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Andreas Mamerow

 

 

Das Pferd ist dein Spiegel

 

Besser reiten mit mentalem Training

 

 

 

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Inhalt

Vorwort

1. Alles Kopfsache? – Mentales Training im Reitsport

Für Pferd und Reiter ein Hit – Mentales Training

Esoterik kontra Sportpsychologie

Eine positive Stimmung holt das Beste aus dir raus

Kino im Kopf

Mentales Training für alle

Ganz schön einflussreich – Die Kraft der Gedanken

Von Kopf bis Fuß mental gesteuert

Mit den richtigen Gedanken zum Erfolg

Gut gedacht, Reiter! – So klappt die Kommunikation

Perfekt vernetzt: Sensorik und Motorik

Gefühlssache: unser Bewegungsgedächtnis

2. Denke wie dein Pferd – Kommunikation durch Kompetenz

Dein Pferd, das unbekannte Wesen? – Lern es besser kennen!

Versetz dich in dein Pferd

Die zu den Pferden flüstern

Wenn Pferd und Reiter aneinander vorbeireden

Stell dir vor, du wärst ein Beutetier

Eine Frage der Perspektive – Was sieht dein Pferd?

Das große Unbekannte

Angriff der Killerhühner

Auf die Sichtweise kommt es an

Mono oder stereo sehen?

Vom harmlosen Auto zum Raubtier

Zweigeteilt: das Gesichtsfeld deines Pferdes

«Langsamseher» Mensch

Fernsehmuffel Pferd

Flucht bei Formveränderung

Und so macht es die Verwandtschaft deines Pferdes

Blind für das Offensichtliche?

Fluchtverhalten heute

Alles Gefühlssache – Emotionale Vierbeiner

Leben im Hier und Jetzt

Nachtragend? Keine Spur

Was würde die Leitstute tun?

Keine falschen Erklärungen

Dein Pferd kann dich nicht ärgern

Gemeinsam sind wir stark – Herdentier Pferd

Gestatten? Das Leitpferd

Chef ist Chef

Führungsqualität auf dem Prüfstand

Vertrau mir! – Führung gesucht

Mach die Rangordnung klar

Der sanfte Anführer

Dein Pferd hat die Wahl

Technik und mentale Stärke – eine unschlagbare Kombination

Der Chef – Bist du ein Anführer?

1. Der antiautoritäre Reiter

2. Der unentschlossene Reiter

3. Der konsequente Reiter

3. Die Vision vom Reiten – Das Vorstellungstraining

Preisverdächtig – Der Film in deinem Kopf

Von der Vorstellung zur Bewegung

Eine Straße durch dein Gehirn

Bessere Bewegungsabläufe mit Carpenter

Eine komplexe Sache: der Handlungsplan

Reiten neu erleben

Du kannst nur gewinnen

Was siehst du? – Verbessere deine Visualisierung

Reiten beschreiben – Das optimale Skript

Bleib realistisch

Nimm dir Zeit

So optimierst du dein Skript

Weitere Regeln zum Erstellen des Skripts

Jetzt heißt es: lernen

Finde deine Schlüsselstellen – Knotenpunkte und Bewegungsgefühl

Mach dir deine Gefühle bewusst

Szenenwechsel

Werde dein eigener Regisseur

Und wieder heißt es: lernen

Endlich loslegen! – Ab sofort wird mental trainiert

Training unter allen Bedingungen

Angstfrei durch Entspannung

Liegst du gut in der Zeit?

Werde der Star deines eigenen Films

Denk dich zum Erfolg

Jetzt aber richtig

Einige wichtige Hinweise, die du beim mentalen Training beachten solltest:

Kontrolle ist besser – Über die Zeit den Erfolg messen

Vergiss alles – Abrufen in der Praxis

Bloß nicht zu viel nachdenken

Mentales Training vor der Turnierprüfung?

4. Ich will reiten! – Erfolgsfaktor Motivation

Jeden Tag ein bisschen besser – Die richtige Herausforderung

Ein Blick auf den Sportolymp

Wecke den Tiger in dir

Qualität statt Quantität

Was willst du erreichen? – Realistische Ziele setzen

Vorsicht vor Überschätzung – und Unterforderung

Risiko Ergebnisziel

Mit einem Handlungsziel auf Nummer sicher

Ziel voraus – Der Reiter als Projektmanager

Projektmanagement konkret

Schritt 1: Projektdefinition

Befördere dein Ziel zum Projekt

Motivationsfaktor Kontrolle

Maßgeblich ist, was du willst

Schritt 2: Projektplanung

Schritt 3: Projektdurchführung

Schritt 4: Projektabschluss

Gib ein verbindliches Versprechen – Erfolgsmonitoring

Lass dich observieren

Produziere dein eigenes Sommermärchen

Ab in die Onlinewelt

Der Weg in die Anonymität

Fortsetzung folgt …

Auf der Klippe

Schlaf dich schlauer

Erfolgskontrolle mit dem Taschenrechner

Und das solltest du vermeiden

Such dir Unterstützung

Talent ist nicht alles – Bedeutung von Fehlern und Niederlagen

Verwandle Fehler in Chancen

Die Letzten können die Ersten werden

Wer ist hier verantwortlich? Natürlich du!

5. Ausgeschlafen und durchorganisiert – Beste Bedingungen schaffen

Mehr Zeit! – Umfeld- und Zeitmanagement

1. Umfeldanalyse- und optimierung

Wer meckert, muss auch verbessern

2. Zeitmanagement

Worauf wartest du noch?

Der innere Schweinehund – So wird er überlistet

Versuch macht klug

Komplett erholt! – Schlafoptimierung und tiefe Entspannung

Ausgeruht in jeder Hinsicht

Hör auf deine innere Stimme

1. Schlafoptimierung

Schlafhygiene schafft optimale Schlafbedingungen

Schlaf protokolliert

2. Entspannungstraining

Du hast die Wahl

6. Persönliche Bestleistung – Dank Konzentration und Flow

Immer voll bei der Sache – Systematisches Konzentrationstraining

Rauf aufs Pferd: Übungen zum Konzentrationstraining

Konzentrationstraining: eine einzige Erfolgsgeschichte

Der Flow – Reiten optimal erleben

Völlig im Einklang

Wie das Erlebnis, so das Ergebnis

Das Flow-Paradox

Bestens ausbalanciert – Herausforderung und Fähigkeit

Der Kanal zur Spitze

Einmalig ähnlich

Flow für alle

Der Weg ist (mal wieder) das Ziel

Die Flow-Pyramide – Stufe für Stufe nach oben

Körperwahrnehmung

Körpergefühl

Bewegungsgefühl

Flow

Flow erreichen – Übungen von Fundament bis Spitze

1. Körperwahrnehmung

2. Körpergefühl

Finde deine Favoriten

3. Bewegungsgefühl

4. Flow

Vorhang auf – So inszenierst du deine Flow-Show

Routiniert gut gestimmt

Jetzt bloß keine Planänderung

Dein Kopf vergisst nicht

Suche den Flow, nicht das Ergebnis

7. Zweifellos gut reiten – Aufbau von mentaler Stärke

Jetzt musst du dich entscheiden – Zweifeln oder siegen?

Werde zum Baumeister deiner mentalen Stärke

Glaub an dich

Was hast du drauf?

Was steht dahinter? – Finde deine Erfolgsfaktoren

Kleine Zutatenliste mit großer Wirkung

Die siebenspurige Straße zum Erfolg

Und immer schön realistisch bleiben

Ein Blick in die Kristallkugel – Prognosetraining

Heute schon geschätzt?

Feedback mit ProFee

Stärken erkannt? Selbstüberzeugung folgt

Sie nannten ihn den King of Wassergraben

Was jetzt? – Handlungssicherheit aufbauen

Auch dein Pferd ist ein Handlungsplan-Fan

Solides Fundament oder doch auf Sand gebaut?

Habe einen Plan. Immer

Der Plan und seine Anwendung in der Praxis

Den Erfolg im Blick

Der perfekte Plan B

Gut durchdacht ist halb gewonnen

Ich schaffe das! – Selbstgesprächsregulation

Quatsch dich voll

Aus minus mach plus

Gib negativen Gedanken keine Chance

8. Der Weg aufs Siegertreppchen – Mentale Turniervorbereitung

Alles nach Plan – Turniersituationen erfolgreich meistern

Dein persönlicher Turnierzyklus

Danksagung

Anhang

Skript: Angaloppieren in der Reiningprüfung

1. Rohfassung (siehe hier)

2. Optimierung mit der Videokamera (siehe hier)

3. Knotenpunkte lokalisieren (siehe hier)

4. Bewegungsgefühle einarbeiten (siehe hier)

Zum Weiterlesen

Impressum

Stichwortverzeichnis

A

B

C

D

E

F

G

H

I

K

L

M

N

O

P

R

S

T

U

V

W

Z

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Vorwort

 

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bereits vor vielen tausend Jahren entwickelte sich eine besondere Verbindung zwischen Mensch und Pferd, die uns bis heute fasziniert. Im Kampf ums Überleben sind wir Freunde geworden und haben Wege gefunden, uns miteinander zu verständigen.

Dabei wird allerdings etwas völlig Entscheidendes übersehen. Wir hätten keine Chance gegen das Pferd, wenn es nicht bereit wäre, mit uns zusammenzuarbeiten. Ginge es mit Hufen und Zähnen auf uns los, was könnten wir ihm entgegensetzen? Wir würden nicht einmal in seine Nähe gelangen, sollte es vor uns davongaloppieren. Das Pferd aber wartet auf uns und schaut uns voll Sanftmut und Vertrauen an. Seine Ohren nehmen jedes Geräusch wahr – unsere leisen Worte, die Schritte im Gras und vielleicht sogar das Klopfen unseres Herzens.

Es gibt keine Beziehung zwischen Mensch und Tier, über die so viele Bücher geschrieben wurden wie über die zum Pferd. Verschiedenste «Reitlehrer» und ihre Methoden, das Pferd gehorsam zu machen, füllen komplette Bücherregale. Trotzdem bleibt es die Kooperationsbereitschaft des Pferdes, die es uns ermöglicht, mit ihm zu kommunizieren. Ich bin immer wieder erstaunt, wie sensibel es unsere Stimmungen spüren kann. Dabei zählt für das Pferd nur, was uns wirklich ausmacht, was übrig bleibt, wenn wir alle Masken fallen lassen. Seine Art, unsere Gedanken und Gefühle widerzuspiegeln, bildet die Basis für unsere gemeinsame Verständigung. Genau an dieser Stelle setzt das mentale Training an. Es hilft dir, deine Gedanken in die richtige Richtung zu lenken. Dadurch wird sich die Kommunikation mit deinem Pferd deutlich verbessern. Du wirst effektiver trainieren, schnellere Fortschritte machen und einfach mehr Selbstvertrauen aufbauen. Gleichzeitig hast du auch viel mehr Freude am Reiten.

Die hier vorgestellten Methoden beruhen auf den neuesten Erkenntnissen der modernen Sportpsychologie. Suche dir ein paar davon aus und integriere sie in dein tägliches Training – am besten noch heute! Trainiere diese Techniken, bis sie perfekt funktionieren. Das kann zwar einige Wochen dauern, aber ich verspreche dir: Der Erfolg des mentalen Trainings wird bahnbrechend sein. Ich wünsche dir viel Spaß dabei!

 

 

Dein

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«Für meine Frau Claudia, die immer da ist, wenn ich sie brauche. Ohne dich könnte ich meine Träume nicht leben. Dafür liebe ich dich – für immer.»

 

Dein Andreas

1. Alles Kopfsache? – Mentales Training im Reitsport

 

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Der Spiegel

 

Das Pferd ist dein Spiegel. Es schmeichelt dir nie. Es spiegelt dein Temperament. Es spiegelt auch seine Schwankungen. Ärgere dich nie über dein Pferd; du könntest dich ebensowohl über deinen Spiegel ärgern.

 

Rudolf G. Binding

 

 

W

as ist für dich die wichtigste Voraussetzung für erfolgreiches Reiten? Für viele Reiter liegt die Antwort auf der Hand: das Gefühl. Denn obwohl andere Faktoren wie Technik, Talent, Kondition oder ein gut ausgebildetes Pferd eine große Rolle spielen, zeichnen sich die besten Reiter durch einen gefühlvollen Umgang mit ihrem vierbeinigen Partner aus.

So stelle ich mir den erstklassigen Reiter vor: Er hat eine weiche Hand, reagiert sensibel mit seinen Hilfen und strahlt Kompetenz und Souveränität aus. Außerdem verfügt er über eine gute Technik und Körperbeherrschung. Trotzdem bleiben Gefühle Kopfsache. Wenn die mentale Einstellung des Reiters nicht stimmt, nützt ihm die beste Technik nichts.

Für Pferd und Reiter ein Hit – Mentales Training

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ein mentaler Zustand beeinflusst aber nicht nur dich selbst, sondern wird auch von einer anderen Antenne wahrgenommen: deinem Pferd. Dabei handelt es sich schließlich um ein sehr sensibles Wesen. Es nimmt Gefühlsschwankungen ganz genau wahr und merkt sofort, ob du nervös oder unkonzentriert bist.

Deine Gedanken und Gefühle haben eine entscheidende Wirkung auf das Verhalten deines Pferdes. Dies wissen auch viele Reiter, insbesondere Turnierreiter. In meinen Seminaren bekomme ich auf die Frage, wie viel Zeit die Reiter der persönlichen mentalen Vorbereitung widmen, allerdings Antworten wie «gar keine» oder «wenig». Das mentale Training wird also stark vernachlässigt. Dabei sollten ihm gerade Reiter die gleiche Bedeutung beimessen wie dem praktischen Training.

 

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Esoterik kontra Sportpsychologie

Jeder hat schon mal von mentalem Training gehört. Eine konkrete Vorstellung haben allerdings nur wenige. Schließlich möchten verschiedene Motivationsgurus uns glauben machen, wir könnten alles erreichen. Über glühende Kohlen laufen? Kein Problem – wenn wir nur wollen. Abgesehen von einem kurzen Gefühl der Unbesiegbarkeit hat man damit aber nichts gewonnen, schon gar keine mentalen Fähigkeiten. Im Gegensatz zu diesen esoterischen Ansätzen basiert das seriöse Mentaltraining auf Erkenntnissen aus dem Bereich der Sportpsychologie. Seine Wirksamkeit konnte hier mehrfach nachgewiesen werden.

Eine positive Stimmung holt das Beste aus dir raus

Konkret hat sich immer wieder gezeigt: Personen, die praktisches und mentales Training kombinieren, machen schnellere Fortschritte und schneiden auch in Wettkampfsituationen besser ab als Personen, die sich auf praktisches Training beschränken.

Der Einfluss unserer Stimmung auf unsere Leistungen konnte ebenfalls wiederholt nachgewiesen werden. Sicher hast du selbst schon oft erfahren, wie sich eine positive Grundstimmung auf deine Konzentration und Gedächtnisleistung, auf deine Entscheidungen und Motorik auswirkt. Auch beim Reiten gilt, dass du mehr Gefühl entwickelst, wenn du in einer positiven Stimmung bist. So kommst du dem Bild des erstklassigen Reiters sehr viel näher.

Kino im Kopf

Bei der Entwicklung und Verbesserung der geistigen Fähigkeiten gibt es zwei Anwendungsmöglichkeiten für das mentale Training. Im engeren Sinne bietet es Antworten auf die Frage «Wie verbessere ich meine Reittechnik?»

Jeder Reiter hat seine Technik im Kopf abgespeichert. Die Bewegungsabläufe lassen sich allerdings stark verbessern, indem man sie intensiv und wiederholt gedanklich durchspielt. Das ist wie ein Film, der gerade vor dem geistigen Auge abläuft. Bei Rennrodlern oder Skiläufern kann man besonders oft beobachten, dass sie gerade ihr «Kino im Kopf» eingeschaltet haben. Im Reitsport wird diese Mentaltechnik jedoch viel zu selten genutzt.

Im weiteren Sinne beantwortet mentales Training die Fragen: «Wie verbessere ich meine Motivation?», «Wie konzentriere ich mich richtig?» und «Wie bereite ich mich optimal auf ein Turnier vor?»

Mentales Training für alle

Hochleistungssportler setzen mentales Training bereits seit vielen Jahren bewusst ein. Das gilt auch für den Reitsport. Solltest du nicht zu diesem exklusiven Personenkreis gehören, heißt das nicht, dass du dieses Buch jetzt aus der Hand legen musst.

Ambitionierte Turnier- und Freizeitreiter profitieren ebenfalls, wenn sie mit diesen Techniken die Kommunikation zwischen Pferd und Reiter verbessern. Hierbei spielt die Körpersprache eine große Rolle.

Leider sind sich viele Reiter nicht bewusst, was sie damit gegenüber ihrem Pferd ausdrücken. Eine partnerschaftliche Beziehung zu seinem Pferd kann man nur dann aufbauen, wenn man seine Sprache spricht und es davon überzeugt, dass man sein Vertrauen auch verdient. Durch mentale Techniken lernst du, deine Potenziale und Ressourcen zu nutzen, Blockaden zu überwinden und besser mit Stress und Nervosität umzugehen.

 

«Jeder Reiter hat seine Technik im Kopf abgespeichert.»

 

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Ganz schön einflussreich – Die Kraft der Gedanken

 

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ast du schon mal mental trainiert?» So lautet die erste Frage, die ich den Teilnehmern in meinen Seminaren stelle. Häufig lautet die Antwort darauf erst mal «Nein». Dann formuliere ich die Frage etwas anders: «Machst du dir irgendwelche Gedanken, bevor du auf dein Pferd steigst?»

Na klar! Fast jeder Reiter überlegt, wie es heute werden wird oder was er mit seinem Pferd trainieren möchte. Dieses Sich-Gedanken-Machen ist bereits eine unsystematische Vorstufe zum mentalen Training.

Denkst du z. B. vor einem Turnierstart: «Hoffentlich baut mein Pferd keinen Mist!», wirst du garantiert keine optimale Leistung zeigen. Dein Pferd braucht deine Sicherheit, um gute Leistungen zu erbringen. Du musst deshalb dafür sorgen, dass deine Gedanken in die richtige Richtung gelenkt werden. Hier beginnt das systematische mentale Training.

 

«Machst du dir irgendwelche Gedanken, bevor du auf dein Pferd steigst?»

Von Kopf bis Fuß mental gesteuert

Deine Gedanken beeinflussen dein Verhalten auf vielfache Weise:

 

Gefühle: Wenn du in einer positiven Stimmung bist, ist deine Leistungsfähigkeit deutlich höher, als wenn du dich über etwas ärgerst, wütend oder enttäuscht bist. Eine Niederlage, z. B. eine schlechte Turnierprüfung, zieht dich entweder emotional runter, oder du lernst aus ihr für die Zukunft. Es hängt davon ab, wie du sie gedanklich verarbeitest.

 

Körperliche Reaktionen: Wenn du Angst hast, klopft dein Herz schneller, deine Atmung verändert sich. Vielleicht zitterst du sogar. Es kommt auf deine Gedanken an, ob du verkrampft und nervös oder entspannt und locker bist.

 

Motivation: Deine Einstellung bestimmt, ob du trotz schlechten Wetters zum Reitstall fährst oder lieber gemütlich zu Hause auf deinem Sofa bleibst.

Entweder sagst du dir «Bei dem Schmuddelwetter hab ich echt keinen Bock» oder «Reiten kann man bei jedem Wetter. Auf geht‘s».

Mit den richtigen Gedanken zum Erfolg

Deine Gedanken wirken sich auf deine gesamte Körpersprache aus, ebenso auf dein Erscheinungsbild und dein Selbstbewusstsein. Man kann einem Menschen ansehen, ob er nervös und unsicher ist. Wer jedoch an sich glaubt und die richtigen Gedanken hat, versprüht Selbstsicherheit und Souveränität. Das ist auch im Umgang mit Pferden entscheidend: Ein Pferd wird ausschließlich einem «Herdenchef» vertrauen.

Durch mentales Training lernst du, deine Gedanken in die richtige Richtung zu lenken. «Richtig» sind deine Gedanken immer dann, wenn sie leistungsfördernd sind, denn nur so wirst du deine besten Leistungen abrufen. Wie jede andere Technik kann man auch dies trainieren. Sich mal eben ein paar nette Gedanken zu machen, reicht hier allerdings nicht aus. Es kommt vielmehr darauf an, dass man systematisch und regelmäßig trainiert.

 

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«Es kommt auf deine Gedanken an, ob du verkrampft und nervös oder entspannt und locker bist.»

Gut gedacht, Reiter! – So klappt die Kommunikation

 

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n den letzten Jahren wurden viele Bücher zum Thema «Kommunikation mit dem Pferd» verfasst. Immer mehr «Pferdeflüsterer» erklären uns die Sprache der Pferde. Sie alle zeigen uns eine neue Form des Umgangs mit dem Partner Pferd: Um die Pferd-Reiter-Beziehung zu verbessern, müssen wir die Natur der Pferde verstehen. Das ist gleichermaßen gut für Reiter und Pferd und eine Grundvoraussetzung, um besser reiten zu lernen.

Es reicht aber nicht aus, zu wissen, wie dein Pferd denkt und sich ihm gegenüber richtig zu verhalten. Du musst vor allem die Sprache deines Pferdes sprechen können.

Perfekt vernetzt: Sensorik und Motorik

Du kommunizierst mit deinem Pferd über die Körpersprache, z. B. über Gewichtshilfen, Paraden und Schenkeldruck. Gleichzeitig nimmt dein sensorisches System Informationen auf und leitet sie in dein Gehirn weiter. Hier tritt das motorische System in Erscheinung, eine Art Steuerungszentrale für Planung, Durchführung und Kontrolle verschiedener Aktionen. Es bearbeitet die eingehenden Daten: Reagiert mein Pferd auf meine Hilfen? Verhält es sich so, wie ich es von ihm erwarte? Als Reaktion darauf sendet es Befehle zurück in deinen Körper, die dann in Bewegung und Verhalten umgesetzt werden. Für diesen Ablauf spielen nicht nur die objektiven Signale eine Rolle. Wichtiger ist vielmehr unsere subjektive Auslegung dieser Informationen.

Gefühlssache: unser Bewegungsgedächtnis

Unser Bewegungsgedächtnis arbeitet emotional: Bewegungsmuster werden in unserem Gehirn nicht als rationale Informationen abgespeichert, sondern als Bewegungsgefühle. Jeder Bewegung wird also ein bestimmtes Gefühl zugeordnet. Da unsere Gefühle von unseren Gedanken beeinflusst werden, müssen wir die richtigen Gedanken haben. Nur so können wir das entsprechende Bewegungsgefühl beim Reiten abrufen.

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Zusammenfassung

 

• Der erstklassige Reiter zeichnet sich vor allem durch sein Gefühl aus. Dafür braucht es höchste Konzentration.

 

• Dein Pferd ist ein sensibles Wesen. Es spiegelt deine Gedanken und Gefühle wider und verhält sich dementsprechend.

 

• Eine harmonische Beziehung zwischen Ross und Reiter sorgt für Bestleistungen und Zufriedenheit auf beiden Seiten.

 

• Mit Hilfe des mentalen Trainings kannst du Gedanken und Gefühle lenken und so dein Pferd positiv beeinflussen.

 

2. Denke wie dein Pferd – Kommunikation durch Kompetenz

 

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Der beste Führer ist der, dessen Existenz gar nicht bemerkt wird, der zweitbeste der, welcher geehrt und gepriesen wird, der nächstbeste der, den man fürchtet und der schlechteste der, den man hasst.

 

Laotse

 

 

R

eiten ist die einzige populäre Sportart, bei der zwei unterschiedlich denkende und fühlende Lebewesen gemeinsam versuchen, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Tatsächlich haben Mensch und Pferd nur sehr wenige Gemeinsamkeiten, nicht bloß in Bezug auf ihre Anatomie. Als Reiter solltest du diese Unterschiede unbedingt verstehen. Erst dann kannst du zielorientiert mit deinem Pferd arbeiten. Egal ob mental oder technisch – wenn du effektiv mit deinem Pferd trainieren willst, musst du wissen, wie es tickt. Dazu gehört auch, dass du weißt, wie es denkt und was es fühlt. Was erwartet es von dir als Reiter? Wie funktioniert seine Wahrnehmung? Was nimmt es überhaupt wahr?

Dein Pferd, das unbekannte Wesen? – Lern es besser kennen!

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ie meisten Kommunikationsprobleme zwischen Reiter und Pferd treten dann auf, wenn der Mensch seinem Vierbeiner menschliches Denken unterstellt und erwartet, dass er wie ein Mensch reagiert. Dabei haben Pferde eine viel einfachere Denkstruktur als wir. Unsere komplizierten Überlegungsprozesse sind für sie nicht nachvollziehbar. Sie denken immer wie Pferde, niemals wie Menschen. Aus diesem Grund müssen wir uns auch die Sprache der Pferde aneignen: Unser Pferd ist weder in der Lage, noch hat es ein Interesse, unsere Sprache zu lernen.

 

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Versetz dich in dein Pferd

Der Zugang zur Gefühls- und Gedankenwelt deines Pferdes bildet eine Grundvoraussetzung für harmonisches Reiten. Erst wenn du verstehst, warum dein Pferd etwas tut oder nicht, kannst du dich erfolgreich mit ihm verständigen. Deshalb ist es nötig, dich und die Welt mit seinen Augen zu sehen. Das gilt auch speziell für das mentale Training. Hier muss die Gedanken- und Gefühlswelt deines Pferdes ebenfalls mit einbezogen werden.

Wenn ich von der Kommunikation mit Pferden spreche, habe ich ein ganz klares «Pferdebild» vor mir. Ich male mir aus, wie sie denken und auf welchen Prinzipien die Kommunikation mit ihnen beruht. In der Praxis beobachte ich allerdings immer wieder Reiter und Pferdebesitzer, die ein anderes Bild von ihrem Pferd und ihrer Beziehung zu ihm haben. In diesem Kapitel möchte ich dir daher einen Überblick geben, wie dein Pferd denkt und fühlt.

Die zu den Pferden flüstern

In den letzten Jahren sind immer mehr Pferdeflüsterer in Erscheinung getreten, die jeweils ihre ganz eigenen Methoden vermarkten. Bekannte Namen sind hier Monty Roberts, Pat Parelli, Alfonso Aguilar, Mark Rashid oder GaWaNi Pony Boy. Sie haben dafür gesorgt, dass Reiter ihre Pferde mit anderen Augen sehen. Ob man sich dafür nun unbedingt wie ein Indianer kleiden und bemalen muss, ist natürlich eine andere Frage. Sicherlich sind diese Pferdeflüsterer nicht die ersten, die erkannt haben, wie wichtig eine bessere Verständigung zwischen Pferd und Reiter ist. Trotzdem tragen sie immer wieder dazu bei, dass sich die Reiterwelt bewusster mit diesen Themen auseinandersetzt. Und das ist gut so!

Wenn Pferd und Reiter aneinander vorbeireden

Die meisten Reiter glauben, dass sie genau über das Innenleben ihrer Vierbeiner Bescheid wissen. Doch in Wahrheit hat der Großteil von ihnen nur eine unklare Vorstellung von der Gedanken- und Gefühlswelt seiner Pferde.

Wer nicht versteht, was es bedeutet, als potenzielles Beutetier zu leben, braucht sich nicht zu wundern, wenn er das Verhalten seines Pferdes falsch einschätzt. Das Pferd wiederum kann die Reaktion seines Reiters nicht nachvollziehen, da sie seinen natürlichen Instinkten widerspricht. Ein zuverlässiger Herdenchef würde in dieser Situation schließlich völlig anders reagieren. Kommt so etwas häufiger vor, wird es das Vertrauensverhältnis zwischen Pferd und Reiter nachhaltig gefährden.

 

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«Erst wenn du verstehst, warum dein Pferd etwas tut oder nicht, kannst du dich erfolgreich mit ihm verständigen.»

Stell dir vor, du wärst ein Beutetier

Mentales Training hilft dir, so auf das Verhalten deines Pferdes zu reagieren, wie es von dir erwartet wird. Dafür musst du natürlich erst mal wissen, mit welcher Reaktion dein Pferd überhaupt rechnet. Wenn du deine Gedanken und deine Handlungsweise nicht vollständig auf seine Bedürfnisse ausrichtest, wird dir auch das beste mentale Training nichts nützen.

Alle Pferde funktionieren als Flucht-, Herden- und Beutetiere letztendlich nach dem gleichen, einfachen Prinzip. Sie sind keine übergroßen Kuscheltiere, kein Partner- oder Kinderersatz und auch kein guter Kumpel. Pferde sind Pferde – nicht mehr und nicht weniger! Um das zu erkennen, musst du deine Wahrnehmung verändern und die Welt mit den Augen deines Pferdes sehen.

 

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«Alle Pferde funktionieren als Flucht-, Herden- und Beutetiere letztendlich nach dem gleichen einfachen Prinzip.»