGION DER SCHATTEN 

 

Prolog 

I. Der Fluch des Schwarzen Steins 

II. Der König mit der eisernen Krone 

III. Das Volk der Heide 

IV. Betrogene Hoffnung 

V. Baal-dor 

VI. Stimmen im Nebel 

VII. Aus den Schatten 

VIII. Geheime Bündnisse 

IX. Nicht länger mehr König 

X. Begegnung im Morgengrauen 

XI. Das Reich ewiger Nacht 

XII. Morgain 

XIII. Herr der Schatten 

XIV. Bilder der Vergangenheit 

XV. Kein Weg in die Freiheit 

XVI. Keine Schonung mehr 

XVII. Das dritte Mal 

XVIII. Das Lied vom Sterben 

XIX. Tod und Sternenlicht 

XX. Proserpina und Pluto  

XXI. Auf Messers Schneide 

XXII. In den Tiefen der Hölle 

XXIII. Machtwechsel 

XXIV. Flucht 

XXV. Die Legion aus der Hölle 

XXVI. Kreise 

 

Nachwort 

 

Das Buch

 

Der Boden Britanniens dröhnt unter dem Marschtritt der Legionen, die sich anschicken, auch den letzten Widerstand gegen den Imperator im fernen Rom zu brechen.

Um seinem Volk die Freiheit zu geben, verbündet sich Bran Mak Morn mit dem Totenreich und beschwört die Legion der Schatten herauf für die Entscheidungsschlacht...

 

Karl Edward Wagner, Autor der KANE-Romane, setzt mit Legion der Schatten die Abenteuer der von Robert E. Howard  – Schöpfer von so legendären Fantasy-Helden wie Conan, Solomon Kane und Red Sonja – ersonnenen Figur des Pikten-Königs Bran Mak Morn fort.

Ebenfalls im Apex-Verlag erhältlich: Könige der Nacht – Die Bran-Mak-Morn-Erzählungen von Robert E. Howard und Die Nebelhexe – Ein Bran-Mak-Morn-Roman von David C. Smith und Richard L. Tierney. 

 

LEGION DER SCHATTEN

 

 

 

 

  Widmung

Für David A. Drake -

Einen Rom-Besessenen, der nicht glaubt, dass das Weltreich untergegangen ist; der in den vergangenen zehn Jahren Fantasy-Stories aus der Zeit des alten Rom geschrieben hat; und der mich mit den historischen Daten für diesen Roman versorgte:

Noli elicere quid deponi nequitur... 

 

»Jeder Mensch kann leichten Herzens zum Himmel aufblicken, zu dem höchsten Stern; aber wer wagt es, den Abgründen der Welt ihre furchtbaren Geheimnisse abzulauschen?«

...Brief von Persil Mandifer: Manly Wade Wellman, Fearful Rock 

 

»Große Löcher entstehen heimlich, wo die Poren der Erde genügen sollten, und es haben Geschöpfe aufrecht zu gehen gelernt, die auf dem Bauche kriechen sollten.«

...Necronomicon von Abdul Alhazred: H. P. Lovecraft, The Festival 

 

 

 

 

 

 

 

  Prolog

 

 

 

Am Morgen hatte die Sonne mattrot durch die Nebelschwaden über den Bergkämmen und Mooren geleuchtet. Die Sonne, die jetzt hinter dem zerklüfteten Horizont der Hochebene versank, glühte in einem tieferen Rot - rot wie das Blut, das zwischen dem niedergetrampelten Heidekraut dort unten versickerte. In den länger werdenden Schatten lagen fünfzehntausend erschlagen - ledergekleidete Wilde und gepanzerte Legionäre, Pikten und Römer -, ihre zerhackten und zerstückelten Leiber verstreut, wo sie gefallen waren.

Auf die Schultern seiner Unterführer gestützt betrachtete Othna Mak Morn, Kriegshäuptling der Pikten, das Schlachtfeld. In seinen erlöschenden Augen glühte Triumph. Eine ganze Legion hatte an diesem Tag hier den Tod gefunden - ein Sieg, der Leben für Leben mit piktischem Blut erkauft worden war. Rom hatte seine größte Niederlage auf britischem Boden erlitten, und Othna Mak Morn würde nicht allein die Straße zur Hölle hinabschreiten.

Um Roms neue Provinz vor den aufsässigen Stämmen im Norden zu schützen, hatte Kaiser Hadrian befohlen, einen großen Wall zu erbauen, der von einer Küste Britanniens zur anderen reichte. Ungefähr achtzig römische Meilen lang erstreckte sich der Hadrianswall über die Landenge zwischen Solway und Tyne und teilte die Insel so in zwei Hälften, mit dem noch uneroberten Kaledonien im Norden und den wenigstens teilweise unterworfenen und romfreundlichen Stämmen im Süden. Jahrelang hatten die Legionäre Gräben ausgehoben und Erdwälle aufgeschüttet, bis schließlich eine zwischen drei und fünf Metern dicke und gegen acht Meter hohe Mauer aus Steinen und Grassoden entstand, die alle acht Meilen mit kleinen Festungen für die Wachmannschaften bestückt war.

Die kaledonischen Stämme bekundeten ihren Zorn über dieses verhasste Zeugnis römischer Macht durch zahllose Überfälle und Hinterhalte während der Arbeiten an der Mauer. Ihre Taktik war, zuzuschlagen und sich sofort wieder zurückzuziehen - ein plötzlicher Pfeilhagel, der auf die schwitzenden Legionäre niederging; während der Nacht getötete Wachtposten und heimlich gelegte Brände; kleine Trupps von Soldaten, die auszogen und nie mehr zurückkehrten. Ihre unvermittelten, blitzartigen Angriffe waren eine ständige und tödliche Bedrohung. Die schwerfällige römische Militärmaschinerie war viel zu träge, um mit diesen wilden Guerillabanden fertigzuwerden, die zustießen wie die Schlangen, um gleich darauf wieder in der Heide unterzutauchen - in der Weite des kaledonischen Hochlandes, wo sie vor jeder Verfolgung sicher waren. Aber ebenso wenig waren die nördlichen Stämme stark genug, um einen Großangriff gegen die in Gräben verschanzten Legionäre zu führen, und also näherte sich der Hadrianswall unaufhaltsam seiner Vollendung.

Trotzdem verlangten diese mörderischen Überfälle nach Vergeltungsmaßnahmen von Seiten des mächtigen Rom - nach einem Gegenschlag, der auch den dicken Barbarenschädeln unwiderruflich einprägte, wie vergeblich ihr armseliger Widerstand gegen ein Reich war, das die ganze Welt beherrschte. Deshalb erging die Order an Publius Calidius Falco, Befehlshaber der IX. Legion, genannt die Spanische, dessen Männer endlich mit der Arbeit an ihrem Abschnitt der Mauer fertiggeworden waren, nach Norden in das Gebiet der kaledonischen Stämme vorzurücken; auf dem Marsch alle Felder, Herden und Dörfer zu vernichten und alles niederzumachen, was sich den Truppen in den Weg stellte.

Und an einem Morgen im Spätfrühling marschierte die Neunte Legion vom Hadrianswall nach Norden - sechstausend Legionäre, an Hilfstruppen zweitausend Berittene, und Sklaven, Frauen und Kinder bei den schwerfälligen Bagagewagen. Sie marschierten in den Nebel und in die Heide hinaus - und verschwanden aus der Geschichtsschreibung.

Die Neunte traf auf wenig Widerstand, als ihr eisenbeschuhter Marsch sie immer weiter durch die Gebiete der Briganten, Selgover, der Novanter, Damnonier, der Veniconen und der übrigen keltischen Stämme führte. Denn wie konnten halbnackte Barbaren den Vormarsch einer ganzen Legion aufhalten? Die Barbaren hatten keine Städte, die man hätte niederbrennen können - Städte waren eine der römischen Neuerungen in Britannien. Aber was sie an Lagern und Siedlungen finden konnte, setzte die Legion in Brand. Sie plünderte Viehherden und Getreidevorräte, vernichtete das Korn auf den Feldern und erschlug alle, die nicht geflohen waren. Und weiter ging es in das öde Hochland von Kaledonien, wo ein Volk von Wilden lebte, das den Gerüchten nach sogar noch älter sein sollte als die barbarischen Kelten.

Calidius Falco hatte Geschichten über die Pikten gehört und hielt sie zumeist für maßlos übertrieben. Sie waren Todfeinde der Kelten, die sie fürchteten und sie im Allgemeinen im Hochland, das ihre Festung und ihr Zufluchtsort war, in Ruhe ließen. Der Sage nach waren die Pikten in längst vergangener Zeit die Herren Britanniens gewesen, bis die keltischen Invasoren sie besiegten und die Überlebenden in die Einöde Kaledoniens zurückdrängten. Die Pikten - so wurde erzählt - lebten von aller Welt abgeschlossen in beinahe tierhafter Primitivität, ein degeneriertes, kaum menschenähnliches Relikt der Steinzeit. Es gab noch viele andere düstere Sagen und Legenden, die Calidius Falco ein abschätziges Lächeln entlockten. Ein- oder zweimal hatte man ihm Leichen von untersetzten, gnomenhaften Kriegern gezeigt, die in schlecht gegerbte Felle gekleidet und mit plumpen, schwarzen Bögen bewaffnet waren. Dies seien Pikten, hatte man Calidius erklärt - aber obwohl er zugeben musste, dass ihre Haut ungewöhnlich dunkel war und ihre Gesichtszüge irgendwie affenähnlich anmuteten, kümmerte es ihn nicht, ob es sich bei solchem Aas um Pikten oder Kelten handelte.

Was ihn kümmerte, waren die wiederholten Meldungen seiner Spione und Kundschafter, die von einem vereinten Heer aller piktischen Clans berichteten, welches sich angeblich im kaledonischen Hochland sammelte. Bei solchen Nachrichten verzogen sich die verächtlich gekräuselten Lippen des Generals zu einem siegesgewissen Lächeln. Diese barbarischen Dummköpfe spielten ihm geradezu in die Hände. War die Lektion schon in Vergangenheit geraten, die Calgacus vor kaum fünfzig Jahren in eben diesem Hochland so blutig gelernt hatte?

Viele Wochen lang war die Neunte plündernd und brandschatzend über die Heide gezogen. Sie hatten mehr kleine Scharmützel und Geplänkel ausgefochten, als sie zählen konnten - aber nichts, was einem ernsthaften Zusammenstoß nahe kam. Jetzt endlich lockten die Verwüstungen, die sie anrichteten, die Wilden aus ihren Höhlen und Lehmhütten heraus - brachten sie dazu, sich zu einem großen Pöbelhaufen zusammenzurotten, der nichts als Schlachtvieh für die scharfen römischen Schwerter sein würde. Denn es war nicht Kampf, sondern Gemetzel, wenn unzureichend bewaffnete und unausgebildete Barbaren sich1 den disziplinierten Legionen in offener Feldschlacht entgegenstellten. War nicht Calgacus mit einem Heer von dreißigtausend Barbaren gegen Julius Agricola gezogen? Und hatten nicht zehntausend Barbaren an jenem Tag erschlagen auf den Hängen des Mons Graupius gelegen, während Agricolas eigene Verluste nur vierhundert Mann betrugen? Und dabei hatte er nur seine Hilfstruppen zum Einsatz gebracht, während seine Legionen müßig danebenstanden und zuschauten!

Die Neunte Legion marschierte voll Selbstvertrauen in das kaledonische Hochland, um diese Piktenarmee zu suchen, zum Kampf zu zwingen und auszulöschen. Calidius Falco spürte keine Besorgnis, denn eine Niederlage war derart unwahrscheinlich, dass sich bei dem Gedanken allein sein hochmütiges Lächeln zu lautem Gelächter wandelte. Er folgte den Spuren Agricolas - und außerdem, sagte man nicht von den Pikten, sie seien sogar noch primitiver als die Barbaren, die seinerzeit Calgacus gefolgt waren? Die Neunte würde einen vollkommenen Sieg erringen, der die kaledonischen Stämme ein für allemal zum Stillhalten zwang, und er, Publius Calidius Falco, würde im Triumph zurückkehren. Ja, der Posten eines Prokurators von Britannien war ihm so gut wie sicher, sobald Kaiser Hadrian in Rom die Botschaft erhielt.

Die Neunte hatte sich an diesem schicksalhaften Morgen kaum auf den Weg gemacht, als sich der Morgenhimmel unter einem Hagel schwarzer Pfeile verdüsterte und Calidius Falco wusste, dass er endlich auf die Armee der Pikten gestoßen war.

Zu dem Zeitpunkt, als die Pikten angriffen, bewegte sich die Neunte längs eines Gebirgsflusses, dessen Wasser eine enge Schlucht in die Felsen des Hochlands gegraben hatten. Sehr treffend nannte man sie die Schlangenschlucht, aber die Führer schworen hoch und heilig, dass dieser schmale Durchlass in das zentrale Hochland führte, wo sich das feindliche Heer sammelte. Durch Regenfälle in der vergangenen Nacht war der Fluss über die Ufer getreten.

Nasser Fels und glitschiger Schlamm erschwerten das Vorwärtskommen. Eingezwängt zwischen den steilen Schluchtwänden und dem tobenden Fluss, hatte sich die disziplinierte Marschordnung der römischen Truppen in ein wirres Durcheinander aufgelöst. Vorne waren Männer mit Äxten damit beschäftigt, Bäume zu fällen, um einen einigermaßen gangbaren Weg freizumachen, während weiter hinten fluchende Legionäre sich mühten, die überladenen Bagagewagen zwischen knorrigen Baumwurzeln, dornigem Gebüsch und regenschlüpfrigen Gesteinsbrocken hindurchzulenken.

Irgendwo vor ihnen, zwischen dem Heidekraut, starrten Kundschafter, die sie hätten warnen sollen, blicklos in die Nebelschwaden, die über ihre starren Körper hinwegzogen. Der Angriff traf die Römer vollkommen unvorbereitet, und diesmal war es nicht nur ein plötzlicher Angriff aus

dem Hinterhalt, gefolgt von einem sofortigen Rückzug. In den Felsen wimmelte es von Pikten, und Calidius Falco spürte die kalte Hand der Furcht in seinem Nacken.

Da ein Angriff auf eine Marschkolonne gewöhnlich von hinten erfolgte, hatte bei den Legionen der Tross einen geschützten Platz in der Mitte. Calidius hatte vorgehabt, im zentralen Hochland ein Sommerlager zu errichten, so dass die Neunte Legion von ungeheuren Mengen an Vorräten und Geschirr behindert wurde, wie auch von den Beutestücken, die sie sich unterwegs zusammengeplündert hatte. Panik brach aus, als die Piktenpfeile auf den schwerfälligen Tross niederregneten. Schwitzende Pferde bäumten sich schreiend auf und verursachten eine heillose Verwirrung, als tödliche Geschosse sie niederwarfen. Männer liefen blindlings hin und her - suchten vergeblich nach Schutz vor dem vernichtenden Pfeilhagel. Wagen kippten um, schleuderten schreiende Frauen und Kinder auf die blutbespritzten Felsen. Innerhalb von Sekunden herrschte das totale Chaos.

Die Neunte Legion, die ohnehin schon zu einer langen, ungeordneten Reihe auseinandergezogen war, um die enge Schlucht passieren zu können, wurde durch den hoffnungslos festgefahrenen Tross in der Mitte plötzlich in zwei Hälften geteilt. Verzweifelt warf Calidius seine Reiterei gegen die Bogenschützen, die in dichten Reihen auf den Hängen hoch über ihnen standen. Aber in der steilwandigen Schlucht waren die ohne Steigbügel gerittenen Pferde mehr als nur nutzlos, und nach wenigen Minuten hatten die Piktenpfeile die berittenen Hilfstruppen bis auf den letzten Mann niedergemacht. Und jetzt wusste Calidius Falco, dass seine Stellung unhaltbar war.

Immer noch flogen die Pfeile. Immer noch verhielt die piktische Armee in ihrer geschützten Position hinter dem oberen Rand der Schlucht. Rasche Flankenbewegungen zum vorderen und hinteren Truppenteil verhinderten sowohl einen Vorstoß als auch einen Rückzug. Ein Verbleiben in der Schlucht bedeutete den sicheren Tod. Die einzige magere Chance der Neunten bestand darin, die Felswand zu stürmen und so aus der Falle auszubrechen. Verbissen versuchten die Legionäre, sich zu ihrer berühmten Schildkröte zusammenzuschließen und unter dem beständigen Hagel der schwarzen Pfeile die steilen Klippen hinaufzusteigen. Es war so gut wie unmöglich, in diesem zerklüfteten Gelände zwischen gewaltigen Gesteinsblöcken und verfilztem Gestrüpp die Schilde überhaupt zu halten, aber irgendwie erreichten vereinzelte Trupps von Legionären den Kamm.

Und hier erwartete sie der Hauptteil der Piktenarmee.

Die Schlacht dauerte den ganzen Tag. Aber nach dem ersten tödlichen Pfeilhagel war ihr Ausgang vorherbestimmt. Wenn es den Legionären gelungen wäre, sich wieder zusammenzuschließen, nachdem sie die Schluchtwand erklettert hatten: wenn eine geringere Anzahl von Pikten sie hinter dem Kamm erwartet hätte... Aber mehr als die Hälfte ihrer ursprünglichen Zahl lag tot auf den abschüssigen Felsen, und die Übermacht der Pikten war erdrückend.

Mit einem Kriegsgeschrei, das schon vor Anbeginn der Steinzeit zum Himmel aufgestiegen war, stürzten sich zehntausend Pikten auf die Legionäre, die sich durch die Mauer der Bogenschützen hindurchgekämpft hatten. Es war ein Kampf ohne Gnade - in dem, aufgesplittert in zahllose Einzelgefechte, primitive Wildheit und römischer Mut aufeinanderprallten. Wie ein Wolfsrudel eine eingekesselte Herde von Elchen angreift, so warfen sich die Pikten gegen hastig gebildete Schildkröten - überschütteten die emporgehaltenen Schilde mit einem nicht enden wollenden Schwall von Pfeilen, stießen mit Speer und Schwert zu, wo immer ein wankender Schild eine Öffnung in der schützenden Mauer schuf, warfen die dahinter verschanzten Soldaten durch das schiere Gewicht ihrer blutenden Leiber zu Boden. Wieder und wieder suchten die Legionäre sich neu zu formieren. Aber ihre Reihen waren durch den Hinterhalt zerschmettert worden, und zwischen jedem Trupp verzweifelter Römer schwärmte eine brodelnde Masse vom Blut berauschter Barbaren, die kein anderes Ziel hatten, als zu töten, bis sie selbst getötet wurden.

Die Römer machten es ihnen nicht leicht. Die Heide war übersät mit grausigen Hügeln, wo ein enger Ring toter Pikten um eine Gruppe erschlagener Feinde lag. Aber dieses Mal siegten barbarische Verschlagenheit und ungezügelte Wildheit über römische Disziplin und Bewaffnung. Die Neunte Legion kämpfte grimmig bis zum bitteren Ende, denn ein jeder Soldat wusste, dass es für ihn die letzte Schlacht sein würde.

Und als die Sonne den Gipfel im Westen in Brand setzte, existierte die Neunte Legion nicht mehr.

Othna Mak Morn blickte über die Stätte des Sieges, der seinen Triumph und sein Ende bedeutete, und spürte kein Bedauern. Häuptling des Wolfsclans war er; seine überragende Persönlichkeit war es gewesen, die die verstreuten piktischen Stämme zu einem Zusammenschluss gegen die römischen Eindringlinge bewogen hatte - sein scharfer Verstand, der diesen Hinterhalt geplant hatte - sein unermüdlicher Schwertarm, der auf dem hügeligen Schlachtfeld gewütet hatte, wo immer römischer Widerstand die Flut der Pikten dämmte. Schließlich war Othna Mark Morn auf diesem blutgetränkten Feld niedergesunken, in die Knie gezwungen von einem Dutzend Wunden, die kein Arzt mehr heilen konnte. Und obwohl sein Körper schon vor Stunden den Kampf gegen den Tod hätte verlieren müssen, klammerte sich der Kriegshäuptling der Pikten an das Leben, bis der letzte Feind gefallen war.

Gleich einem blutüberströmten Rachegott schritt Othna jetzt über das Schlachtfeld. Schwer stützte er sich auf die breiten Schultern zweier anderer Clanführer. Ihre groben Gesichtszüge überschattete Trauer, denn der größte Krieger ihrer Rasse würde nicht an dem Siegesfest teilnehmen, das seine Tapferkeit ermöglicht hatte.

Am Rand der Schlucht stieg auf Othnas Ruf hin ein weiterer Häuptling die Felsen hinauf. Wie bei Othna, so waren auch bei ihm Gestalt und Gesichtszüge wohlgebildet - ein sichtbarer Beweis für eine ununterbrochene Reihe reinblütiger Ahnen, im Gegensatz zu der gemischten Herkunft der missgestalteten, gnomenhaften Krieger um sie herum.

»Ist unten alles vorüber, Utha Mak Dunn?«, fragte der Kriegshäuptling. Utha vom Rabenclan hatte die Pikten angeführt, die der Neunten Legion den Rückzug abschnitten und die verzweifelten Römer zwangen, die Schluchtwand zu erstürmen.

»Beinahe, Othna Mak Morn. Bei der Mondfrau, ich sehe hier oben nichts anderes als römisches Aas! Die Hunde hätten ebenso gut dort unten sterben und sich diesen schweren Aufstieg ersparen können!«

Uthas Grinsen erlosch, als er die Blässe in Othnas Gesicht bemerkte. Ein Blick auf die beiden Unteranführer verriet ihm alles, was es zu wissen gab.

»Hast du gesagt, beinahe?« grollte Othna.

»In der Wand der Schlangenschlucht gibt es eine Höhle«, erklärte Utha. Als wir den Rest der Nachhut niedergemacht hatten und den Tross stürmten, war ein Großteil der Narren dort hinein geflüchtet.«

»Wie viele?«

»Schwer zu sagen. Ein paar hundert vielleicht - die meisten aber Frauen und Kinder, die im Tross mitgeführt wurden. Die Höhle scheint ziemlich groß zu sein; denn sie haben Wagen mit Vorräten hineingeschafft und den Eingang verbarrikadiert.«

»Könnt ihr durchbrechen?« Othnas Gesicht war ausdruckslos.

»Bis jetzt haben die Römer ihre Stellung gehalten. Der Weg ist schmal, und es ist unmöglich, die Barrikaden zu stürmen. Mehrmals mussten wir unsere Toten beiseite räumen, um Platz für einen erneuten Angriff zu haben.«

Utha zögerte einen Augenblick. »Calidius Falco will sich nicht ergeben.«

Othna schüttelte die ihn stützenden Hände ab. »Calidius lebt noch!«, schrie er. »Tausende erschlagen, und der Anführer meiner Feinde ist noch am Leben!«

»Er hockt im Versteck, zusammen mit Frauen und Kindern«, antwortete Utha verächtlich. »Was er sonst noch gerettet hat, ist der Legionsadler der Neunten und der Rest seiner persönlichen Leibwache. Er schwört, dass er und die, die mit ihm sind, bis zum letzten Mann kämpfen werden, außer wir gewähren ihm Bedingungen für eine ehrenvolle Kapitulation...«

»Bei den Göttern!«, tobte Othna. »Ich werde ihm solche Bedingungen gewähren, wie er sie für unser Volk übrig hat - Feuer und Schwert, Galgen und Kreuz!«

Er zog sein Schwert und tat einige Schritte nach vorn. »Sind wir Hunde und Sklaven von Hunden, dass eine Handvoll in die' Enge getriebener Römer glaubt, so mit uns sprechen zu können? Pikten! Wer folgt mir in das stinkende Loch, in dem sich eine Ratte versteckt hält?«

Doch jenes letzte Aufflammen des Zorns war auch der letzte Funke Leben. Othna Mak Morn taumelte, und Utha fing den schlaffen Körper in seinen Armen auf.

»Wehe! Wehe dem Volk der Pikten!« murmelte der weißbärtige Priester, der die blicklosen Augen schloss. »In der Stunde deines Triumphs hast du deinen größten Sohn verloren. Wehe dem Volk der Pikten! Wehe den Männern der Heide!«

Utha Mak Dunn beugte den Kopf. Der greise Gonar hatte Recht. Nur Othna Mak Morns persönliche Überzeugungskraft hatte die verstreuten Clans zu einem kurzlebigen Zusammenschluss vereint, um die römischen Unterdrücker zu vertreiben. Die Hälfte des Piktenvolkes hatte diesen Sieg mit dem Leben bezahlt, und jetzt, wo Othna tot war, würden die Clans sehr bald wieder auseinanderfallen.

»Othna hat einen Sohn«, erinnerte Utha.

»Ein Säugling mit einem verkrüppelten Arm und krummen Schultern«, höhnte Gonar. »Othna ließ Berul nur deshalb am Leben, weil er fürchtete, ohne männlichen Erben zu sterben, was das Ende des seit uralter Zeit bestehenden Hauses Mak Morn bedeutet hätte.«

»Vielleicht wird Berul einen Sohn zeugen und dieser wieder einen Sohn...«

»Mögen da Söhne von Söhnen sein für ein anderes Zeitalter, das noch in weiter Ferne liegt«, klagte Gonar. »Ich sehe nichts als Jammer und Elend für das Volk der Pikten. Wahrlich, dies war der letzte große Augenblick unserer

Rasse, und jetzt bleiben uns nur noch Erinnerungen an vergangenen Ruhm. Erinnerungen, die verblassen werden...«

Utha verbiss sich eine bittere Erwiderung. Einer seiner Hauptleute stieg aus der Schlucht zu ihm hinauf.

»Die Römer halten immer noch den Höhleneingang«, berichtete er. »Calidius besteht auf Othnas Versprechen für einen unbehelligten Rückzug zum römischen Wall. Sonst...«

Er verstummte, als er den Rand erklomm und Othnas leblose Gestalt erblickte.

»Bei der Mondfrau, ich werde den Römern eine Antwort auf ihre Bedingungen geben!«, schwor Utha zornerfüllt. »Rollt Felsblöcke vor die Öffnung der Höhle! Bei den Göttern, bringt den halben Berg über ihrem Rattenloch zum Einsturz!«

Er schüttelte sich die Tränen aus den Augen und hob die Faust. »Wenn sie keinen offenen Kampf wagen, sollen sie einen langsamen Tod in der Finsternis des Erdinnern haben! Ihr Grab soll ein Denkmal sein für unseren größten Sieg - und ihre Todesschreie sollen in der Hölle Othnas Herz erfreuen!«

Der Befehl wurde weitergegeben, und tausend willige Hände packten Steine und Brechstangen - arbeiteten bis tief in die Nacht, um zahllose Tonnen von Felsgestein vor den Eingang der Höhle in der Schlangenschlucht zu häufen. Als der Morgen anbrach, drangen die Schreie der Eingeschlossenen nicht länger mehr durch den über Nacht gewachsenen Berg...

Jahre vergingen. Die Gebeine der Neunten Legion - der Verschwundenen Legion - bleichten stumm unter Heidekraut und Stechginster, die auf dem so angereicherten, mageren Hochlandboden üppiger blühten denn je. In der Schlucht spülten die Frühlingsüberschwemmungen alle Reste von modernden Knochen und Rüstungen, faulenden Brettern und schimmelndem Zaumzeug hinweg - bis schließlich nur noch der stille Hügel in der Schlangenschlucht an das Blut erinnerte, das hier einst geflossen war.

Achtzig Jahre vergingen...

  I. Der Fluch des Schwarzen Steins

 

 

 

Nebel umhüllte die heidekrautbewachsenen Hügel; die undurchdringliche Schwärze der Stunde vor Tagesanbruch hatte den Mond verschlungen. Unter der Asche schwelende Glut von hundert Lagerfeuern überzog die Einöde mit einem Muster glimmernder Lichtpunkte. Die Nebelschwaden verdeckten den Nachthimmel, so dass aus einiger Entfernung die dunklen Hügel und ersterbenden Feuer aussahen wie ein wolkenverhangenes Firmament mit einer Handvoll willkürlich verstreuter matter roter Sterne.

Um die Feuer lagen dreitausend oder mehr Krieger in unruhigem Schlaf, verfolgt von Gedanken an die bevorstehende Schlacht. Hier und dort saßen kleine Gruppen beisammen, unterhielten sich leise und schärften noch einmal ihre eisernen Waffen. Außerhalb des fahlen Lichtscheins versuchten die Wachen den Nebel mit ihren Blicken zu durchdringen.

Bei einem abseits brennenden Feuer hielt noch jemand Wache neben einem einsamen Schläfer. Wie die übrigen alle hatte auch dieser Wächter die Gestalt eines im Wachstum gehemmten Riesen - die massigen Schultern und breite Brust erschienen viel zu schwer für die knorrigen, verkrümmten Beine. Sein grobes Gesicht und die niedrige Stirn zeigten einen Ausdruck von Besorgnis, während er auf den schlafenden Mann niederblickte.

Eingehüllt in einen Umhang aus Wolfsfell über einem leichten Hemd aus schwarzem Kettengewebe, war die ruhende Gestalt die eines Mannes mittlerer Größe. Der düstere Glanz des erlöschenden Feuers spiegelte sich in den funkelnden Tiefen des roten Edelsteins, der den eisernen Kronreif um seine Stirn und das glatte schwarze Haar schmückte. Die Haut des Schläfers zeigte die mattdunkle Färbung der Männer Nordens, und auch seine falkengleichen Züge erinnerten in gewisser Weise an die missgebildeten Krieger um ihn herum. Aber damit erschöpften sich die Ähnlichkeiten auch schon, als wären die ungeschlachten Gestalten nur ein degeneriertes Zerrbild des Mannes mit der eisernen Krone.

Wenn die barbarischen Krieger, die neben ihren schwelenden Feuern hockten, an missgestaltete Affen gemahnten, so ließ die Erscheinung des Schlafenden an einen Panther denken. Selbst im tiefen Schlummer verriet sich noch die wachsame Geschmeidigkeit seines schlanken Körpers, die stählerne Kraft, die in muskulösen Schultern und Lenden, sehnigem Hals und tiefer Brust zum Ausdruck kam. Linien der Erschöpfung zeichneten seine gut geformten Züge, und das Gesicht unter der juwelenbesetzten Krone war das eines jungen Mannes, der auf die Dreißig zuging.

Aber sein junges Gesicht war überschattet von einer Bürde, die die Zahl seiner Jahre unwichtig machte, und der wachende Krieger, mochte er auch wenig mehr als ein Tier scheinen, wusste, dass etwas anderes als nur die Erregung der zu erwartenden Schlacht dem Schlaf seines Herrn den erholsamen Frieden raubte. Denn ein Alptraum hatte von Bran Mak Morn Besitz ergriffen - wie in so vielen Nächten vorher.

Der zwergwüchsige Riese streckte eine schwielige Hand aus und zögerte dann. Während der Gewaltmärsche der vergangenen Tage hatte sein König kaum mehr als eine Stunde Ruhe gefunden. Er würde all seine große Kraft brauchen, sobald erst der Morgen dämmerte; besser ein unruhiger Schlaf, als überhaupt keine Ruhe.

Hätte der Pikte etwas von dem ganzen Schrecken des Alptraums geahnt, unter dem sein König sich jetzt wand, er hätte ihn augenblicklich aus diesem trügerischen Schlummer geweckt.

Kalter Schweiß bedeckte das, Gesicht des Schlafenden, und hinter geschlossenen Lidern schauten weit aufgerissene Augen in die Vergangenheit.

Wieder ragten die Steinsäulen von Dagons Ring um ihn empor, und Bran Mak Mom stolperte wie in Trance durch diesen bedrohlichen Kreis moosbewachsener Menhire - ein Kreis, der sich in der allen Naturgesetzen zuwiderlaufenden Welt des Traums in endlosen Wiederholungen auf anderen Ebenen, in anderen Dimensionen fortzusetzen schien. Die schweigenden Felsblöcke waren ein Labyrinth - ein Strudel uralten Schreckens, aus dem sein Geist sich ebenso wenig befreien konnte wie seine schlurfenden Schritte den gewundenen Pfad verlassen konnten, der zu dem wartenden Altar führte.

Als ein unheilvolles Licht in einer Finsternis wie vor Anbeginn der Schöpfung zog ihn der mit Phosphor beschmierte Altar so sicher in die Fänge des Grauens, das in seinem Schatten lauerte, wie eine Kerze die Motte in einen feurigen Tod lockt. Und vor dem Altar wiegte sich eine sehnige Gestalt, zwiefach gesprenkelt von Phosphorflecken und den Makeln ihrer Abkunft: Atla, die halbmenschliche Hexe vom Dagonmoor. Wieder fühlte Bran Übelkeit in sich aufsteigen, als er daran zurückdachte, wie ihre reptilhaft geschmeidigen Glieder sich um seinen nackten Körper wanden, oder ihre Schlangenzunge zu einem Kuß widerwärtiger Leidenschaft in seinen Mund schnellte...

Die schmale Gestalt der Hexe lehnte sich in obszöner Haltung gegen den Altar. Ihre roten Lippen teilten sich zu einem Lächeln, das nadelspitze Zähne entblößte. »Willkommen! Willkommen, König der Pikten!«, schrillte sie und streckte ihm die Arme entgegen. »Bist du zurückgekehrt, weil es dich wieder nach meiner süßen Umarmung verlangte?«

Brans Stimme bebte vor Abscheu. »Kein Wahnsinn, kein Verlangen nach Rache könnte mich je wieder dazu bringen, die Küsse einer Schlange zu erwidern.«

Atlas Lachen spottete seines Ekels. »Dann suchst du wieder nach einer Tür zu jenen, die im Finstern wohnen?«

Eine Bewegung in den Schatten außerhalb des Steinkreises. Bran ahnte die wogende Masse entstellter Leiber, die zwischen den Steinpfeilern hervorquollen - ein lautloses Näherkommen schräger, glühender Augen - kaum erkennbare Gestalten des Schreckens, für deren umnachtete Seelen selbst das fahle Hexenfeuer des Altars ein Licht war, vor dem sie zurückschreckten.

»Es gibt Waffen, die sind zu abscheulich, um sie selbst gegen Rom zu gebrauchen!«, knurrte Bran. Der Widerhall seiner, Worte verhöhnte ihn.

Atlas verächtliches Lachen schnitt durch das grausige Zischeln der im Schatten Lauernden. »Zu abscheulich? Zu abscheulich! Und was mit dem Narren, der sie benutzt?«

Die halb erahnten Gestalten wanden sich zwischen den Menhiren und tasteten sich immer weiter vor. Ihr schlangengleiches Wispern war eine hämische Drohung, die an seinen Nerven zerrte wie das kreischende Scharren von Krallen auf Schiefergestein.

Brans Hand suchte nach dem Schwertgriff. »Das ist Vergangenheit! Vorbei!«, schrie er herausfordernd. »In einem Augenblick blinder Wut rief ich die Kinder der Nacht - aber niemals wieder! Kehrt zurück in eure schleimigen, finsteren Löcher, ihr Würmer, die ihr die Welt der Menschen scheut!«

Kaltes Eisen funkelte in Brans Faust, und Tod leuchtete in seinen dunklen Augen, aber das Lachen der Hexe verstummte nicht.

»Du willst drohen? Du willst befehlen? Du, der du die Dunklen Götter von R'lyeh angerufen hast! Du, der du bei den Namenlosen geschworen hast! Du, der du den Schwarzen Stein berührt und das Gewürm der Erde aus den Tiefen hervorgelockt hast!

König der Pikten! König der Narren! Du hast versucht, Mächten zu befehlen, die keine menschliche Hand lenken kann! Du hast Türen geöffnet, die sich so leicht nicht wieder schließen lassen vor denen, die dahinter warteten! Der Makel haftet dir an! Du hast sie gerufen und sie werden sich erinnern! Und nach ihrem eigenen Willen werden sie einmal ungerufen zu dir kommen!«

Der Kreis nichtmenschlicher Augen wogte vorwärts. Mit einem Knurren verzweifelter Wut stürzte Bran sich auf die Hexe, die auf dem Altar stand - die feinen Schuppen ihrer Haut schillerten in dem grünlichen Phosphorglanz. Sein Schwert fuhr herab, um diese höhnische Stimme zum Schweigen zu bringen.

Aber die Stahlklinge, die das halbmenschliche Fleisch von der Schulter bis zum Leib hatte zerhauen sollen, verlangsamte plötzlich ihre Bewegung - verwandelte sich auf eine Weise in seiner Hand, wie es nicht möglich sein konnte. Die Klinge verkürzte sich, der Griff blähte sich auf und wurde breiter. Das Gewicht in seiner Faust brachte ihn aus dem Gleichgewicht, zerrte an seiner Schulter.

Bran Mak Morn fiel vor dem Steinaltar auf die Knie. Mit vor Entsetzen gelähmtem Verstand sah er, dass es nicht ein Schwert war, das er hielt, sondern ein schwarzer Stein. Mit steigendem Schrecken erkannte er die unirdische sechsflächige Form aus massivem schwarzem Stein - von der Größe seiner geballten Faust und schwerer, als sein Umfang vermuten ließ. Wieder sah er die vertrauten Runen, die in die glatten Seiten eingraviert waren - sechzig Buchstaben auf jeder sechseckigen Fläche.

Der Schwarze Stein...

Und dann waren sie über ihm, in einer beißenden und kratzenden Woge des Grauens. Aber es war nicht wegen der widerlichen Berührung dieser von der tiefsten Hölle ausgespienen Geschöpfe, dass sich Bran Mak Morns Kehle ein hoffnungsloser Schrei entrang. Es war die dämmernde Erkenntnis um die furchtbare Bedeutung dieser dolchartigen Zeichen, die nicht von Menschenhand in den Stein geritzt worden waren...

 

 

 

 

 

 

  II. Der König mit der eisernen Krone

 

 

 

Bei dem erstickten Aufstöhnen des Schläfers zuckte der missgestaltete Riese, der neben ihm wachte, zusammen. Welchen Schrecken schaute sein König im Traum - Bran Mak Morn, dessen Gelassenheit weder Mühsal noch schwere Wunden jemals erschüttert hatten? Sanft schüttelte die schwielige Hand des Königs Schulter.

Bei der ersten Berührung stockten Brans Atemzüge. Mit der Schnelligkeit einer zuschlagenden Katze packte eine sehnige Hand den Arm des Wächters - stieß ihn zurück, während Brans andere Hand den Schwertgriff umfasste und die Waffe zog.

»Mein Fürst«, keuchte der andere und wand sich unter dem eisernen Griff, der sein behaartes Handgelenk zu brechen drohte. »Mein Fürst Bran!«

Dem dunklen Flügelschlag eines Raben gleich hob sich der Schleier des Alptraums vor Brans weitgeöffneten Augen. Einen Moment lang klammerte er sich an den Arm seines ergrauten Gefährten und Dieners und versuchte, die höllischen Schatten aus seinem Bewusstsein zu vertreiben.

»Grom«, murmelte er und löste seinen Griff, um sich den kalten Schweiß von der Stirn zu wischen. »Beinahe hätte ich dich getötet, alter Kämpe.«

Er richtete den Blick auf die nebelverhangene Ebene und fügte dann hinzu, wie um sich selbst zu überzeugen: »Ein Alptraum.«

Grom erwähnte nichts von dem Stöhnen, das über die Lippen des Königs gedrungen war. »Es wird bald dämmern«, sagte er stattdessen..

Bran Mak Morn erhob sich. Die katzenhafte Anmut seiner Bewegungen verriet nichts von der Erschöpfung, die seine Glieder lähmte. »Du hast mich schlafen lassen, Grom. Ich hatte keine Zeit für Schlaf.«

»Seit dem letzten Sonnenaufgang warst du nur noch ein wandelnder Geist«, ertönte eine neue Stimme. »Ich sagte Grom, er solle dich ein paar Stunden ruhen lassen, als du über deinem unberührten Essen zusammengesunken warst. Ein General braucht einen klaren Kopf und einen starken Arm, wenn er seine Männer führen will. Also muss er sich auch die Zeit nehmen, zu schlafen.«

Nur wenn dieser Schlaf ihm Frieden bringt, überlegte Bran. Mit Widerwillen betrachtete er das kalte Stück Fleisch und die schwarze Brotkruste. Die Anstrengungen der letzten Tage hatten schließlich auch an seiner eisernen Ausdauer gezehrt, und gegen seinen Willen hatte ihn der Schlaf übermannt.

»Tagesanbruch, nicht wahr? Dann wünsche ich dir einen guten Morgen, Gonar«, begrüßte er den Neuankömmling säuerlich. »Sobald es Nacht wird, werden wir Zeit genug zum Schlafen haben. Für viele wird es der letzte Schlaf sein.«

»Der letzte Schlaf für ein Rudel römischer Hunde«, knurrte Grom. In seiner Natur lag die wilde Lust am Blutvergießen, die sich nicht um die eigenen Verluste kümmert noch um die Vorzeichen des folgenden Tages - solange nur keiner seiner Feinde lebte, um ihn heraufdämmern zu sehen.

Bran nickte und nahm den Weinschlauch, den Grom ihm reichte. Er schluckte einen Mundvoll von dem erbeuteten Trank. Dann fiel sein Blick auf Gonars Hände, und der Wein wurde ihm zu Essig. Vor wenigen Stunden hatte Bran zugesehen, wie der weißbärtige Magier Brust und Leib eines gefangenen Legionärs aufschlitzte - und dann mit seinen klauenähnlichen Fingern in noch pulsierenden Eingeweiden wühlte, um die Zeichen für die Schlacht des nächsten Tages zu deuten. Dass weder König noch Magier an solch primitiven Mummenschanz glaubten, war für sie jetzt von nur geringer Bedeutung und dem Römer gar völlig gleichgültig. Was zählte, waren die begeisterten Schreie, mit denen die Piktenkrieger Gonars zuversichtliches Siegesversprechen begrüßten.

Aber Bran Mak Morn - dessen Stahl Britanniens kargen Boden mit römischen Eingeweiden und römischem Blut gedüngt hatte, seit der Jüngling Kraft genug hatte, ein Schwert zu führen - schaute düster auf die rostroten Flecken an Gonars knochigen Armen und spukte aus. Er gab Grom den Weinschlauch zurück.

»Komm mit mir, Gonar«, befahl Bran schroff.

Den Umhang aus Wolfsfell über den Schultern schritt der König der Pikten schweigend davon. Ihm folgte der greise Zauberer, unausgesprochene Besorgnis hinter der Maske seines vom Alter gezeichneten Gesichts verborgen.

Nachdem Bran Mak Morn die Reihen der piktischen Krieger und die Lagerfeuer hinter sich gelassen hatte, erstieg er den Kamm der Hügelkette. Dort blieb er stehen - die Arme vor der kraftvollen Brust verschränkt, das Gesicht dem Horizont zugewandt. Der Wind der zurückweichenden Nacht fing sich in seinem Umhang, strich durch sein langes schwarzes Haar. Hinter dem gegenüberliegenden Hügelkamm erhellte ein Versprechen kommenden Lichts den östlichen Himmel, bevölkerte das noch im Schatten liegende Tal mit gespenstischen Nebelgestalten und erfasste das blutrote Juwel in seiner eisernen Krone. Bran füllte seine Lungen mit der frischen Luft und ließ die Morgenkühle seine Seele von den Schrecken der Nacht reinigen.

»Gonar«, unterbrach Bran das Schweigen, »ich möchte frei sein von unheiligen Zaubereien.«

In Gedanken versunken stand der Magier neben ihm. Gonar wusste um die Alpträume, die seinen König heimsuchten - und besaß Takt genug, nicht darauf hinzuweisen, dass er, Gonar, Bran gebeten hatte, sich nicht mit den Kindern der Nacht zu verbünden.

»Aber bei allen Göttern!«, fluchte Bran wild. »Ich will auch, dass dieses Land frei ist von Rom!«

Gonar legte die langen Arme vor seiner mageren Brust zusammen, und glich jetzt Bran in Haltung und düsterer

Stimmung. Der Magier war grober als Bran, aber nicht einmal halb so breit. Seine hagere Gestalt schien aus nichts anderem als Knochen und Sehnen zu bestehen; seine Haut, trocken und schuppig vor Alter, war von Kopf bis Fuß mit geheimnisvollen Tätowierungen bedeckt. Ein weißer Bart fiel bis zu seinen Hüften, und die Augen in dem altersfaltigen Gesicht verrieten unergründliche und fremdartige Weisheit.

Endlich sprach der Magier. »Ich stamme in direkter Linie von jenem Gonar ab, der der größte aller Zauberer war, in den Tagen, als Kuli von Atlantis als König in Valusien herrschte. Und obwohl hunderttausend Jahre und die unermessliche »Tiefe des Meeres Valusien in das Reich vergessener Sagen verbannt haben, sind da weniger Glieder in der Kette meiner Ahnenreihe, als ein gewöhnlicher Verstand begreifen könnte. Ich bin alt, Bran - ich habe hundert Jahre überlebt. Ich bin ein Priester der Schlange, des Mondes und des Schattens gewesen; jetzt bin ich der Ratgeber des ersten anerkannten Königs der Pikten seit fünfhundert Jahren. Mein Gehirn bewahrt die Geheimnisse uralter Weisheit und verborgenen Wissens, die jeden anderen Geist in lallenden Wahnsinn stürzen würden. Aber für diese Jahre und diese Weisheit musste ich einen Preis bezahlen.«

Bran Mak Morn starrte den Priester an, eine ernste Frage in den schwarzen Augen.

»Rom ist stark«, meinte Gonar schlicht. »Seine Legionen regieren die, Welt, wo in vergangenen Jahrhunderten unsere Rasse herrschte. Und wir sind nur noch ein uneiniges Volk primitiver Clans, die in den öden Hügeln Kaledoniens ihr Leben fristen.«

Des greisen Priesters Augen schauten in die Vergangenheit, und während er seinen Worten lauschte, fragte sich Bran, wieviel von dem Wissen des alten Mannes Überlieferung war - und wieviel die Erinnerung an Selbsterlebtes.

»Es war vor zwei und einem halben Jahrhundert, dass die Römer zuerst unsere Küsten heimsuchten. Zweimal sandte der große Cäsar seine Legionen über den Kanal nach Britannien. Ha! Wie wir sie bekämpften an den ceantischen Gestaden und die Wogen rot färbten mit römischem Blut! Selbst das Meer und der Wind und das Land wandten sich gegen die Eindringlinge! Dennoch marschierten die Legionen weiter, und obwohl die Britannier sich unter Caswallon - oder Cassivellaunus, wie ihn die Römer nannten - zusammenschlossen, konnten sie Cäsars Legionen nicht aufhalten. Verrat und Feigheit zerfraßen die Armee der Britannier als Folge römischer Siege, bis Cassivellaunus sich schließlich ergeben musste. Aber, bei der Schlange, wir tränkten den eroberten Boden mit römischem Blut, und der große Cäsar war froh, sich mit den so bitter erkauften Verträgen und Tributzahlungen nach Gallien zurückziehen zu können!

Es verging ein Jahrhundert, bevor Rom wieder daran dachte, seine Legionen auszuschicken, um Britannien zu einer Provinz zu machen und das Kaiserreich mit Britanniens Reichtum und Blut zu mästen. Ha! Claudius konnte nicht schnell genug in seinen Marmorpalast in Rom zurückkehren und überließ seinen Generälen die Aufgabe, uns zu unterwerfen. Zehn Jahre Kampf und Ströme von Blut, bevor Ostorius Scapula in das Hochland von Nordwales vordringen konnte, um das Heer der Silurer unter Caratacus in seiner Festung anzugreifen - aber wieder war es Verrat, der Caratacus in die Hände der Römer lieferte, um in Ketten vor den Kaiser geführt zu werden.

Ein Jahrzehnt lang hielt der römische Adler den Süden in seinen Krallen, zufrieden damit, durch Marionetten und Günstlinge außerhalb der Grenzen des noch uneroberten Kaledoniens zu regieren. Dann rief Königin Boudicca die Britannier auf, sich ihres Mannesstolzes zu erinnern und die Fesseln Roms abzuschütteln. Ha! Das war ein Gemetzel! Ihre verhassten Städte fielen! Camulodunum, Londinium, Verulamium - Plünderungen, Feuer und Schwert! Sieg für die Britannier, und für die Römer gnadenloser Tod! Ha! Es schien, dass wir die Römer vernichten und ihre Herrschaft für alle Zeiten abschütteln würden! Zweihunderttausend folgten Königin Boudicca von den rauchgeschwärzten Ruinen Verulamiums nach Nordwesten, wo Suetonius Paulinus sie mit nur zwei Legionen erwartete. Zweihunderttausend Britannier gegen zehntausend Römer! Aber römische Disziplin hielt dem Ansturm der britischen Krieger und Streitwagen stand - zerschmetterte Boudiccas Truppen und warf sie zurück gegen die Wagen und Zelte, die so aufgebaut waren, dass die Frauen und Kinder niedersitzen konnten, um die Niederlage der Römer mitanzusehen! Die Götter waren gegen uns an jenem Tag - denn die Römer erschlugen achtzigtausend Britannier, ohne selbst mehr als vierhundert Mann zu verlieren.

Für lange Jahre nach dem Tod von Boudicca und der Vernichtung ihrer Armee begnügte Rom sich damit, den Süden zu beherrschen. Doch dann wandte sich sein Blick auf das freie Kaledonien, aus dessen nebelverhangenen Bergen und Mooren die noch nicht unterworfenen Stämme hervorkamen, um zu morden und zu plündern - Wölfe, die die römischen Schafe rissen. Julius Agricola führte die Legionen nach Norden, weitete Roms Netz aus Festungen und Militärstraßen bis zu der Festung des Hochlands aus, die direkt anzugreifen er nicht wagte.

Wie die Silurer sich unter Caratacus zusammengeschlossen hatten, so vereinten sich die Kaledonier unter der Führung von Calgacus, um der römischen Bedrohung zu begegnen. Denn was bedeutete die Sicherheit dieses kalten und unfruchtbaren Hochlands, wenn die römische Flotte entlang der Wüste plünderte und brandschatzte, und die römischen Festungen Kaledoniens reiche Ebenen im Süden beherrschten? Aber indem sie sich zusammenschlossen, handelten die kaledonischen Stämme genau so, wie Agricola es hoffte. Denn welcher Gegner ist leichter zu bekämpfen - ein Löwe oder hundert zustoßende Schlangen?

Auf dem Mons Graupius erwartete Calgacus die Römer, und er hatte nicht nur ein Heer von dreißigtausend Mann, sondern auch die günstigere Stellung im Gelände. Agricola befehligte drei Legionen und noch einmal die gleiche Anzahl Hilfstruppen - die zu einem Teil aus Britanniern bestanden. Wieder kehrten sich die Götter von uns ab;

denn an diesem Tag brachten die achttausend Mann Fußtruppen des Agricola den Angriff des Calgacus an den Hängen des Graupius zum Stehen, und als seine Truppen von den Höhen herabkamen, um die Römer an der Flanke zu packen, warf Agricola seine dreitausend Berittenen in die Schlacht und zerschmetterte die Kaledonier vollends. Drei Legionen taten nichts anderes, als danebenzustehen und zuzuschauen, während die Hilfstruppen den Sieg errangen - zehntausend Kaledonier tot und nicht einmal vierhundert Römer! Und so fielen die südlichen Ebenen Kaledoniens an Rom, und so sind seit mehr als einem Jahrhundert Kelten wie Pikten dazu verurteilt, gleich gejagten Verbrechern in den öden Hügeln des Hochlands ein kümmerliches Dasein zu führen.«

Brans zorniger Fluch unterbrach die Erzählung des Magiers. »Ha! Die Römer besiegten die Kelten und drängten sie in das Hochland - wie vor Jahrhunderten die Kelten die Pikten besiegten und die Reste unseres Volkes in diese kahlen Berge jagten. Und jetzt müssen Pikten und Kelten ihre alten Zwistigkeiten vergessen und sich gemeinsam den Legionen Roms entgegenstellen!«

Der Greis musterte Brans Gesicht - sah die Wut, die in seinen schwarzen Augen funkelte. Und mehr.

»Ein Jahrhundert ist vergangen und noch ein Viertel des nächsten seit der Niederlage des Calgacus«, gab Gonar zu bedenken, »und obwohl wir für die Römer alle Kaledonier sind, können Pikten und Kelten noch immer nicht die Jahrhunderte erbitterter Kämpfe vergessen, die dieses Land mit Blut tränkten, lange bevor Rom etwas anderes war, als ein Fischerdorf mit erbärmlichen Lehmhütten. Rom ist wie ein gewaltiger Schlund. Auf ihren unaufhaltsamen Eroberungszügen haben seine Legionen tausend Stämme und Völker überrollt. Was kümmern Rom der kleinliche Hass und die Stammesfehden aufsässiger Barbaren? Rom verschlingt sie alle, und schon nach wenigen Jahren marschieren diese früheren Todfeinde in den Reihen der Legionäre und sind selber Römer - wie du an den Britanniern des Südens sehen kannst!«

Brans Lachen kündete von bitterem Stolz. »Mögen die Britannier die Huren Roms geworden sein, so doch nicht die Männer Kaledoniens. Vor achtzig Jahren bauten Hadrians Legionen ihre Mauer über die Insel, um die römischen Städte und Landgüter vor den freien Männern des Nordens zu schützen. Aber selbst das genügte Rom noch nicht, so dass kaum ein Dutzend Jahre danach die Legionen des Antonius Pius nach Norden in das Tiefland von Kaledonien marschierten, um einen zweiten Wall über die sumpfige Landschaft zu bauen, wo der Forth und der Clyde Kaledonien beinahe vom Festland abschneiden.

Ha! Die Römer haben guten Grund, die Männer aus dem Norden zu fürchten! Guten Grund, ihre Mauern zu errichten und dahinter vor den plötzlichen und tödlichen Überfällen keltischer und piktischer Krieger Schutz zu suchen! Es war mein Urgroßvater, Othna Mak Morn, unter dessen Führung die Pikten die Neunte Legion vernichteten, als Rom es wagte, hinter seinem Wall hervorzukriechen. In dem Jahr meiner Geburt erhoben sich die Männer Kaledoniens und zerstörten den Wall des Antonius - töteten die Soldaten und verbrannten die Garnisonen. Und ich war ein sechzehnjähriger Knabe, als ich bei der Erstürmung des Hadrianswalls mein Schwert in römisches Blut tauchte.

Götter! Das waren Monate, die für die schwarzen Niederlagen vergangener Jahrhunderte entschädigten! Wir setzten ihre Festungen und Wachtürme in Brand, rissen große Teile ihrer gewaltigen Mauer ein! Feuer und Schwert für die Römer und ihre verhassten Bauwerke! Sie ergriffen vor uns die Flucht, weil sie es nicht wagten, stehenzubleiben und zu kämpfen! In jenem Jahr dachte ich, das Ende Roms und seiner Legionen stehe bevor! Ihre Siedlungen und Städte in Schutt und Asche, und jede lebende Seele darin erschlagen! Tod allen Römern!«

Bran verstummte. Der wilde Triumph in seiner Stimme, die Begeisterung in seinem Gesicht... erloschen. Die Bitterkeit ergriff wieder von ihm Besitz.

»Aber es sollte nicht sein. Wir waren nicht stark genug, um die größeren Lager zu übernehmen. Bei dem ersten Anzeichen römischen Widerstands zerfiel unsere Armee in tausend kleine Gruppen von Plünderern. Alte Fehden vernichteten die Hoffnung auf Einigkeit, und es lockte leichte Beute in den unbewachten Villen und kleinen Festungen. Unser Heer schmolz dahin - ohne ein anderes Ziel, als zu rauben und zu vergewaltigen und dann mit Wagen voller wahllos zusammengerafftem Plunder und Geschichten von bedeutungslosen Ruhmestaten in das Hochland zurückzukehren. Die Legionen kamen zurück, und nach zehn Jahren war der Hadrianswall wiederaufgebaut.«