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Geisterbucht
Teil 2
Flammendes Wasser

erzählt von Astrid Vollenbruch

Kosmos

 

 

 

 

 

Umschlagillustration von Silvia Christoph, Berlin

Umschlaggestaltung von eStudio Calamar, Girona, auf der Grundlage der Gestaltung von Aiga Rasch †

 

 

 

Unser gesamtes lieferbares Programm und viele weitere Informationen zu unseren Büchern, Spielen, Experimentierkästen, DVDs, Autoren und Aktivitäten finden Sie unter www.kosmos.de

 

 

 

 

© 2010, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart

Alle Rechte vorbehalten

Mit freundlicher Genehmigung der Universität Michigan

 

Based on characters by Robert Arthur.

 

ISBN 978-3-440-12476-5

Redaktion: Martina Dold, Martina Zierold

Produktion: DOPPELPUNKT, Stuttgart

eBook-Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

Unter der Erde

Ein ungeheures Krachen und Donnern. Die Erde zitterte. Instinktiv warfen sich Justus und Peter auf den Boden und hielten die Hände über die Köpfe. Staub rieselte von den verputzten Mauern und einige Flaschen kippten um, rollten von den Regalen und zerbrachen. Ein harter Schlag traf Justus im Rücken. Der durchdringende Geruch nach Wein mischte sich in den Gestank von brennendem Holz und Plastik, und die Taschenlampe ging aus. Irgendwo über ihnen explodierten Gegenstände, brachen Wände und Decken zusammen.

Doch der in den Fels gehauene Raum hielt stand.

Irgendwann war es vorbei. Das Feuer prasselte weiter, aber nach dem Höllenlärm des Einsturzes hatte Justus das Gefühl, taub zu sein. Immerhin hörte er sich husten. Vorsichtig richtete er sich auf. »Peter?«

»Ich bin tot«, sagte Peter.

»Die Indizien sprechen dagegen.«

»Ach was, das sagst du immer. Es gibt keine Möglichkeit, dass wir diesen Einsturz überlebt haben.«

»Doch«, erwiderte Justus. »Ich glaube, wir sind gar nicht genau unter dem Haus. Ich habe in dem Chaos nicht darauf geachtet, aber die Treppe führt geradeaus vom Keller weg. Wir sind hier ein Stück hinter dem Haus – ich glaube, diesen Raum hier hat Mr Sapchevsky genau für solche Notfälle bauen lassen. Und wenn wir jetzt noch ein bisschen mehr Glück haben und der Ausgang unseres Luftschachts nicht verschüttet wurde, überleben wir, bis uns die Feuerwehr herausholt.« Er suchte nach der Taschenlampe und knipste sie an. Das Licht flackerte erst und festigte sich dann zu einem dünnen Strahl, der durch eine Wolke aus Staub über heruntergefallene Dosen, Milchpackungen und Scherben glitt und auf Peter liegen blieb, der wie ein staubiges Gespenst aussah. »Zumindest verhungern wir nicht.«

»Das ist doch die Hauptsache«, sagte Peter sarkastisch. »Und wie soll uns die Feuerwehr herausholen, wenn es keinen Zugang gibt? Wie sollen sie uns überhaupt finden?«

»Bob weiß ja, dass wir hier sind.«

»Bob wird einen Herzinfarkt bekommen, wenn er das Haus sieht – oder das, was jetzt noch von ihm übrig ist! Und außerdem wird er denken, dass wir mit Mr Sapchevskys Auto abhauen konnten!«

Justus musste zugeben, dass daran etwas Wahres war. »Aber ich gehe trotzdem davon aus, dass wir gerettet werden.«

»Weil du ein Berufsoptimist bist«, sagte Peter bitter. »Mach wenigstens die Taschenlampe aus! Wer weiß, wie lange sie noch hält – wir sollten die Batterie schonen.«

»Augenblick noch.« Justus beleuchtete die Dämonenmaske. Sie war ein sauberes, ordentlich geschnitztes Stück Handwerkskunst. Er drehte sie um und untersuchte die Innenseite. »Hier ist ein Schild – Orient Import Glenview. Und ein paar blonde oder rötliche Haare. Und es riecht nach –«

Da wurde Peter wütend. »Jetzt hör schon auf! Wir sitzen hier in einer Todesfalle und du spielst noch immer den Detektiv!«

»Wir sind Detektive«, sagte Justus. »Und wenn wir nichts anderes zu tun haben, als auf Rettung zu warten, können wir genauso gut über unseren Fall nachdenken.«

»Lass mich in Ruhe mit deinem blöden Fall!«, explodierte Peter. »Ich hab keine Lust mehr auf Fälle, bei denen uns brennende Häuser auf den Kopf fallen! In Zukunft übernehme ich nur noch Fälle, bei denen wir entlaufene Katzen suchen müssen – wenn wir überhaupt eine Zukunft haben! Oder ich übernehme gar keinen Fall mehr, lerne zur Abwechslung mal für die Schule und geh mit Kelly Tennis spielen, statt mich von irgendwelchen wahnsinnigen Gangstern umbringen zu lassen! Ich hab die Nase voll!«

»Peter, jetzt beruhige dich doch mal –«

»Nein, ich denke nicht daran! Ich schmeiße die Sache hin, ich kündige! Und außerdem habe ich Angst und will hier raus, vielleicht kannst du das nicht verstehen, aber es ist so! Mach endlich die Lampe aus!« Er lehnte sich mit dem Rücken gegen ein Regal und schloss die Augen.

Justus schaute die Dämonenmaske an. Sie schien seinen Blick höhnisch zu erwidern.

Er knipste die Lampe aus.

Schweigend saßen sie in der staubigen, nach Wein und geschmolzenem Plastik stinkenden Dunkelheit und lauschten dem Prasseln und Lodern über ihren Köpfen. Um sich abzulenken, dachte Justus über den Fall nach. Und über Peters Ankündigung, auszusteigen. Wie konnte er ihn nur dazu bringen, es sich noch einmal zu überlegen? Peter hatte in Krisensituationen schon häufiger die Nerven verloren, aber noch nie hatte er wirklich gesagt, dass er nicht mehr mitmachen wollte.

»Peter …«

»Lass mich in Ruhe.«

Justus seufzte. »Jetzt sei doch nicht –« Er unterbrach sich, bevor Peter es tun konnte. War da nicht ein Geräusch? »Hör mal!«

»Ich will nicht mehr darüber diskutieren!«

»Nein, ich meine, hör mal! Da draußen ist ein Hubschrauber!«

»Was?«

Atemlos lauschten sie in die Dunkelheit. Das unmissverständliche Knattern eines Hubschraubers näherte sich und dann übertönte ein Brausen und Zischen für einen Moment das Prasseln der Flammen.

»Ein Löschhubschrauber!«, rief Peter und sprang auf. »He!«, brüllte er. »Hallo! Hier sind wir! Hilfe!«

»Peter, sie können uns doch nicht hören!«

»Ist mir egal! Hilfe! Holt uns hier raus! Hilfe!«

Das Knattern entfernte sich und war bald nicht mehr zu hören. Peter blieb stehen und horchte weiter nach draußen.

»Peter«, sagte Justus, »denk nach. Keiner weiß, dass wir hier sind. Wir müssen warten, bis die Feuerwehrleute eintreffen und den Brand gelöscht haben. Und dann müssen sie uns noch irgendwie hier herausholen. Das kann …« Er schluckte und sprach es dann doch aus. »Das kann Tage dauern.«

Peter wandte sich zu ihm um. »Tage?«

»Wahrscheinlich müssen sie einen Schacht bohren.«

»Einen Schacht

»Peter, jetzt wiederhol doch bitte nicht alles wie ein griechischer Chor. Wir sitzen hier fest, finde dich damit ab.«

»Jedenfalls weiß ich, was ich tue, wenn noch einmal ein alter Freund meines Opas uns ein Rätsel vererbt.«

»Was denn?«

»Ich zerreiße das Rätsel und gehe surfen.«

»Ich würde ja etwas darauf antworten, aber da du mir dann vorwerfen würdest, wieder das letzte Wort haben zu müssen, sage ich nichts.«

»Gut so.«

Justus verkniff sich eine Antwort.

Peter wartete noch eine Weile, dann setzte er sich wieder hin und legte den Kopf auf die Arme.

Nach einiger Zeit fragte er, ohne aufzublicken: »Warum ist die Polizei nicht gekommen?«

»Das habe ich mich auch gefragt.« Justus beschloss, mit keinem Wort auf Peters Kündigung einzugehen. Sie brauchten beide etwas, worüber sie nachdenken konnten.

»Mr Sapchevsky hat dort angerufen, aber außer Taylor ist niemand gekommen. Hätten sie nicht absagen müssen oder so etwas?«

»Eigentlich schon.«

»Oder sie sind gekommen, aber erst, als das Haus schon brannte.«

»Dann hätten wir die Sirenen gehört – so wie jetzt.« In der Ferne verriet das Heulen von Sirenen, dass die Feuerwehr ihre Arbeit aufgenommen hatte.

Peter lauschte, doch er schien sich damit abgefunden zu haben, dass es noch lange dauern konnte, bis auch nur jemand in Hörweite kam, und überlegte weiter. »Vielleicht haben diese Rashuras die Telefonkabel angezapft und er hat gar nicht mit der Polizei gesprochen, sondern mit einem von ihnen?«

»Dann hätten sie noch schneller handeln müssen, als sie es ohnehin getan haben. Sie haben gestern erst erfahren, wo Mr Sapchevsky wohnt. Letzte Nacht sind sie eingebrochen und einige Zeit später haben sie festgestellt, dass der Zettel fehlte. Dann mussten sie auch noch das Polizeiauto stehlen und bei uns auftauchen, um uns das Foto abzunehmen.«

»Es wäre aber machbar.«

»Ausgeschlossen ist es nicht.«

»Und warum wollten sie … warum wollten sie uns umbringen?«

»Ich glaube, das wollten sie gar nicht. Dieses Feuer – das war keine Absicht, sondern ein Unfall.«

»Wie kommst du darauf?«

»Sie hatten keine Zeit, sich abzusprechen. Dieser Taylor hatte nicht damit gerechnet, dass wir hier oben sein könnten. Erinnerst du dich, wie überrascht er aussah, als Mr Sapchevsky nach uns rief? Und zu diesem Zeitpunkt war der Kerl mit der Maske schon zwischen den Bäumen unterwegs – wahrscheinlich um einzubrechen und nach dem Zettel zu suchen.«

»Aber warum trug er eine Maske, wenn er doch wusste, dass Taylor Mr Sapchevsky mitnehmen würde?«

»Vielleicht wusste er nicht, dass Mr Sapchevsky allein hier oben wohnt, und dachte, es könnte noch jemand im Haus sein. Mörder tragen keine Masken, weil ihre Opfer nachher nichts mehr aussagen können. Also hatte er nicht vor, jemanden umzubringen. Aber irgendwie brach das Feuer aus und er verlor die Nerven und flüchtete mit dem Auto.«

»Dann wäre es aber nett gewesen, uns mitzunehmen, nachdem er uns vorher gefesselt hatte und wusste, dass wir nicht abhauen konnten.«

»Da stimme ich dir zu«, sagte Justus. »Und jetzt ist dieser Mann wirklich gefährlich. Wenn er glaubt, er hätte uns auf dem Gewissen, wird er möglicherweise irrational handeln.«

»Schön hast du das gesagt.«

»Danke. Und deshalb mache ich mir gerade ziemlich große Sorgen um Bob. Ich würde mich viel wohler fühlen, wenn ich wüsste, dass er in Sicherheit ist.«

 

Zwei Stunden lang hörten sie zu, wie das Prasseln der Flammen unter den Wasserschwällen der Feuerwehr erstickte. Als sie sicher waren, dass über ihnen nichts mehr brannte, öffneten sie versuchsweise die Tür und leuchteten mit der Taschenlampe die Treppe hinauf. Die Luft war voller Rauch und am oberen Ende der Treppe schwelte ein Haufen Trümmer, der den Ausgang versperrte. Justus schloss die Tür wieder. Sie teilten sich eine weitere Flasche Wasser und waren froh, dass Mr Sapchevsky sich für Notfälle eingedeckt hatte. Dann warteten sie weiter.

Eine Stunde später hörten sie jemanden rufen.

»Hier rüber mit dem Schlauch!«

Sie schreckten hoch und Peter sprang auf.

»Hilfe!«, brüllte er. »Hallo! Helfen Sie uns!«

Es gab eine Pause. »Was zum –?«, rief der Feuerwehrmann. »In diesem Trümmerhaufen kann doch nichts – Hallo? Wer ist da?«

»Wir sind unter der Erde!«, schrie Peter. »Holen Sie uns raus!«

»Unter der Erde? Seid ihr verschüttet? Wie viele seid ihr? Ist jemand verletzt?«

Jetzt stand auch Justus auf. »Wir sind zu zweit!«, rief er. »Wir sitzen in einem Raum fest – etwa sechs Meter unter der Oberfläche. Keiner ist verletzt und wir haben genug Luft und Wasser und ein paar Vorräte, aber wir können nicht raus!«

Die Stimme kam näher. »Ruft mal weiter, damit ich euch orten kann! Wie heißt ihr? Wisst ihr, wo der Eigentümer des Hauses ist?«

»Justus Jonas und Peter Shaw aus Rocky Beach. Mr Sapchevsky ist heute Nacht entführt worden und dann hat ein Mann hier Feuer gelegt, aber möglicherweise war es ein Unfall, weil –«

»Sehr gut«, sagte die Stimme direkt über ihnen, »das genügt, danke. Hier ist eine Art gemauerter Kamin mit einem Gitter, das dürfte euer Luftschacht sein. Keine Sorge, Jungs, wir holen euch da raus!«

»Hören Sie zu, Sie müssen die Polizei verständigen!«, rief Justus. »Es ist dringend! Rufen Sie Inspektor Havilland an! Und Inspektor Cotta von der –«

Doch der Mann entfernte sich. »Leute! Wir haben hier zwei Überlebende in einer Kammer unter der Erde!«

Aufgeregte Rufe antworteten ihm, aber Justus und Peter konnten sie nicht mehr verstehen.

»Der hat dir wohl nicht so recht geglaubt«, sagte Peter. »Das liegt bestimmt daran, dass er dir nicht persönlich gegenüberstand und deine Ehrfurcht gebietende Aura nicht genießen konnte.«

Justus ignorierte die Frotzelei. »Wahrscheinlich setzt er die Prioritäten anders. Für ihn steht unsere Rettung im Vordergrund. Wenn Inspektor Havilland kommt, wird er sich mit dem Vorfall befassen.«

Inspektor Havilland kam wenig später, hörte sich die durch den Schacht gerufene Beschreibung des Brandstifters an und fuhr wieder weg. Dann rollten die Bagger an. Sie gruben keinen Schacht, sondern räumten den ganzen Tag lang die Trümmer des Hauses beiseite. Justus und Peter, die in der Nacht nicht geschlafen hatten, legten sich abwechselnd auf das Feldbett, konnten aber wegen des Lärms kein Auge zutun und hockten schließlich nur noch erschöpft und gereizt nebeneinander, bis eine Stimme vor der Brandschutztür sie hochfahren ließ.

»Okay, Jungs, nicht schießen. Ich komme jetzt rein.«

Die Tür öffnete sich und ein Feuerwehrmann trat ein und grinste sie an. »Wie sieht’s aus – Lust auf ein bisschen frische Luft?«

»Nein danke, uns gefällt’s hier ganz gut«, sagte Peter sarkastisch. »Wir haben uns gerade wohnlich eingerichtet!«

Der Mann lachte nur und hielt einladend die Tür auf. »Könnt ihr laufen oder sollen wir euch tragen?«

So weit kam es noch! Justus stand auf. »Wir sind durchaus im Vollbesitz unserer Kräfte.«

Damit hatte er zwar ein wenig übertrieben, aber sie stiegen natürlich trotzdem die Treppe hinauf und stolperten aus dem rauchenden Trümmerhaufen in das Dämmerlicht des Abends über einer verkohlten Wildnis. Und in das Blitzlichtgewitter der wartenden Presse, die es sich später nicht nehmen ließ, das ergreifende Wiedersehen der Familien Jonas und Shaw mit ihren verlorenen Söhnen dermaßen auszuschlachten, dass Tante Mathilda eine Verleumdungsklage einzureichen drohte, falls das Wort ›Tränenströme‹ noch einmal erscheinen sollte.

Auch Mr und Mrs Andrews waren da. Als Justus sie sah, befreite er sich aus Tante Mathildas Umarmung und lief zu ihnen hinüber.

»Wo ist Bob?«, fragte Mr Andrews mit rauer Stimme.

»Er war nicht bei uns«, antwortete Justus. »Er war vorher mit dem Käfer weggefahren. Ich hatte allerdings erwartet, dass er später zurückkommen würde. Ist er nach Hause gefahren?«

»Nein«, sagte Mrs Andrews. »Wir wissen nicht, wo er ist. In den Nachrichten sprachen sie dauernd von ›zwei Überlebenden‹, und wir dachten – wir dachten –« Sie brach in Tränen aus und Mr Andrews legte ihr den Arm um die Schultern.

»Nein, keine Sorge, er war nicht da. Er beobachtete einen verdächtigen Wagen. Wenn Sie ihn mit dem Handy anrufen …«

»Justus«, sagte Mr Andrews, »wir haben euer Handy so oft angerufen, dass es inzwischen glühen müsste. Er hat nicht geantwortet!«

»Ich würde mir keine Sorgen machen«, sagte Justus schnell. »Es gibt bestimmt einen einfachen und logischen Grund, warum er nicht antwortet.«

»Und welchen?«

Die Antwort blieb ihm erspart, denn jetzt kam ein Arzt, um ihn und Peter zu untersuchen. Er leuchtete ihnen in Augen, Nase und Ohren, klopfte ihnen auf die Brust und sagte, außer einer leichten Überreizung seien sie in Ordnung. Er gab ihnen Tabletten und der bereitstehende Krankenwagen fuhr wieder ab.

Justus schaute sich um. Die Journalisten fotografierten noch immer alles, was ihnen vor die Linsen kam, und eine größere Zuschauermenge hatte sich hinter den Absperrbändern versammelt. Mr Sapchevskys Haus war ein nasser, rauchender Trümmerhaufen. Die Baumgruppe, unter der sie der Maskierte überfallen hatte, bestand nur noch aus verkohlten Stümpfen. Das Gras, der Gänsestall, der kleine verwilderte Garten und der Zaun – alles war verbrannt. Peter und er selbst waren völlig verdreckt, die Gesichter schwarz.

»Ja«, sagte eine Stimme hinter ihm, »das sieht übel aus. Ihr könnt eurem Schöpfer danken, dass ihr da herausgekommen seid.«

Justus drehte sich um und stand Inspektor Havilland gegenüber. »Ich danke lieber dem Konstrukteur der Kammer dort unten«, antwortete er nüchtern. »Haben Sie eine Spur von dem gestohlenen Streifenwagen, Mr Sapchevsky und Bob?«

»Immer noch auf Verbrecherjagd?« Havilland lachte ein wenig und schüttelte den Kopf. Dann wurde er wieder ernst. »Wir haben den Streifenwagen gefunden. Er stand in einem Industriegebiet in Glenview. Von der Bande und Mr Sapchevsky fehlt jede Spur.«

»Und was ist mit Bob?«

»Fehlanzeige. Justus, bis eben dachten wir, er sei mit euch da unten gewesen und hätte es, nun ja, nicht geschafft.«

»Er war nicht bei uns und er verfolgte die Bande. Er hatte unser Handy dabei, aber Mr Andrews sagt, er antwortet nicht. Suchen Sie nach einem gelben Käfer, das ist sein Wagen. Wir müssen –«

»Ihr müsst jetzt erst einmal nach Hause und euch erholen«, befahl Havilland. »Um alles andere kümmert sich die Polizei. Wir reden morgen weiter.« Er klopfte Justus auf die Schulter und wandte sich ab.

»Warten Sie!«, rief Justus.

Havilland drehte sich um. »Ja?«

»Haben Sie unseren Detektivkoffer gefunden? Er muss bei der Baumgruppe dort drüben gelegen haben.«

»Da war etwas, das vielleicht mal ein Detektivkoffer gewesen sein könnte. Leider völlig verbrannt. Tut mir leid. Sonst noch etwas?«

»Nur noch eins. Der Mann, der aus dem brennenden Haus lief und mit Mr Sapchevskys Auto wegfuhr, trug eine Maske. Ich habe sie ihm abgerissen. Sie liegt unten in der Kammer auf dem Feldbett.«

»Gut!«, sagte Havilland anerkennend. »Ich hole sie gleich. Ab mit euch!«

Mithilfe der Polizei bahnten sie sich einen Weg durch die Menge, die sich zu zerstreuen begann. Es wurde jetzt rasch dunkel und Justus und Peter konnten die Augen kaum mehr offen halten. Onkel Titus’ Lieferwagen und das Auto der Familie Shaw standen ein Stück die Straße hinunter und sie legten den Weg schon halb im Schlaf zurück.

»Ich verstehe ja nicht, warum die Kohlen nicht gebrannt haben«, sagte Peter plötzlich.

»Welche Kohlen?«, fragte Onkel Titus. »Soweit ich es verstanden habe, war da ein ganzer Keller voller Kartoffeln. Habt ihr es nicht gerochen? Die sind jetzt gut durch.«

Wo ist Bob?

Der nächste Tag war Sonntag. Justus hatte in der Nacht nur wenig geschlafen und ging nach dem Frühstück sofort in die Zentrale. Als er aus dem Geheimgang kletterte, sah er, dass das Lämpchen am Anrufbeantworter blinkte. Rasch schaltete er die Wiedergabe ein.

»Hallo, Justus und Peter, hier ist Inspektor Havilland. Ruft mich bitte zurück, ich habe Dienst und bin im Büro.«

Justus nahm gerade den Hörer ab, als Peter den Kopf aus Tunnel Eins streckte, einem Loch im Boden der Zentrale. »Morgen, Erster. Gibt es was Neues von Bob?«

»Ich rufe gerade Inspektor Havilland an.« Justus wählte die Nummer und Peter kletterte aus dem Tunnel und warf sich in seinen Sessel.

Inspektor Havilland meldete sich sofort und Justus schaltete den Verstärker ein, damit Peter mithören konnte.

»Hallo, Justus. Und? Habt ihr alles gut überstanden?«

»Ja, uns geht es gut, danke. Haben Sie etwas herausgefunden?«

»Wir haben den gelben Käfer gefunden«, sagte Havilland. »Er stand im Industriegebiet von Glenview in der Nähe der Stelle, an der auch der Streifenwagen zurückgelassen wurde. Die Beamten sagten, der Käfer sei ihnen in der Nacht aufgefallen, den Fahrer hatten sie aber nicht gesehen. Sagt mal, habt ihr die Verbrecher mit einem Peilsender verfolgt? Wir haben ein merkwürdiges Kästchen in dem Käfer gefunden, das ein selbst gebastelter Empfänger zu sein scheint.«

»Ja, Peter hatte eine Wanze am Streifenwagen angebracht.«

»Interessant. Ich werde die Wanze suchen lassen und sie euch zurückgeben.«

»Und was ist mit Bob?«