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Über dieses Buch:

Seit Regina viel zu jung Witwe wurde, vermisst sie es, kräftig von einem ausdauernden Mann genommen zu werden. Wie viel Glück hat dagegen ihre Tochter Sandra: Ihr potenter Ehemann kann immer, will immer und findet stets neue Wege, um seine Frau um den Verstand zu bringen. Ach, Marc … Aber natürlich ist der Schwiegersohn absolut tabu! Doch dann merkt Regina, dass auch er sich von ihrer reifen Schönheit unwiderstehlich angezogen fühlt. Werden die beiden trotzdem die Finger voneinander lassen – oder lustvoll feststellt, dass verbotene Früchte immer die süßesten und saftigsten sind?

***

eBook-Neuausgabe Juli 2015

Dieses Buch erschien bereits 2014 unter dem Titel Halt einfach still, Tochtermann.

Copyright © der Originalausgabe 2014 Edition Combes im Verlag Frank de la Porte, 96328 Küps

Copyright © der eBook-Neuausgabe 2015 venusbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Nele Schütz Design, München, unter Verwendung eines Bildmotivs von shutterstock/evgeny varlamov

ISBN 978-3-95885-122-1

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Im realen Leben dürfen Erotik, Sinnlichkeit und sexuelle Handlungen jeder Art ausschließlich zwischen gleichberechtigten Partnern im gegenseitigen Einvernehmen stattfinden. In diesem eBook werden erotische Phantasien geschildert, die vielleicht nicht jeder Leserin und jedem Leser gefallen und in einigen Fällen weder den allgemeinen Moralvorstellungen noch den Gesetzen der Realität folgen. Es handelt sich dabei um rein fiktive Geschichten; sämtliche Figuren und Begebenheiten sind frei erfunden. Der Inhalt dieses eBooks ist für Minderjährige nicht geeignet und das Lesen nur gestattet, wenn Sie mindestens 18 Jahre alt sind.

Stefan Staudinger

Meine heiße Schwiegermutter

Erotischer Roman

venusbooks

Kapitel 1

Da! Nebenan ging es schon wieder los!

Es war nicht zu überhören, und Regina hätte sich einfach bequem in ihrem Fernsehsessel zurücklehnen können, um in aller Ruhe Zeugin der Ereignisse im Nachbarhaus zu sein. Die Geräusche waren immerhin laut genug, und sie wusste genau, was da passierte. Sie gab sich Mühe, einfach wegzuhören.

Doch etwas war da, was sie jedes Mal auf die Beine zwang. Sie musste das Ohr an die dünne Zwischenwand legen und lauschen, damit ihr nichts entging. Das hektische Fiepen der Atemnot, das tierische Knurren der Gier, das Betteln und Stöhnen weckten ihre Neugier.

Es war jedoch kein reiner Wissensdrang, sondern eine spezielle Art von Mitgefühl. Sie bedauerte die schreiende, wimmernde, röchelnde Frau im Nachbarhaus nicht im Geringsten.

Sie beneidete sie – und wäre sogar gern an ihrer Stelle gewesen.

***

Regina wartete eine halbe Stunde, bis sie nach nebenan zur anderen Hälfte des Doppelhauses ging. Die Sonne war für die Jahreszeit schon überraschend stark, und der Föhnwind hatte in den letzten Tagen einen deutlichen Temperaturanstieg mit sich gebracht. Der Himmel war strahlend blau mit wenigen weißen Federwolken, die auch für den nächsten Tag einen warmen Föhn versprachen.

Regina kam sich wie eine biedere Hausfrau vor und musste sich sagen, dass sie tatsächlich eine war. Sie trug eine Kuchenplatte in der linken Hand und läutete an der Tür. Sie besaß zwar einen Schlüssel zur Wohnung ihrer Tochter und ihres Schwiegersohns, aber den benutzte sie nie, denn er war nur für Notfälle gedacht. Sie hätte sich auch selbst als aufdringlich empfunden, wenn sie einfach so hereingeplatzt wäre. Seit die beiden vor einem halben Jahr in das frei gewordene Nachbarhaus gezogen waren, sahen sie drei sich oft genug, eigentlich täglich mehrmals, und Regina hatte Angst, irgendwann als die überbesorgte Mutter oder aufdringliche Schwiegermutter zu gelten, die ständig auf der Matte stand. Diese Gefahr bestand tatsächlich, denn in dieser kleinen, ruhigen Stadt im bayrischen Voralpenland war so gut wie nichts los, womit sie ihre Freizeit hätte verbringen können.

Es dauerte ein paar Minuten, bis Sandra, ihre Tochter, die Tür öffnete. Das Haar der jungen Frau war offenbar hastig gekämmt und sah noch ein wenig zerzaust aus, ihr Gesicht hatte hektische Flecken, die Kleidung wirkte wie hastig übergezogen. »Hallo Mama«, sagte sie. »Da bist du ja.«

»Tag, Schatz«, erwiderte Regina. »Ich bin etwas spät dran. Hab nach dem Mittagessen noch ein wenig geschlafen.«

»Macht doch nichts«, erwiderte ihre Tochter. »Wir hatten uns auch ein wenig hingelegt. Marc schläft noch.«

»Soll ich lieber später kommen?« Sie konnte sich gut vorstellen, dass Marc, ihr Schwiegersohn, jetzt schlief – er musste ja völlig erledigt sein.

Sandra schüttelte den Kopf. »Komm rein. Ich setze rasch einen Kaffee auf.« Als Regina zögerte, setzte sie hinzu: »Ich selbst brauche gerade auch einen.«

Regina folgte ihr in das kleine, gemütlich eingerichtete Wohnhaus, dessen Grundriss genau der gleiche war wie der ihres eigenen Häuschens, nur spiegelverkehrt. Doch wie anders sah es hier aus als in ihrer eigenen Wohnung drüben!

Hier war es ordentlich, sauber und immer aufgeräumt. Sie selbst war, musste sie zugeben, ein wenig unordentlich. Sie lebte ja allein, da musste nichts mehr tiptop aussehen wie früher, wenn ihr Mann nach Hause kam. Und Besuch hatte sie seit ewigen Zeiten nicht mehr gehabt, außer hin und wieder von der Tochter und dem Schwiegersohn.

Ihre Wohnung war überladen. Auf den Fensterbänken drängten sich die Blumentöpfe. Die Bücher im Regal quollen über und lagen schon in Stapeln davor auf dem Boden. Regina las viel, seit sie vor fünf Jahren ihren Mann verloren hatte. Wolfgang war zuletzt Finanzbeamter in München Mitte gewesen, der zum Ausgleich für seine langen Pendlerfahrten im Zug und seine »Sesselpupserei«, wie er es nannte, einem anstrengenden und gefährlichen Sport nachging – dem Bergsteigen.

Mit ein paar Leuten aus dem Alpenverein machte er daher regelmäßig Wanderungen in die Umgebung oder Übungen an der Kletterwand des Gymnasiums. Solche Nachmittage endeten normalerweise in der Gaststube vom Dachsbräu, und dann kam er abends ein wenig angeheitert, aber richtig »notgeil« nach Hause. Unverzüglich ging es dann ins Bett, und die auf der Treppe verteilten Kleidungsstücke sortierte sie erst am nächsten Morgen, wenn sie nach unten ging, um das Frühstück vorzubereiten.

Mindestens viermal im Jahr hatte er sich in den Zug gesetzt, um die rund fünfzig Kilometer nach Kochel, Garmisch oder Oberammergau zu fahren. Dort traf er sich mit Bergkameraden und bestieg mit ihnen gemeinsam einen der vielen Gipfel ringsum.

Dabei war es passiert – am »Ettaler Mandl« geriet er auf einem alten, eigentlich gut begehbaren Geröllfeld ins Rutschen und stürzte über eine Kante in die Tiefe. Er war noch nicht angeseilt gewesen, da der Weg allgemein als sicher galt.

Sie vermisste ihn sehr. Seine bedächtige Art, sein vielseitiges Wissen, sein sportliches Aussehen, vor allem aber seine Potenz und seine sexuelle Fantasie, von der seine Kollegen wahrscheinlich nichts ahnten. »Ein Beamter hat es nun mal in sich«, war seine Redensart, wenn sie ihm darüber Komplimente machte.

Es war nie langweilig gewesen mit ihm, er hatte ständig neue Ideen gehabt und wollte alles Mögliche ausprobieren. Er las sehr gern erotische Literatur und hatte sogar eine kleine, erlesene Pornosammlung auf dem Computer, von der sie wusste. »Nur Qualität«, sagte er oft. Dass er sich manchmal so etwas anschaute, machte ihr nichts aus, im Gegenteil. Da holte er sich Appetit und zahlreiche Anregungen, und das kam ihr zugute. Manchmal hatte sie sogar über seine Schulter geschaut oder auf einem Kissen neben ihm gekniet und ihn mit dem Mund beglückt. Wie gern hatte sie das gemacht! Sie würde alles dafür geben, noch einmal seinen Schwanz in den Mund zu nehmen, mit der dehnbaren Vorhaut zu spielen und irgendwann sein aromatisches Sperma im Mund zu spüren.

Nach seinem Unfall hatte sie nichts von seiner Festplatte gelöscht, und wenn sie hin und wieder in den Dateien herumstöberte, traf sie auf manche liebgewordene Erinnerung.

Hin und wieder dachte sie daran, sich selbst zu befriedigen, aber sie brachte es nicht fertig. Wie konnte sie das tun, wenn er doch nicht mehr da war, um ihr zuzuschauen? Damit hatten sie ein gemeinsames Ritual entwickelt, von dem sie sich auch nach dieser langen Zeit nicht hatte lösen können. Manchmal dachte sie, wie unsinnig es war, daran festzuhalten und dadurch auf das Notwendigste zu verzichten. Sie hatte solche Sehnsucht nach einem Mann. Oder nein, nur nach ihrem Mann, nach Wolfgang.

Besonders in den Momenten, wenn die Liebesgeräusche ihrer Tochter und ihres Schwiegersohns durch die dünne Wand herüber drangen, dann wurde ihr heiß zwischen den Beinen. Dann rieb sie die Schenkel aneinander und streichelte auch hin und wieder ihren Schoß, aber nur durch den Stoff. Meist stand sie aber auf und legte das Ohr an die Wand, um die Worte ihrer Tochter zu hören: »Schneller, schneller! Tiefer! Ja, nimm mich richtig! Los, mehr, mehr!« Es war so deutlich zu hören, als befänden die beiden sich direkt neben der Wand, dabei war das Schlafzimmer doch eine Etage höher. Es lag wahrscheinlich an den Rohrleitungen und den Kabelröhren, die beiden Häusern zugleich dienten.

Wenn sie lauschte, dann passierte es schon mal, dass sich Reginas Schoß ganz von selbst gegen die Lehne des alten Ohrensessels presste, ein Schmuckstück, das Wolfgang bereits von seinen Eltern geerbt hatte. Sie stellte sich vor, wie die beiden da nebenan auf dem Bett, dem Sofa, dem Küchentisch oder dem Teppich lagen, sich umeinander wälzten und sich die Seele aus dem Leib rammelten. Marc, ihr Schwiegersohn, war jung, sportlich und besaß offenbar eine grenzenlose Potenz.

Regina wusste, dass die beiden es täglich miteinander trieben, oft sogar mehrmals, das war nicht zu überhören. Einmal hatte sie es gewagt, ihre Tochter darauf anzusprechen, um ihr zu sagen, wie froh sie war, dass Sandra ihr Glück gefunden hatte. Sandra reagierte erst peinlich berührt, fühlte sich dann aber geschmeichelt und war auch stolz auf ihren Mann, der ihr so viel Erfüllung schenkte.

Jetzt wurden Reginas Gedanken von ihrer Tochter unterbrochen. Sandra stellte die dampfende Kaffeekanne mit einem Untersetzer auf den Tisch und trat an das Sideboard, in dem sie die Tassen aufbewahrte. Sie bückte sich, um das Geschirr hervorzuholen. Ihr Hintern zeichnete sich prall und rund durch den Stoff des dünnen Sommerkleides ab, und Regina sah, dass ihre Tochter keinen Slip darunter trug.

Sandra hat einen richtig schönen Arsch bekommen, seit sie mit Marc zusammen ist, dachte Regina. Sie stellte sich vor, dass dieser perfekt gerundete, gut trainierte Hintern gerade noch gevögelt worden war, und vor ihrem inneren Auge tauchte das Bild eines herrlichen Schwanzes auf, so wie ihr eigener Mann ihn gehabt hatte: groß, hart, leicht nach oben gekrümmt, mit einer länglichen Eichel, die eine kleine, nach unten gezogene Krempe hatte wie eine Morchel im Herbstlaub. Wenn Wolfgang sie von hinten nahm, hatten seine perfekt enthaarten Eier immer mit einem klatschenden Geräusch gegen ihren Po geschlagen. Jedes Mal, wenn es ihm kam, spürte sie seine Zuckungen und das Abprallen seines heftigen Samenstrahls an ihrem Muttermund. Eine süße, herrliche, unvergängliche Erinnerung. Unwillkürlich bekam sie eine Gänsehaut und entließ einen Seufzer.

»Ist dir kalt?«, wunderte sich Sandra. »Warte, ich mach das Fenster zu.« Sie war sehr aufmerksam und achtete auf solche Kleinigkeiten, das brachte wohl ihr Beruf als Kindergärtnerin mit sich.

Regina wehrte ab. »Nur ein nervöses Frösteln«, sagte sie. »Das kommt immer wieder mal vor, selbst an heißen Tagen.«

»Ach ja, kenn ich auch«, erwiderte Sandra. »Ist eine Reaktion der Nerven auf sporadische Reizungen. Du solltest keine Kleidung mit Polyester mehr tragen. Dieses Mischgewebe bekommt vielen Leuten nicht.«

»Ja vielleicht«, erwiderte Regina. Sie achtete, wenn die Kleidung kaufte, zwar auf Qualität, aber selten auf die Zusammensetzung des Materials. »Ich glaube, du bist in solchen Sachen viel sensibler geworden als früher«, sagte sie.

»Klar. In meiner Ausbildung habe ich ja gelernt, ständig auf giftige oder schädliche Inhaltsstoffe in Kleidung, Spielzeug und Essen zu achten.«

Regina nickte. Überhaupt hatte die Ausbildung ihre Tochter verändert – der früher verschlossene Teenie war zu einer erwachsenen, reifen jungen Frau geworden, die wusste, was im Leben eine Rolle spielte.

Gerade war Regina dabei, den mitgebrachten Kuchen auf die Teller zu verteilen, da hörte man Marc oben rumoren. Er klapperte im Bad, zog die Toilette ab, weil er, wie die meisten Männer nach dem Sex, erst einmal pinkeln gehen musste. »Das Rohr durchspülen«, hatte Wolfgang das immer genannt.

Dann war er auf der Treppe. »Mann, war das eine heiße Sache heute!«, rief er. »Du bist echt affenscharf im Bett, Schatzi. Du hast mich so geil gemacht, dass ich mir gerade schnell noch mal einen runterholen musste. Und ich könnte schon wie …« Er hielt mitten im Wort inne, als er so weit die Treppe herunter gekommen war, dass er Regina entdeckte. »Ach, du bist schon da«, sagte er. »Entschuldige. Wir reden untereinander über so etwas meistens ziemlich direkt. Aber normalerweise nur, wenn wir allein sind.«

»Ist doch okay«, erwiderte sie. »So haben Wolfgang und ich es auch immer gemacht. Das ist auch richtig, und auf jeden Fall angenehmer, als wenn man hinter vorgehaltener Hand tuschelt und ständig nach den richtigen Worten sucht. Nur bis in die fünfziger Jahre war man so verschämt.«

»Hm«, lenkte er ab. »Du hast ja Käsekuchen mitgebracht. Klasse. Weißt du, dass du den besten Käsekuchen in ganz Oberbayern machst?«

»Unsinn.«

»Doch, doch. Er schmeckt super und sieht perfekt aus. Bei meiner Mutter fällt er immer in der Mitte zusammen.«

»Dann soll sie für die Quarkmasse zwei Eier weniger nehmen und dafür zerdrückte Pellkartoffeln hineintun«, sagte sie. »Das weiß ich von meiner Mutter.«

Insgeheim kam sie sich lächerlich vor, wie eine typische Vorstadt-Hausfrau, als die sie sich niemals fühlen wollte. Es war schon grotesk, dass sie hier Backrezepte von sich gab, während auf dem Platz neben ihr der Mann saß, der ihre Tochter so überaus aktiv vögelte, Tag für Tag und wenn es ging, noch öfter. Was musste das für ein phantastisches Rohr sein, das sich da unter der deutlich sichtbaren Beule in seiner Hose mehr oder weniger versteckte! Die Atmosphäre in diesem biederen Wohnzimmer fühlte sich wie elektrisch aufgeladen an, und das lag an der bloßen Anwesenheit dieses Mannes!

Schade, dachte sie. Er ist längst vergeben! Dazu noch an die einzige Frau, der ich ihn niemals wegnehmen würde!

In diesem Moment läutete das Telefon. Die beiden hatten zwar ein schnurloses Gerät, aber es war gerade in der Ladestation, und Marc musste aufstehen. Regina sah nun, was sie schon geahnt hatte: Unter dem Stoff seiner Sommerhose zeichnete sich eine lange Stange ab, die erst eine Handbreit über seinem Knie endete. Sie zuckte heftig, als wäre dort ein gewaltiger tropischer Tausendfüßler gefangen, der dringend hinaus wollte.

Sie sah zu ihrer Tochter hinüber. Sie beide ertappten sich dabei, dass sie gleichzeitig Marcs phantastische Erektion betrachtet hatten.

»Ja?«, meldete Marc sich barsch, wie immer, wenn er sich durch einen Anruf gestört fühlte. »Was gibt’s?« Eine Weile lauschte er in den Hörer, ohne ein Wort zu sagen.

Sandra hatte den Blick gesenkt und lächelte ein wenig verschämt. Soll ich gehen?«, raunte Regina ihrer Tochter zu. »Ihr wollt doch bestimmt lieber allein sein.«

Sandra sah sie an, noch immer lächelnd. »Nein, bleib ruhig. Du hast doch den leckeren Kuchen mitgebracht, den ich schon als Kind so gern gemocht habe, und ich habe mich wirklich auf den Kaffeenachmittag mit dir gefreut.«

»Ich komme sofort!«, rief Marc ins Telefon, und die beiden Frauen im Raum mussten kichern, als ihnen beiden zugleich der Doppelsinn seiner Worte auffiel. »Sperrt schon mal den oberen Schieber ab und lasst das Rohr leerlaufen. Bin in zwanzig Minuten bei euch.« Er stellte das kleine Telefon ins Ladegerät zurück und drehte sich zu seiner Frau und seiner Schwiegermutter um.

»Schade«, sagte er, »ich muss noch mal zum Kraftwerk. Eine der beiden Pelton-Turbinen ist nicht in Ordnung.«

Das Kraftwerk befand sich in Kochel, wo das Wasser in gewaltigen Rohren vom höher gelegenen Walchensee herunter stürzte und riesige Turbinen antrieb. Als Ingenieur war Marc für einen Teil dieser Turbinen verantwortlich.

Marc eilte die Treppe hinauf, um sich rasch umzuziehen. Regina sah ihm nach und bewunderte seinen knackigen Hintern, dessen Muskeln so aufregend in seiner strammen Hose spielten, wenn er in Eile war. Sekunden später kam er im gebügelten weißen Overall zurück, den er zur Arbeit trug, wenn er direkt an die Maschinen gehen musste. Turbinen waren außerordentlich empfindlich gegen Schmutz und Staub. Er sah darin umwerfend aus, weil sein schwarzes Haar und seine dunklen Augen so wunderbar damit kontrastierten.

»Tut mir leid«, rief er, als er zur Haustür eilte. »Das kann ein paar Stunden dauern. Macht euch einen schönen Nachmittag und lasst mir ein Stück Kuchen übrig.«

Sekunden später hörte man, wie sein Wagen ansprang, und dann wurde es still in der Wohnsiedlung am Prälatenweg.

»Es ist warm draußen«, sagte Sandra. »Sollen wir uns vielleicht auf die Terrasse setzen?« Sie hatten eine gemeinsame Terrasse, die von beiden Häusern aus zugänglich war.

»Gern.« Regina hätte vielleicht ein paar Minuten später den gleichen Vorschlag gemacht. Die Föhnluft war oft so würzig und brachte Blütenduft von weit südlich der Alpen mit. Durch den Temperatursturz und den Luftdruck-Unterschied bekamen viele Leute Kreislaufprobleme, aber wenn man den Föhn zu genießen wusste, fühlte man sich, als hätte man Sekt getrunken.

Zusammen stellten sie einen kleinen Tisch auf die Terrasse und nahmen bequeme Hocker mit, denn für den Liegestuhl war es doch noch zu kühl. Die Obstbäume waren noch kahl, und nur hier und da zeigten sich ein paar hellgrüne Sprossen. Schneeglöckchen und Huflattich waren bereits in voller Blüte, und auf der Wiese zeigte sich schon allerhand Buntes. In der Ferne leuchtete die Kette der Berge noch wie eine schneeweiße Säge in den Frühlingshimmel. Die ersten Vögel fingen an, Nester zu bauen.

***

Sandra war enttäuscht, weil ihr Mann noch zum Dienst fahren musste, dabei hatten sie heute noch so viel vorgehabt. Für den Nachmittag war Mutter eingeladen, danach stand Sex auf dem Programm, wie immer am Sonntag. Sie machten es morgens, manchmal sehr ausgiebig, mit Frühstück im Bett und reichlich Honig oder Haselnusskrem auf der Möse, zum Auslecken. Witzig war es, wenn sie ihm abwechselnd eine Scheibe Salami und Schnittkäse über den Pimmel streifte und sich dann langsam durch dieses kleine Schlaraffenland knabberte, oder wenn sie, wie heute, ein weich gekochtes Ei anbiss, das Gelbe aussaugte und ihm dann den Rest – noch ganz heiß! – über die entblößte Eichel stülpte, ganz vorsichtig, damit die Kappe aus Eiweiß nicht einriss. Mit den Fingern dehnte er behutsam seine geweitete Vorhaut und zog sie über Ei und Eichel, bis nur noch ein weißer Gipfel herausragte, den Sandra ihm dann behutsam wieder ablutschte, Millimeter um Millimeter. Diese Spielchen mit den Speisen des Tages gehörten einfach zum Sonntagsfrühstück, und erst wenn die Tabletts in Sicherheit gebracht waren, ging es mit dem »Hauptgang« los, in jeder nur denkbaren Stellung. Nach dem späten Mittagessen ging es wieder weiter, und dann kam der Abend – Ende offen. Sex war nun mal ihr Hobby.

Und jetzt saß Sandra mit ihrer Mutter hier auf der Terrasse, während Marc mehr als eine halbe Autostunde entfernt auf dem Gehäuse einer Turbine herumkletterte und wahrscheinlich daran dachte, wie schön es jetzt bei ihr im Bett sein könnte.

Irgendein Verrückter in der Nachbarschaft warf den Rasenmäher an – in dieser frühen Jahreszeit! »Die spinnen, diese Spießer«, sagte Sandra. »Das ist bestimmt dieser pensionierte Staatsanwalt, der mit seiner merkwürdigen Alten in Hausnummer dreizehn wohnt. Kaum scheint die Sonne, mäht er Rasen, schneidet die Hecke oder lässt sich von seinem Laubgebläse durch den Vorgarten zerren.«

Regina kicherte. »Der Kerl hat uns schon damals genervt, als dein Vater noch lebte«, sagte sie. »Wir haben uns allerhand Strafen für ihn ausgedacht. Zum Beispiel wollten wir ihm mal dieses laute Pusterohr mit ein paar Kilogramm Kartoffelpüree zubetonieren. Man kann nur hoffen, dass er irgendwann mal von der Leiter fällt und sich selbst mit seiner elektrischen Heckenschere köpft.«

»Mutter, du bist brutal!«

»Der Lärm da etwa nicht? Stört euch das nicht, wenn ihr euch mittags zum Schlafen hinlegt?«

Sandra grinste. »Du weißt ganz genau, dass wir dann nicht schlafen.«

Ihre Mutter nickte. »Na ja, so direkt wollte ich es ja nicht sagen. Aber mich würde es stören, auch dabei.«

»Und wir sind oft lauter als diese Nervensäge da drüben«, bemerkte Sandra.

»Ach Schatz«, gab Regina zurück, »das kann man doch nicht miteinander vergleichen. Das ist eher ein angenehmer Lärm. Ich höre euch gern, denn dann spüre ich, wie glücklich ihr seid. Ehrlich gesagt, ich beneide dich wirklich darum.« Sie seufzte. »Dein Vater hat mich genau so glücklich gemacht.«

»Ich weiß«, gab Sandra zu. »Es war ja ebenfalls nicht zu überhören. Du vermisst ihn immer noch, nicht wahr?«

»Sehr.«

Sandra richtete sich in ihrem Korbsessel auf und hätte damit beinahe ihre fast leere Kaffeetasse umgestoßen. »Möchtest du vielleicht einen Fruchtsaft?«

Ihre Mutter schüttelte den Kopf. »Ich geh mal zu mir rüber und mache uns einen Cocktail oder Longdrink. Möchtest du auch einen?«

»Gern. Ich hätte gern deine Spezialität.«

»Tequila Sunrise. Daran habe ich auch gerade gedacht.« Sie erhob sich und ging über die Terrasse zu ihrer Hintertür.

Auch Sandra erhob sich. Sie konnte inzwischen schnell nach oben gehen und im Schlafzimmer ein wenig aufräumen, damit sie ihre Spielwiese, ein großes Rundbett, gleich wieder nutzen konnten, wenn Marc nach Hause kam. Sie schüttelte die Kissen auf und zog das zerwühlte Laken glatt. Einen Moment überlegte sie, ob sie es wechseln sollte, ließ es dann aber bleiben. Sie wusste, dass Marc die eingetrockneten Spermaflecken geil fand. »Es riecht dann immer so schön nach Sex«, sagte er oft. Sie würde es also erst morgen früh auswechseln, bevor sie sich auf den Weg zur Arbeit machten. Marc setzte sie dann immer beim Kindergarten ab, bevor er nach Kochel weiterfuhr.

Liebevoll betrachtete sie die Flecken. Das war auch in ihren Augen kein Schmutz. Jeder einzelne Fleck war gelebte Lust, und wenn es nach ihr ging, durften heute durchaus noch ein paar hinzukommen. Sie legte einen frischen Stapel kleiner Handtücher hin, die für den oft allzu heftig strömenden Schweiß bestimmt waren, und eine frische Packung feuchte Babytücher, falls sie es anal machten. Sie wussten vorher nie genau, welche verschlungenen Wege die Lust sie führte. Manchmal dachten sie sich für ihr Beisammensein eine Art Fahrplan aus, landeten dann aber oft auf einem ganz anderen Gleis.

Gerade als sie im roten Sandtöpfchen auf der Fensterbank ein Räucherstäbchen »African Queen« anzündete, sah sie Mutter unten zwei Highball-Gläser it ihrem Lieblingsdrink auf dem Tisch abstellen. Nur noch rasch ein bisschen Wäsche zurechtgelegt – Marc liebte sie gern in hübscher Aufmachung, besonders durch die Öffnung ihres Slip Ouvert aus weinroter Spitze. Gerade als sie nachsah, ob auf dem Chip der kleinen Kamera noch genug Speicherplatz war, hörte sie Mutter die Treppe heraufkommen.

»Ich komme gleich!«, rief Sandra, aber da war Mutter bereits im Türrahmen. Wenigstens war sie so dezent und blieb da stehen. Sandra schob rasch die Kamera unter eines der Kopfkissen.

Als sie wenige Augenblicke später wieder auf die Terrasse kamen, war es merklich kühler geworden. Trotzdem setzten sie sich noch ein Weilchen ins Freie und genossen das klare Licht des Frühlingsnachmittags. Sie stießen miteinander an und sogen an ihren Trinkhalmen.

»Ich weiß nicht, wie du das ohne Mann aushältst«, sagte Sandra und versuchte, ihre Worte nicht allzu mitleidig klingen zu lassen. »Es ist jetzt fünf Jahre her, dass Vater verunglückt ist, und du bist immer noch allein. Dabei bist du eine wirklich attraktive Frau …«

»In den besten Jahren«, unterbrach Mutter sie. »Das sagst du immer. Du vergisst, ich bin schon runde vierzig.«

»Erst! Ich habe also recht«, meinte Sandra. »Ich habe gehört, dass wir Frauen umso schärfer werden, je reifer wir sind. Stimmt das?«

»Ich hab’s nicht ausprobiert.«

»Solltest du aber«, erwiderte Sandra und dachte an die besondere Geburtstagsüberraschung, die sie und Marc ihr im Mai zu ihrem einundvierzigsten Geburtstag schenken wollten – drei Wochen Single-Cluburlaub auf Fuerteventura, wahlweise Textilstrand oder FKK. Gespräche wie dieses sollten Mutter darauf vorbereiten, damit sie das Geschenk nicht rundheraus ablehnte. »Selbstbefriedigung reicht da nicht.«

»Ich mache keine Selbstbefriedigung«, erwiderte Regina.

»Was?« Sandra war ehrlich überrascht. »Das solltest du aber! Wie kannst du sonst deinen ganzen Stress loswerden? Du musst dich einfach hin und wieder entspannen, das gehört heutzutage zur Körperpflege! Außerdem, wenn du irgendwann wieder jemanden findest, den du lieben willst und der dich liebt, musst du erst einmal gelernt haben, dich selbst zu lieben.«

Regina winkte ab. »Das ist doch sozialtherapeutischer Tinnef.«

Sandra schüttelte den Kopf. »Wir hatten in der Schule einen sehr guten Psychologielehrer. Der hat immer gesagt, dass die Sexualität eines der Grundbedürfnisse des Menschen ist, genau wie essen, trinken und schlafen. Wer darauf verzichtet, wird krank.« »Dann waren in früheren Zeiten wohl alle Leute krank, was?«

Sandra nickte. »So kann man es nennen. Sieh dir doch die Prüderie im viktorianischen Zeitalter an, oder in unserer Kaiserzeit. Sex gab es offiziell gar nicht, und sogar das Onanieren war verboten. Die Jugendlichen wurden damals scharenweise zu Psychiatern geschleift. Die erwachsenen Leute entwickelten allesamt Neurosen, und die Männer wurden aggressiv. Das ist wissenschaftlich belegt. Ich denke, dass sogar die Kriege daraus entstanden. Befriedigte Männer sind, nun ja, friedlich. Denk doch nur an all die bürgerlichen Herrschaften, die damals aus ganz Deutschland nach Paris fuhren, um dort ihre sexuellen Bedürfnisse auszuleben. Die waren für den Krieg gegen Frankreich nur schwer zu gewinnen. Ja, und wir Frauen sind auch ausgeglichener, wenn sexuell für uns alles stimmt. Mama, tu dir bitte selbst einen Gefallen und gib deinem so gut aussehenden Körper das, was er braucht. Du solltest dich regelmäßig befriedigen. Am besten, du suchst dir wieder einen passenden Partner.«

»Ich glaube, das kann ich nicht«, erwiderte Regina.

»Störe ich?«, kam in diesem Moment eine Stimme aus Richtung Wohnzimmer. Als Sandra sich umdrehte, stand Marc an der Terrassentür in seiner ganzen männlichen Pracht. Der weiße Overall war ölverschmiert, als hätte er gerade in einer Formel-Eins-Box eine neunundsechziger Nummer mit einer geilen Mac-Laren-Rennkiste gemacht.

»Schön, dass du endlich wieder da bist«, rief Sandra ihm zu. »Komm, setz dich zu uns.«

»Ich kann uns rasch noch mal drei Sunrise machen«, schlug Regina vor und sprang schon auf.

»Wir gehen dann aber besser hinein«, schlug Marc vor. »Hier draußen ist es kühl.«

Sandra schob ihn ins Haus und küsste ihn. »Du hast mir gefehlt«, sagte sie. »Zieh dich rasch um.«

»Zwei Stunden, und ich habe dir gefehlt? Umziehen lohnt dann wohl nicht. Am besten, ich bleibe so, und nachher duschen wir zusammen«, schlug er vor. »Keine Angst, ich mache die Sessel nicht schmutzig. Ich bleibe hier am Esstisch sitzen und verschlinge den Kuchen.«