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Nils Horn

Buddhismus Grundwissen


Mögen alle Wesen glücklich sein. Möges es eine glückliche Welt geben.


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Inhalt

Vorwort

Buddha

Buddhismus

Wie lebt ein Buddhist

Richtiges Denken und Handeln

Die tägliche Selbsterforschung

Heilmeditation

Reinkarnation

Westlicher Buddhismus

Zweifel

Atem-Meditation

Das Leid überwinden

Geh-Meditation

Gleichmut bei Schwierigkeiten

Meditation für innere Kraft

Der spirituelle Tagesplan

In der Ruhe leben

Tägliche Motivation

Der Weg der Liebe

Was ist Erleuchtung

Nirwana

Das Nicht-Selbst

Vergänglichkeit

Trauer nicht verdrängen

Mitgefühl

Zuflucht

Gelöbnis

Der Dalai Lama

Tibetischer Buddhismus

Zen-Buddhismus

Zen-Geschichten

Amitabha-Segnung

Amitabha-Buddhismus

Der sozial engagierte Buddhismus

Buddhismus und Kundalini-Yoga

Buddhismus und Sex

Feste

Spirituelle Therapie

Ausbildungen und Retreats

Liebende Güte

Vorwort

 

Die Ökofrau war eine typische New Age Frau, die gerne viel ausprobierte. Sie suchte die passende Therapiemethode, den passenden spirituellen Weg und den passenden Mann. Sie lebte in einer Wohngemeinschaft. Sie kleidete sich ökologisch und aß vegetarisch. Die Ökofrau hatte Volkswirtschaft studiert und danach eine Ausbildung in Gestalttherapie gemacht. Später wandte sie sich dem positiven Denken zu und arbeitete als Gesprächstherapeutin. Als Therapeutin war sie sehr gut. Sie war hochintelligent und konnte sich gut in andere Menschen einfühlen.

 

Nils interessierte sich damals sehr für Psychologie und hatte in der Ökofrau eine wunderbare Gesprächspartnerin. Die Beziehung begann etwas chaotisch. Im Herbst 1989 lebte Nils bereits als Yogi in seinem kleinen Haus am Stadtrand. Er machte eine Therapieausbildung, arbeitete nebenbei etwas als Rechtsanwalt und gab abends nach der Arbeit in seinem Rechtsanwaltsbüro Meditations- und Positiv Denken Kurse. Die Ökofrau wollte beim positiven Denken noch etwas dazulernen und kam in seine Positiv Denken Gruppe. Nils hatte damals eine Phase, in der er gerne als großer spiritueller Meister auftrat. Er liebte es sich als Meister zu fühlen und von seinen Anhängern bewundert zu werden. Er provozierte gerne mit extremen Sprüchen. Er kehrte sein großes Wissen gerne hervor. Das sollte man zwar als spiritueller Lehrer nicht tun. Man sollte bescheiden auftreten und sich als Diener aller Menschen sehen. Aber Nils war damals noch nicht besonders perfekt. Er hatte viele Fehler. Und die hat er auch heute noch.

 

Nils begann seinen Gruppenabend mit den Worten: "Ich weiß alles. Hat jemand eine Frage?" Die Leute in der Gruppe waren sichtlich beeindruckt. Nur eine Frau lachte laut auf. Das war die Ökofrau. Sie erkannte es als einzige als einen gelungenen Witz. Und dazu sah sie auch noch verdammt gut aus. Sie war Nils sofort sehr sympathisch. Nach dem Gruppenabend kamen Nils und die Ökofrau miteinander ins Gespräch. Sie stellten fest, dass sie denselben Heimweg hatten. Die Ökofrau wohnte auf der Strecke zu seinem Haus. Nils nahm sie auf seinem Motorroller mit. Das gefiel der Ökofrau. Als Nils sie vor ihrem Haus absetzen wollte, fragte sie ihn, ob er mit in ihre Wohnung kommen wolle. Dort könnten sie noch etwas zusammen reden. Nils hatte Zeit und sagte zu. Ihre Wohnung erwies sich als ein kleines Zimmer, in dem nur ein Bett stand. Die Ökofrau zog sich wie selbstverständlich aus und legte sich ins Bett. Sie schlug die Bettdecke zurück, damit Nils sich zu ihr legen konnte. Die Dinge entwickelten sich für Nils erheblich zu schnell. Aber wie kann ein Mann einer schönen Frau widerstehen, die ihn anhimmelt und verführerisch die Bettdecke zurückschlägt. Nils hatte damals die fatale Idee, dass ein Mann eine gute Gelegenheit nicht auslässt. Sie führte dazu, dass Nils sich sehr schnell in den Armen der schönen Ökofrau befand. Nils lernte bei der Ökofrau, dass es besser ist erst zu denken und dann miteinander zu schlafen. Erst sollten die gegenseitigen Wünsche und Erwartungen an eine Beziehung abgeklärt werden, bevor man miteinander ins Bett steigt.

 

Trotz des chaotischen Anfangs verstanden sich Nils und die Ökofrau in ihrer Beziehung gut. Sie harmonierten körperlich und geistig. Sie hatten die gleichen Interessen und die gleichen spirituellen Grundansichten. Sie interessierten sich für Yoga, Psychologie und positives Denken. Sie konnten gut miteinander reden. Beide waren füreinander eine große Bereicherung. Die Ökofrau besuchte Nils am Wochenende in seiner Yogihütte und einmal in der Woche kam Nils in ihre Wohngemeinschaft. Dann kochte sie ein schönes Essen. Sie wäre gerne mit Nils zusammengezogen. Aber Nils war nach seinen vielen schwierigen Beziehungen vorsichtig geworden. Er wünschte sich eine harmonische Partnerschaft. Wenn er mit einer Frau zusammenziehen würde, dann nur in einer harmonischen Beziehung. Und leider liebte die Ökofrau das Streiten sehr. Sie hatte in ihrer Gestalttherapie gelernt, dass Streiten zu einer Beziehung dazugehört. Jedes Wochenende stritten sie etwa zwei Stunden. Dann war sie zufrieden. Dann liebten sie sich wieder.

 

Nils fand das viele Streiten auf die Dauer zu anstrengend. Er hielt der Ökofrau den Satz Buddhas vor: "Seid harmonisch, Mönche!" Das beeindruckte sie nicht besonders. Sie war eine emanzipierte Frau, die ihren eigenen Weg ging. Die Ökofrau war sehr empfindlich. Sie konnte über alles streiten. Einmal stritten sie sogar über Tomaten. Die Ökofrau hatte schöne Biotomaten gekauft. Sie stritten dann darüber, wer wie viele Tomaten essen durfte. Sehr witzig war auch der Verlauf der Rügen-Reise. Sie reisten eine Woche nach Rügen und gingen an der Felsenküste spazieren. Nils wollte das gute Wetter und die schöne Landschaft genießen. Die Ökofrau wollte Konflikte klären. Sie redete ununterbrochen. Da wurde Nils vollends klar, dass er mit ihr nicht in einer Wohnung zusammenleben konnte.

 

Spirituell war die Ökofrau eine Anhängerin von Thich Nhat Hanh. Thich Nhat Hanh ist neben dem Dalai Lama der bekannteste buddhistische Meister im Westen. Er stammt aus Vietnam und hat sich dort zur Zeit des Vietnamkrieges für den Frieden engagiert. Heute lebt er in Südfrankreich und führt mit der Nonne Chan Khong das spirituelle Zentrum "Plum Village".

 

Thich Nhat Hanh lehrt die buddhistische Achtsamkeitsmeditation. Bei ihm geht alles sehr ruhig zu. Langsam gehen. Langsam essen. In der Ruhe verweilen. Auf den Atem achten. Den Geist und den Körper zur Ruhe kommen lassen. Positiv denken. Die Gedanken und Gefühle betrachten. Zuflucht bei Buddha, bei der Lehre und bei der Gemeinschaft der Übenden suchen. Alles loslassen. In der Ruhe, im Sein und im Licht leben.

 

Thich Nhat Hanh ist einer der wichtigsten Vertreter der Einheit aller Religionen. Er engagiert sich sehr für die gute Zusammenarbeit aller Religionen. An seinen Veranstaltungen können Menschen aller spirituellen Richtungen teilnehmen. Er hat erklärt, dass die Wahrheit letztlich über allen spirituellen Systemen liege. Wenn man zur Erleuchtung kommen will, muss man sich über alle Begriffssysteme erheben. Thich Nhat Hanh tritt oft auf christlichen Veranstaltungen auf. In Hamburg lud ihn eine evangelische Kirchengemeinde ein. Auf einem Wochenendseminar konnten alle interessierten Hamburger diesen großen buddhistischen Meister kennenlernen. Nils nutzte die Gelegenheit und war an allen drei Tagen dabei. Die viele Ruhe war für ihn schwer zu ertragen. Er bevorzugte eine Mischung aus dynamischen Übungen und aus Meditation. Nils hatte es gelernt gut für sich zu sorgen und genau seine spirituellen Bedürfnisse zu erspüren. In den Mittagspausen machte er einen dynamischen Spaziergang und kam dadurch in sein persönliches Gleichgewicht aus Ruhe und Aktivität. Viele andere Teilnehmer erfuhren die extreme Ruhe als sehr belastend. Für sie war das Wochenendseminar harte innere Arbeit.

 

Die Ökofrau liebte die Ruhe bei Thich Nhat Hanh. Sie gab ihr Halt in ihrem unruhigen Leben. Sie half ihr in sich selbst zur Ruhe zu kommen, inneren Frieden zu finden und aus der Ruhe heraus ihr Leben positiv zu gestalten. Die Ökofrau nahm an einem Retreat in seinem Zentrum in Südfrankreich teil. Drei Monate übte sie es nicht zu denken, ihren Atem zu beobachten und sich langsam zu bewegen. Sie lebte im Schweigen und im beständigen Wechsel von Sitzen und Gehen. Danach kam sie erholt und gut gelaunt zurück.

Buddha

 

 

Wikipedia: Ein Buddha (wörtlich „Erwachter“) ist ein Mensch, der Bodhi („Erwachen“, Erleuchtung) erfahren hat. Der Begriff ist auch eine Bezeichnung für den historischen Buddha, Siddhartha Gautama, der mit seiner Lehre zum Stifter einer Weltreligion wurde.

 

Siddharta Gautama war ein indischer Prinz, der von 560 bis 480 vor Christus gelebt hat. Er stammte aus dem Geschlecht der Shakya und wird deshalb im tibetischen Buddhismus Buddha Shakyamuni genannt (der Weise aus dem Geschlecht der Shakya).

Siddharta Gautama war verheiratet. Im Alter von 29 Jahren trennte er sich von seiner Frau und seinem Sohn und wurde ein Yogi. Er sah das weltliche Leben als sinnlos und oberflächlich an. Er meditierte sechs Jahre in der Einsamkeit und gelangte dann zur Erleuchtung.

Nach seiner Erleuchtung spürte er Mitgefühl mit den leidenden Menschen in der Welt. Die restlichen 45 Jahre seines Lebens zog er deshalb als spiritueller Lehrer durch Indien und schenkte den Menschen die Weisheit vom inneren Glück.



Wikipedia: Die Lehre Buddhas wird Dharma genannt.

Basis des Dharma sind die Vier edlen Wahrheiten:



1. Das Leben im Daseinskreislauf beinhaltet Leid.

2. Die Ursachen des Leidens sind Anhaftung an weltliche Genüsse, Ablehnung von unangenehmen Situationen und Unwissenheit vom tieferen Sinn des Lebens (inneres Glück).

3. Werden die Ursachen aufgelöst, verschwindet das Leiden.

4. Der Weg zur Überwindung des Leidens ist der Edle Achtfache Pfad.



Der Achtfache Pfad zur Erleuchtung besteht aus

der richtigen Einsicht (im Wesentlichen leben),

dem richtigen Entschluss (zum spirituellen Üben),

der richtigen Rede (nicht lügen, andere nicht verletzen),

dem richtigen Handeln (nicht stehlen, nicht töten),

dem richtigen Lebenserwerb (anderen Wesen nicht schaden, Gutes tun),

dem richtigen Streben (nach Erleuchtung),

der richtigen Achtsamkeit (auf die Gedanken)

und der richtigen Sammlung (Meditation).

 

 

Zitate von Buddha



Niemals in der Welt hört Hass durch Hass auf. Hass hört durch Liebe auf.



Ruhig wie ein tiefer See mit ungetrübtem Wasser ist der Weise mit seiner heiteren Klarheit.



Verletzung lebender Wesen, Lüge und Verleumdung meidet und verabscheut der Gerechte. Er redet die Wahrheit und ist truglos gegen die Menschen. Worte redet er, die Eintracht stiften.



Reich sein an Wahrheit, Fleiß, tugendhafter Beherrschung, dabei gute Worte führen, das bringt höchstes Heil.



Das Geheimnis des erfolgreichen Menschen ist in den meisten Fällen nichts als Konsequenz.



Der Zimmermann bearbeitet das Holz. Der Schütze krümmt den Bogen. Der Weise formt sich selbst.



Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken formen wir die Welt.



Du wirst morgen sein, was Du heute denkst.



Wenn du wissen willst, wer du warst, dann schau, wer du bist. Wenn du wissen willst, wer du sein wirst, dann schau, was du tust.



Die edelste Art Erkenntnis zu gewinnen ist die durch Nachdenken und Überlegung. Die einfachste Art ist die durch Nachahmung und die bitterste Art ist die durch Erfahrung.



Glaubt den Schriften nicht, glaubt den Lehrern nicht, glaubt auch mir nicht. Glaubt nur das, was ihr selbst sorgfältig geprüft und als euch selbst und zum Wohle dienend anerkannt habt.



Verweile nicht in der Vergangenheit, träume nicht von der Zukunft. Konzentriere dich auf den gegenwärtigen Moment.



Lerne loszulassen, das ist der Schlüssel zum Glück.



Lob und Tadel bringen den Weisen nicht aus dem Gleichgewicht.



Alles Geschaffene ist vergänglich. Strebt weiter, bemüht euch, unablässig achtsam zu sein.



Nicht außerhalb, nur in sich selbst soll man den Frieden suchen. Wer die innere Stille gefunden hat, der greift nach nichts, und er verwirft auch nichts.



Unter den Idealen, die einen Menschen über sich selbst und seine Umwelt hinausheben können, gehört die Ausschaltung weltlicher Begierden, Ausmerzung von Trägheit und Verschlafenheit, Eitelkeit und Geringschätzung, Überwinden von Ängstlichkeit und Unruhe und Verzicht auf Mißwünsche zu den wesentlichsten.



Fehlt der Eifer, schwindet die Weisheit.



Jedes Leben hat sein Maß an Leid. Manchmal bewirkt eben dieses unser Erwachen.



Hat jemand Einsicht gewonnen und gepflegt, hat der Tod keine Gewalt über ihn.



Groll mit uns herumtragen ist wie das Greifen nach einem glühenden Stück Kohle in der Absicht, es nach jemandem zu werfen. Man verbrennt sich nur selbst dabei.



Wenn du ein Problem hast, versuche es zu lösen. Kannst du es nicht lösen, dann mache kein Problem daraus.



So wie der Acker verdorben wird durch Unkraut, wird der Mensch verdorben durch seine Gier.



Es gibt keinen Weg zum Glück. Glücklich-sein ist der Weg.



Zwei Dinge sollst du meiden, o Wanderer: die zwecklosen Wünsche und die übertriebene Kasteiung des Leibes.



Niemand rettet uns, außer wir selbst. Niemand kann und niemand darf das. Wir müssen selbst den Weg gehen.



Es nützt nichts, nur ein guter Mensch zu sein, wenn man nichts tut!



Ein süßes Wort erfrischt oft mehr als Wasser und Schatten.



In steter Veränderung ist diese Welt. Wachstum und Verfall sind ihre wahre Natur. Die Dinge erscheinen und lösen sich wieder auf. Glücklich, wer sie friedvoll einfach nur betrachtet.



Es gibt eine Vollkommenheit tief inmitten alles Unzulänglichen. Es gibt eine Stille, tief inmitten aller Ratlosigkeit. Es gibt ein Ziel, tief inmitten aller weltlichen Sorgen und Nöte.



Niemand rettet uns, außer wir selbst. Niemand kann und niemand darf das. Wir müssen selbst den Weg gehen.



Das Glück liegt in uns, nicht in den Dingen.



Tausende von Kerzen kann man am Licht einer Kerze anzünden ohne daß ihr Licht schwächer wird. Freude nimmt nicht ab, wenn sie geteilt wird.



Spannst du eine Saite zu stark, wird sie reißen. Spannst du sie zu schwach, kannst du nicht auf ihr spielen. Gehe den mittleren Weg.



Fünf Regeln merk dir fürs tägliche Leben: Sei stets mitleidig und schätze das geringste Leben. Gib und nimm freimütig, aber nie ungebührlich, lüge nie, sei sittsam, meide die Gifte des Genusses und achte stets die Frauen.



Das beste Gebet ist Geduld.



Die Lehre gleicht einem Floß, das man benutzt, um über einen Fluss ans andere Ufer überzusetzen, das man aber zurücklässt und nicht mehr mit sich herumschleppt, wenn es seinen Zweck erfüllt hat.



Jeder von uns ist allwissend. Wir müssen lediglich unser Bewusstsein öffnen, um unserer eigenen Weisheit zu lauschen. Das Herz kennt den Weg.



Nimm dir jeden Tag die Zeit, still zu sitzen und auf die Dinge zu lauschen. Achte auf die Melodie des Lebens, welche in dir schwingt.



Wie Regen ein Haus mit schwachem Dach durchflutet, so brechen Sehnsüchte in den Geist ein, der keine Meditation praktiziert.



Gutes Handeln macht alle Menschen fröhlich.

 

 

 

Meditation

 

Wir setzen uns in unseren Meditationssitz. Der Rücken ist gerade und der Bauch entspannt. Wir erwecken Kraft, Frieden und Glück in uns durch Visualisierung, Mantra und Meditation.

 

1. Bild = Wir konzentrieren uns auf ein Bild (oder eine Statue) und denken dabei mehrmals das Mantra: "Buddha." Wir betrachten nacheinander den Kopf, Oberkörper, Arme, Hände, Unterkörper, Beine und Lotussitz von Buddha. Wir verbinden uns durch das Mantra mit den jeweiligen Körperbereichen, identifizieren uns mit unserem Vorbild und werden zu einem Buddha. Wir denken das Mantra jeweils so lange, bis wir den jeweiligen Körperteil gut visualisiert haben und ihn in uns sehen (empfinden) können.

 

2. Licht um uns herum = Wir machen große Kreise mit den Armen und visualisieren um uns herum den ganzen Kosmos voller Licht. Wir denken: "Ich lebe im Licht." Wir spüren das Licht in uns und um uns herum. Wir massieren das Licht in unseren Körper hinein. Wir denken das Mantra so lange, bis wir im Licht sind.

 

3. Licht senden = Wir bewegen segnend eine Hand und senden allen Wesen Licht. Wir denken: "Ich sende Licht zu ... (Name). Mögen alle Wesen glücklich sein. Möge es eine glückliche Welt geben."

 

4. Gleichmut = Wir bewegen die Füße und die Zehen. Wir begreifen uns als Teil des Lebens und denken: "Ich nehme die Dinge so an wie sie sind. Ich lasse meine falschen Wünsche los. Ich lebe in der Ruhe und aus der Ruhe heraus."

 

5. Positivität = Wir kreisen mit den Schultern und drehen uns in der Wirbelsäule nach rechts und links. Wir leben positiv, denken positiv und handeln positiv. Wir verhalten uns wie ein Buddha und erhalten so die Kraft eines Buddhas. Wir verwandeln uns im Laufe des Lebens immer mehr in einen Buddha. Was ist dein positiver Gedanke? "Mein positiver Gedanke ist ...(Ich lebe wie ein Buddha. Ich denke wie ein Buddha. Ich verhalte mich wie ein Buddha. Ich habe Kraft, Frieden und Glück in mir wie ein Buddha.)"

 

6. Gebetsgeste (Handflächen vor der Brust aneinander legen) = "Om Buddha. Om alle erleuchteten Meister. Ich bitte um Führung und Hilfe auf meinem Weg."

 

7. Mantra = Wir legen die Hände wie ein Buddha im Schoß zusammen Wir denken mehrmals das Mantra "Om" und bringen dadurch unseren Geist zur Ruhe. Wir können das Mantra mit dem Ein- und Ausatmen verbinden.

 

8. Meditation = Wir verweilen eine Zeitlang in der Meditation. Dann gehen wir als Buddha durch unser Leben.

Buddhismus

 

 

 

Wikipedia: Der Buddhismus ist eine Lehrtradition und Religion, die ihren Ursprung in Indien findet. Sie hat weltweit etwa 377 Millionen Anhänger und ist damit die viertgrößte Religion der Erde (nach Christentum, Islam und Hinduismus). Der Buddhismus ist hauptsächlich in Süd-, Südost- und Ostasien verbreitet. Etwa die Hälfte aller Buddhisten lebt in China (Amitabha-Buddhismus).

Das Ziel der Erleuchtung soll durch die Kultivierung der Tugenden (Fünf Silas: nicht töten, nicht stehlen, nicht lügen, kein sexuelles Fehlverhalten, keine berauschenden Mittel), die Praxis der Meditation (Samadhi) und die Entwicklung von Mitgefühl für alle Wesen erreicht werden.

Indem jemand Zuflucht zu Buddha (dem Vorbild), zum Dharma (Lehre und Weg) und zur Sangha (der Gemeinschaft der Buddhisten) nimmt, wird er Buddhist.

 

Es gibt heutzutage drei Hauptrichtungen des Buddhismus (Theravada, Mahayana und Vajrayana) und viele Unterformen (zum Beispiel den Amitabha-Buddhismus und den Zen-Buddhismus). Der Theravada-Buddhismus konzentriert sich auf die ursprüngliche Lehre Buddhas. Dabei geht es vor allem um die eigene Erleuchtung. Das Hauptziel ist es ein Heiliger (Arhat) zu werden und im Nirwana (Einheit) zu leben.

 

Der Mahayana-Buddhismus ist der Weg der umfassenden Liebe. Das Hauptziel ist nicht die eigene Erleuchtung, sondern das Glück aller Wesen. Ein Mahayana-Buddhist sieht sich nicht getrennt von seinen Mitwesen, sondern empfindet sich als Teil der Welt. Er möchte alle Wesen auf dem Weg zur Erleuchtung mitnehmen. Er wünscht eine glückliche Welt und einen glücklichen Kosmos. Das Ideal im Mahayana ist es als Bodhisattva zu leben. Ein Bodhisattva arbeitet gleichzeitig für die eigene Erleuchtung und für die Erleuchtung aller Wesen. Wenn ein Bodhisattva die Erleuchtung erlangt hat, verzichtet er so lange auf das große Erlöschen im Parinirwana nach dem Tod, bis er alle seine Mitwesen auch gerettet hat.

 

Der Vajrayana („Diamantfahrzeug“) ist im Westen als Tibetischer Buddhismus bekannt. Er beruht auf den philosophischen Grundlagen des Mahayana, ergänzt diese aber um vielfältige Techniken. Dazu gehören Körperübungen (Niederwerfungen), Visualisierungen (Gottheiten-Yoga), Mantras, spezielle Meditationen und Einweihungen (Energieübertragungen). Beim Vajrayana finden wir am stärksten eine Vermischung von Buddhismus und Hinduismus. Viele spirituelle Techniken des Vajrayana stammen aus dem Hinduismus und wurden mehr oder weniger verändert in den Buddhismus einfügt. Dieses bezieht sich insbesondere auf den Vorbild-Yoga (Gottheiten), die Yoga-Techniken (Hatha-Yoga, Mantra-Yoga, Karma-Yoga, Tantra-Yoga) und die Verehrung des erleuchteten Meisters (Guruyoga, Lamaismus).

 

 

 

Genza

 

Genza (1842-1930) ist bekannter Heiliger des Shin-Buddhismus (Amitabha-Buddhismus). Er lebte als einfacher Bauer, war verheiratet und hatte mehrere Kinder. Trotz schwerer Schicksalschläge blieb er immer glücklich und positiv. Er war für alles dankbar, was ihm widerfuhr. Er sah es als Hilfe auf seinem spirituellen Weg an. 

 

Er liebte es seinen Mitmenschen zu helfen und ihnen Gutes zu tun. Da er sein Ich-Bewusstsein aufgelöst hatte, konnte er nicht mehr wirklich zwischen Mein und Dein unterscheiden. Das führte zu komischen Situationen. Einmal wollte er sein Feld düngen. Als er am Feld seines Nachbarn vorbei kam, merkte er, dass dieses Feld viel dringender Dünger brauchte. Also dünkte er das Feld seines Nachbarn. Als ein Dieb ihm etwas aus seinem Haus stahl, freute er sich mit ihm über den gelungenen Diebstahl.

 

Erleuchtung bedeutet Heilung. Es kam fast nie vor, dass Genza krank wurde. Aber einmal rutschte er mit Heu beladen am Fluss aus und brach sich einen Arm. Da lobte und pries er Buddha Amitabha. Die Leute wunderten sich sehr. Benza erklärte: "Der eine Arm ist gebrochen. Da kann man nichts ändern. Aber ich habe noch einen zweiten Arm. Damit kann ich weiterarbeiten. Ist das nicht wunderbar?" Des weiteren meinte er: "Auch wenn ich leide, ist es eigentlich kein Leid." Durch sein inneres Glück befand er sich in einer anderen Dimension, die ihn das äußere Leid kaum wahrnehmen ließ. Selbst als ein Sohn und seine Frau starben, blieb er in seiner Lebensfreude. 

 

Oft besuchten die Menschen Genza. In seiner Nähe konnten sie an seiner positiven Energie teilhaben. Wer auch nur etwas mit Genza in Berührung kam, erfuhr den Segen des Buddhas Amitabhas. Eines Tages wurde Genza von einem fremden Dorf eingeladen. Als er kam, baten ihn die Leute etwas über seine Erleuchtung zu erzählen. Genza erklärte, dass es für ihn nichts besonderes dabei gibt: "Alles ist einfach wie es ist. Die Dinge sind so wie sie sind. Das ist alles." Er lebte im Sein, in der Einheit und in der Liebe. Er wurde gefragt, ob er sich nie ärgere. Er meinte, dass er nicht mehr die Fähigkeit habe sich richtig zu ärgern. Der Ärger sei verschwunden und es gäbe in ihm nur noch Frieden und Glück.

 

Seine Lieblingstätigkeit war es andere Menschen zu massieren und ihnen dabei von Buddha Amitabha und seinem Paradies zu erzählen. Einmal wurde er in einen Tempel eingeladen. Er massierte dem Priester die Füße und übertrug ihm dabei Erleuchtungsenergie. Er meinte: "Jetzt kannst du deine Aufgabe gut wahrnehmen." Dann verschwand er wieder. Sein Rat an seine Mitmenschen war: "Bist du in Schwierigkeiten, berate dich mit dem Nembutsu." Wir sollen zu Buddha Amitabha (den erleuchteten Meistern) beten und dann der Stimme unser inneren Weisheit folgen.

 

Genza war bescheiden und demütig. Er sah sich als Fallenden in die Arme Amitabhas (ins erleuchtete Sein). Er vergaß nie, dass er nur ein einfacher Mensch, ein Armer, ein Nichts war. Er sah sich als Nichthandelnden und ließ Buddha Amitabhas (die Erleuchtungsenergie) durch sich wirken. Er lebte nicht aus der eigenen, sondern aus der anderen Kraft und hatte dadurch immer genug Kraft.

 

Zur Erleuchtung war er gelangt, als er seinen Ochsen belud. Da begriff er, dass wir nichts tun müssen, als uns Amitabha (dem Leben) zu überlassen. Genza ließ sein Ego (Ich-Willen) los und gelangte ein Leben in der Einheit und im erleuchteten Sein. Wir werden in unserem Leben immer beschützt und geführt, wenn wir uns einmal ernsthaft Amitabha (den transzendenten Buddhas und Bodhisattvas, den erleuchteteten Meistern, unserer inneren Stimme) anvertraut haben. (Frei nacherzählt aus Claudia Lenel, Lotusblüten im Sumpf)

Wie lebt ein Buddhist

 

Ein Buddhist strebt danach ein Buddha zu werden. Die Kernaussage des Buddhismus lautet: "Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll. Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung. Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden. Zum Erlöschen des Leidens führt der Edle Achtfache Pfad, der da besteht in rechtem Erkennen, rechtem Entschließen, rechter Rede, rechtem Tun, rechtem Leben, rechtem Streben, rechtem Gedenken (Achtsamkeit), rechtem Sichversenken (Samadhi)."

 

Desweiteren gibt es das Metta-Sutra: „Wie eine Mutter ihren ihren einzigen Sohn beschützt, so möge man gegen alle Wesen ein unbegrenztes liebevolles Gemüt erwecken.“

 

Übersetzung von mir: Leben ist Leiden. Es gibt einen Weg zur Überwindung des Leidens. Das ist der achtfache Pfad aus Weisheit (Erleuchtung als tieferen Lebenssinn erkennen), einem klaren Entschluss den spirituellen Weg zu gehen, Achtsamkeit beim Reden und Handeln, einer zum spirituellen Weg passenden Lebensweise, positivem Denken und täglicher Meditation.

 

Wir müssen leben wie ein Buddha, denken wie ein Buddha und handeln wie ein Buddha, dann werden wir ein Buddha. Der Bodhisattva-Weg besteht darin sich als Mutter aller Wesen zu sehen, in der umfassenden Liebe zu leben und alle Wesen ins Licht zu bringen. Wir nehmen unsere Mitwesen wichtiger als uns selbst und überwinden so unser Ego. Wir achten aber auch gut auf uns selbst und unseren Weg der Erleuchtung. Wir gehen den Doppelweg aus umfassender Liebe und Meditation.

 

Weltliches Leben ist im Schwerpunkt leiden. Es gibt einen Weg zur Überwindung des Leidens. Der Weg der Überwindung des Leidens ist die Erleuchtung. Etwas Freude am äußeren Leben kann hilfreich sein. Aber im Schwerpunkt sollte man spirituell leben. Man sollte in der Einheit, der Meditation und der umfassenden Liebe leben. Man sollte sein inneres Glück pflegen und positiv zu allen Menschen sein.

 

Anhaftung an äußere Genüsse führt zu leiden. Ablehnung von unangenehmen Situationen führt zu leiden. Der Weise ist aus sich selbst heraus glücklich. Er lebt abgeschieden von der Welt und bewahrt so seine spirituelle Energie und sein inneres Glück.

 

Weltliches Leben ist natürlich nicht nur leiden. Es besteht normalerweise aus Freude und Leid im ständigen Wechsel. Laut aktueller Glücksforschung bezeichnen sich etwa zwei Drittel aller Menschen als glücklich. Zehn Prozent empfinden das Leben als Leiden. 30 % sind sogar sehr glücklich. Allerdings wachsen die Ängste, Aggressionen, Depressionen, Süchte und psychosomatischen Krankheiten in der heutigen kapitalistischen Konsumgesellschaft stark an. Wir leben in einer extremen Leistungs- und Suchtgesellschaft, in der nur wenige Menschen tief in ihrer Seele wirklich glücklich und zufrieden sind. Und genau hier hilft der Übungsweg des Buddhismus. Man kann den Buddhismus als ein mentales Training ansehen, um inneren Frieden, Kraft und Glück zu erlangen.

 

Die beiden zentralen Techniken sind die Gedankenarbeit und die Meditation. Negative Gedanken führen zu negativen Gefühlen. Ein Mensch kann sich durch seine Gedanken sehr unglücklich machen. Ein positiv denkender Mensch ist glücklicher und erfolgreicher. Er hat bessere Beziehungen und ein besseres Leben. Wer sich im richtigen Denken schult, hat einen großen Gewinn davon.

 

Nur wenige Menschen können aber durch positives Denken alleine dauerhaft ihr inneres Glück bewahren. Das positive Denken muss durch den Weg der Meditation ergänzt werden. Meditation besteht nach Buddha grundsätzlich aus Sitzen und Gehen (Körperübungen). Dadurch bleibt der Geist ruhig und der Körper gesund. Wenn wir beständig und effektiv positives Denken und Meditation praktizieren, können wir zur Erleuchtung gelangen. Dann erheben wir uns in eine höhere Bewusstseinsebene.

 

 

Das erleuchtete Sein

 

Unser Zielzustand ist ein Zustand der weitgehenden Freiheit von Verspannungen. Dann entstehen Gesundheit und inneres Glück. Dann geschieht innere Heilung. Dann fühlen wir uns aus uns selbst heraus wohl. Dann leben wir im Licht (im Nirwana, im Glück).

 

Dieses Freisein von inneren Verspannungen kann man auch als "Leere" bezeichnen. Wir sind ein leeres Gefäß geworden. Im Christentum heißt es, dass der Heilige Geist Gottes in den Menschen hinein fließen kann, wenn der Mensch innerlich leer geworden ist. Wir gelangen in ein Einheitsbewusstsein. Wir erfahren Frieden, Liebe und Glück in uns. Wir sehen das Licht Gottes in der Welt. Wir werden mit Licht gefüllt und so selbst zum Licht Gottes.

 

Im Buddhismus spricht man vom Nirwana. Nirwana bedeutet inneres Glück. Erst spüren wir durch den Weg der vollständigen inneren Entspannung die Leerheit allen Seins. Alle Phänomene der Welt sind letztlich leer. Sie sind emotional bedeutungslos. Wir können sie in uns auflösen, wenn wir die Anhaftung und Ablehnung auflösen. Und dann entfaltet sich das Glück in uns. Dann werden wir zu einem Buddha. Dann sind wir aus uns selbst heraus glücklich, unabhängig von unserer äußeren Situation.

 

Das ist schwer zu begreifen. Das kann man nur erfahren. Wir machen unsere spirituellen Übungen, gelangen ins Sein und sind plötzlich glücklich. Das ist mir heute morgen wieder passiert. Ich ging spazieren, machte meine Yogaübungen im Gehen, löste so meine Energieblockaden auf und war im Licht. Die Energie floß plötzlich wieder. Ich war in mir glücklich. Ich konnte die Schönheit der Welt erkennen. Ich erkannte, dass es genügt im erleuchteten Sein zu leben. Das ist der tiefere Sinn des Lebens.

 

Das Zentrum des Lebens ist nicht die äußere, sondern die innere Veränderung. Trotzdem sollten wir auch äußerlich für eine glückliche Welt sorgen. Wir sollten uns auch äußerlich eine glückliche Welt schaffen. Wir sollten so leben, dass wir uns auch äußerlich wohl fühlen. Und vor allem sollten wir unseren Mitmenschen auf dem Weg des Glücks helfen. Wir sollten in der umfassenden Liebe leben. Wir sollten das Licht in die Welt bringen.

 

Das geschieht am besten, indem wir zuerst durch unsere spirituellen Übungen in uns das Glück erwecken. Sind wir im Licht, dann geben wir das Licht an unsere Mitwesen weiter. Dadurch stabilisiert sich unser Glück und wir öffnen unser Herz. Wir leben in den Energien des Friedens, des Glücks und der Liebe. In den Yogaschriften heißt es, dass ein erleuchteter Yogi 100 mal glücklicher ist als ein Mensch ohne inneres Glück. Ein erleuchteter Yogi der Liebe (Karma-Yogi, Bodhisattva) ist aber noch 100 mal glücklicher als ein erleuchteter Yogi, weil die Liebe das Leben unendlich glücklich macht.

 

Wir verbinden deshalb am besten den Weg des eigenen inneren Glücks mit dem Weg der umfassenden Liebe. Wir finden unsere Aufgabe in der Welt, unseren Weg der Liebe. Wir tun jeden Tag eine gute Tat. Wir senden jeden Tag allen Wesen Licht. Wir leben aus dem erleuchteten Sein und der umfassende Liebe heraus.