cover

Image

Trickschule für Hunde

von Manuela Zaitz

 

 

 

Image

Copyright © 2011 by Cadmos Verlag, Schwarzenbek
4. Auflage
Gestaltung und Satz der Printausgabe: Ravenstein + Partner, Verden
Lektorat: Dr. Gabriele Lehari
E-Book-Konvertierung:

 

Coverfoto: Andreas Maurer
Fotos im Innenteil: Andreas Maurer, Thomas Stens

Deutsche Nationalbibliothek – CIP-Einheitsaufnahme
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über abrufbar.

Alle Rechte vorbehalten.

Abdruck oder Speicherung in elektronischen Medien nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung durch den Verlag.

ISBN: 978-3-8404-2014-6
eISBN: 978-3-8404-6037-1

Image

Einleitung

Image

Einleitung

Dieses Buch ist für Anfänger wie für Fortgeschrittene gleichermaßen gut geeignet. Es erklärt ausführlich die leichteren Tricks, angefangen beim Pfotegeben bis zu schwereren Kunststücken wie zum Beispiel Gegenstände auf dem Po balancieren. Alle, die das „Trick-Fieber“ bereits gepackt hat, finden hier neue Ideen und Anregungen. Für einige der Kunststücke sind Hilfsmittel erforderlich, die meisten davon finden sich aber in jedem Haushalt oder lassen sich mit ein wenig Einfallsreichtum umarrangieren.

Viele Tricks stammen aus dem Bereich von Behinderten-Begleithunden wie das Lichtanschalten. Denn auch Ihr Hund kann ein Service Dog sein und Ihnen im Haushalt ein wenig zur Hand gehen.

In den letzten Jahren hat der Umgang mit dem Hund eine erfreuliche Wendung genommen: Weg vom Hund, der funktionieren muss, hin zum Partner, Freund und Begleiter. Eine sehr wünschenswerte Entwicklung!

Grundlagen

Image

Grundlagen

Grundvoraussetzungen, um mit dem Erlernen von Tricks zu beginnen, sind Zeit, Lust und Geduld. Ihr Hund sollte gut mit Leckerchen zu motivieren sein. Ein jeder kennt es aus der eigenen Schulzeit: Lernen ist am besten in einer entspannten, ruhigen Umgebung möglich und ohne Stress und Leistungsdruck. Schalten Sie den Fernseher aus, bereiten Sie in Ruhe den Trick vor, den Sie üben möchten, nehmen Sie die Leckerchen und rufen dann Ihren Hund. Sind Sie aus irgendeinem Grund schlecht gelaunt, reizbar oder ungeduldig, üben Sie bitte nicht. Der Hund wird Ihre Stimmung bemerken, wird unsicher, die Atmosphäre ist gespannt und unerfreulich für den Hund.

Es wird immer auch Situationen geben, in denen Sie mit einem bestimmten Trick nicht vorankommen. Versuchen Sie es nicht verbissen und geben Sie in keinem Fall dem Hund die Schuld. Brechen Sie ab, nehmen Sie Ihren Hund, gehen Sie spazieren, machen Sie etwas Schönes. Vergessen Sie dieses Kunststück für einige Tage und üben etwas anderes, bevor Sie es wieder versuchen.

Hilfreich ist es, während des Trainings eine Videokamera mitlaufen zu lassen. Auch wenn das Gefühl anfänglich komisch ist, hilft es oft, Fehler zu sehen und beim nächsten Mal zu vermeiden.

Bei allen Sprüngen, die hier im Buch beschrieben werden, ist darauf zu achten, dass Hund und Mensch gesund und körperlich dazu in der Lage sind. Der Untergrund muss hierbei stets weich sein, eine Wiese oder Sand ist am besten geeignet. Springt Ihr Hund generell schlecht, landet er zu steil auf Vorder- oder Hinterhand, hat er ein körperliches Gebrechen oder ist noch nicht ausgewachsen, verzichten Sie bitte auf die Tricks, die Sprünge beinhalten. Bedenken Sie, dass die Sicherheit Ihres Hundes immer vorgeht und er von sich aus nicht darauf achten wird. Es ist Ihre Aufgabe.

Image

Die Videoaufnahme dient nur der eigenen Kontrolle. (Foto: T. Stens)

Konditionierte Verstärkung

Hunde tun Dinge, weil sie sich lohnen. Verhalten, das sich nicht lohnt, wird nicht mehr gezeigt. Verhalten, das sich lohnt, wird immer häufiger gezeigt. Lohnenswert für den Hund ist zum Beispiel Lob, Spiel oder Futter. Das alles sind unkonditionierte (primäre) Verstärkungen. Unkonditioniert deshalb, weil Sie dem Hund nicht beibringen müssen, dass diese Dinge toll sind; er weiß, dass diese Dinge sehr lohnenswert für ihn sind.

Wenn nun der Hund ein von Ihnen gewünschtes Verhalten zeigt, können Sie ihm natürlich sofort ein Leckerchen geben. Das setzt aber voraus, dass der Hund sich in Ihrer unmittelbaren Nähe befindet. Das Bestärken eines Verhaltens, das in ein paar Metern Entfernung von Ihnen ausgeführt wird, ist so unmöglich. Sicherlich können Sie Ihren Hund jetzt mit der Stimme loben. Die Erfahrung zeigt aber leider, dass Hunde in unserem Alltag so zugetextet werden, dass sie kaum noch auf unser Reden Acht geben.

Eine gute Möglichkeit bietet hier die konditionierte Verstärkung. Sie geben dem Hund nach einem bestimmten Signal (ein Klick, Zungenschnalzen oder Signalwort) sofort ein Leckerchen. Der Hund lernt, dass das Signal ein Versprechen auf einen Leckerbissen bedeutet. Dafür sind viele Wiederholungen nötig, in denen der Hund auf das Klicken, das Zungenschnalzen oder das von Ihnen gewählte Signal eine Belohnung erhält. Bitte konditionieren Sie ihn zunächst nur auf eines der Dinge, sonst wird es zu verwirrend für den Hund.

Clicker

Der Clicker ist tatsächlich das beste Hilfsmittel in der Hundeausbildung. Bekannt wurde die Methode, ein Tier durch ein Tonsignal zu bestätigen, durch das Delfintraining. Schnell zeigte sich, dass diese Art Training auch bei anderen Tieren verblüffende Fortschritte brachte.

Wichtig ist, dass der Hund die Bedeutung des „Klicks“ bereits erlernt hat, dass er weiß, „Klick“ bedeutet: „Das hast du gut gemacht, nun gibt es ein Leckerchen.“

So kann man ganz individuell ein bestimmtes Verhalten beim Tier bestätigen und fördern. Streckt Ihr Hund sich zum Beispiel nach dem Aufstehen immer, können Sie diesen Moment des Streckens bestätigen und den Hund dafür punktgenau belohnen. Da lohnenswertes Verhalten von den meisten Hunden recht rasch wiederholt wird – bestes Beispiel ist das Betteln am Tisch –, können Sie so auf leichte Art und Weise Ihrem Hund den Diener beibringen.

Das Schönste beim Klickern ist: Es gibt keine Strafen. Falsches beziehungsweise nicht gewünschtes Verhalten wird einfach ignoriert und nur das erwünschte Verhalten bestätigt. Das animiert die Hunde zum Ausprobieren, weil sie ohne Angst arbeiten und versuchen können.

Doch keine Sorge, wenn Sie bisher noch nicht mit dem Klickern begonnen haben, auch ohne Clicker ist ein Erarbeiten der Tricks möglich. Ich wage jedoch zu behaupten, dass Sie nicht mehr darauf verzichten wollen, wenn Sie es einmal ausprobiert haben. Nicht nur, weil das Erlernen von neuen Dingen auf einmal viel leichter wird, sondern weil es der Kommunikation zwischen Hund und Halter einfach gut tut. Es ist fantastisch zu sehen, wie Clicker-Hunde Aktionen anbieten und dann Ihrem Halter einen Blick zuwerfen, der zu sagen scheint: „Soll ich das so machen? Wolltest du das sehen?“

Zungenklick

Wenn Ihr Hund häufig schöne Aktionen anbietet, die Sie auch gern auf Kommando bei ihm sehen würden, dann überlegen Sie, ob Sie nicht den Hund auf den Zungenklick konditionieren. Das ist nichts anderes als ein Zungenschnalzen. Der Vorteil gegenüber dem Clicker ist, dass Sie Ihre Zunge jederzeit dabeihaben und immer und in jeder Situation in der Lage sind, Ihren Hund für das gezeigte Verhalten zu bestätigen. Auch hier erfolgt die Konditionierung ebenso wie bei dem „normalen“ Clicker. Ein weiterer Vorteil ist, dass Sie beide Hände frei haben.

Sie können sich auch für eine Kombination von beiden entscheiden: den Clicker für normale Übungseinheiten und den Zungenklick für spontane Aktionen draußen oder unterwegs anzuwenden. Einen Hund, der auf beides konditioniert wurde, verwirrt das keinesfalls.

Lobwort

Auch ein enthusiastisches „Ja“ kann zu einem konditionierten Bestärker werden, der dem Hund genau den Punkt zeigt, für den er gelobt wird. Voraussetzung ist die Bemühung um einen immer gleichen Tonfall und natürlich ein immer gleiches Lobwort. Sagen Sie nicht einmal „Toll“, beim nächsten Mal „Klasse“ und beim dritten Mal „Super“. Natürlich kann der Hund Ihre Begeisterung vielleicht aus der Stimme heraushören, aber so erschweren Sie ihm das Lernen unnötig. Entscheiden Sie sich für ein Wort, am besten ein möglichst kurzes, und bleiben Sie dabei. Konditionieren Sie den Hund auf dieses Wort und nutzen Sie nur dieses, wenn Sie ihn beim Üben für den richtigen Weg loben wollen.

Eins nach dem anderen

Wenn Sie das Buch überfliegen, werden Sie vielleicht schnell eine Vorstellung bekommen, was Sie Ihrem Hund davon nun als Erstes beibringen möchten. Suchen Sie sich bitte zuerst nur eine Sache heraus, lesen sich den Trick in Ruhe durch und schauen, welche Grundkommandos hierfür vonnöten sind. Beherrscht Ihr Hund diese noch nicht, beginnen Sie zuerst mit den Grundkommandos oder wählen Sie einen anderen Trick. Sind Hilfsmittel erforderlich wie Leckerchen, Clicker, Targetstab, legen Sie zuerst alles bereit, bevor Sie den Hund mit dazunehmen.

Die meisten Tricks sind in kleine Schritte unterteilt. Auch wenn es schwerfällt, machen Sie bitte nur einen Schritt nach dem anderen. Manche Tricks sind sehr komplex. Um nachher sicher abrufbar zu sein, muss das Grundgerüst stimmen. Ein langsames, sicheres Aufbauen der einzelnen Tricks ist also sehr wichtig. Üben Sie bitte auch nicht mehrere Tricks gleichzeitig, das verwirrt meist nicht nur den Hund, sondern oft auch den Halter.

Haben Sie Geduld mit Ihrem Hund und geben Sie nicht auf. Will es aber mit einem Trick so gar nicht klappen, legen Sie eine Pause von einigen Wochen ein und üben Sie in der Zwischenzeit etwas anderes. Manchmal klappt es dann auf einmal erstaunlich gut. Und wenn nicht, dann ist es vielleicht einfach nicht Ihr Trick. Nicht jeder Hund muss alles können und jeder Hund hat seine Stärken und Schwächen. Die Kunst ist es, diese zu erkennen und so mit Ihrem Hund erfolgreich arbeiten zu können.

 

Image

Verlangen Sie nicht zu viel auf einmal von Ihrem Hund. (Foto: T. Stens)