1. Die Suche nach dem passenden Vierbeiner.

Wir wollten einen Hund weil wir dachten, dass es Zeit dafür wäre. Ein Haus in Italien mit einem großen Grundstück war gekauft und dazu gehörte unserer Meinung nach ein Hund. Ich wollte einen Großen, denn einen Kleinen hatte ich schon mal. Asta hieß die Field-Spaniel-Hündin und war verfressen ohne Ende. Und ich wollte mich einfach zum Streicheln nicht mehr bücken müssen. Mein Mann Adrian wollte auch einen Großen, Glück gehabt, aber einen langhaarigen, oh!

Nun wir haben Hundebücher gewälzt, diverse Hundeausstellungen herausgesucht und besucht, es war schwierig. Nach langem Hin und Her konnten wir uns dann über eine Dogge, O-Ton mein Mann „...der ist ja nackig!“ über einen Berner Sennenhund „...schon schön groß aber noch nicht das Richtige.“ auf einen Neufundländer „ na also groß und lange Haare und einfach ruhig!“ einigen.

Wir wussten zumindest, dass wir einen Ruhe ausstrahlenden, wunderbar langhaarigen Riesen haben wollten. Die Farbe war uns egal und jetzt musste nur noch ein Züchter oder eine Züchterin gefunden werden, die genau unseren Traumhund hat.

Also los ging es. Die Zeitung wurde durchgelesen, #Tiermarkt#, na bitte und dann Züchter heraus gesucht und besucht. Die „familiennahe“ Züchtung stellte sich als verdreckter Bauernhof heraus, der seine Hündin immer wieder decken ließ. Die Welpen machten einen entsprechend furchtbaren Eindruck. „Liebevolle Handaufzucht“ entpuppte sich als eine Mietwohnung mit einem Karton in der Ecke des Bades und darin völlig verängstigte Hundekinder. Die Hündin, durchhängender Rücken, feuchte tränende Augen sah erbärmlich aus, na das konnte ja heiter werden.

Von Züchter zu Züchter wurden wir mehr ernüchtert und dachten fast schon nicht mehr daran wirklich unseren Hund zu finden.

Um nicht ständig in der Gegend rumfahren zu müssen, haben wir das Internet bemüht, wir sind ja modern heute. Auch da stießen wir auf schwarze Schafe. Sollten wir unseren Wunsch etwa wieder einstampfen müssen? Dann halt keinen Hund und jedem Hundebesitzer bei Spaziergängen mit traurigen Augen nachschauen und sich dann erträumen, so schön wäre es, wenn wir mit unserem tollen Riesenhund hier laufen würden? Nein und dreimal nein! Weiter gesucht.

2. Ein Welpe aus dem Allgäu soll es werden.

Das Internet gab ja jede Menge her und dann wurden wir im Allgäu fündig. Die Bilder im Netz waren einfach schön und wir hatten das Glück, dass Welpen gerade angekommen waren. Dann würden wir dahin fahren, ein Hundebaby heraussuchen und dann nach entsprechender Zeit stolz mit einem neuen Familienmitglied heimfahren. Gut. Unter anderem habe ich auf der Webseite der Züchterin den Notruf „Dringend neues Zuhause gesucht!“. gefunden.

Nun ja, es war ein ausgewachsener Hund und wir wollten eigentlich einen Welpen. Also wieder weggeklickt und dann die Züchterin nach Absprache einfach besucht.

Die Erwartungshaltung war mehr als hoch und als wir dann mit klopfendem Herzen vor der Haustür standen, öffnete niemand auf unser Klingeln. Stattdessen tiefes, kehliges Bellen aus dem Garten. Das ging ja gut los. Plötzlich erklang das Bellen nicht bloß aus dem Garten, sondern direkt hinter uns und wir dachten, uns trifft der Schlag. 5 ausgewachsene Neufundländer standen direkt hinter uns, schauten uns aus freundlich großen Augen an und wedelten wie verrückt. Am Ende der Leinen hing die Züchterin und lachte aus vollem Hals. Ja ein wenig erschreckt sähen wir doch aus, meinte sie. Irgendwie hatten wir uns die Neufundländer ein bisschen kleiner vorgestellt...

Sie begrüßte uns herzlich, brachte ihre Tiere nach hinten und dann kam der große Moment und wir duften ganz leise und erst nach Begrüßung durch die Hundemami die Welpen sehen. Wie süß die waren und gar nicht groß! Mein Mann stand neben mir und sah die Kleinen verständnislos an. Jetzt standen wir direkt vor unseren Neufundländern und er konnte mit den Neuen gar nichts anfangen. „Irgendwie wie kleine Ratten und die Augen noch zu, also da finde ich keinen Hund!" flüsterte mir mein Mann Adrian ins Ohr. " Das musst Du dann machen, ich weiß nicht ....“ . Toll! Nun wir schauten freundlich in die Wurfbox und einer hatte es mir angetan. Den könnte ich mir vorstellen. Adrian nickte „ja und Amen!“ und wollte einfach wieder gehen. Da fiel mir plötzlich noch der „Notfall-Hund“ ein und wir wollten ihn uns wenigstens noch anschauen, wenn wir schon hier sind. Gesagt, getan.

Die Züchterin bat uns in den Garten, denn es war ein Rüde und sie wollte ihn nicht mit den Zuchtrüden zusammen lassen. Sie sagte uns auch, dass er eine entsetzliche Kindheit gehabt hat.

Er wurde als Welpe von ihr verkauft und kam in einen Haushalt zu Kindern. Nach einem halben Jahr sind Neufundländer zwar noch nicht ausgewachsen, aber schon sehr imposant. Weil er schnell zu groß wurde vegetierte er irgendwann dann im Keller dahin, wurde mit altem eingeweichten Brot und Wasser gefüttert und statt Zuneigung musste er die hinterhältigen Spiele der Kinder aushalten, wie z.B. rückwärts am Schwanz über den Boden gezogen werden oder wenn ein Kind schaukelte ihn rufen und dann mit den Füssen ins Gesicht stoßen. Es waren wohl mehr schlechte als gute Erfahrungen und als diese Besitzer die Züchterin dann irgendwann anriefen und sagten: „Entweder hängen wir den Hund an die Autobahn oder sie holen ihn sofort ab und wir bekommen unser Geld wieder“, fuhr sie stehenden Fußes und holte diesen Unglückswurm wieder ab.

Es war nicht einfach ihn bei der Züchterin wieder zu integrieren. Ein pubertierender Hund ohne Erziehung, er kannte seinen Namen nicht, er wusste nicht was man von ihm wollte wenn man sagte „Sitz!“, „Platz!“ oder ähnliche Kommandos. Natürlich war er auch nicht stubenrein, völlig verfilzt und total unterernährt mit nicht mal 40 kg. Aber die Züchterin kriegte es mit viel Liebe und noch mehr Mühe irgendwie hin. Doch in einem Haushalt mit Deckrüden und Zuchthündinnen musste er sich fügen und das hatte er nie gelernt. Also gab es entsprechende „Gebrauchsspuren“ in seinem Gesicht und am ganzen Körper. Auf dies alles wies uns die Züchterin hin und ging dann den Hund zu holen.

3. Die Rechnung ohne Allegro gemacht.

Wir standen ein wenig unschlüssig auf der Wiese und unterhielten uns über die Neufundländer die wir gesehen hatten und mein Mann konnte sich immer noch nicht mit dem von mir herausgesuchten Welpen anfreunden. Plötzlich ging das Gartentor auf und ein riesiger schwarzer Hund stürzte auf uns zu. Er wedelte freudig, umkreiste meinen Mann und entdeckte dann auf einmal mich. Als hätte er nur auf mich gewartet kam er auf mich zu und der Himmel stürzte über mir ein. Er rannte mich einfach um und dann stand er neben mir, ich lag mehr als ich saß im Gras und der große schwarze Hund neben mir, freudig wedelnd, streckte mir seine Sabberschnute ins Gesicht und die braunen Augen strahlten mich fröhlich an. Er ließ mich nicht mehr aus den Augen und die Züchterin konnte rufen was sie wollte, er hat mich gesucht, so unendlich lange gewartet und jetzt, jetzt war ich da, das neue Frauchen von ALLEGRO!!

Hilfesuchend sah ich Adrian an, der stand nur da, grinsend und meinte: „na, da hat Dich Dein Hund ja gefunden!“ Ich stammelte nur: „Aber Du wolltest doch einen jungen Hund und nicht etwas Ausgewachsenes, mit der Vorgeschichte, und dann vielleicht doch ein Mädchen, und wir wollten ihn doch gemeinsam großziehen, und .....“

Der große Schwarze hatte sich mittlerweile neben mir niedergelassen und ließ sich genüsslich von mir kraulen. Meine Hände verschwanden in dem dichten dunklen Fell und mir wurde warm ums Herz. Na gut, meine erste Hündin, ein Field-Spaniel, war aus dem Tierheim, dann werden wir auch mit einem Hund fertig, der eine schlechte Kindheit hatte.

Oh Gott, wie konnte ich nur so blauäugig sein?

Da die Züchterin Allegro - es war ein A-Wurf, deshalb der Name - nicht noch einmal zurückhaben wollte, vereinbarten wir mehrere Besuche um uns aneinander zu gewöhnen.

unserem ALLEGRO