Bibliografische Informationen der Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.dnb.de abrufbar.

ISBN: 9 783752 889987

© Fromm 2018

Prof. Dr. phil. Martin Fromm

http://www.constructiv.org

Herstellung und Verlag:

Books on Demand GmbH, Norderstedt

Alle Rechte vorbehalten.

Printed in Germany

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung
  2. Beratungsfragen und -ziele
  3. Analyse von Ausgangszuständen
  4. Analyse von Zielzuständen
  5. Analyse von Prozessen
  6. Planung und Durchführung von Veränderungen
  7. Literatur
  8. Anhänge

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Konstrukttypen

Abbildung 2: 'Varianzfresser'

Abbildung 3: Full Context Form

Abbildung 4: Computernamen Konstrukte erhoben

Abbildung 5: Aggregiertes Grid, vorgegebene Konstrukte

Abbildung 6: Foliengrid Einzeldaten

Abbildung 7: Foliengrid aggregierte Einzeldaten

Abbildung 8: SharedGrids Einzelrohgrids

Abbildung 9: SharedGrids aggregierte Einzelgrids

Abbildung 10: SharedGrids Dendrogramm

Abbildung 11: Karriereplanung Rohgrid

Abbildung 12: RiverChart

Abbildung 13: Grid-Methodik Entscheidungen

1. Einleitung

Die Grid-Methodik zeichnet sich durch ihre besondere Flexibilität in unterschiedlichsten Anwendungskontexten aus, entsprechend lang sind Listen möglicher Forschungsfragen und Nutzungszwecke (vgl. Fromm/Paschelke 2010, S. 155ff). Diese Flexibilität ist aber nicht der entscheidende Unterschied zu anderen Methoden, herkömmliche Fragebogen können schließlich auch zu jeder Forschungsfrage formuliert werden.

Entscheidend ist vielmehr, was man erfährt. Und das hängt mit dem besonderen Wie der Datenerhebung zusammen. Was man erfährt, lässt sich vielleicht am besten an Reaktionen von Befragten auf die Ergebnisse eines Grid-Interviews verdeutlichen. Es gibt immer wieder subjektiv beeindruckende Aha-Erlebnisse, die bereits während des Interviews die Bedeutung von Erfahrungen klar (z.T. unangenehm klar) werden lassen. Mitunter kommentieren Befragte die Ergebnisse leicht verwundert und nachdenklich aber auch sinngemäß so: „Das habe ich eigentlich alles schon vorher gewusst – nur eben nicht so klar“. Die implizite Kritik, die hier mitschwingt: Wo, bitte schön, sind denn jetzt die spektakulären Neuigkeiten?

In solchen Kommentaren kommen Erwartungen zum Ausdruck, wie sie von anderen Methoden genährt werden: Wenn sich schon nicht der Himmel öffnet und eine tiefe Stimme zu einem spricht, erfährt man wenigstens, was man definitiv ist (‚normal‘, ‚Hypertoniker‘ o.ä.) oder tun sollte (Gärtner werden, die Beziehung zur Mutter aufarbeiten o.ä.). Solche Befunde über die Person des Befragten will die Grid-Methodik in keiner ihrer Varianten liefern. Die Hoffnung der Befragten auf solche Befunde lässt sich allerdings auch durch entsprechende Vorabinformation nicht gänzlich verhindern.

Was die Grid-Methodik dagegen leistet, lässt sich gerade an dem oben angesprochenen, kritisch gemeinten Kommentar zeigen. Er hebt zunächst hervor, dass der Befragte die Ergebnisse nicht als fremd erlebt. Er erkennt sie deutlich als seine Ideen, nicht als etwas von außen Übergestülptes. Sie wiederholen aber nicht nur einfach Altvertrautes, sondern ordnen und klären es.

Das Besondere der Grid-Methodik besteht darin, einerseits den Befragten als Experten für seine Sicht der Dinge zu respektieren und ihm eine entsprechende Artikulationsfreiheit zu gewähren, ihn aber gleichzeitig in der Art der Darstellung nicht seinen Routinen zu überlassen, sondern seine Artikulation zu strukturieren und auf den Punkt zu bringen. Dabei können die Offenheit für die Sicht des Befragten und der Grad der Strukturiertheit durch Einsatz verschiedener Grid-Varianten in weiten Grenzen gesteuert und der Befragungssituation und dem Untersuchungszweck angepasst werden.

Die folgenden Anwendungsbeispiele sollen verdeutlichen, wie die formal strukturierende Befragung der Grid Methodik Denk- und Selbstdarstellungsroutinen überwindet, dabei nicht nur offen bleibt für die subjektive Sicht der Befragten, sondern deren Selbstwahrnehmung auch öffnet für relevante, aber bisher nicht-verbalisierte oder sogar vorbewusste Bedeutungsgebungen.

Wegen der Flexibilität der Verfahren muss sich die folgende Darstellung auf Typen von Fragestellungen und Beratungszwecken konzentrieren, die dann je nach Bedarf abgewandelt und konkretisiert werden müssen. Dort, wo eine Erhebung mit Softwareunterstützung oder die statistische Aufbereitung der Daten nützlich sein kann, basiert die Darstellung auf den Funktionen des Programms „GridSuite 4“. Wo sich ergänzend der Einsatz anderer Software (vor allem „Rep Plus“ und „Idiogrid“) besonders empfiehlt, wird darauf hingewiesen. Eine ausführliche Anleitung zur Auswertung und Interpretation von Grid-Daten bietet „GridPractice“ (Fromm/Paschelke 2010), eine Einführung in die Verfahren zur Erhebung von Repertory Grid Daten das Buch „Repertory Grid Methodik“ (Fromm 1995). Die folgenden Anwendungsbeispiele ergänzen das letztgenannte Buch.

2. Beratungsfragen und -ziele

Anlass einer Beratung ist der Wunsch, den jeweiligen Status Quo zu verbessern – häufig, nachdem man dies erfolglos bereits selbst versucht hat. In anderen Fällen, weil für geplante Veränderungen das Know How fehlt und professionelle Hilfe benötigt wird. Was jeweils verändert werden soll, warum das wer will, wohin die Veränderungen gehen soll und was man dazu tun will und kann, ist extrem unterschiedlich. Die grundsätzlichen Prüffragen sind aber immer die gleichen:

Konkreter kann es dabei gehen um:

Beratungsfragen als unipolare Konstrukte: Was ist der relevante Kontrast?

Auch diese Fragen sind erstens nur eine kleine Auswahl und deuten zweitens nur sehr grob eine Richtung an, etwa, dass der Klient sich mehr Klarheit über sich verschaffen will. Das kann aber unter unendlich vielen Aspekten geschehen. Welche das sind und welche davon für den Klienten persönlich relevant sind, wird in diesen Formulierungen noch nicht klar. Das liegt daran, dass wir in der alltäglichen Kommunikation üblicherweise vereinfachend davon ausgehen, die von uns verwendeten Begriffe seien eindeutig. Erklärt werden sie erst dann, wenn es zu einer Störung der Kommunikation gekommen ist oder diese, wie etwa in der wissenschaftlichen Kommunikation, vorsorglich vermieden werden soll.