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Peter Dubina

Endstation Sahara 7 (Frank Harris: Im Auftrag des OWS, Band 2)

Cassiopeiapress Spannung/ Edition Bärenklau





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

ENDSTATION SAHARA 7

Frank Harris – Im Auftrag der OWS

Spionage-Klassik Band 2

von Peter Dubina

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 116 Taschenbuchseiten.

 

Der OWS-Agent Frank Harris findet die Spur des Verbrechers Humrock wieder. Eine Spur, die nach Marokko führt. Mitten hinein in einen mörderischen Wirbel aus Falschgeld, Whiskey und tosendem Wüstenwind.

Aber Humrock weiß bereits, dass Harris auf seiner Spur ist, und er hat schon die ersten Gegenmaßnahmen getroffen. Davon ahnt Harris jedoch noch nichts, als er aus dem Flugzeug steigt. Nur kurze Zeit später befindet er sich in einer sehr brisanten Situation – und die Erdgasstation Sahara 7 spielt dabei eine entscheidende Rolle ...

 

Copyright

© dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de


EDITION BÄRENKLAU, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius

Peter Dubina - Spionage Klassik – Band 2 mit freundlicher Genehmigung von Alfred Wallon

Roman © by Alfred Wallon und Edition Bärenklau, 2015

Cover Layout © by Steve Mayer und nach Motiven von Pixabay/ 2015



1

Jess Hahn sah ihn aus dem Schatten einer Toreinfahrt auf sich zukommen, als er den Wagenschlag zufallen ließ und den Schlüssel herum drehte. Unwillkürlich hob er den Kopf und blickte dem anderen ins Gesicht. Der Mann trug eine Sonnenbrille, obwohl es an diesem 8. September bereits 20 Uhr und fast dunkel war.

Er sah aus wie einer jener heruntergekommenen Berber, die in der Kasbah von Rabat leben. Er trug einen zerdrückten, schmutzigen, dunkelblauen Anzug, einen roten Fez und schwarze Schuhe mit weißem Oberleder. In der ausgestreckten Rechten hielt er einige Zigarettenpäckchen, weiß und ohne den gewohnten bunten Aufdruck.

Jess Hahn lebte lange genug in nordafrikanischen Städten, um Bescheid zu wissen. Es waren Haschischzigaretten.

„Sie kaufen Zigaretten, Monsieur?", fragte der verwahrloste, abgerissene Berber. „Gute Zigaretten. Amerikanische und englische Zigaretten. Nicht teuer. Zigaretten vertreiben Müdigkeit.“

„Nein", sagte Hahn, „ich kaufe keine Zigaretten.“ Er wollte um den Berber herum gehen, aber der Mann verstellte ihm den Weg. Er grinste. Von den Augen war hinter der dunklen Brille nichts zu sehen.

„Sie wollen Adresse von hübschem, französischem Mädchen?", fragte er.

„Nein", sagte Hahn und versuchte, den Berber beiseite zu schieben, aber dessen Hand hielt ihn fest.

„Sie wollen Fotos von hübschen Mädchen kaufen, Monsieur?"

Das hässliche vertrauliche Grinsen um den wulstigen Mund verstärkte sich noch. Es wirkte widerlich, abstoßend.

Der Griff in die Tasche des abgetragenen Jacketts schien nach dieser Frage so selbstverständlich, dass Jess Hahn um eine Sekunde zu spät begriff. Es war nur eine einzige Sekunde, aber sie war entscheidend.

Die Hand des Berbers tauchte wieder aus der Tasche auf. Aber jetzt lag etwas in ihr. Ein dumpfer, metallischer Schimmer. Hahn versuchte eine Abwehrbewegung - zu spät. Die Stahlrute mit dem umwickelten Bleiknopf am Ende traf ihn quer über die Schläfe.

Hahn fiel gegen das Auto. Ein brennender, heftiger Schmerz zuckte durch seinen Schädel. Unter der rechten Achsel seines Jacketts war der Revolver, Er versuchte, ihn zu ziehen, aber er kam nicht einmal mehr dazu, den Kolben der Waffe mit den Fingerspitzen zu berühren.

Er war wie gelähmt. Durch einen farbigen Nebel hindurch sah er, wie der Berber abermals mit der blitzenden Stahlrute ausholte. Er wollte dem Schlag ausweichen, der ihn - wenn er richtig traf - sofort töten konnte. Aber sein Körper gehorchte ihm nicht mehr. Er spürte den Hieb nicht mehr als Schmerz, wie den ersten, sondern als kurzen, dumpfen Druck.

Ein greller, roter Blitz schien dicht hinter seinen Augen zu explodieren. Er sah noch, wie der schmutzige, graue Asphalt mit einer leeren Zigarettenpackung, die zerknüllt im Rinnstein lag, auf ihn zukam. Den Aufprall seines Körpers auf der Straße spürte er nicht mehr.

Wie ein Schatten tauchte der Berber zwischen den Häusern unter.



2

Es gibt Augenblicke, in denen man die Nähe einer Gefahr so deutlich spürt wie eine körperliche Berührung.

Das Gefühl überkam mich plötzlich, als ich das flache, langgestreckte Flughafengebäude von Rabat durch eine der hohen, doppelflügeligen Glastüren verließ, auf denen in Metallbuchstaben Exit - Ausgang - stand. Unwillkürlich wandte ich den Kopf.

Der Mann stand kaum zehn Schritte hinter mir. Er hatte jäh im Schritt innegehalten, als er sah, dass ich stehen blieb und mich nach ihm umdrehte. Die oliv getönte Haut seines Gesichtes verriet den Marokkaner, obwohl er sich europäisch kleidete. Er hielt eine zusammengefaltete Zeitung in der Hand und blickte mich an. Durch die dunkle Sonnenbrille konnte ich seine Augen nicht sehen, aber ich war mir dessen sicher, dass er mich anstarrte,

Ich war mit dem PAA-Flug 1003 nach Rabat gekommen - aber dieser Mann konnte nicht der sein, den ich erwartete. Ich machte eine Bewegung, als wollte ich den Türgriff los lassen und auf ihn zugehen. Sofort wandte er sich um und ging zurück.

Der Mann, den ich erwartete, war Amerikaner. Er konnte es also nicht sein. Während er langsam durch die Halle des Flughafengebäudes zurück ging, sah er mehrmals nach mir um. Er blieb vor dem Schalter der Air France stehen. Ich wusste, dass er mich in der dunklen Glasscheibe beobachtete. Ich zögerte, dann wandte ich mich ab und trat hinaus.

Die Luft war angenehm und mild. Über der Stadt lag ein milchiger Lichtschimmer. Ein Taxi kam heran gerollt und hielt direkt vor mir am Straßenrand. Ich nickte dem Fahrer zu. Er stieg aus und verstaute mein Gepäck im Kofferraum, dann öffnete er die Tür zum Wagenfond. Ich stieg ein. Die Tür fiel zu. Der Fahrer ging um den Wagen herum, setzte sich hinter das Steuer, schmetterte die Tür zu und ließ den Motor des alten, dunklen Citroën anlaufen.

Ich warf einen Blick durch das Rückfenster. Der Mann mit der Sonnenbrille kam mit großen Schritten aus dem Flughafengebäude heraus und stieg in einen wartenden Wagen, einen großen cremefarbenen amerikanischen Ford.

Mein Chauffeur schob die gläserne Trennwand zurück und fragte: „Ja, Monsieur?"

„Hotel Maroc!"

Er schloss die Trennwand wieder und fuhr an. Der Citroën schaukelte. Ich zog das Zigarettenetui heraus und zündete mir einen der Glimmstengel an, während ich noch immer nach rückwärts aus dem Fenster starrte. Der Ford folgte uns in einigem Abstand. Ich wusste, dass wir ihm nicht entkommen konnten; dazu war der amerikanische Wagen viel zu schnell.

War das nur eine Vorsichtsmaßnahme unseres Mannes in Rabat, oder wusste sonst noch jemand, dass ich nach Marokko gekommen war? Alles deutete darauf hin.

Ich öffnete den Aschenbecher an der Tür und streifte die Asche von meiner Zigarette. Die Lichtkegel der Scheinwerfer entgegen kommender Autos huschten an uns vorbei und blendeten mich. Ich nahm den Hut ab und wischte mir den Schweiß von der Stirn. Im Inneren des Wagens war es stickig geworden. Ich hoffte, wir würden rasch zum Hotel gelangen.

Wieder sah ich mich um. Der Ford war noch immer hinter uns. Er fuhr in stets gleich bleibendem Abstand. Ich versuchte zu erkennen, wie viele Männer in dem Wagen saßen, aber die Scheibe spiegelte zu stark.

Plötzlich begann das Bild vor meinen Augen zu verschwimmen. Die Hitze im geschlossenen Wagen war unerträglich. Ich drehte mich mit einem Ruck um und zerrte den Hemdkragen auf. Eine würgende Übelkeit stieg langsam in mir auf und schnürte mir die Kehle zu. Kalter Schweiß stand auf meiner Stirn und Oberlippe.

Was war mit mir? Ich tastete nach dem Drehknopf. Ich wollte die Scheibe herunter drehen und das Gesicht in den Fahrtwind halten. Meine Hand fuhr über eine glatte Flache. Im Licht der entgegen kommenden Autos sah ich, daß die Türen innen keine Knöpfe oder Drehhebel besaßen.

Ich packte mit der Linken den Haltegriff vor mir und zog mich hoch, um mit der Rechten gegen die Trennscheibe zu hämmern. Der Chauffeur bewegte sich nicht, sah nicht nach hinten. Er musste aber mein Klopfen gehört haben.

Das Atmen wurde mir zur Qual. Ich riss den Hemdkragen und die Krawatte noch weiter auf. Ich war am ganzen Körper in eiskalten Schweiß gebadet. Ich war in eine Falle geraten! Der Schock über diese Erkenntnis zuckte durch meinen Körper, wie ein elektrischer Schlag.

Ich schlug mit der Faust gegen die gläserne Trennwand. Der Chauffeur reagierte überhaupt nicht.

Vor meinen Augen begann sich alles zu drehen. Wenn irgendwo die Auspuffgase in den Fond des Wagens geleitet wurden, dann hatte ich höchstens noch Minuten zu leben.

Ich fing an zu würgen. Die Übelkeit war entsetzlich. Ich fuhr unter die Jacke. Der Revolver. Ich musste ihn an mich nehmen und …