Titelbild

Impressum

Yvonne Hergane, geboren 1968 und schon immer unheilbar mit dem Büchervirus infiziert, absolvierte nach dem Abitur erst ein Magisterstudium in Germanistik und Anglistik in Augsburg und dann ein Aufbaustudium Buchwissenschaft in München. Seit Mitte der 90er Jahre arbeitet sie als freie Lektorin, Autorin und Übersetzerin aus dem Englischen und Rumänischen. Sie lebt mit Mann und Sohn in Hamburg und schreibt, neben Texten für Erwachsene, mit Vorliebe Bücher für Kinder und Jugendliche.

Für Gunnar und Lennart, ohne die all dies nicht möglich gewesen wäre

Danke an Kirsten Konradi für ihre Inspiration zu den Songtexten in Kapitel 4

Lektorat: Maren Giering-Desler
Englischsprachiges Lektorat: Charlotte Collins
Umschlaggestaltung: init.büro für gestaltung, Bielefeld,
unter Verwendung eines Fotos von iStockphoto

eBook-Konvertierung: kaltner verlagsmedien GmbH, Bobingen

www.langenscheidt.de
© 2009 by Langenscheidt KG, Berlin und München
ISBN 978-3-468-69150-8

herz

Laura

 

→May I Introduce Me … →Erm … Us?

Guess who? Na, wer bin ich?

Der Blick in den Spiegel gibt keine eindeutige Auskunft. Meine Zwillingsschwester Elaine und ich haben die gleichen langen schwarzen Haare, die gleiche dunkle Haut, die gleiche Kleidergröße bis hin zu Schuhgröße und BH-Cup. Kein Wunder, dass man uns in der Schule fast nur im Doppelpack nennt: Ella, nach den Anfangssilben unserer Namen – Elaine und Laura. Zugegeben, wir machen es den Leuten auch nicht leicht, uns auseinanderzuhalten. Würden wir unterschiedliche Frisuren tragen oder uns verschiedenen Klamotten-Styles verschreiben, könnten wir uns nämlich jedes Verwechslungsspielchen abschminken, und dafür sind die einfach zu praktisch und machen zu viel Spaß.

Ja, es kam schon mal vor, dass Elaine einen Mathetest zweimal geschrieben hat – einmal für sich und noch einmal nachgeholt für mich, die ich beim ersten Mal angeblich krank war. Dafür hab ich auch schon mal zwei Aufsätze produziert. Es kam auch schon vor, dass die eine einen lästigen Verehrer mit den Worten “Sorry, aber meine Schwester will nicht mit dir reden” abgewimmelt hat. Aber die Typen hatten es dann auch immer verdient, echt. Wer uns nur hinterherhechelt, weil er uns als “rassig-sexy Schönheiten” sieht, der hat schon verloren, bevor er den Mund aufmachen kann, um sich zu entschuldigen.

Auf Anhieb auseinanderhalten kann uns eigentlich nur Mum. “It’s →nothing specific”, sagt sie. “It’s not that you have a →mole that Elaine doesn’t, and I don’t think her eyes are wider →apart than yours, or anything like that. It has nothing to do with how you look. When I look at you I just know: this is Laura, and this is Elaine. No →doubt about it. You may look exactly →alike to everybody else, but →as far as I’m concerned I’ve always been able to →tell you →apart, since the minute you were born.”

Auch Papa können wir nur schwer reinlegen. Er kann zwar nicht auf die mütterliche Intuition zurückgreifen, aber mit seiner unschlagbaren bodenständig-deutschen Logik sagt er, wenn wir mal zu einer List ansetzen: “Elaine? Du bist doch nie im Leben Elaine. So einen dreisten Augenaufschlag und so ein freches Grinsen hat Elaine nicht drauf.”

Denn natürlich sind wir – identical twins hin oder her – innerlich alles andere als identisch. Elaine fährt total auf Bio und Physik ab, während ich mit Deutsch und Musik sehr viel mehr anfangen kann. Sie ist der stillere Typ, überlegter und zurückhaltender. Eigentlich geht sie oft viel schlauer vor als ich – ich hab mir mit meiner großen Klappe schon mehrfach ziemlichen Ärger eingefangen.

Im Großen und Ganzen sind wir allerdings wirklich ein Herz und eine Seele – of one mind, wie man auf Englisch sagt. Und apropos Englisch: Dank unserer südafrikanischen Mum sind wir nicht nur zweisprachig aufgewachsen, sondern denken, fühlen und träumen manchmal sogar in beiden Sprachen. Es gibt einfach Sachen, die lassen sich auf Deutsch besser sagen, und andere, für die wir automatisch auf Englisch umschalten. Deswegen unterhalten wir uns oft in einem deutsch-englischen Kauderwelsch, das auf Außenstehende bestimmt seltsam wirkt, für uns aber ganz normal ist. Auch Papa hat sich mittlerweile dran gewöhnt und mischt im wahrsten Sinne des Wortes kräftig mit. Sogar Paulie, unser kleiner Kläffer aus dem Tierheim, hört auf Befehle in beiden Sprachen gleich gut, oder eher gleich schlecht.

Auf den Hund gekommen sind wir vor ein paar Monaten, als wir auf dem Weg zum Tierpark Hagenbeck am Tierheim vorbeikamen und dem Rotzlümmel auf vier Dackelbeinen einfach nicht widerstehen konnten. Tierliebe wird in unserer Familie nämlich großgeschrieben – Mum arbeitet in der Presseabteilung von Hagenbeck, und Elaine und ich jobben in den Ferien dort und dürfen wegen unserer Zweisprachigkeit ab und zu ausländische Touristengruppen durch den Park führen.

Womit wir schon beim Thema wären. Denn die Geschichte, die die harmonische Beziehung zwischen meiner Schwester Elaine und mir mächtig auf die Probe stellte, fängt bei genau so einer Führung an …

herz

Elaine

 

How It All →Began

“Welcome to Tierpark Hagenbeck!”

Ich umklammere die Zooschulen-Tasche, die ich mitgenommen habe, und versuche den dicken Klumpen Lampenfieber runterzuschlucken. No chance. Auch nach zig Gruppenführungen bin ich jedes Mal wieder total aufgeregt, wenn ich so einer Meute Schüler gegenüberstehe und alle Augen erwartungsvoll auf mich gerichtet sind. You’ve done this →loads of times before, rede ich mir selber gut zu. Relax. This is a →guided tour just like →any other.

Ist es nicht. This ist nämlich meine eigene Schulklasse samt Frau Borchert, unserer Biolehrerin. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, ist auch unsere Partnerklasse aus Rom dabei, fünfundzwanzig dunkle Schöpfe, unter denen mich fünfundzwanzig dunkle Augenpaare anblitzen, und dazu Signore Rossi, der Klassenlehrer.

Zu blöd, dass Laura ausgerechnet heute mit Magenverstimmung zu Hause sitzt, sonst hätten wir das hier wenigstens zu zweit durchziehen können.

Meine Freundin Jessica stellt sich demonstrativ neben mich. Soll sie ruhig, ich kann jede Unterstützung gebrauchen. Jessica hat mir das schließlich eingebrockt – besser gesagt, sie und ihr römischer Freund Danilo. Die beiden haben nämlich erst die Klassenpartnerschaft, dann die Reise der römischen Klasse zu uns nach Hamburg und schließlich diese Tierpark-Führung organisiert.

Normalerweise werde ich für die Überwindung meines Lampenfiebers wenigstens mit ein bisschen Cash belohnt, aber diesmal muss ich die Führung komplett umsonst durchziehen. Was ich aber nicht schlimm finde. In diesem Augenblick würde ich sogar im Gegenteil mein ganzes Taschengeld hinblättern, wenn ich bloß die Biege machen dürfte.

Jessica scheint meine Nervosität zu spüren. Wir haben sowieso einen ganz guten Draht zueinander, schon wegen unseres gemeinsamen Interesses an Tieren, Artenschutz und so. Jessica will später mal Meeresbiologin werden und treibt sich ständig hier im Tropen-Aquarium herum.

“Betrachte es als deinen persönlichen Beitrag zur Völkerverständigung”, zischt sie mir ins Ohr und lächelt mich entschuldigend an.

Ich räuspere mich. “Welcome to Tierpark Hagenbeck!”, wiederhole ich wie eine kaputte Schallplatte. “My name is Elaine …”

Are you mad?, beschimpfe ich mich insgeheim selber. They already know who you are, all of them.

“I’m going to be your guide around part of the world’s first →cageless zoo. It has more than 1,850 →exotic animals, and it’s so big that we can’t see all of it today, but I hope you’ll enjoy the tour. If there are any questions please ask. So I suggest we start with …”

“The →wolves?”, geht schon ein hoch aufgeschossener Italiener dazwischen. “We’re from Rome, you see, and wolves played a big part in our history.”

“Sorry to →disappoint you”, sage ich. “There aren’t any wolves at Hagenbeck’s. Not even at the →Fairyland Mini-Rail. We have →Snow White and →Cinderella and Rapunzel, but no →Little Red Riding Hood and her wolf.” Ich muss grinsen. “But if you’d like to →check out the Fairyland Mini-Rail – it opens at eleven o’clock, and →as long as you’re older than four, you won’t have to have your parents with you.”

Etliche meiner Zuschauer – auch aus der italienischen Abteilung – antworten mit Gelächter. Eins zu null für mich, würde ich sagen.

“→I’d rather you came with me”, gibt der große Italiener grinsend zurück. “It might get cold – you could keep me warm, and →comfort me when I get scared by the evil witch.”

Ich atme einmal tief durch und beschließe ihn zu ignorieren. “Okay, let’s start with some general information about this zoo”, sage ich und wende mich demonstrativ von ihm ab. “It was →founded by Carl Hagenbeck Junior in 1907. It’s famous for being the first zoo to use open →enclosuressurrounded bymoats instead of cages. Carl Hagenbeck called it his panorama sys-tem. He started putting animals together in groups of different →species, which had never been done before, and →separating animals that couldn’t swim using moats full of water. The moats were hidden from view, so the animals suddenly looked as if they were living together in the same landscape. I’ll show you the African Steppe in a few minutes and you’ll immediately see what I mean.”

“I read somewhere”, schaltet sich auf einmal Danilo ein, “that Hagenbeck designed the Rome Zoo in the same style in 1911. So that’s another thing Hamburg and Rome have →in common.”

Er wirft seiner Angebeteten Jessica einen zuckerwatterosa Anhimmelblick zu. Hach, muss Liebe schön sein!

“That’s right”, sage ich. “Okay, everyone – today we’re going to →limit our tour →to African animals. Our first stop will be the African Steppe Landscape.”

Ich setze mich in Bewegung, bin aber noch keine zehn Meter weit gekommen, als hinter mir eine dünne Mädchenstimme protestiert: “But why aren’t we stopping at the elephants? Hey, look, there’s a little →baby elephant over there! It’s so →cute!”

“That’s Shila”, sage ich. “She was born here in April 2007. And she’s an Asian elephant, like all the elephants at Hagenbeck’s.”

Wieder kichern ein paar Schüler los, die zierliche Italienerin schmollt, und schon im nächsten Augenblick tut sie mir leid. My →fault. Regel Nummer eins für Tierpark-Führungen: Niemanden bloßstellen. Ich vergesse immer wieder, dass sich nicht jeder von klein auf so mit Tieren auskennt wie Laura und ich.

“But if you like, you can give the elephants some apples”, lenke ich ein und ziehe einen Beutel mit Äpfeln, den ich in weiser Voraussicht eingepackt habe, aus der Tasche. Im Handumdrehen haben sich alle am Geländer vor dem Elefanten-Freigehege aufgereiht und strecken sich nach Leibeskräften, um den Dickhäutern die Äpfel vor die Rüsselspitze zu halten. Und die sollen alle schon fünfzehn sein? Wie die kleinen Kinder, echt. Aber irgendwie auch süß.

“I’d rather have you give me an apple, Eve.” Der Italiener von vorhin hat sich unbemerkt von hinten wieder an mich rangeschlichen. “I’d definitely →give in if you →tempted me. With you in it, this park looks like the Garden of Eden.”

Ich schlucke ein völlig humorloses “My name is Elaine, not Eve” hinunter und wende mich möglichst unauffällig an Danilo.

“Who’s that?”, zische ich ihm ins Ohr. Schnuckelig ist der Italiener ja schon, mit seinen halblangen, leicht gewellten, dunklen Haaren und den schwarzen Blitzaugen. Und schön groß ist er auch. Aber für meinen Geschmack ein bisschen zu aufdringlich.

“Lu- … erm … Luca”, raunt Danilo mir merkwürdig unsicher zu, bevor er von seinen Mitschülern auf Italienisch mit Fragen über die Elefanten bombardiert wird.

Als alle Äpfel verfüttert sind, denke ich: Jetzt aber weiter im Programm. Ich hole zwei braune Stoffbeutel aus meiner Tasche. “Okay, now could you please →form a →semi-circle? I’m going to ask you to →pass these two small bags →around. You’→re not →supposed to look inside; just guess what’s in them by feeling with your fingers.” Ich werfe Luca einen warnenden Blick zu, bevor er auf die Idee kommt, wieder irgendeinen Spruch loszulassen, von wegen er würde viel lieber an mir als an den Tastbeuteln herumfingern oder so. “Try to →work out what’s in the bags, but don’t say anything; just pass them on to the next person. Okay?”

Schwer ist die Aufgabe nicht. Schon eine Minute später sind die Beutel einmal herumgegangen und meine Zuhörer sind draufgekommen, dass in dem einen ein Huf und in dem anderen eine Kralle ist. Ich hole erst den Huf heraus.

“Which animal do you think this →hoof comes from?”

Vom Pferd über den Esel bis zum Onager gehen sie erst mal alle falschen Huftiere durch, bis mir endlich ein Mädchen aus der italienischen Klasse die richtige Antwort entgegenruft: “A zebra!”

“I guess a dead zebra is the correct answer”, wirft ein Scherzkeks aus meiner Klasse ein.

“Yes, that’s right”, sage ich. “Even in this zoo animals do die sometimes. This →claw is also from a dead →creature. Can you guess which?” Ich hole die Kralle aus dem zweiten Beutel heraus.

“An →ostrich?”, tippt Jessica.

“Exactly. So let’s go to the African Steppe, where the zebras and ostriches live.”

Vor dem afrikanischen Tierpanorama baue ich mich mit dem Rücken zu den Tieren auf und ziehe mit dem Fuß eine Linie in den Sand, dahinter sollen sich bitte alle aufstellen. Was den angenehmen Nebeneffekt hat, dass mir Luca und die anderen potenziellen Don Juans ein bisschen von der Pelle rücken müssen.

Hinter mir stolziert sofort neugierig der größte Straußenhahn herbei. Jenseits des Zebrageheges ragt, nur durch einen von hier aus unsichtbaren Weg abgetrennt, der Löwenfelsen in die Höhe. Den Großkatzen wird sozusagen den ganzen Tag Beute-Fernsehen geboten – und den Zoobesuchern ein toller, gitterstäbeloser Blick auf verschiedene Tierarten, die auch in der Wildnis zusammenleben und dank der Panorama-Landschaften große, artgerechte Gehege bewohnen können.

“As you all know, the zebras’ →stripes are →camouflage”, sage ich. “But why do the zebras disguise themselves? Which creatures are they afraid of?”

“The lions, of course”, kommt die prompte Antwort.

“Sure. But can you think what else is their enemy? Think small … very very small …”

Irgendwo in den Reihen der italienischen Partnerklasse fängt jemand an zu summen. Muss Signor Rossi sein, der seinen Schülern einen Hinweis geben will. Ich lächle. “Yes. Bzzzzz … Zebras →fear tsetse flies almost as much as they fear lions. The eyes of the tsetse fly are →totally different from →human eyes. They →consist ofso-called ocelli, with which the flies can only see →contours. Their stripes mean that the zebras are just a →blurred image to the flies, so they can’t →focus on just one animal.”

Ich gebe eine facettenartig gemusterte Folienbrille herum, die den Augen der Tsetse-Fliege nachempfunden ist. Wenn man durch sie hindurch auf die Zebras schaut, verschwimmen sofort die Streifen vor Augen, man sieht statt einzelner Tiere nur noch ein wildes Durcheinander in Schwarz-Weiß.

“This gives the →saying ‘→no flies on you’ a whole new meaning”, wirft Danilo lachend ein. “Clever guys, these zebras.”

“But why is this ostrich hanging around you all the time?”, fragt Luca von hinten. “Not that I don’t understand him →being attracted to you, but …”

In der Tat stapft der Straußenhahn hinter mir immer ungeduldiger hin und her. “He knows what happens when I come here with a group of visitors”, antworte ich. “Just stay here and watch.” Ich gehe ein paar Meter weiter zur Fütterstelle und reiche dem Strauß einen dicken Apfel.

Und meine Zuschauer reagieren, wie alle Gruppen reagieren – mit schallendem Gelächter. Es sieht aber auch zu komisch aus, wie der Apfel langsam den langen Straußenhals hinunterwandert.

“Is it true what they say about ostriches?”, fragt ein Mädchen aus der Partnerklasse. “That they put their heads in the sand when they’re scared?”

“No, that’s just a →myth”, erkläre ich. “Ostriches don’t put their heads in the sand; they sometimes put them on it. It’s usually →female ostriches who do this when they’re sitting on their eggs – →in order to protect them. Putting their heads →flat on the ground is a kind of camouflage – from a →distance they look like →shrubs.”

Vier Warzenschweine, sechs Mandrills und fünf Marabus später stehen wir vor dem Löwengehege, in dem die fast ausgewachsenen Weibchen Scheinkämpfe austragen.

Ich erzähle meiner Gruppe die Geschichte von Triest, dem zahmen Löwen von Tierpark-Gründer Carl Hagenbeck.

“Back in the days of Carl Hagenbeck, nobody knew exactly what lions →were capable of. In order to find out how wide the moats around the animals’ enclosures had to be – so that the lions wouldn’t be able to escape and attack the visitors – Hagenbeck took a small lion →cub called Triest into his home and →studied him. That’s how he found out how far lions can →leap: three metres from a standing position, five metres if they →take a running jump. Later, when Triest was living with the other lions again, he saved Hagenbeck’s life. Hagenbeck went into the →big cats’ enclosure, tripped, and was attacked by several animals, but Triest →defended him.”

“Which shows how dangerous it is →to beard the lion in his den”, raunt einer der italienischen Jungs.

“But also that it’s worthtaking a risk for something you feel →passionate about”, gibt Luca zurück und schielt dabei vielsagend zu mir herüber.

Na, im Moment riskierst du höchstens eine ziemlich dicke Lippe, you →cheeky Italian →show-off, denke ich. Aber irgendwie imponiert es mir auch ein bisschen, dass er sich von meiner kalten Schulter nicht abschrecken lässt, egal wie oft ich sie ihm zeige.

“Talking of the lion’s den”, sage ich. “Because the lions are outside we can go and visit their house. Anyone →got a cold?”

Alle blicken mich verständnislos an. Doch schon eine Minute später begreifen sie, was ich gemeint habe: Der Ammoniakgestank im Löwenhaus putzt die Atemwege ruckzuck durch, sodass Schnupfennasen keine Chance haben. Aber ein paar meiner “Schüler” scheinen das Erkältungsmittel von Mutter Natur nicht ganz so wunderbar zu finden wie ich, so hastig, wie sie sich die Nase zuhalten oder gleich wieder aus dem Löwenhaus stürmen.

Kurz darauf stehen wir vor dem Giraffengehege, in dem sich auch Impalas, Kudus und Hornraben tummeln. “Keeping different animals together has a lot of →advantages”, erkläre ich. “First of all, it’s how they live in their →naturalhabitat, and secondly it allows the zoo to build bigger – and cheaper – enclosures instead of lots of small, expensive, →individual cages.”

“What long, elegant necks the giraffes have!”, ruft eines der italienischen Mädchen beinahe neidisch aus. “And look at those →incredibly long legs!”

“Well, I know someone with a much more elegant neck and much longer, sexier legs”, flüstert mir Luca, der sich schon wieder unbemerkt von hinten an mich herangepirscht hat, ins Ohr.

So langsam macht mich dieser Kerl schon ein bisschen nervös. Seit wann stehst du denn auf Sprücheklopfer?, fragt eine Stimme in meinem Kopf. Na ja, wenn Sprücheklopfer so frech blitzende schwarze Augen, einen sonnenbraunen Teint und breite Schultern haben …

“→I’m afraid we won’t be able to feed the giraffes today”, sage ich und zwinge mich, von Luca abzurücken. “Giraffes have very →sensitivestomachs and they’re only allowed to eat a →certain amount of carrots and →greens, so we only let the visitors feed them on certain dates and →under observation.”

“Talking of dates …”, greift Luca sofort das Stichwort auf. “Would it be too →bold if I asked you to go out with me one day? You could give me a →private tour of the zoo. Or take me →wherever you want – I’ll follow you anywhere.”

Er sagt das nur leise, aber offenbar nicht leise genug, denn zumindest Jessica sind seine Annäherungsversuche nicht entgangen.