Weitere Bücher von Kristina Kreuzer und Annabelle von Sperber:

Rosa und Toni (Bd. 1)

Rosa und der Geburtstag (Bd. 2)

Text: © 2021 Kristina Kreuzer

Cover und Illustration: © 2021 Annabelle von Sperber

Grafik: Anusch Thielbeer

Handgeschriebene Texte von Klara

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation

in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten

sind im Internet über www.dnb.de abrufbar.

Der Abdruck der Illustrationen erfolgte

mit freundlicher Genehmigung des WooW Books Verlages.

Herstellung und Verlag BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt

ISBN 978-3-7534-1383-9

Für alle Kinder, die mit mir zusammen

die Miese Krise gestaltet haben.

1. Kapitel

Hoomskuling

2. Kapitel

Eine köstlich kühle Überraschung

3. Kapitel

Ein Osterhase mit Mundschutz

4. Kapitel

Frau Puster ist am Telefon!

5. Kapitel

Immer wieder Haferflocken

6. Kapitel

Aufstand im Kinderzimmer

7. Kapitel

Samstag, wenn die Sonne lacht

8. Kapitel

Nix da Erzählkreis

9. Kapitel

Fitness-Parcours mit Hindernissen

10. Kapitel

Facetime zum Mitsingen

11. Kapitel

Wir sind jetzt alle Superman

12. Kapitel

Post für den Biber

13. Kapitel

Mundschutze oder Mundschützer

14. Kapitel

Klassenkonferenz

15. Kapitel

Sport, mit Abstand am besten

16. Kapitel

Ein fliederlila Muttertag

17. Kapitel

Haare wie ein Rockstar

18. Kapitel

Schöne Miese -Krise -Ferien

19. Kapitel

Adventslichter für Biber

20. Kapitel

Weihnachtsbäume haben kein Corona

21. Kapitel

Last Christmas, I gave you my heart

22. Kapitel

Bibers Online -Musikband

23. Kapitel

Unerwarteter Weihnachtsbesuch

Hoomskuling

„Rosa! Wie lange musst du noch rechnen? Wann backen wir die Haferflockenkekse? Wann spielen wir Biberbau?“, fragt mich eine ungeduldige Stimme von meinem Bett aus.

„Oh Mann, Biber, gleich! Ich muss noch das hier fertig rechnen und danach eine Seite Schreibschrift üben.“ Ich seufze sehr laut. Heute ist Freitag, das heißt, es ist der Tag, an dem Mama meiner Lehrerin Frau Puster ein Foto von meinem Arbeitsplan fürs Hoomskuling schicken muss, so nennen sie das. Homeschooling, das habe ich nun echt schon seit ungefähr hundert Wochen, seitdem diese miese Corona-Krise da ist.

„Rosa! Aber du rechnest doch gar nicht, du guckst aus dem Fenster!“, ertönt da wieder die Stimme. Das ist übrigens die Stimme von meinem Kuschelbiber. Biber ist ein Teil vom großen Rosa-Toni-Geheimnis. Es ist nämlich so: Mein Kuschelbiber kann sprechen und auch essen und lachen und Quatsch machen. Genau wie Teddy Ted von meiner allerbesten Freundin Toni. Toni hat schokoladenbraune Haare und ich honiggelbe, ziemlich oft hatten wir die gleichen Haargummis in den Zöpfen, die mit den Erdbeeren, die ich von ihr zum Geburtstag bekommen habe. Ich habe extra hatten gesagt, denn Toni ist leider vorletztes Jahr mit ihrer Familie weggezogen, kurz vor den Sommerferien, sodass wir doch nicht zusammen eingeschult werden konnten. Das war traurig und auch echt blöd, aber das Witzige an der Sache war, dass kurz vor Tonis Umzug unsere beiden Kuscheltiere Biber und Ted angefangen haben, mit uns zu reden. Und kurz vor dem Schulanfang habe ich dann Lara mit den roten Locken und den ganz vielen Sommersprossen kennengelernt. Lara ist in meiner Klasse, und mit ihr ist es immer richtig witzig.

Toni ist meine allerbeste Freundin, und Lara ist meine allerbeste Schulfreundin. Toni hat mich auch schon öfters besucht.

„Wann kommen Toni und Ted uns endlich mal wieder besuchen?“, fragt genau in dem Moment Biber. Hä?, denke ich. Kann der jetzt meine Gedanken lesen? Ich sage zu Biber: „Gar nicht, weil wir ja die miese Krise haben, und da besucht uns gar keiner, und wir besuchen auch keinen. Das weißt du doch.“

„Och, schade“, sagt Biber leise. „Aber wir können Toni einen Brief schreiben, wie sonst auch immer, stimmt’s? Oder können die Briefe auch Corona haben und dürfen Toni nicht besuchen?“

Ich rolle die Augen. „Oh Mann, Biber, nein. Klar wie Kloßbrühe haben die Briefe kein Corona. Nachher schreiben wir unseren Freunden, aber jetzt lass mich bitte rechnen.“

Dann ist es still. Biber gibt keinen Mucks mehr von sich, und bald höre ich nur noch ein leises Schnarchen. Umso besser. Schnell rechnen, dann kann ich nachher noch ein bisschen in den Garten gehen.

Endlich, endlich habe ich die letzte Aufgabe gerechnet. Schreiben mache ich später. Ich laufe runter in den Garten und springe mit Schwung auf die Schaukel. Schade Marmelade, die eine Schaukel bleibt jetzt immer leer, denke ich, als ich so richtig viel Anschwung nehme. Normalerweise schaukle ich oft mit Lara hier, und wir machen auch zusammen Wett-Absprung, aber seit das supernervige Virus da ist, kann ich nur mit mir selbst Absprung spielen. Mein Bruder Emil ist schon fünfzehn, und da schaukelt man nicht mehr. Emil ist sogar schon verliebt, in Marie.

Ich schaukle richtig hoch, in den Himmel hinein. Leider darf man mit gar keinem spielen zurzeit. Wir sehen nur unsere Nachbarn über den Gartenzaun, und manchmal gehe ich mit Mama einkaufen, aber das findet sie nicht so gut, weil sie sagt, dass die anderen Leute dann Angst haben, dass ich sie anstecken könnte. Kinder sind nämlich gemeingefährlich, weil sie vielleicht heimlich das miese Virus haben, ohne dass sie es merken, und dann stecken sie andere an.

„Rosa! Mach bitte noch schnell deine Aufgaben fertig, ich muss Frau Puster gleich schreiben“, ruft Mama von der Küchentür aus.

Ich hüpfe von der Schaukel und sage: „Manno!“ Dann stampfe ich ganz laut rein, die Treppe hoch und gehe zurück in mein Zimmer, wo der langweilige Deutschzettel liegt. Ich schreibe schnell die Sätze ab und weiß jetzt schon, dass Mama gleich sagen wird, dass das zu krickelig ist, aber das ist mir egal.

„Fertig!“, rufe ich Mama zu und halte ihr meinen Zettel unter die Nase. „Und nicht sagen, dass das krickelig ist.“

Mama lacht und sagt: „Oha, du hast ja richtig ordentlich geschrieben, toll!“

Ich gucke sie an. „Machst du einen Witz?“, frage ich.

„Ja, es sieht schrecklich krickelig aus“, meint Mama, „aber heute ist Freitag, und du hast die ganze Woche toll gearbeitet, es ist ja auch nicht leicht. Also, Schluss für heute. Wenn Emil auch fertig ist, gibt es eine Überraschung für euch alle.“

Eine köstlich
kühle Überraschung

„Eine Überraschung? Für Papa auch? In seinem Hoomoffizz?“, frage ich. Papa arbeitet jetzt immer mit Tür zu in seinem Arbeitszimmer. Emil sitzt auch in seinem Zimmer. Nur für Mama ist nichts anders, denn Mama arbeitet immer von zu Hause aus, von da schreibt sie Texte für die Zeitung.

Mama nickt und lächelt geheimnisvoll. Ich lasse den Deutschzettel auf dem Küchentisch liegen und renne los, zuerst in Papas Zimmer. Ich rufe: „Papa, Schluss machen! Es gibt eine Überraschung!“

Papa hat große Kopfhörer auf den Ohren und macht mir ein Zeichen, dass er gerade telefoniert. Enttäuscht gehe ich wieder raus.

Ich klopfe oben bei Emil an seine Zimmertür. Dann stürme ich einfach rein und rufe: „Emil, Schluss machen, es gibt eine Überraschung!“

Emil guckt von seinem Mathebuch auf und sieht aus, als hätte ich ihn gerade geweckt. „Ach Rosa, ich kapiere nicht die Bohne. Blödes Rechnen. Überraschung? Okay, ich komme, alles besser als das hier.“ Und Emil geht mit mir nach unten.

Jetzt stehen Mama, Emil und ich im Flur und warten, dass Papa zu Ende telefoniert hat. Das dauert ewig! Emil schreibt Papa eine Nachricht auf sein Handy: „Hey, rauskommen, Feierabend! Überraschung!“

Erst passiert nichts, aber dann kommt Papa. „Oh Mann, ja, Feierabend! Ihr habt so recht. Was machen wir heute? Gehen wir ins Kino?“

„Aber das können wir doch nicht!“, rufe ich. Die anderen lachen, weil das natürlich ein Witz war. Nirgendwo dürfen wir hingehen, nicht ins Kino, nicht in den Wildpark, in den Zoo oder ins Schwimmbad. Alles hat zu.

Mama sagt: „Heute ist Emil mit Kochen dran, stimmt’s, Emil? Und ich habe auch noch eine Kleinigkeit dazu.“ Mama geht zum Schrank und holt ein sehr großes Paket heraus. „Das hier ist für euch, damit ihr weiter krisenfest bleibt. Und weil alles so gut geklappt hat die letzten Wochen.“

Papa, Emil und ich stürzen uns alle zusammen auf das Paket. Papa lacht ganz doll und holt die große Küchenschere. „Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen“, sagt er, und schnipp, schnapp, schneidet er das Klebeband ab. Er macht den Pappkarton auf. Emil und ich beugen uns gleichzeitig über den Karton. Ich sehe ein silbernes, rundes Ding.

„Hol es schon raus“, sagt Emil zu Papa ungeduldig. Papa hebt das Ding heraus. „Was ist das?“, fragen Emil und ich wie aus einem Mund.

Mama lacht. „Etwas Leckeres …“, sagt sie.

„Hä?“ Ich frage mich, was an einem silbernen Topf lecker sein soll? Aber da ruft Papa: „Eine Eismaschine!!“

Emil und ich reißen beide gleichzeitig den Mund auf. Das sieht wahrscheinlich aus wie in einem Comic, und Emil ruft: „Yeah!“, und ich rufe: „Leckiii!“, und dann boxe ich genauso wie Emil in die Luft, weil das lässig aussah.

„Was für eine großartige Idee! Haben wir denn alles dafür da? Können wir direkt starten?“, will Papa wissen.

Mama nickt. Sie ist nämlich schlau und hat alles fürs Eismachen eingekauft: Sahne, Schokolade, Beeren und Zitronen.

Sie sagt: „Ich fand es selbst so schade, dass wir zurzeit nicht mehr zur Eisdiele gehen. Und bei euch drei Eis-Fans wollte ich außerdem lieber vorbereitet sein, falls die Ausgangssperre doch noch kommt!“

„Miese Krise“, sage ich leise. Immer geht es um dieses ganze Zeug. Ausgangssperre, das wäre, wenn sich noch mehr Leute anstecken und wir alle deshalb lieber gar nicht mehr rausgehen dürfen.

„Nun ja, also ich wäre okay mit einer Ausgangssperre, solange ich mein eigenes Eis machen kann und die Kaffeemaschine funktioniert.“ Papa lacht, und Mama sagt: „Dann müsstest du aber jeden Abend hundertmal Springseilspringen, damit du nicht rund wie eine Kugel wirst.“

Emil klopft Papa auf sein Bäuchlein.

„Kein Problem, ich leihe dir gerne mal meine Hanteln, Papa!“, meint Emil.

Ein Osterhase mit Mundschutz

„Also, diese Woche frage ich mich wirklich: ‚Wer hat an der Uhr gedreht?‘ “, sagt Papa beim Gute-Nacht-Sagen zu mir. Eigentlich bin ich noch ein bisschen sauer, weil ich schon ins Bett muss, obwohl es draußen noch so schön hell ist und ich die Schaukel vorm Fenster rufen höre. Na ja, also sie ruft na klar nicht in echt, aber ich hätte so Lust, noch superkurz rauszugehen. Deshalb mache ich nur „Hmmm“, und Biber in meinem Arm macht auch „Hmmm“, aber das hört Papa natürlich nicht, weil ja schließlich nur ich und Toni meinen Biber sprechen hören.

„Morgen können wir schließlich nicht solange schlafen, sonst futtert uns nachher noch jemand anderes die Ostereier weg“, meint Papa. Er überlegt kurz, dann zwinkert er mir zu. „Die armen Osterhasen … meinst du, die müssen beim Eier verstecken auch den Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten?“

Jetzt muss ich doch lachen. „Vielleicht“, sage ich. „Obwohl … es kommt halt drauf an, ob die Hasenfamilien auch Corona kriegen. Aber vielleicht sind die Häschenschulen ja auch geschlossen … Oh nee“, rufe ich dann, „dann könnten sie ja nicht im Unterricht die Eier anmalen!“

Papa nickt. „Na, ich bin guter Dinge, dass die Hasen weiter zur Schule gehen können. Lass dich mal überraschen, und mach jetzt schnell die Augen zu.“

Nachdem Mama auch noch da war und Emil ein kurzes „Schnell die Äuglein zu, Rosa, sonst kommt der Hase nicht“ durch die Zimmertür gerufen hat, schlafe ich tatsächlich ziemlich bald ein.

Ostern! Das ist das Erste, was ich beim Aufwachen denke. Ich liebe Ostern! Ich schnappe mir Biber, der etwas schläfrig in meinem Arm hängt, und springe aus dem Bett. Weil ich nicht genau weiß, ob es vielleicht wieder viel zu früh am Morgen ist, gehe ich lieber direkt in Mamas und Papas Zimmer. „Ich freu mich so aufs Eiersuchen!“, flüstere ich

Biber zu, aber genau in dem Moment stolpere ich und falle fast hin. Nanu? Was liegt denn da vor meiner Tür? Ich beuge mich herunter, und da sehe ich ein graues Fellbüschel liegen. Der Osterhase?? Ich glaube, mein Herz schlägt gerade einen Purzelbaum, weil ich diesem Hasen bestimmt gerade bei meinem Sturz die Pfote gebrochen habe, aber er muss doch seine Eier verteilen! Ich gucke genauer hin. Ja, es ist ein Hase, aber dieser Hase trägt einen Mundschutz.

Und auf einmal muss ich richtig loslachen, obwohl ich hier ja ganz allein sitze. Es ist nämlich Emils alter Kuschelhase, dem er einen Mundschutz aufgesetzt hat. Typisch Emil! Ich stecke den Hasen unter den anderen Arm und husche mit ihm und Biber zu Mama und Papa ins Zimmer. Zack, Decke hoch, und schon bin ich zu ihnen ins Bett geschlüpft.

Ein paar Stunden später sitzen wir beim Osterfrühstück. Auf dem Tisch steht ein Korb mit bunt gefärbten Eiern, und es gibt Osterzopf mit Marmelade. „Na, schaffst du noch eins?“, fragt mich Emil von der Seite.

Ich schüttle den Kopf, so doll, dass meine Zöpfe fliegen. „Nein, bloß nicht, ich hatte schon vier Eier!“, sage ich.

„Ach komm, davon kriegst du Muckis“, sagt Emil und greift nach einem neuen Ei.

„Nein, Emil, das ist dein siebtes!“, ruft Mama.

Aber Emil grinst. „Falsch gerechnet, mein neuntes“, sagt er, aber dann legt er es zurück. „Das mag ich eh nicht, das ist ein Mädchen-Ei, das ist rosa.“