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© 2017 Klaus Werner Döhl

Satz, Umschlaggestaltung, Herstellung und Verlag:

BoD – Books on Demand GmbH

ISBN: 978-3-7448-5872-4

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Ein heutiger Naturwissenschaftler könnte auf die Idee kommen, ein Buch zu schreiben, in dem der Titel dieses Buches genau umgekehrt wird, nämlich: »Glauben – Zweifeln – Wissen«. Er könnte so argumentieren, dass – ausgehend von einem traditionellen Glauben an einen Gott – durch die neuen Erkenntnisse der Naturwissenschaften Zweifel ausgelöst werden. Diese führten dazu, dass der traditionelle Glaube durch Wissen ersetzt wird. Er könnte also eine natürliche Entwicklung vom (religiösen) Glauben zum (naturwissenschaftlichen) Wissen propagieren. Aus meiner Sicht ist es aber gerade umgekehrt: Naturwissenschaftliche Erkenntnisse können alleine nicht die wesentlichen Fragen der Menschheit nach dem Warum, Wozu, Woher und Wohin klären. Viele Menschen würden zwar sagen, dass ihr Weltbild auf rein (natur-)wissenschaftlicher Grundlage basiert, dabei werden aber die Voraussetzungen, unter denen Naturwissenschaft überhaupt erst betrieben werden kann, häufig übersehen. Gerade wenn man alle Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaften der letzten Jahre würdigt, gibt es Zweifel an der Naturwissenschaft als alleiniger Basis für eine Weltanschauung.

Heutzutage glauben wir, ein so großes Wissen angesammelt zu haben, dass wir fast alle Probleme lösen können – zumindest im Prinzip. Wenn man aber genau hinsieht, wird klar: Es gibt wesentliche Voraussetzungen, auf denen unser – meist naturwissenschaftliches – Wissen beruht. Etwas plakativer formuliert: Wir müssen schon einiges als Denkvoraussetzung glauben, bevor wir »wissen« können. Wie sicher ist dann unser Wissen? Ist es also angemessen, an unserem Wissen zu zweifeln? Aus solchen Überlegungen zu Wissen, Zweifeln und Glauben ist dieses Buch entstanden. Denn ich finde es ehrlicher, die eigenen Denkvoraussetzungen offen zu benennen, anstatt sich vorzuspiegeln, eine Weltanschauung ohne Denkvoraussetzung wäre möglich.

Durch den Glauben an Gott erfahre ich eine Geborgenheit und Zuversicht, die ohne diesen Glauben nicht vorstellbar ist. Der Glaube an Jesus Christus ist für mich unverzichtbare Grundlage meines Lebens geworden. Und mit dieser Ansicht stehe ich bei Weitem nicht alleine da. Die Anzahl der Gleichgesinnten dürfte allein in Deutschland in die Millionen gehen. So stellen z. B. Kirchenmitglieder in Deutschland noch immer die Mehrheit der Bevölkerung – auch wenn die Auffassungen darüber, was denn der Glaube bedeutet, weit auseinandergehen. Wenn man aber Zeitung und Fernsehen durchforstet, kommen Religion und Glaube trotzdem einfach nicht mehr vor. Natürlich gibt es noch Presseveröffentlichungen, in denen es um Kirchen geht – aber die Inhalte des Glaubens werden dabei nicht thematisiert. Es geht dann um solche Themen wie die Bewahrung der Schöpfung, Homophobie oder den notwendigen Verkauf von Kirchengebäuden wegen zurückgehender Kirchenmitgliederzahlen. Der eigentliche Inhalt von Religion wird dabei sorgfältig ausgespart. Woran jemand glaubt, ist Privatsache und es ist schon fast unanständig, danach zu fragen. Und da ich in dieser Gesellschaft aufgewachsen bin, geht es mir genauso.

Dabei wird immer deutlicher, dass in unserer Gesellschaft der Glaube an Gott fehlt. Wir haben zwar überwiegend genug Möglichkeiten, unser Leben angenehm zu gestalten, aber es fehlt am richtigen Sinn und Ziel des Lebens. Die Suche nach Sinn und Ziel wird in den Medien auch nicht ernsthaft thematisiert (eher tabuisiert). Wenn doch darüber geschrieben oder gesendet wird, dann drängen sich meist atheistische, esoterische oder sonstige abseitige Weltanschauungen in den Vordergrund – wegen des höheren Sensationswertes.

Das Aussparen der christlichen Religion in Zeitungen und Fernsehen führt zu einer Überrepräsentation atheistischer oder agnostischer Positionen. Dadurch kann der Eindruck aufkommen, der Glaube an Gott sei nicht mehr zeitgemäß und durch moderne wissenschaftliche Erkenntnisse längst überholt. In Wirklichkeit hat sich die Argumentationslage in Bezug auf Religion und Glauben in den letzten paar Jahrzehnten – vielleicht gar Jahrhunderten – nicht relevant verändert. Nach wie vor hängt es von meiner persönlichen Entscheidung ab, ob ich von der Existenz Gottes ausgehe oder nicht. In allen Fällen, die ich kenne, geht die Existenz (oder Nichtexistenz) Gottes letztlich als Denkvoraussetzung in die weiteren Überlegungen zu den verschiedensten Weltanschauungen ein – auch wenn dies anders behauptet wird. Man kann diese Denkvoraussetzung bis zu einem gewissen Grad plausibilisieren; aber am Ende gibt es weder einen logisch zwingenden Gottesbeweis noch eine Gotteswiderlegung.

Heißt das nun: Die Frage nach Gott ist für uns Menschen nicht entscheidbar? Solange man nur auf einer (natur-) wissenschaftlichen Ebene bleibt, ist das so. Andererseits gibt es die Ebene einer persönlichen Begegnung bzw. Beziehung. Zum Beispiel kann ich nur in der persönlichen Begegnung mit meiner Frau dessen gewiss werden, dass sie mich liebt.

Ich stelle nun die Behauptung auf, dass man Gott begegnen kann, wenn man sich an ihn wendet – so ist es mir zumindest gegangen. Es ist so etwas wie ein Experiment: Wer Gott ernsthaft anruft, zu ihm betet und bereit ist, sein Leben nach Gottes Vorstellungen auszurichten, der wird ihm begegnen.1

Bevor jemand aber ein solches Experiment wagt, muss er es zumindest für grundsätzlich möglich halten, dass es einen persönlichen Gott gibt, der den Kontakt zu den Menschen haben will. Das vorliegende Buch will ein Beitrag sein, die Argumente für und wider Gott und den Glauben abzuwägen. Und nach dieser Einleitung ahnen Sie es schon: Ich werde zu dem Ergebnis kommen, dass die Existenz Gottes plausibel ist.

Im ersten Kapitel (»Naturwissenschaften und Denkvoraussetzungen«) werden wir uns mit den Naturwissenschaften beschäftigen. Dabei geht es weniger um einzelne Fachwissenschaften als vielmehr um die Beschäftigung der Naturwissenschaften mit den Ursprungsfragen – z. B. den Ursprung des Universums. Hier werden wir auf die Denkvoraussetzungen stoßen, die bei naturwissenschaftlichem Arbeiten üblicherweise gemacht werden. Zum Schluss werden wir fragen, wie wir allgemein mit Denkvoraussetzungen umgehen.

Das zweite Kapitel (»Wissen«) behandelt das Wissen, das durch die Naturwissenschaften erarbeitet wurde. Es wird auf wichtige Theorien in Bezug auf die Entstehung des Universums und des Lebens eingegangen. Schließlich werden auch einige naturwissenschaftliche Erkenntnisse zum Denken dargestellt. Es wird jeweils hinterfragt, ob die Denkvoraussetzungen der Naturwissenschaften – lediglich nach einer innerweltlichen Erklärung zu suchen – diese nicht bei weltanschaulichen Fragen und Fragen nach den Ursprüngen zu einer ungeeigneten Erkenntnismethode machen.

Im dritten Kapitel (»Zweifeln«) geht es um die Begrenzung der Erkenntnisfähigkeit der Naturwissenschaften. Hier werden einzelne Sätze (z. B. die Heisenberg’sche Unschärferelation) erläutert und weltanschauliche Konsequenzen diskutiert.

Das vierte Kapitel (»Glauben«) handelt vom Vertrauen auf Gott. Es wird als Angebot dargestellt, das Gott uns Menschen macht, damit unser Leben ein Ziel hat.


1 In der Bibel wird von einer Begegnung Jesu mit kritischen Zuhörern berichtet. Im Johannes-Evangelium (7,17) wird Jesus zitiert: »Wenn jemand bereit ist, Gottes Willen zu erfüllen, wird er erkennen, ob das, was ich lehre, von Gott ist oder ob ich aus mir selbst heraus rede.« (Zitiert nach Neue Genfer Übersetzung 2010).

Naturwissenschaften und Denkvoraussetzungen

Naturwissenschaftlicher Denkansatz

Heute fühlen sich nahezu alle Menschen einem naturwissenschaftlichen Denkansatz verpflichtet. Naturwissenschaftliches Denken ist uns so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir dies gar nicht mehr wahrnehmen. Dabei scheint aber das Wissen um die Voraussetzungen, unter denen Naturwissenschaft betrieben werden kann, ebenso verloren gegangen zu sein wie das Wissen um die prinzipielle Beschränkung naturwissenschaftlicher Erkenntnis.

Wenn ein Naturwissenschaftler eben als Naturwissenschaftler eine Fragestellung untersucht, so ist er immer auf der Suche nach einer natürlichen, d. h. innerweltlichen Erklärung. Er schließt damit von seiner Methodik her bestimmte Dinge von vornherein aus: Wunder, esoterische Effekte oder ein direktes Eingreifen eines Gottes liegen außerhalb des Betrachtungshorizontes. Diese Beschränkung hat sich in der Vergangenheit als sehr sinnvoll erwiesen und dazu geführt, dass die Natur erforscht werden konnte, ohne sich mit Geistern, Göttern, esoterischen Effekten und magischen Dingen beschäftigen zu müssen. Sie war notwendig, damit sich die Naturwissenschaften überhaupt entwickeln konnten. Sie ist auch aus christlicher Sicht bei der Beschäftigung mit unserem natürlichen Umfeld richtig, da Christen davon ausgehen, dass Gott auch die Naturgesetze geschaffen hat und nicht ständig darin herumpfuscht. Im Mittelalter hat denn auch eine Reihe von Christen den Naturwissenschaften wesentliche Impulse gegeben. Hier einige Beispiele:

Die Erkenntnisse, mit denen die Naturwissenschaften unsere Welt verändert haben, sind, gelinde gesagt, beeindruckend. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse waren die Grundlage für die Entwicklung unserer technischen Umwelt, von der Erfindung des Rades über die Dampfmaschine bis hin zu Internet und Smartphone. Hierdurch wurde – zumindest in der westlichen Welt – unser Leben wesentlich geprägt.

Wenn ich z. B. über die Schwerkraft nachdenke, ist die Beschränkung auf eine natürliche Erklärung des Phänomens sehr sinnvoll, denn davon beeinflusste Prozesse laufen – das ist eine menschliche Grunderfahrung – immer gleich ab. Ich kann etwa Fall-Versuche durchführen, die immer wieder gleiche Ergebnisse liefern, wenn ich das Experiment wiederhole. Wenn also ein Naturgesetz durch immer wieder gleiche Versuchsergebnisse bestätigt wird, so kann ich das hier jeweils wirkende Naturgesetz als bewiesen betrachten. Ich muss dann lediglich voraussetzen, dass sich die Naturgesetze nicht mit der Zeit ändern (was man im Prinzip nie ganz sicher ausschließen kann, wovon man aber mangels sinnvoller Alternative immer ausgehen muss). Die große Stärke der Naturwissenschaften ist also die Abstützung ihrer Erkenntnisse auf wiederholbare Experimente.

Naturwissenschaftler betrachten Ursprungsfragen

Nun befassen sich die Naturwissenschaften aber auch mit Fragen nach den Ursprüngen: dem Ursprung des Universums, der Erde, des Lebens, des Menschen ... In diesen Zusammenhängen kann ich keine wiederholbaren Versuche durchführen – ich kann schließlich die Erde nicht neu entstehen lassen. Damit kann ich die eigentliche Stärke der Naturwissenschaften gar nicht ausspielen. Hier kann ich nur Schlüsse aus der uns bekannten Historie ableiten. So komme ich auch nur zu einer anderen – geringeren – Qualität und Sicherheit der Ergebnisse. Und es stellt sich die sehr grundsätzliche Frage, ob die Erkenntnismethode »Naturwissenschaft« für den Erkenntnisgegenstand »Ursprung des Lebens und des Universums« angemessen ist.

Wenn ich von der naturwissenschaftlichen Voraussetzung einer »natürlichen« Erklärung ausgehe, muss ich selbstverständlich auch zum Ergebnis einer natürlichen Entstehung des Lebens und des Universums gelangen. Dies ist aber nicht das Ergebnis meines Denkens, sondern die Voraussetzung, die bereits am Anfang in die Überlegungen eingegangen ist.

Leider trifft man immer wieder auf Naturwissenschaftler, die diese Zusammenhänge gar nicht im Blick haben und fröhlich verkünden, dass aufgrund ihrer rein naturwissenschaftlichen Forschungen die Existenz Gottes widerlegt sei. Ein Nachweis, dass Gott nicht existiert, ist jedoch auf Basis rein naturwissenschaftlicher Untersuchungen nicht möglich, da Naturwissenschaften sich per Definition nur mit diesseitigen Phänomenen beschäftigen. Auch wenn eine in sich widerspruchsfreie naturwissenschaftliche Erklärung der Schöpfung möglich ist, ohne dass ein Eingreifen eines Schöpfers angenommen wird, ist damit nicht bewiesen, dass das Universum nicht von Gott geschaffen wurde.

Und Religionen wie Judentum, Christentum und Islam gehen nun mal davon aus, dass es einen Gott und eine übernatürliche Erklärung für die Entstehung des Lebens und der Erde gibt. Damit wird die grundsätzliche Erkenntnis der meisten Menschen auf dieser Erde (mehr als 50 Prozent der Menschen gehören einer der Religionen Judentum, Christentum oder Islam an) von vornherein negiert und aus dem Prozess der Erkenntnisgewinnung über die Ursprünge ausgeschlossen. Es müsste also eine Erkenntnismethode geben, die in Bezug auf die Alternativen »Schöpfung« oder »natürliche Entwicklung« ergebnisoffen an die Ursprungsfragen herangehen kann.

Naturwissenschaft – offen für göttlichen Ursprung?

Zu den Fragen nach dem Ursprung müsste man also eine Wissenschaft betreiben, die eigentlich Naturwissenschaft ist, aber ohne die Voraussetzung »natürliche Erklärung« auskommt. Dann wären aber nach meiner Meinung einfach zu viele Möglichkeiten bzw. Freiheitsgrade zu berücksichtigen, als dass wesentliche Aussagen abgeleitet werden könnten. Wie soll man auch ohne weitere Information sinnvoll entscheiden, ob ein bestimmter Zustand des Universums von einem Gott aus dem Nichts geschaffen wurde oder ob er sich auf natürliche Weise aus einem vorherigen Zustand entwickelt hat? Grundsätzlich könnte ein allmächtiger Gott ja jede Situation im Universum plötzlich aus dem Nichts entstehen lassen. Eine Unterscheidung eines »natürlich« entstandenen Zustands von einem »erschaffenen« Zustand erscheint so nicht möglich zu sein. Weder ein Gottesbeweis noch eine Gotteswiderlegung scheint auf diesem Wege einfach zu haben zu sein.

Bisher wurde noch keine Aussage darüber gemacht, was das für ein Gott sein könnte, der das Universum geschaffen hat. Es könnte prinzipiell ein ziemlich abwegiges Wesen sein, das ggf. nach dem Schöpfungsakt sein Interesse an der Welt verloren hat (so denken Deisten2). Aber wenn schon ein Gott das Universum geschaffen hat, ist es aus meiner Sicht wahrscheinlicher, dass er danach auch ein Interesse an der Welt hat und Hinweise hinterließ, die auf ihn als Schöpfer hinweisen, sodass seine Geschöpfe in Kontakt zu ihm treten können.

Denkvoraussetzungen

Eine Erkenntnis wächst aber: Es gibt kein Denken ohne Voraussetzungen. Diese Denkvoraussetzungen können explizit sein, wenn ich mir der Voraussetzungen, die ich mache, bewusst bin. Sie können aber auch implizit sein, sodass ich die Voraussetzungen, die ich mache, gar nicht bemerke – zumindest sie nicht explizit benenne.