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INHALT

Das erwartet Sie in
diesem Buch

Ich fühle mich krank, müde und alt. Ich habe für nichts mehr Energie. Ich warte nur noch. Warte auf ein nettes Wort, warte darauf, dass er sich meldet, warte darauf, anerkannt zu werden. Ich kann nicht verstehen, was ich falsch mache, mir tut das nicht gut, ich weiß das. Doch ich kann nicht anders, ich bleibe. Ich bin selbst schuld. Ich muss mich nur mehr anstrengen, toleranter werden. Dann wird alles gut.“

Solche oder ähnliche Gedanken hatte bereits jeder, der eine oder mehrere Beziehungen bzw. Begegnungen mit einem Narzissten hatte. Sehr häufig begegnet uns diese Thematik bei der Partnerwahl. Wiederholt sind Sie enttäuscht worden, fühlen sich ausgenutzt oder gar schuldig?

Bestimmt hat Ihnen eine Freundin bereits zurückgemeldet, dass Sie immer wieder auf den gleichen Typ Mann „reinfallen“. Vielleicht machen Sie sich dahingehend aber auch bereits selbstständig Gedanken und überlegen, Ihr „Beuteschema“ grundlegend zu überarbeiten. Möglicherweise sind sie noch in einer solchen Beziehung und haben den Wunsch, sich aus dieser zu befreien, wissen aber nicht, ob Sie wirklich „klar“ sehen?

Genau mit diesem Thema beschäftigen wir uns in diesem Buch. Ich möchte Ihnen dabei helfen, sich für die Merkmale des Narzissmus zu sensibilisieren und lade Sie dazu ein zu reflektieren, welche Verhaltensmuster Sie dazu gebracht haben, wiederholt auf narzisstische Männer zu treffen. Außerdem möchte ich Ihnen eine Hilfestellung anbieten, wie sie sich aus destruktiven Beziehungen befreien können.

Der Einfachhalt halber schreibe ich aus Sicht einer Frau. An dieser Stelle sei aber gesagt, dass es Narzissmus natürlich auch unter Frauen gibt. Dieser unterscheidet sich in einigen Punkten von den Merkmalen des Narzissmus bei Männern, macht aber im Ergebnis kaum einen Unterschied. Grundsätzlich sind also auch Männer, die wiederholt auf narzisstische weibliche Persönlichkeiten treffen, dazu eingeladen, zu reflektieren und destruktive Verhaltensmuster zu durchbrechen.

Narziss –
Der Schöne

Narziss war das gemeinsame Kind des Flussgottes Kephisos und der Wassernymphe Leiriope. Er ist aus einer Vergewaltigung heraus entstanden und wuchs zu einem jungen Mann heran, der von Stolz auf seine eigene Schönheit erfüllt war. Jungen und Mädchen umschwärmten ihn gleichermaßen, doch er wies diese allesamt herzlos zurück.

Der junge Ameinias erfuhr diese Zurückweisung ebenfalls. Narziss ließ ihm ein Schwert zukommen. Diese Kränkung konnte er nicht verkraften und brachte sich mit dem Schwert selbst um, aber nicht ohne zuvor die Götter anzurufen, damit diese ihn rächten. Nemesis bzw. Aphrodite erhörte sein Flehen und strafte Narziss mit unstillbarer Selbstliebe.

Als dieser sich im Wasser betrachtete, verliebte er sich unsterblich in sein Spiegelbild, ohne zu erkennen, dass er es selbst war, den er im Wasser erblickte. Diese Liebe war von Unerfüllbarkeit gekennzeichnet, er erkannte dies, doch es nützte ihm nichts. Er verzehrte sich nach seinem Spiegelbild bis zu seinem Tode.

Pausanias, ein griechischer Reiseschriftsteller, überlieferte, dass Narziss sich eines Tages an den See setzte, um sich an seinem Spiegelbild zu erfreuen. Ein Blatt fiel ins Wasser und verzerrte sein Spiegelbild. Narziss, schockiert und im Glauben, er sei hässlich, starb daraufhin. Nach seinem Tode wurde er in eine Narzisse verwandelt.

Aus dieser griechischen Mythologie heraus entstanden, hat sich der Begriff „Narzissmus“ entwickelt. Grob zusammengefasst beschreibt dieser Persönlichkeiten, welche oft anspruchsvoll, arrogant und überheblich wirken. Es handelt sich diesbezüglich um augenscheinlich sehr selbstbewusste Menschen, zumindest transportieren sie dieses Bild aktiv nach außen. Hinter dieser Außenwirkung versteckt sich allerdings oftmals ein eher schwaches, leicht zu verletzendes Selbstwertgefühl, aufgrund dessen diese Menschen nur schwer mit Kritik umgehen können. Mehr noch – Narzissten verzeihen Kritik nur schwer. Niemand soll erkennen, wie empfindsam und schwach der Mensch hinter der Fassade eigentlich ist.

Die Probleme von Narzissten fangen früh an. Sie werden ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht, werden von Perfektionismus angetrieben und von Versagensängsten geplagt. Sie haben oft Probleme an ihrem Arbeitsplatz und werden sich selbst niemals gerecht.

Wenn die Waage
kippt –
persönlicher Stil
oder Störung?

Was unsere Persönlichkeit ausmacht, ist eine komplexe Frage. Wir alle haben Anteile von Impulsivität, Sprunghaftigkeit, Dramatisierung, Egoismus und vielem mehr in uns. Jeder Mensch verfügt über eine andere Art und Weise, seine Umgebung wahrzunehmen und mit anderen Menschen zu interagieren. Die Verteilung und Ausprägung unserer einzelnen Eigenschaften bzw. unserer Denk- und Handlungsmuster lässt uns eine Persönlichkeit entwickeln. Sie wird durch unsere Außenwelt und maßgeblich durch unsere Erfahrungen im Kindes- und Jugendalter geprägt. Generell halten sich diese Merkmale die Waage, auch wenn manche Eigenschaften etwas mehr und andere dafür weniger ausgeprägt sind.

Von einer Persönlichkeit zu einem Persönlichkeitsstil kommen wir dann, wenn manche Charaktereigenschaften deutlicher als andere in Erscheinung treten. Dabei sind die Übergänge fließend zu betrachten. Die meisten Menschen sind somit eher ein „Sammelsurium“ verschiedener Persönlichkeitsstile, welche mehr oder weniger stark ausgeprägt sind.