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Peter Dubina

Die den Tod suchen

Cassiopeiapress Western/ Edition Bärenklau





BookRix GmbH & Co. KG
81669 München

Die den Tod suchen

Western von Peter Dubina

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 123 Taschenbuchseiten.

 

Sie haben tapfer Seite an Seite in Pancho Villas Revolutionsarmee gekämpft – aber jetzt stehen Jim Davis und seine Kameraden vor einem Erschießungskommando des Gegners und warten auf den Tod. In letzter Minute wird die Hinrichtung abgesetzt, weil der einflussreiche amerikanische Geschäftsmann Emmett Crawford eingreift. Jim Davis und seine Leute sollen für ihn eine heikle Mission ausführen: Sie sollen Crawfords Frau Raquel mit einem Zug zur Grenze, und somit aus der Gefahrenzone des blutigen Bürgerkrieges bringen. Aber der Bandolero Attilio Castro und seine Banditenhorde haben davon erfahren und verfolgen den Zug, weil mit diesem angeblich auch viel Geld transportiert wird. Jim Davis und seine Kameraden müssen jetzt erneut um ihr Leben kämpfen, und der Preis, den sie dafür zahlen werden, ist sehr hoch …

 

Der letzte Western, den Peter Dubina vor seinem viel zu frühen Tod schrieb. Ein glanzvoller Höhepunkt seiner schriftstellerischen Karriere – und ein Maßstab für künftige deutsche Westernautoren jüngerer Generationen …

 

Copyright

© dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de


EDITION BÄRENKLAU, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius

„Die den Tod suchen“ – Peter Dubina Western, mit freundlicher Genehmigung von Alfred Wallon und Edition Bärenklau, 2015

Der Roman erschien ursprünglich unter dem Titel „Jenseits der Hölle“. Unter diesem Titel ist auch eine Auswahl von drei Erzählungen z.Z. als einzige Neuausgabe des Autors im FERGE Verlag als Paperback publiziert.

Cover © by Steve Mayer und Scott Griessel /123RF

Nachwort © by Alfred Wallon und Jörg Martin Munsonius, 2015

Zitat © by Julia-Natalie Harder und Edition Bärenklau, 2015



1

Man hatte jedem von ihnen eine Zigarette gegeben - die letzte Zigarette. Nun standen sie rauchend und fröstelnd in der Morgenkühle und warteten darauf, dass die Reihe an sie käme. Sechsunddreißig Mann vor einer Reihe von vierzig Gräbern, die sie selbst hatten ausheben müssen. In den ersten vier Erdlöchern lagen schon Getötete. Die sechsunddreißig Männer hatten bleiche Gesichter, weiß wie die Friedhofsmauer, an der sie alle erschossen werden sollten. Mancher biss die Zähne zusammen, dass die Wangenmuskeln kantig hervortraten, anderen zitterten die Hände. Aber keiner brach zusammen und bat um Gnade, alle verhielten sich tapfer angesichts des Todes. Nur Rusty Regan, dem jüngsten von ihnen, standen die Tränen in den Augen.

Die vier Männer, die vor Jim Davis standen, wurden zum Erschießen weggeführt: Latimore, Russell, Craig, Allison. Er kannte sie so gut, wie ein Mann sonst nur seine Brüder kennt. Alle standen sie ihm nahe wie Brüder - die, die noch lebten, und auch die anderen, die schon von Gewehrkugeln durchsiebt in ihren Gräbern lagen.

Mexikanische Regierungssoldaten in khakifarbenen Uniformen stießen die vier Verurteilten mit den Spitzen ihrer aufgepflanzten Bajonette vorwärts, bis sie an den Fußenden ihrer Gräber standen, die Gesichter der Friedhofsmauer zugekehrt, mit dem Rücken gegen das Erschießungskommando.

»Attention! Achtung!« befahl der kommandierende Offizier. Zwölf Armeegewehre wurden durchgeladen, zwölf Patronen fuhren mit metallischem Klicken in die Kammern.

»Apunten! Zielen!« Zwölf Gewehrmündungen richteten sich auf ihre Ziele, zwölf Augen blickten durch die Visiere, zwölf Finger berührten die Abzugshähne. Eine perfekte Tötungsmaschine, dieses Hinrichtungskommando.

»Fuego! Feuer!« Der Offizier schlug mit der erhobenen, und einem Revolver bewehrten Faust nach unten. Eine unregelmäßige, nervenzerfetzende Salve löste sich aus den Armeegewehren. Nur einer der vier Männer schrie auf, als die Kugeln ihn trafen. Alle fielen vornüber in die offenen Gräber.

Jim Davis war beim Krachen der Schüsse nicht zusammengezuckt, sondern rauchte mit unbewegtem Gesicht weiter seine Zigarette. Er war dem Tod in den vergangenen Jahren so oft begegnet, dass dieser alle Schrecken für ihn verloren hatte. Doch er dachte, wie traurig es war, dass Männer, die so tapfer gekämpft hatten, nun ein so elendes Ende finden mussten.

Der Offizier, der das Hinrichtungskommando befehligte, ging zu den Gräbern. Er fluchte, weil seine Stiefel auf dem nassen Erdreich immer wieder ausglitten, denn in der vergangenen Nacht hatte es geregnet, und überall standen Wasserlachen. Nur einer der Erschossenen bewegte sich noch schwach in seiner flachen Grube. Der Armeeoffizier beugte sich über ihn, setzte ihm die Revolvermündung an den Hinterkopf und krümmte den Finger um den Abzugshahn: Der Gnadenschuss.

»Die nächsten vier!« Er winkte, warf die leere Patronenhülse aus der Kammer der Revolvertrommel aus und ersetzte sie durch eine neue Patrone.

Jim Davis fand, er hätte ebenso gut nach einem Glas Tequila rufen können. Wie gleichgültig doch der Krieg die Menschen gegenüber dem Tod machte. Besonders ein so grausamer Bürgerkrieg, wie er in Mexiko tobte.

»Adelante! Vorwärts!«, rief der zunächst stehende Wachtposten und richtete die Klinge seines Bajonetts auf Jims Gürtelschnalle. Der nahm noch einen Zug aus seiner Zigarette, warf die Kippe zu Boden und trat sie mit dem Stiefelabsatz aus.

»Dränge mich nicht, Freund!«, sagte er auf Spanisch zu dem Soldaten. »Beim Zahlen und beim Sterben sollte sich ein Mann immer Zeit lassen.«

Gleichwohl schritt er vorwärts und mit ihm die drei Mann, die hinter ihm standen. Der Offizier winkte zornig mit dem Revolver. »Schneller!« Und hinter Jims Rücken sagte ein Soldat zu einem anderen: »Nach Hinrichtungen hat es der Capitan immer eilig, zu den Huren zu kommen. Wenn ich noch einmal geboren werde, dann nur als Capitan, denn die Weiber in den Offiziersbordellen sind viel schöner als die, welche für die Mannschaften bereitgehalten werden.«

Jim Davis war nur noch drei Meter vom Rand des Grabes entfernt, als eine Hand nach seinem rechten Arm griff und ihn festhielt. Unwillig - so, wie Männer es tun, die die Kälte des Todes schon fühlen und plötzlich ins Leben zurückgerufen werden - wandte er den Kopf. Ein schmächtiger Mann in dunklem Anzug, mit Schnurrbart und Nickelbrille, stand neben ihm.

»Sind Sie Jim Davis?«

»Wer will das wissen?«

»Mein Name ist McEvety. Ich bin Rechtsanwalt und vertrete die Interessen eines Mannes, der tausend Dollar dafür bezahlt hat, dass Sie nicht tot in der Grube zu liegen brauchen.«

»Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgend jemand tausend Dollar für mein Leben bezahlt. Im Augenblick ist es keinen Cent wert«, entgegnete Jim Davis.

»Vielleicht haben Sie doch noch eine Zukunft. Das wird sich herausstellen, wenn Sie mir zu den Eisenbahnwaggons dort folgen«, sagte McEvety und deutete mit einem Kopfnicken nach Norden.

»Und was wird aus meinen Leuten?«

»Ich habe nur Anweisung, Sie zu meinem Auftraggeber zu schaffen. Wenn er zusätzlich einige von Ihren Leuten benötigt, wird er auch für deren Leben bezahlen. Aber das muss sich erst herausstellen. Doch würde ich mich an Ihrer Stelle beeilen, sonst wird das Grab des letzten Ihrer Männer zugeschaufelt, bevor Sie die Möglichkeit hatten, mit meinem Auftraggeber zu sprechen.«

»Ich lebe mit meinen Männern, oder ich sterbe mit ihnen. «

»Dann«, entgegnete McEvety, »wird es wohl darauf hinauslaufen, dass Sie mit ihnen sterben. Aber wenn Sie mir jetzt gleich folgen, könnten Sie dadurch das Leben des einen oder anderen retten. Sehen Sie, so einfach ist das: Ein mächtiger und reicher Mann befiehlt, und es ist ratsam, seinem Befehl zu gehorchen, wenn man am Leben bleiben will. Tut man es nicht, stirbt man. So primitiv sehen die entscheidenden Dinge letzten Endes aus.«

»Können Sie diesen Hinrichtungen so lange Einhalt gebieten, bis ich mit Ihrem Auftraggeber gesprochen habe, gleichgültig, ob ich mit ihm handelseinig werde, oder nicht?« fragte Jim Davis.

»Nein. Denn es ist nicht mein Geld, mit dem ich Menschenleben kaufe. Und der Mann, der mich für meine Dienste bezahlt, hat nicht die Angewohnheit, einen Dollar umsonst auszugeben. Er ist sehr reich, und wie die meisten reichen Leute gibt er sein Geld nur dann aus, wenn er sich einen Gewinn davon verspricht. Aber wie gesagt, vielleicht rettet er außer Ihnen auch den einen oder anderen Ihrer Männer vor dem Erschießungskommando, wenn es in seine Pläne passt.«

Jim Davis kämpfte mit sich selbst. Es fiel ihm nicht leicht, seine Leute in diesem Moment im Stich zu lassen. Doch ihm blieb keine Wahl, vielleicht konnte er doch einigen von ihnen das Leben retten.

»Also gut, gehen wir«, sagte er mit gepresst klingender Stimme. Doch während er McEvety folgte, sah er ständig das leere Grab vor sich, das für ihn bestimmt gewesen war und das nun an seiner Stelle einen anderen aufnehmen würde. Er kam sich wie der Mörder des Mannes vor, der an seiner Statt in die Grube stürzen würde.

Niemand hielt sie auf, als sie den Ort der Hinrichtungen verließen. Jim Davis, immer noch benommen von der Nähe des Todes, die er erlebt hatte, wunderte sich darüber, wie weit die Macht des Geldes reichte. Sie wanderten etwa eine halbe Meile nach Norden, bis sie auf einen Schienenstrang stießen. Dort standen, aneinandergekoppelt, zwei luxuriöse Pullman-Waggons.

Am Geländer der rückwärtigen Plattform des ersten Wagens lehnte ein junger Bursche in kniehohen schwarzen Reitstiefeln und gleichfarbigen, engen Hosen und Weste. Der Kragen seines weißen Leinenhemdes wurde von einer schwarzen Samtschleife zusammengehalten. Er trug einen schwarzen, ledernen Revolvergurt um die Hüften, in deren Zwillingshalftern zwei silberne Colts staken, die blinkend zurecht geschliffenen Perlmuttgriffe nach vorn gerichtet. Sein Gesicht war dreieckig geformt und erinnerte an den Schädel eines Wolfs, Die Augen – bernsteinfarben - standen eng zusammen. Sein Haar war platinblond und lag glatt am Kopf. Er blickte Davis kalt und mitleidlos an.

»Ist er das? Er sieht nicht so aus, als ob er tausend Dollar wert wäre«, sagte er McEvety. Der nickte und antwortete mit einem belanglosen »Ja«. Darauf trat der Schwarzgekleidete zur Seite und gab McEvety und Jim Davis, die die Treppen hinaufgestiegen waren, den Weg zur Waggontür frei.

McEvety öffnete die Tür, trat über die Schwelle und schloss die Tür wieder hinter Jim Davis. Im Innern des Eisenbahnwaggons herrschte Zwielicht, denn die Leinenjalousien vor den Fenstern waren zur Hälfte herabgelassen. Jim brauchte fast eine Minute, um seine Augen an das Halbdunkel zu gewöhnen. Dann sah er einen Schreibtisch und dahinter einen Mann, groß, breitschultrig, mit pockennarbigem Gesicht und eisgrauem Haar. Der Blick seiner Augen verriet, dass er gewohnt war, zu befehlen und seine Anordnungen ausgeführt zu sehen. Und der Zug um seine Mundwinkel verriet Herrschsucht und skrupellose Grausamkeit.

»Sie sind also Jim Davis?«, fragte er, wobei er seine Hände mit gespreizten Fingern besitzergreifend vor sich auf die Tischplatte legte.

»Ich denke, das wissen Sie«, entgegnete Davis. »Ihr Anwalt hat mir gerade mitgeteilt, dass Sie keinen Dollar umsonst zu zahlen pflegen. Warum sollten Sie also das Risiko eingehen, tausend Dollar für den falschen Mann auszugeben?«

»Das ist richtig. Meine Frage ist so zu verstehen: Jeder gute Geschäftsmann vergewissert sich, was er kauft, bevor er bezahlt. Wissen Sie, wer ich bin?«

»Nein.«

»Ich heiße Emmett Crawford. Ich bin Amerikaner, wie Sie sehen. Aber ein reicher und ziemlich mächtiger Mann in diesem Teil Mexikos.«

»Das müssen Sie wohl sein, sonst hätten Sie mich nicht am Rand des Grabes vor dem Erschießungskommando retten können.«

»Eine zutreffende Schlussfolgerung«, bestätigte Crawford nüchtern. »Glauben Sie mir, niemand sonst hätte das für Sie tun können. Würden Sie mir zustimmen, wenn ich behaupte, dass Sie mir deshalb zu Dank verpflichtet sind?«

»Da Sie mein Leben kaum aus Menschenfreundlichkeit, sondern zu Ihrem eigenen Vorteil gerettet haben, würde ich sagen: nein«, antwortete Jim.

Crawford zuckte belustigt mit den Mundwinkeln. »Sehr gut. Sie denken nüchtern wie ein Geschäftsmann, nicht wie ein Soldat, der nur Befehle befolgt und selbständiges Denken verlernt hat. Auf dieser Grundlage können wir ins Geschäft kommen. Ich hoffe nicht bereuen zu müssen, tausend Dollar für Ihr Leben bezahlt zu haben, Davis.«

Er biss das Mundstück einer Zigarre zurecht und tauchte es in ein Glas Whisky, das, zusammen mit einer Flasche und einem leeren Glas, vor ihm stand. Dann schnippte er mit den Fingern, und McEvety beeilte sich, ihm Feuer zu geben. Crawford blies den Rauch vor sich hin. Sein Blick blieb starr auf Davis gerichtet.

»Der Bürgerkrieg in Mexiko hat die nördlichen Provinzen des Landes zu einem unruhigen und gefährlichen Gebiet gemacht«, sagte er. »In der Provinz Chihuahua liefern sich Regierungs- und Rebellentruppen ständig Gefechte. Niemand ist hier mehr seines Lebens sicher. Es verhält sich so, Davis: Ich habe eine Mexikanerin geheiratet, die einer vornehmen und reichen Familie entstammt. Der Ruiz-Sippe gehören riesige Ländereien, Bergwerke, Baumwollspinnereien und anderes in diesem Teil Mexikos. Allein meine Frau hat ein Anrecht auf dieses ungeheure Vermögen, da sie die Letzte der Ruiz’ ist. Der Ehevertrag, der seinerzeit zwischen uns geschlossen wurde, spricht mir ein Erbrecht ab. Fände meine Frau den Tod, wäre der riesige Besitz für mich verloren.

Aus diesem Grund - und da ich selbst noch auf unabsehbare Zeit durch Geschäfte in Mexiko festgehalten werde - habe ich mich dazu entschlossen, meine Frau jenseits der Grenze, in den Vereinigten Staaten, in Sicherheit zu bringen. Das kann nur auf eine Weise vor sich gehen, auf dem Schienenweg, mit einem Sonderzug. Meine Frau benötigt dazu eine verlässliche Leibwache. Männer, die weder Tod noch Teufel fürchten. Ich bin mir darüber im klaren, dass dies unter Umständen eine höllische Fahrt werden könnte. Entsprechend hoch ist der Preis, den ich dafür biete: Nicht nur Ihr Leben, Davis, sondern darüber hinaus zehntausend Dollar in Gold. Sie werden den Eisenbahnzug begleiten und dafür sorgen, dass meine Frau bei El Paso unbehelligt amerikanisches Gebiet erreicht.«

»Ein Mann allein könnte bei solch einem Unternehmen gar nichts ausrichten«, entgegnete Jim Davis, seine trockenen Lippen mit der Zunge befeuchtend. »Ich brauche mindestens noch weitere zwanzig Mann dafür.«

»Vier«, gestand ihm Crawford zu.

»Zehn.«

»Vier.«

»Sechs«, sagte Davis verzweifelt. Er wollte möglichst vielen seiner Männer das Leben retten. Doch Crawford durchschaute seine Beweggründe.

»Vier, nicht einen Mann mehr«, erwiderte er abschließend. »Sie können sich die Besten unter Ihren Leuten aussuchen. Wenn Sie es mit vier Mann nicht schaffen, schaffen Sie es auch nicht mit zwanzig. Jeder, den ich vom Erschießungskommando freikaufe, kostet mich tausend Dollar. Und es gehört nicht zu meinen Gewohnheiten, mein Geld zum Fenster hinauszuwerfen. Wenn Sie meinen Auftrag unter diesen Bedingungen nicht übernehmen wollen, dann sagen Sie es, kehren Sie zu Ihren Leuten zurück - und sterben mit ihnen.«

Jim zögerte. Crawford musterte ihn mit unnachgiebig hartem Blick.

»Treffen Sie Ihre Entscheidung, Davis. Aber treffen Sie sie rasch, denn ich bin ein vielbeschäftigter Mann, und meine Zeit ist kostbar.«

»Sie scheinen gut über mich Bescheid zu wissen. Wie kommt das?«

Crawford hob ein Bündel Papiere von seinem Schreibtisch auf.

Crawford blätterte die Papiere durch. »Ihr Name ist Jim Davis, geboren 1870 in Laredo, Texas. In Ihrer Jugend haben Sie sich einen berühmt berüchtigten Namen als Revolverkämpfer gemacht und waren an Weidekriegen und Grenzstreitigkeiten in Texas, Colorado und Wyoming beteiligt. Sie haben fünf Männer in Revolverduellen getötet. Dummerweise war darunter auch ein US-Deputy-Marshal. Als Sie den Texas-Rangers auf der Flucht zum Rio Grande in die Falle gingen und vor Gericht gestellt wurden, behaupteten Sie, Sie hätten den Marshal in Notwehr erschossen. Vielleicht ist das richtig, ich kann es nicht beurteilen. Der Richter schenkte Ihnen jedenfalls keinen Glauben, und nur Ihrer Jugend hatten Sie es zu verdanken, dass Sie mit einer verhältnismäßig geringen Strafe davonkamen: Drei Jahre im Staatsgefängnis von Huntsville.

Als der Bürgerkrieg in Mexiko ausbrach, gingen Sie über die Grenze und traten in die Amerikanische Legion des Rebellenführers Pancho Villa ein, wo Sie es bis zum Capitan brachten. Sie kämpften mit bewundernswertem Mut und unglaublicher Verwegenheit, so dass die mexikanische Regierung schließlich einen Kopfpreis für Sie aussetzte.

Crawford warf die Papiere auf den Schreibtisch.

Aus der Ferne krachte eine Gewehrsalve.

»Jesse Hood, Ryan Kilkenny, Ben Rando und Rusty Regan«, sagte Jim Davis mit rauer Stimme. Während er sprach, sah er an Crawford vorbei. Um nichts in der Welt hätte er in dieser Minute dem Blick eines anderen Menschen begegnen wollen. Er kam sich wie ein Verräter, wie der Henker aller seiner Leute vor, deren Namen er nicht genannt hatte.

Dann füllte er das zweite Glas auf seinem Schreibtisch bis zum Rand mit Whiskey und schob es Davis zu.

Jim griff nach dem Whiskey. »Wenn Sie das nicht verstehen, Mr. Crawford, werde ich es Ihnen kaum erklären können.«