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Unterwegs mit Armin Tima
Jahrgang 1975, Literatur- und Kom­munikationswissenschaftler. Tima ar­beitet seit 2006 als freier Autor für den Michael Müller Verlag. Die Liebe zu Australien ent­deck­te er während einer einjährigen Aus­zeit nach dem Studium - und reiste für die Recherche sei­nes Reiseführers dann gleich noch einmal für 12 Monate nach „down under“. Für das nächste Buchprojekt ging es von den süd­lichen Hemisphäre in den ho­hen Norden, die Reiseführer „Norwegen“ und „Südnorwegen“ ka­men im Jahr 2010 in die Re­ga­le.
Nähere Infos unter www.reiselog.com.
Meine erste Reise nach Norwegen war nichts weiter als ein kurzer Städtetrip nach Oslo. Bei strahlendem Son­nen­schein habe ich den Norwegern zu­geschaut, wie sie am Nationalfeiertag in ihren Festtagstrachten am Königs­schloss vorbeimarschierten, und an­schließend an der Flaniermeile Aker Brygge das teuerste Bier meines Lebens getrunken. Am Tag drauf ging’s zum Fotowandern in die Wälder der Nord­marka, der ersehnte Elch ist mir dabei leider nicht vor die Linse gelaufen. Dann war der Urlaub vorbei, aber schon im Flieger zurück war klar: Ich würde wiederkommen.
Mittlerweile habe ich viele Monate in Norwegen verbracht und dabei auch die entlegensten Winkel des Landes erkundet. Kennengelernt habe ich ein Land, das mit seinen Wäldern, Bergen, Küs­ten und Fjorden ganz nah ans Kli­schee vom Naturparadies heranreicht. Schätzen gelernt habe ich seine Men­schen, die sich mit ihrer freundlichen und unaufdringlichen Art als Gastgeber präsentieren, wie man sie sich an­ge­nehmer kaum wünschen kann. Und begegnet bin ich Urlaubern, die von Nor­wegen gar nicht genug bekommen können. Genau wie ich. Dass mich am Ende auch die Elche nicht im Stich ge­lassen haben, versteht sich da fast schon von selbst ...
Orientiert in Norwegen
Das Land im Profil
Norwegen ist ...
Offensichtlich stimmen die Deut­schen dem Liebesschwur von Norwegens Nationalhymne „Ja, vi elsker dette landet ...“ - „Ja, wir lieben dieses Land ...“ - zu, sie stellen etwa ein Sechstel aller internationalen Nor­wegen­urlauber. Und sie haben gute Gründe dafür.
Hoch hinaus
Mit 2469 Metern ist der Galdhøpig­gen der höchste Berg Norwegens und beliebtes Ziel für Wanderer.
... ein Land mit grandioser Na­tur
Kaum ein Land dieser Grö­ßen­ordnung - Norwegen ist mit rund 324.000 km2 kleiner als Deutschland - kann mit­ ei­ner derart abwechslungsreichen Natur­kulisse aufwarten: einer sonnigen Schä­ren­küste im Süden, der zerklüfte­ten Fjordlandschaft im Westen, tiefgrü­nen Wäl­dern im Os­ten und subarkti­schen Tundren im Norden. Dazwischen im­mer wieder karge Hoch­ebenen, ei­sige Gletscher, rauschende Wasserfälle, tiefe Täler und in südli­chen Ge­filden fast liebliche Obstanbauregionen.
... Wildnis und Einsamkeit unweit der Zivilisation
Das Land ist mit nur knapp über 5,3 Mio. Menschen äußerst dünn­ besie­delt, und man kann sich durchaus in einsame Gebiete zurückziehen und dort­ einige Tage verbringen, ohne eine Men­schenseele zu treffen. Sofern man das will­ - man muss es nämlich nicht, denn in Norwegen liegen „Wildnis“ und „Zi­vilisa­tion“ oft ganz nahe beieinan­der. Eine gute Infrastruktur zieht sich z. T. bis in ent­le­gene Regionen, und so kann man das Naturabenteuer auch ohne große Ge­fahren und Schwie­rig­kei­ten erleben. Irgendwo in der Nähe gibt es fast immer ei­nen or­dent­li­chen Cam­pingplatz, rustikale und doch kom­fortable Holzhütten, ein Le­bens­mit­tel­geschäft oder ein Rasthaus.
... ein Land für Aktivurlauber
Wanderern und An­glern bietet das­ Land ausgezeichnete Reviere. Im Win­ter pilgern dann Urlauber und Ein­hei­mi­sche gleichermaßen über tau­sende Kilometer Loipen, die durch tief ver­schneite Land­schaft führen. Aber die Nor­weger haben auch schnell er­kannt, dass ihre Hei­mat geradezu ide­ale Be­din­gungen für zahlreiche der mo­der­nen Abenteuersportar­ten bietet. Wild­wasser­-Rafting, Gleitschirm­flie­gen, Eis­fall­klettern oder Moun­tain­bi­king stehen hoch im Kurs und werden vielerorts angeboten. Wer will, kann die Na­tur auch per Kajak, auf Schnee­schuhen oder - für viele Winter­urlau­ber der ab­so­lu­te Höhe­punkt - mit dem Hun­de­schlitten­ge­spann erkunden. Wem in Nor­we­gen langweilig wird, dem ist nicht mehr zu helfen.
... mehr Land als Stadt
Auch ein Besuch der nor­we­gischen Städte ist wirk­lich lohnend - ob­wohl es nicht wirklich viele An­sied­lungen gibt, die diesen Na­men ver­dienen. Kein Wun­der, wenn man bedenkt, dass es die fünf größten Städte Norwegens zu­sammen auf weniger Einwohner als München bringen. Aber vielleicht lohnt es sich gerade deshalb, denn in Bergen, Stavan­ger, Trondheim und selbst in der Haupt­stadt Oslo geht es eher beschau­lich zu. Besuchern wird ein ausgezeich­netes Kul­tur­pro­gramm geboten, gute Einkaufsmöglichkeiten, tolle Unter­künf­te und fantasti­sche Gastronomie - und das alles ohne dieses erdrückende Gefühl der Enge, wie man es aus vielen Großstädten kennt.
... ideal für einen entschleunigten Urlaub
Und das fängt schon auf den Straßen an. Schnell fahren darf man nicht, kann man aufgrund der Straßenfüh­rung vielerorts nicht und will man in Anbetracht der atemberaubenden Na­turkulisse meist auch gar nicht. Die Stille in den einsamen Berg- und Wald­regionen beruhigt und selbst in den Ca­fés der Großstädte wird fast schon me­diterrane Gelassenheit gepflegt. Die ent­spannte und freundliche Art der Nor­we­ger ist ansteckend, und so kann man sei­nen Urlaub in vollen Zügen ge­nie­ßen und gut erholt die Heimreise an­tre­ten.
... bestens auf Gäs­te vorberei­tet
Der Tourismus spielt in Norwegen eine große Rolle. Fast jeder noch so kleine Ort betreibt - zumindest in der Haupt­reise­zeit - ein kleines Informations­büro. Ein umfassendes Straßennetz so­wie ein gut organisierter Bus-, Bahn- und Fährverkehr ermöglichen ein leich­tes Vorankom­men, und wenn es be­sonders schnell gehen soll, kann man mit dem Inlands­flieger alle Regionen und größeren Ortschaften erreichen. Ebenfalls wichtig: Fast alle Nor­we­ger sprechen her­vorragend Englisch, nicht wenige so­gar ein bisschen Deutsch.
Die Norweger sind aufgeschlossen und freuen sich über Ur­lau­ber, denen es in ih­rem Land gefällt. Gerne geben sie Tipps zur Urlaubsplanung. Von dieser äu­ßerst umgänglichen Art profi­tieren dann auch wir Touristen, denn ohne ein entspanntes Miteinander mit den Einheimischen ist der Urlaub nur halb so schön.
Von den Wikingern bis heute
Erlebnis Kultur
Über 500 Museen gibt es in Nor­wegen. Be­sonders interessant sind die großen Kunstmuseen, während die zahlrei­chen Frei­lichtmuseen oder rekonstruier­ten Wikingergehöfte Geschichte hautnah erleben lassen.
Friluft-, Bygde- oder Folkemu­seum
So bezeichnet man die reizvollen Frei­luft­an­lagen, in denen Bauernhöfe oder Katen aus den letzten zwei-, drei­hun­dert Jahren wie­derauf­gebaut sind.
Museen für die Großen Norwegens
Der Maler Edvard Munch, der Kompo­nist Edvard Grieg und der Schriftsteller Hen­rik Ibsen sind nicht nur den Nor­we­gern ein Begriff, ihre Werke sind in­ter­na­tional bekannt und geschätzt.
Munch-Museum: Die weltweit größte Samm­lung an Werken des norwegi­schen Ausnahmekünstlers, darunter na­türlich auch der berühmte „Schrei“. Ab 2020 im neuen Gebäude am Osloer Hafen.
Ibsen-Museum: Vom siebten bis fünf­zehn­ten Lebensjahr war die kleine An­sammlung von Farmgebäuden das Zu­hau­se des Schriftstellers. Sein Leben und Schaffen wird hier eindrucksvoll dar­gestellt.
Troldhaugen: Das Haus des Kom­ponis­ten Edvard Grieg ist Teil eines Muse­ums zu seinen Ehren. Hier wer­den re­gel­mäßig seine Werke auf­geführt.
Historische Stätten
In Norwegen gibt es zahlreiche histori­sche Stätten - sowohl zivile als auch mi­litärische -, die sich für Besucher loh­nen.
Bryggen: Bergens historische Hafen­stadt wurde bereits 1979 in die Liste des UNESCO-Welterbes auf­ge­nom­men und gehört sicherlich zu den wich­tigs­ten Sehenswürdigkeiten des Landes.
Nidarosdom: Das wohl wichtigste sa­krale Bauwerk in Norwegen und eine der Topsehenswürdigkeiten. Der Dom in Trond­heim wurde auf der Grabstätte des 1030 in einer Schlacht gefallenen Kö­nigs Olav Haraldsson errichtet.
Felsritzungen Alta: Nahe der Stadt sind im archäologischen Freilichtmuseum Felszeichnungen von Tieren, aber auch Menschen bei der Jagd oder beim Fi­schen zu sehen, die bis zu 6500 Jahre alt sind und in die UNESCO-Welterbe­lis­te aufgenommen wurden.
Erbe der Wikinger
Die Wikinger haben die Ge­schichte Nor­wegens über viele Jahr­hun­der­te ge­prägt, und heute ist dieses Erbe in wun­derbaren Museen nach­zu­er­leben.
Wikingerschiffmuseum: Herzstück sind drei gut er­haltene Drachenboote - vor rund 1000 Jahren gebaut, spä­ter als Grabstätten verwendet und vor etwa 100 Jahren ausgegraben. Prächtig sind auch die wertvollen Grab­bei­gaben.
Karmøy: Über 3000 Jahre sollen auf der In­sel Häuptlinge und Kö­nige residiert ha­ben. Ein rekonstruiertes Wikingerge­höft kann besichtigt werden, außerdem fin­den hier Mittelaltertage und Wikin­ger­festivals statt.
Lofotr Wikingermuseum: Der Name ver­rät es, der originalgetreue und se­hens­werte Nachbau des größten jemals ge­fun­denen Wikinger-Langhauses steht auf der Lofoteninsel Vestvågøy.
Stabkirchen
Stabkirchen gab es auch in anderen Län­dern, aber in Norwegen sind ver­hält­nismäßig viele und zudem impo­san­te Vertreter erhalten.
Heddal: Aufgrund ihrer Größe (26 m hoch und 20 m lang) und den vielen Dä­chern wird sie auch als „Kathedrale un­ter den Stabkirchen“ bezeichnet.
Borgund: Die sehr gut erhaltene und be­eindruckende Stabkirche wurde wohl En­de des 12. Jh. erbaut. Im modernen Be­sucherzentrum gibt es ein Museum mit umfangreichen Informationen zum The­ma Stabkirchen.
Urnes: Das kleine Kirchlein am Luster­fjord gilt als die älteste Stabkirche welt­weit, ihr Ursprung geht auf die Zeit um 1100 zurück. Vor allem das ge­schnitz­te Nordportal ist sehenswert. Die Kirche gehört zum UNESCO-Welt­erbe.
Freiluft- und Erlebnismuseen
Meist handelt es sich hier um Bauern­häu­ser und Stallungen, doch selbst Stab­kirchen wurden in die zahl­reichen Frei­lichtmuseen versetzt.
Norsk Folkemuseum: In dem Freiluft­mu­seum in Oslo sind 160 Gebäude auf­ge­baut, und in den Ausstellungen gibt es traditionelle Trachten, Werkzeuge und Volkskunstgegenstände zu sehen. Die Stabkirche von Gol wurde am Ori­gi­nal­standort Stück für Stück abge­tra­gen und hier wieder aufgestellt.
Maihaugen: Bereits 1887 gegründet, sind heute über 200 Gebäude und 50.000 Ausstellungsgegenstände im Frei­lichtmuseum von Lillehammer an­zu­schauen. Der Themenkomplex „Stadt“ ist einer Siedlung aus den frü­hen 1900er-Jahren nachempfunden, die bäuer­liche Abteilung zeigt das Leben ab dem 18. Jh.
Fjorde, Fjells und Flüsse
Erlebnis Natur
Die Norweger genießen den Ruf, äußerst naturverbundene Menschen zu sein. Der Begriff Fri­luftsliv be­zeichnet nicht nur die Aktivitäten unter freiem Himmel, sondern auch das Lebens­gefühl, sich an den einfachen Dingen zu erfreuen.
Jedermannsrecht
Bei Ein­hal­tung bestimmter Regeln kann man unbehelligt in freier Wild­bahn nächtigen. Das Alle­mannsretten räumt jedermann ein, die Natur als Aufenthaltsraum frei zu nutzen. Oberster Grundsatz: der schonende Umgang mit der Natur!
Badefreuden
Norwegen ist vielleicht nicht als Ziel für einen klassischen Badeurlaub be­kannt, aber es gibt doch jede Menge wun­derbarer Möglichkeiten, sich in die Fluten zu stürzen. Neben un­zähligen Flüssen und Seen natürlich auch am Meer. Selbst in Oslo gibt es mitten im Stadtgebiet eigens angelegte Badestel­len, die sich großer Beliebt­heit erfreuen. Wer eher Ruhe sucht, fin­det abseits der klassischen Reiserouten sein kleines Badeparadies: Die Küste ist äußerst abwechslungsreich, außer blan­ken Schären und grünen Wiesen gibt es selbst Sandstrände - etwa den 3 km langen Orrestrand südlich von Stavanger oder den Ram­bergstrand auf den Lofo­ten. Und auch wenn der Golfstrom die Wassertemperaturen nicht zu tief sin­ken lässt, em­p­find­lich sollte man beim Sprung ins Nass nicht sein. Die klassi­sche Badesaison ist kurz, und selbst im Hochsommer ist das Was­ser erfri­schend kalt.
Wanderlust
Die Hardangervidda ist mit ei­ner Fläche von rund 8000 km2 Euro­pas größte Hochebene (im Durch­schnitt über 1200 m über dem Meer), rund 3500 km2 sind Nationalpark. Na­turfreunde finden hier ein ausgedehn­tes Netz an Wanderwegen, urtümliche Natur und sogar einige der wenigen nicht domestizierten Rentierherden. Die mehrtägigen Überquerungen der Hoch­ebene gehören zu den großen Aben­teuern in Südnorwegen, es gibt aber auch eine gute Auswahl schöner Tagestouren.
Norwegens Berglandschaften begeis­tern Wanderer und Skifahrer gleicher­maßen. Höchste Erhebung ist der 2469 m hohe Galdhøpiggen im Jotunheimen-Massiv. Wahre Besu­chermagnete sind allerdings nicht spe­zielle Berge, sondern For­ma­tio­nen: Al­len voran der Preikestolen, jene Felskanzel, die rund 600 m über dem Lysefjord thront. Die Trolltunga ist nur über eine anstren­gende Tageswanderung zu er­rei­chen,­ zählt aber aufgrund ihrer spe­ziellen Form zu den be­lieb­tes­ten Fotomotiven in Norwegen.
Fjordaussichten
Fjorde gibt es auch an­ders­wo, aber in Nor­wegen sind sie am schönsten - sa­gen die Norweger. Ge­formt durch die eiszeitlichen Glet­scher, hat je­der Fjord seine ganz ei­ge­nen­ Be­son­der­heiten, be­eindruckt mit schrof­fen Fels­wänden wie der Lysefjord oder mit blü­henden Hän­gen wie der Sørfjord. Zu den schönsten Fjordland­schaften der Welt zählen der Geiran­gerfjord und der Nærøyf­jord, die in die UNESCO-Welt­er­be­lis­te auf­ge­nom­men wurden. Für gute Fjord­aus­sichten haben die Norweger ei­ni­ge wunderbare Aussichtspunkte ge­baut, etwa den Steg­astein, von dem man den Blick über den Aur­landsfjord schweifen lassen kann.
Wasserwege
Wer gerne übers Wasser schippert, ist in Norwegen genau richtig. Es gibt für jeden Geschmack etwas: ob gemütlich mit dem Schaufelraddampfer auf dem Mjøsa-See oder sportlich beim Rafting auf der Otra. Die Fahrt durch den Geirangerfjord - mit der Fähre, dem Ausflugsboot oder dem Kajak - ist sicherlich ein Höhe­punkt, der bei vielen Norwegenurlau­bern auf der Agenda steht. Eine beson­dere Attraktion ist der 105 km lange Te­lemarkkanal. Wo früher Waren von der Küste ins Binnenland transportiert wurden, schippern heute Freizeitkapitäne und Aus­flugsschiffe. Zwischen Dalen im Norden und Skien im Süden über­winden 18 Schleusen die insgesamt 72 m Höhenunterschied.
Tiersafaris
Elch und Ren gehören zu den ver­brei­te­ten Vertretern der „ty­pi­schen Nor­we­ger“, Wolf, Bär und Viel­fraß lassen sich da­für nur ungern blicken. Auf der Vo­gel­insel Runde (→ S. 305) kann man ei­ne leichte Wande­rung zu den Brut­plätzen der niedlichen Pa­pa­geien­tau­cher­ unternehmen. Im Dovrefjell-Na­tio­nal­park lebt eine Herde Mo­schus­och­sen, deren Vor­fahren einst aus Grönland importiert wurden. Es lohnt sich eine Tiersafari zu buchen, denn so kann man die Erfolgs­chancen auf eine Sichtung erheblich steigern, au­ßerdem garantieren kun­dige Guides die Sicherheit für Mensch und Tier. Und zu den Walen vor der Küs­te der Vesterålen kommt man s­o­wie­so nur im Zuge einer organisierten Tour.
Unterwegs mit Kindern
Familienurlaub in Norwegen
Norwegen ist ein kinderfreund­liches Land - aber auch ein sehr teures Urlaubsziel. Trotzdem lohnt es sich, die Familie einzu­packen und die Reise in den Norden anzutreten - denn zu erleben gibt es auch für Kinder viel. Mit einigen Tricks geht das auch bei kleinem Budget.
Platz sparen im Auto
Windeln sind in Norwegen günstig! So günstig, dass sich vor einigen Jah­ren sogar ein reger Windelschmuggel in die Nachbarländer entwickelte ...
Kinder willkommen
Die Norweger reisen selber gerne mit der Familie, deshalb ist man überall gut auf Kinder eingestellt. In Restaurants gibt es Hoch­stühle, auf der Karte stehen Kinder­gerichte und auf Anfrage be­kommt man in den Ho­tels ein Babybett ins Zimmer ge­stellt. Ent­lang der Reise­rou­ten finden sich meist schöne Mög­lich­keiten, Pause zu machen und die Über­landfahrten zu un­terbrechen. Und nicht zuletzt ist Nor­we­gen ein sicheres Reiseland mit aus­gezeichneter medizi­ni­scher Ver­sor­gung - auch das mag bei der Planung eines Familienurlaubs eine Rolle spie­len.
Land für Camper
Camping ist nicht nur abenteuerlich, es spart auch ordentlich Geld. Norwe­gen bietet eine ausgezeichnete Infra­struk­tur und die Auswahl an Cam­ping­plätzen groß. Die Plätze liegen in den meisten Fällen recht günstig in der Nähe von Ort­schaften oder Sehenswür­dig­keiten, bieten Kindern Wiesen zum Tollen, bis­weilen auch Spielplätze oder sogar eigene Strände. Für ein festes Dach über dem Kopf kann man fast überall ein­fache, aber günstige Selbst­ver­sor­ger­hütten mieten. Ganz kosten­los geht es beim „Wildcampen“, das nor­we­gi­sche Jedermannsrecht er­laubt - unter bestimmten Voraus­set­zun­gen - das Übernachten in der freien Natur. In Südnorwegen sind die Mög­lich­keiten dafür zunehmend ein­ge­schränkt.
Kinderfreundliche Preise
In zahlreichen Museen oder Attraktio­nen zahlen Vorschulkinder oft gar kei­nen, Teenager einen ermäßigten Ein­tritt. Die Al­tersgrenzen liegen dabei meist bei 6 Jahren bzw. 14-16 Jahren. Die Ermäßigung be­trägt meist 50 % oder mehr. Noch günstiger kann es mit einem Familienticket werden, das sich in den meisten Fällen aber erst ab vier Personen lohnt. Es gilt nur, wenn die Kinder von ihren Eltern oder Großel­tern begleitet werden. Konkret heißt das, dass man in der Regel mit umge­rech­net etwa 3-5 Euro Eintritt pro Kind rech­nen muss, dafür kann man aber selbst die großen Museen in Oslo oder Lille­hammer besuchen.
Baden und Wandern
Zwei der schönsten Be­schäf­ti­gungen in Nor­we­gen sind komplett kosten­los und bestens für Fa­mi­lien mit Kindern aller Alters­klassen geeignet: Ba­den und Wan­dern. Als sehr guter Schwim­mer kann man natürlich ganz ein­fach ins Meer oder einen See hüp­fen, es gibt aber auch wunderbare Sand­strände, mit Toiletten, Kiosk und Ret­tungs­schwimmern - z. B. den Stadt­strand in Kris­tiansand. Bei ganz leich­ten Wanderungen kann man die Kleins­ten noch bequem in der Kra­xe mittragen, es gibt aber auch durch­aus spannende Touren, bei denen auch Tee­n­agern nicht langweilig wird. Die We­ge sind in Norwegen gut markiert, Ein­richtungen wie bewirtschaftete Berg­hütten sind hingegen etwas spärli­cher gesät, als man es z. B. aus Deutsch­land oder Österreich kennt. Der nor­we­gische Wanderverein DNT bietet sei­nen­ Mitgliedern Unterkunft in Schutz­hüt­ten und geführte Touren.
Spaß und Action für Kinder
Abgesehen von den klassischen Se­hens­würdigkeiten und Aktivitäten für Kin­der gibt es auch einige Attraktio­nen, die sich besonders gut für Kinder eig­nen. Gerade die Wildtierzoos er­freuen sich großer Beliebt­heit, zu se­hen sind „typische Nor­weger“ wie Elch, Ren oder Wolf, aber auch Exoten. In den gro­ßen Freilicht- oder Wikingermu­seen gibt es bisweilen Auf­führungen in ori­gi­nal­getreuen Kostü­men, es werden tra­ditio­nelle Hand­werks­techniken ge­zeigt und es gibt An­gebote zum Mit­machen. Und wenn es noch aktiver sein soll, kann man in ei­nen Klet­ter­park, zum Bootfahren oder zum Radeln.
Wikingermuseum: In Borg auf den Lo­foten residierten vor über 500 Jahren Häuptlinge. Die Überreste eines Lang­hauses wurden in den 1980er-Jahren entdeckt, das Haus originalgetreu nach­gebaut. Ein besonderer Spaß ist das Mitrudern oder -segeln auf einem Wikinger­schiff.
Bardu Polar Park: In dem weitläufigen Tierpark sind unter anderem Wolf, Elch, Ren, Bär, Luchs, Vielfraß und Mo­schus­ochse zu sehen. Mehr als 100 Hektar Fläche stehen den Tieren zur Verfügung.
Klettergärten: Es gibt zahlreiche in Nor­wegen. Meist werden spezielle Pro­gram­me für Kinder angeboten, so z. B. im Hochseilgarten in Voss.
Unterwegs in Norwegen
Oslo und der Oslofjord
Der meist­befahrene Schiffsweg des Nordens ist über 100 km lang und bis zu 300 m tief. Aber­tausende kleiner Inseln und Abermillionen kahler Schären machen den Meeresarm zu einem Eldorado für Sommer­frischler, Sonnenanbeter, Schwimmer und Hob­bykapitäne.
Unter Wasser
Der Tunnel unter dem Oslofjord zwi­schen Drøbak und Stor­sand erleich­tert die Weiterfahrt nach Süd­norwe­gen und ist ein Segen für all diejeni­gen, die auf dem Landweg an­reisen und den Großraum Oslo nicht besu­chen wollen.
Erdgeschichtlich betrachtet bildet der Fjord - der geologisch korrekt eigent­lich eine Förde ist - mit dem Mjøsasee weiter nördlich das obere Ende einer Graben­zone, die vom Rhônetal über den Oberrhein bis nach Norwegen reicht. Die Region an den Ufern des von Waldhügeln umrahmten Meeresarms gehört zu den am dich­testen besiedel­ten des Landes. Und zu den ge­schichts­trächtigsten, denn die Städte Sarp­sborg im Osten des Fjords und Tøns­berg im Westen gelten als Nor­we­gens äl­teste, über tausend Jahre alte Siedlungen. An den beiden Fjordufern fin­den sich be­schau­liche kleine Ort­schaften, die schon zu Beginn des 20. Jh. von den Groß­städtern zur Som­mer­frische ange­steuert wurden. Je wei­ter man in Rich­tung Oslo fährt, desto verbauter wird die Landschaft - die unausweichliche Fol­ge eines schier unaufhaltsamen Be­völ­kerungs­wachs­tums. Die Europa­stra­ße E 6 durch­schneidet von Mal­mø bis über Oslo hinaus den Land­strich.
In die Nordspitze des Fjords schmiegt sich Oslo. Die norwegische Landes- und Kulturhauptstadt ist eine recht betriebsame Stadt, die mit hoch­karätigen Museen, aber auch entspann­tem Flair besticht und in der die königli­che Familie wohnt. Lassen Sie auf keinen Fall den neu angelegten Uferbereich zwischen Aker Brygge und Opernhaus aus!
Aber auch kleinere Orte am Fjord sind durchaus se­henswert. Die West­seite wird von Tou­risten häufiger be­reist, da Ziele wie der kleine Küstenort Åsgardstrand oder die Stadt Tønsberg auf dem Weg von Oslo zur Südküste liegen. Aber auch die Ost­seite des Fjords bietet lohnenswerte Ziele, etwa die Insel Jeløy und die Ort­schaft Fredrikstad mit histo­ri­scher Alt­stadt und Festung. Nicht zuletzt gibt es entlang des Fjords zahl­reiche Bade­mög­lichkeiten, z. B. in Drøbak, die von den Groß­städ­tern in den Som­mer­mo­na­ten ger­ne ange­steu­ert werden.
Der Oslofjord ist der ein­zi­ge Fjord Nor­wegens, der bis­wei­len zu­friert. Der Grund: Die Wär­me­walze des Golf­stroms - ver­ant­wort­lich da­für, dass die Fjor­de des Westens eis­frei bleiben - zieht weit­ge­hend an der Oslo-Bucht vor­bei.
Was anschauen?
Opernhaus in Oslo: Das futuristische Gebäude ist in den Fjord hineingebaut und sticht sofort ins Auge. Man kann und darf auf dem Dach herumspazieren - immer ergeben sich neue Blickwinkel auf das Opern­haus, aber auch herrliche Aus­blicke auf Stadt und Fjord.
Museumsinsel Bygdøy: Einige der inte­ressantesten Museen Oslos - und ganz Norwegens - liegen auf der Halbinsel, die vom Stadtzentrum aus am schöns­ten mit dem Schiff zu erreichen ist. Dar­unter drei, die sich berühmten Schif­fen widmen (Wikingerschiffmu­seum, Fram-Museum und Kon-Tiki-Mu­seum), und das Norsk Folkemu­seum präsentiert seine Häuser in einem Park.
Holmenkollen: Die Skisprungschanze im Nordwesten ist so etwas wie ein Wahr­zeichen der Stadt. Schon Ende des 19. Jh. wurden hier Wettbewerbe ausge­tragen, die aktuelle Schanze wurde 2011 nach neuesten Standards gebaut
Festungsstadt Fredrikstad: Einst die größte Festung des Landes und vor 200 Jahren noch Stützpunkt für 2000 Sol­da­ten. Die Gebäude innerhalb der Festungsanlage sind heute von Zivilis­ten bewohnt, aber beim Schlendern über das Kopfsteinpflaster der kleinen Gassen taucht man in vergangene Zei­ten ein.
Wo baden?
Sogar in der Innenstadt von Oslo gibt es mittlerweile die Möglichkeit, ins Was­ser zu hüpfen, etwa am neu ange­legten Sørenga-Areal in un­mittelbarer Nähe zum Opernhaus - ideal für die schnelle Abkühlung beim Sightseeing. Richtig schöne Badeplätze gibt es außerhalb der Stadt, speziell auf der Insel Tjøme. Sie ist ein beliebtes Sommerausflugsziel, selbst Mit­glieder der Königsfamilie finden sich hier zum kühlen Bad ein.
Und was sonst?
Nationalfeiertag erleben: Jedes Jahr am 17. Mai pilgern die Norweger in festli­che Trachten gekleidet zum Königs­schloss in Oslo, wo die royale Familie vom Balkon winkt.
Olavstage mitfeiern: In Sarpsborg wer­den Ende Juli Festivitäten mit histori­schen Aufführungen zu Ehren des Wikingers und Stadtgründers Olav Ha­raldsson veranstaltet.