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Ann Murdoch

Bilder für die Ewigkeit: Romantic Thriller

Cassiopeiapress Spannung





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Bilder für die Ewigkeit

von Ann Murdoch

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 106 Taschenbuchseiten.

 

In die Galerie der jungen und hübschen Simone Frank ist eingebrochen worden. Wertvolle Kunstwerke wurden gestohlen. Damit nicht genug, haben die dreisten Diebe Chaos und Zerstörung angerichtet. Die Versicherung schließt nicht aus, dass Simone Frank den Diebstahl selbst in Auftrag gegeben hat, um die Versicherungssumme zu kassieren. Empört versucht die Galeristin den Diebstahl selbst aufzuklären und gerät dabei in eine lebensbedrohliche Situation.

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© dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

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1

„Nein, Dr. Schubert, ich bin durchaus nicht der Meinung, dass Sie etwas von meiner Arbeit verstehen und mir in dieser Beziehung Vorschriften machen können. Und ganz bestimmt können Sie nicht beurteilen, wie meine Angestellten zu beurteilen sind.“ Simone Frank blitzte ihr Gegenüber an, und Dr. Victor Schubert musste zugeben, dass diese junge Frau ein beachtliches Temperament besaß. Ihre braunen, schulterlangen Haare flogen, als sie unwillig den Kopf schüttelte, und ihre schönen braunen Augen sprühten.

„Aber Sie werden doch zugeben, dass der Verdacht nahe liegt, jemand hier aus dem Hause...“

„... könnte etwas mit dem Diebstahl zu tun haben? Das ist doch einfach absurd – und ich weigere mich, einen solchen Gedanken auch nur in Betracht zu ziehen.“

Erregt lief Simone auf und ab, quer durch das Durcheinander, welches die Diebe in der Nacht angerichtet hatten. Simone Frank führte eine kleine, aber gut angesehene Galerie in der Innenstadt von Frankfurt. Die Ausstellungen waren mit Werken namhafter Künstler bestückt, die Preise hoch, aber nicht überzogen – und die Alarmanlage war vom Besten, was man auf dem Markt bekommen konnte. Dennoch hatte sie nicht ausgereicht, in der Nacht war eingebrochen worden, und einige sehr wertvolle Exponate waren verschwunden.

Die Polizei hatte ihre Arbeit gleich aufgenommen. Hier im Büro von Simone war die Spurensicherung schon fertig. Die junge Frau hatte auch sogleich die Versicherung benachrichtigt, und von dort hatte man sofort jemanden geschickt, um den Schaden zu begutachten. Eben Dr. Victor Schubert.

Skeptisch und kritisch war er durch die Räume gelaufen, hatte eifrig mitgeschrieben, und hatte sich auch nicht von den abweisenden Blicken der Beamten einschüchtern lassen, die sich in ihrer Arbeit gestört fühlten.

Jetzt saß er in einem Sessel im Büro von Simone und stellte haarsträubende Theorien auf. Die erste war, dass die Alarmanlage nicht in Ordnung gewesen war. Doch Simone hatte ihm die Police seiner Versicherung vorlegt, in der haarklein alles beschrieben und berechnet war. Außerdem hatte die Polizei bestätigt, dass diese Anlage dem neuesten Standard entsprach und auch ordnungsgemäß eingeschaltet war. Dann kam der Mann auf die Idee, dass Simone vielleicht ihre Arbeit hier nicht richtig machte; waren vielleicht zu viele, zu teure Exponate hier? Hatte sie vielleicht jemanden in die Sicherheitsmaßnahmen eingeweiht, den es nichts anging? Und hatte sie wirklich alle Sicherungen eingeschaltet, bevor sie die Galerie am Abend verlassen hatte? Konnte sie ihren Angestellten wirklich trauen?

Die junge, hübsche Frau war ungehalten geworden. Musste sie sich wirklich von diesem Mann verdächtigen lassen? Dabei machte er auf den ersten Blick einen freundlichen, sympathischen Eindruck. Sollte er sich nun etwa als Ekel erweisen?

Den Vogel schoss er dann jedoch mit seiner Bemerkung ab, dass eventuell einer der Angestellten etwas mit dem Diebstahl zu tun haben könnte. Es gab hier nur zwei Angestellte, Maria und François, und für beide würde Simone ihre Hände ins Feuer legen. Undenkbar, dass einer von ihnen....

Victor lächelte Simone jetzt beruhigend und entschuldigend an. „Verzeihen Sie bitte, dass meine Fragen so klingen, als wäre ich das Misstrauen in Person, Frau Frank. Das richtet sich weder gegen Sie, noch gegen Ihre Angestellten persönlich. Bei den Summen, um die es hier geht, ist es jedoch natürlich, dass wir jede Möglichkeit in Betracht ziehen müssen.“

„Auch unschuldige Leute zu verdächtigen?“, fragte sie ironisch.

Er zuckte die Schultern. „Die Erfahrung hat uns gelehrt, gerade in unserem Beruf, nicht den offensichtlichen Eindrücken zu vertrauen. Und natürlich auch nicht dem einfach ausgesprochenen Wort. Die Polizei wird das Alibi jedes einzelnen überprüfen.“

„Das soll sie gerne tun. Und dann, wenn sich herausgestellt hat, dass wir alle wirklich unschuldig sind“, Simones Stimme war spitz geworden, „dann erwarte ich von Ihnen eine Entschuldigung, Herr Doktor Schubert.“

Er beugte sich in seinem Sessel leicht vor, und die junge Frau konnte ein amüsiertes Funkeln in den leuchtend blauen Augen sehen. „Das werde ich mit dem größten Vergnügen tun. Ich versichere Ihnen nochmals, dass diese Fragen nichts Persönliches sind. Wir müssen – ich muss diese Fragen stellen.“

Simone verzog ein wenig das Gesicht. Wahrscheinlich hatte der Mann recht und tat nur seine Pflicht, vielleicht war sie zu empfindlich. Aber sie wurde auch nicht jeden Tag bestohlen, mit dieser Situation musste sie auch erst einmal fertig werden.

„Ihre Gesellschaft versichert fast alles“, versuchte sie nun einen lahmen Scherz. „Nur die Versicherung gegen die Versicherung gibt es noch nicht. Wollen wir hoffen, dass die Polizei Erfolg hat und die Bilder und Skulpturen rasch wieder auftauchen. Einige davon sind einfach unersetzlich.“

„Frau Frank, in Ihrer Stellung lernt man einige – nun ja, sagen wir, seltsame Leute kennen.“

„Sie meinen, heimliche Sammler? Diejenigen, die auch für unverkäufliche Bilder zahlen und diese dann nur noch im Keller betrachten?“

Er nickte. Simone spielte gedankenverloren mit einem Brieföffner. „Glauben Sie bitte nicht, dass diese Leute sich einfach zu erkennen geben. Natürlich habe ich so etwas bei dem einen oder anderen schon vermutet. Aber mit Bestimmtheit kann ich das nicht sagen. Eine solche Beschuldigung würde ich auch nicht leichtfertig aussprechen.“

„Das habe ich auch nicht von Ihnen verlangt.“

„Dann verstehe ich wohl Ihre Fragestellung nicht ganz.“

Die Blicke der beiden Menschen kreuzten sich wie zwei Klingen, obwohl sie sich durchaus sympathisch waren, hatte es doch den Anschein, als würden Feuer und Wasser aufeinanderprallen. Ihre Meinungen waren gegensätzlich, ohne dass einer hätte sagen können, warum das so war.

Victor stand auf und reichte Simone die Hand. „Unsere Gesellschaft beschäftigt eigene Detektive. Bei einem Diebstahl dieser Größenordnung ist es Vorschrift, dass sich einer unserer eigenen Leute der Sache annimmt. Ich werde Ihnen Herrn Gregor Friesen vorbeischicken – er arbeitet natürlich in enger Zusammenarbeit mit der Polizei. Ich möchte Sie bitten, ihn nach Kräften zu unterstützen.“

Simone seufzte. „Das will ich gern tun. Mir ist auch daran gelegen, die Sache schnell aufzuklären. Aber glauben Sie wirklich, dass Ihr Herr Friesen etwas erreicht?“

Dr. Schubert zog die Augenbrauen ein wenig in die Höhe. „Selbst wenn er keinen Erfolg haben sollte, wollen wir doch alles tun, um den Fall aufzuklären. Das liegt doch auch in Ihrem Interesse, wie Sie gerade betonten.“

„Warum habe ich eigentlich immer noch das Gefühl, dass Sie meinen Mitarbeitern etwas unterstellen wollen?“ fragte Simone spröde.

„Sie müssen sich täuschen, Frau Frank. Ich unterstelle nie etwas.“ Er ging hinaus, und Simone zog einen Flunsch. „So ein arroganter Angeber“, murmelte sie vor sich hin.



2

„Du kannst dir nicht vorstellen, was für ein Widerling das ist“, schimpfte Simone Frank noch zwei Stunden später. Mittlerweile waren Maria und François eingetroffen. Die beiden arbeiteten normalerweise täglich für einige Stunden hier, doch jetzt war es sinnvoll, dass sie anwesend waren und mithalfen das Chaos aufzuräumen, welches die Diebe hinterlassen hatten. Wahllos hatten sie das Büro verwüstet, einige weniger wertvolle Skulpturen zertrümmert, und im Übrigen Wände und Boden mit einer ekligen Flüssigkeit verschmiert. Die Polizei war mittlerweile fertig mit der Spurensicherung und hatte die Räume freigegeben. Im Lauf des Tages würden dann noch einige der Künstler kommen, die von dem Diebstahl und auch dem Vandalismus betroffen waren. Eine Menge Arbeit wartete auf Simone, und sie wäre dankbar gewesen, wenn ihr all das erspart geblieben wäre.

Maria, eine tüchtige Frau mittleren Alters mit mütterlichen Gefühlen für die 28jährige Simone, machte sich erst einmal daran, frischen Kaffee zu kochen. Dabei hörte sie aufmerksam zu, was Simone zu berichten hatte.

„Stell dir nur einmal vor, Maria, der verdächtigt uns, dieser aufgeblasene Fatzke.“ Ihre Stimme vibrierte vor Erregung. „Als ob wir verrückt genug wären, uns selbst zu bestehlen. Ist das nicht völlig irrsinnig?“

„Nein, eigentlich gar nicht so sehr“, stellte Maria nüchtern fest. „Ich würde ihn eher für verrückt halten, wenn er diese Möglichkeit nicht auch in Betracht ziehen würde. Es wäre nicht das erste Mal, dass jemand in unserer Branche so etwas tut. Und das weißt du genau. Ich hoffe, du hast ihn nicht zu sehr vor den Kopf gestoßen“, setzte die ältere Frau mit einem Lächeln hinzu.

„Na ja, ich habe ihm schon deutlich erklärt, dass diese Idee völlig absurd ist“, erwiderte Simone.

„Ist er nett?“

„Maria! Kannst du denn eigentlich an gar nichts anderes denken als mich unter die Haube zu kriegen?“, empörte sich die junge Frau.

Maria nickte. „Es täte dir aber gut. Du arbeitest zuviel und brauchst ab und zu mal etwas Abwechslung.“

„Mit diesem Mann? Niemals“, behauptete Simone voller Überzeugung.

„Meinst du mich? Das betrübt mich dann aber wirklich“, mischte sich in diesem Augenblick François ein. Es handelte sich dabei um einen Kunststudenten aus Frankreich, der Deutsch jedoch so gut wie seine Muttersprache beherrschte, wenn auch mit einem leichten, sehr angenehmen Akzent. „Du liebst mich also gar nicht“, klagte er gespielt traurig, und Simone musste unwillkürlich lachen. François war absolut nicht ihr Typ; selbst wenn sie wirklich auf der Suche nach einem Mann gewesen wäre, hätte sie keinen Funken Interesse für ihn aufgebracht.

Er trug schulterlange, wirre Locken, sprach meist lebhaft mit Händen und Füßen und liebte lange Diskussionen über unnütze Themen. Außerdem war er ein Zauberer am Computer, bisher hatte er noch jeden Fehler gefunden, der sich irgendwo eingeschlichen hatte. Privat bevorzugte er eher lässige Kleidung, doch hier in der Galerie war er stets äußerst korrekt angezogen.

„Ich liebe dich wie einen Bruder“, versicherte Simone jetzt ernsthaft, und er verzog das Gesicht.

„Das habe ich schon befürchtet. Weißt du, dass mein Bruder mich als Kind ständig verprügelt hat? Eine schöne Liebe ist das.“

„Na, vielleicht hattest du es ja auch verdient“, schmunzelte Maria und amüsierte sich über die unglückliche Miene des jungen Mannes.

„Man hat auch nirgends Unterstützung zu erwarten“, protestierte er nicht ganz ernsthaft.

„Oh, ich denke schon. Immerhin bin ich zu Ihrer Unterstützung da“, meldete sich eine fremde Stimme, und ein Mann trat in das Büro.

Maria strahlte ihn an. Wer auch immer er sein mochte, er sah umwerfend gut aus, und seine Stimme klang männlich fest und doch sanft.

„Kann ich Ihnen behilflich sein?“, fragte Simone etwas abweisend. „Sie müssen entschuldigen, wir haben heute nicht geöffnet. Leider ist hier in der Nacht eingebrochen worden.“

„Deswegen bin ich ja hier. Mein Name ist Gregor Friesen. Ich bin Detektiv bei der Versicherung.“ Er streckte mit einem strahlenden Lächeln die Hand aus.

„Ach ja, Dr. Schubert hat Sie angekündigt“, meinte Simone etwas lahm und griff nur zögernd nach der Hand. Schade, endlich fand sie mal einen Mann etwas interessant, dann entpuppte er sich als Abgesandter desjenigen, den sie nun überhaupt nicht ausstehen konnte. Aber vielleicht sah sie das auch nur zu eng. Sie schenkte Gregor ein sparsames Lächeln und drückte nur nachlässig die Hand. Dann aber war es, als habe eine elektrische Ladung sie berührt. Verwirrt hielt die junge Frau inne und blickte in das sympathische Gesicht des Mannes.

„Wenn ich Ihnen also helfen kann – ich meine, Sie werden doch sicher einige Fragen haben – und, oh – mögen Sie einen Kaffee? Er ist gerade frisch aufgebrüht.“ Die Verwirrung in Simone war so offensichtlich, dass Maria François leicht anstieß und ihm ein Zeichen machte. Die beiden verschwanden aus dem Büro und grinsten sich an wie Verschwörer.

Simone versuchte ihrer Verwirrung Herr zu werden und beschäftigte sich lange damit den Kaffee einzugießen.

„Ich nehme an, Sie haben tatsächlich eine Menge Fragen“, sagte sie schließlich, als sie sich hinter dem Schreibtisch regelrecht in Sicherheit gebracht hatte.

„Nicht so viele, wie Sie vielleicht denken“, erwiderte Gregor. „Ich habe die Unterlagen über Ihre Galerie sorgfältig gelesen, außerdem das erste Protokoll der Polizei. Um es gleich kurz auf den Punkt zu bringen, hier liegt ein klassischer Einbruchdiebstahl vor. Allerdings scheint es mir bedenklich, dass die Alarmanlage relativ mühelos ausgeschaltet werden konnte. Das könnte darauf hindeuten, dass sich jemand damit auskannte – zumindest das Prinzip dieser Anlage kannte.“

„Also wollen Sie auch darauf hinaus, dass es einer von uns war? Ich versichere Ihnen, dass...“

„Nein, nicht unbedingt“, unterbrach Gregor die angefangene Verteidigung.

Irritiert hielt Simone inne, und er grinste sie fröhlich an. „Ich unterstelle zunächst einmal gar nichts. Ich sammle Fakten.“

Sie atmete unwillkürlich auf.

„Erzählen Sie mir von Ihrer Galerie“, bat Gregor. „Den normalen Tagesablauf, Ihre Kunden und Lieferanten...“

Sie lachte auf. „Lieferanten klingt gut. Nur werden sich die meisten Künstler diesen Ausdruck verbitten.“

„Ja, ich habe schon gehört, dass Künstler eine ganz besondere Art von Menschen sind.“

Die beiden jungen Leute verstanden sich auf Anhieb. Aus der anfänglich noch zögernden Erzählung von Simone wurde ein angeregtes Gespräch, und beide waren nicht einmal darüber verwundert, dass zur Mittagszeit noch längst nicht alles besprochen war. So beschlossen sie, irgendwo gemeinsam etwas essen zu gehen.

Maria und François beobachten das Ganze mit Vergnügen. Sie räumten auf und putzten, damit am nächsten Tag die Galerie wieder geöffnet werden konnte.

Gregor blieb auch am Nachmittag, als einige der Maler und Bildhauer kamen, um über die Verluste zu jammern. Simone kümmerte sich intensiv um die Künstler, doch bisher gab es keine große Hoffnung, dass etwas von den verschwundenen Exponaten wieder auftauchen könnte.