Umschlag

Gabriella Wollenhaupt
Friedemann Grenz

Schöner Schlaf

Kriminalroman

 
 

 

Die Autoren

Gabriella Wollenhaupt, Jahrgang 1952, arbeitet als Fernsehredakteurin in Dortmund. Als Kriminalschriftstellerin ist sie bekannt vor allem für ihre kultigen ›Grappa-Krimis‹. Seit 1993 ermittelt die Polizeireporterin Maria Grappa in Bierstadt. Zuletzt erschien Grappa und die Toten vom See.

Die beiden historischen Kriminalromane Leichentuch und Lumpengeld und Blutiger Sommer stehen den Grappa-Krimis in Sachen Witz und Ironie in nichts nach und entstanden schon unter Mitarbeit ihres Ehemannes Friedemann Grenz. Der Literaturwissenschaftler, Jahrgang 1944, arbeitet als freier Lektor und Autor.

Schöner Schlaf ist der erste gemeinsame zeitgenössische Kriminalroman der beiden.

www.gabriella-wollenhaupt.de

 

Und süßer strömend quillt der Duft der Nacht

Und träumerischer aus dem Kelch der Pflanzen.

Ich habe immer, immer dein gedacht;

Ich möchte schlafen, aber du musst tanzen.

 

Theodor Storm (1817  1888)

Kapitel 1

Atemlos folgte Henri Goldstein dem Verlauf der Auktion. Der große Saal bei Sotheby’s war voll besetzt. Vorn stand ein kleines Bild auf einer Staffelei, ein Scheinwerfer lenkte die Aufmerksamkeit aller darauf. Goldstein hatte erwartet, dass das Bild etwa viereinhalb Millionen Euro einbringen könnte. Als die Gebote sieben Millionen Pfund überschritten, war Goldstein so aufgeregt, dass gar nicht registrierte, dass er seine Brille unaufhörlich mit einem Tuch polierte. Bei jedem neuen Angebot zuckte er zusammen, jähe Hitzewellen führten zu Schweißausbrüchen und sein schütteres Haar klebte an der Stirn. Doch auch alle anderen ließ das Geschehen nicht unberührt, regelmäßig ging ein Raunen durch den voll besetzten Saal – das Interesse an dem Bildchen übertraf die Erwartungen aller Experten.

Gegen zweiundzwanzig Uhr Londoner Zeit erfolgte der Zuschlag. Ein anonymer Sammler bot 24.269.380 Euro und erhielt den Zuschlag. Jan Vermeers Bild Junge Frau am Virginal war verkauft. Der neue Besitzer war nicht persönlich anwesend, er hatte sich per Telefon an der Auktion beteiligt. Bei solchen Geschäften war Diskretion ein wichtiges Sicherheitskriterium.

Als der Hammer zum letzten Mal fiel, schloss Goldstein die Augen. Leb wohl, Baby, dachte er und seufzte.

Wenige Minuten später schickten die Reporter ihre ersten Meldungen über die Agenturen. Über vierundzwanzig Millionen Euro für ein Bild zu erzielen, das noch nicht einmal die Größe einer Schreibmaschinenseite hatte, war eine Sensation. Natürlich wurde heftig über die Identität des neuen Besitzers spekuliert. War es wirklich der Casino-König aus Las Vegas, der alte Meister jagte? Oder steckte doch ein Museum dahinter, das irgendwann mit einem ›neuen‹ Vermeer das Publikum locken wollte?

Henri Goldstein war zufrieden und erschöpft. Er hatte alle Interviewwünsche der Medien abgelehnt und sich in sein Büro zurückgezogen.

Kapitel 2

Die Landstraße war nicht beleuchtet. Nur der Mond spendete ein wenig Licht. Trotzdem fiel Matt Turner das Auto auf, das mit abgeschalteten Scheinwerfern in einer Haltebucht stand. Die Beifahrertür war geöffnet, niemand war zu sehen.

Turner kannte den Parkplatz, der von Büschen umkränzt war. Hinter den Sträuchern fiel eine Wiese sanft ins Tal ab. Rechts am Waldrand gab es einige wetterfeste Tische und Bänke. Pärchen nutzten den Picknickplatz als Lustwiese. Matt Turner erinnerte sich daran, wie er selbst hier in jungen Jahren entdeckt hatte, wie nett Mädchen sein konnten. Aber Frauen waren im Moment wirklich nicht sein Hauptproblem.

Turner fuhr langsam an dem parkenden Fahrzeug vorbei. Eigentlich noch ein bisschen zu kühl fürs Kuscheln im Freien, dachte er.

Er stutzte. Das Auto kannte er doch! Nach hundert Metern wendete er und passierte die Stelle ein zweites Mal. Kein Mensch zu sehen. Die Scheinwerfer seines eigenen Wagens erleuchteten das Nummernschild des anderen. Das war Majas alte Kiste. Jähe Enttäuschung überkam ihn, Turner gab Gas, wendete erneut und fuhr nach Hause – Maja konnte ihm gestohlen bleiben.

Zu Hause legte Turner Musik auf und goss sich ein Bier ein. Er dachte an den letzten Streit mit ihr, erinnerte sich daran, wie sie ausgerastet war und er sie aus der Wohnung geworfen hatte. Er hatte nicht den geringsten Grund, jetzt eifersüchtig zu sein. Merkwürdig nur, dass die Beifahrertür aufgestanden hatte. Die beiden hatten es wohl sehr eilig gehabt, in die Büsche zu kommen, dachte er grimmig.

Er drehte die Musik leiser. Der Grappa zum Bier war zwar kein Beweis guten Stils, beruhigte aber seine aufgewühlten Nerven. Maja. Er sah ihr hübsches Gesicht vor sich: perfekt geschminkt, glänzende Lippen und sehr weiße Zähne. Sie kannte ihre Wirkung auf Männer und hatte keine Hemmungen, ihre Reize gezielt einzusetzen. Auch er war ihr auf den Leim gegangen. Bis sie gemerkt hatte, dass er ihre Ansprüche weder erfüllen konnte noch wollte. Nicht alle Rechtsanwälte schwimmen in Geld. Turner hatte Mühe, den Kopf über Wasser zu halten und die laufenden Kosten zu begleichen.

Natürlich hatte er sich übernommen. Die Kanzlei befand sich in einer guten Gegend mit hohen Mieten. Das erste Jahr hatte er von seinen Reserven gelebt, das zweite Jahr seiner Anwaltstätigkeit hatte er mit einer schwarzen Null abgeschlossen. Im dritten Jahr war er dann in die roten Zahlen gerutscht. Scheidungen, Verkehrsdelikte und Pflichtverteidigungen brachten keinen Reichtum.

Turner seufzte und genehmigte sich einen zweiten Grappa. Wahrscheinlich war Maja mit ihren zweiundzwanzig Jahren einfach zu jung für ihn. Und sie hatte sich ja wohl schnell getröstet. Hoffentlich hast du den attraktiven, charmanten Millionär gefunden, von dem du geträumt hast, dachte er und hob das Schnapsglas. Er soll dich auf Händen tragen, dir immer treu sein, dir seine Kreditkarten geben und die uneingeschränkte Kontovollmacht. Plötzlich musste er grinsen. Attraktive Millionäre trieben es bestimmt nicht auf einer feuchten, kühlen Wiese. Dann hatte Maja wohl eine Zwischenstation eingelegt auf dem Weg zur Gattin.

Turner schaute auf die Uhr. Es war kurz nach elf. Zeit, ins Bett zu gehen. Morgen hatte er einen Termin bei Gericht. Einen der wenigen in diesen Wochen. Eine Frau mittleren Alters klagte gegen einen jungen Mann auf Herausgabe eines Autos. Der junge Mann behauptete, die Klägerin habe ihm die Karre geschenkt. Turner vertrat den Beklagten. Seine Strategie stand fest: Der Mann hatte Dienstleistungen erbracht, die von der Klägerin mit der Übergabe des Autos beglichen worden waren.

Die Medien hatten schon über den Fall berichtet und morgen würden sich Journalisten auf den Pressebänken tummeln. Turner musste dafür sorgen, dass er in den Zeitungen erwähnt wurde. Das brachte vielleicht neue Mandanten.

Bevor er einschlief, sah er Maja vor sich, wie sie sich im Keep-out über die Tische beugte und die Bestellungen annahm. Nicht wenige Gäste verloren sich dabei im Anblick ihres Ausschnitts.

*

Der Anblick von Leichen ließ Kriminalhauptkommissar Karlo Kant gewöhnlich kalt. Er war schon fünfzehn Jahre Ermittler in der Mordkommission. Spurlos waren die nicht an ihm vorbeigegangen. Ihm war sehr wohl bewusst, dass er zu häufige und heftige Flirts mit der Flasche pflegte. Doch nur so ließ sich alles ertragen.

Die Leitstelle hatte ihn aus einem unruhigen Schlaf geweckt und den Fund einer toten Frau an der Landstraße zwischen Berghof und Rheinburg gemeldet. Kant kannte die Stelle – dorthin verzogen sich Männlein und Weiblein in lauen Sommernächten, um im Grünen zu knutschen.

Die schnelle Dusche hatte ihn nicht richtig munter gemacht und für ein Frühstück nahm er sich nicht die Zeit. Mit geübtem Griff träufelte er sich Tropfen in die Augen, damit man ihm die späte Nacht nicht ansah.

Rheinburg und Berghof lagen nur zehn Kilometer voneinander entfernt. Das Dorf hatte in den letzten Jahren Neubaugebiete mit erschwinglichen Quadratmeterpreisen ausgewiesen. Die Stadt Rheinburg dagegen war zugebaut und konnte sich nicht weiter ausdehnen, weil auf einer Seite der Fluss war, auf der anderen eine Hügelkette und rund um die Stadt jede Menge Autobahnen. Es war chic geworden, in Rheinburg zu arbeiten und in Berghof zu wohnen.

Kant stellte den Wagen ab und stieg aus. Zwei uniformierte Polizisten versuchten, die Fernsehteams und die Fotografen abzudrängen.

»Wo ist sie?«, wollte Kant wissen.

»Kommen Sie, Herr Hauptkommissar!« Der Beamte hob das Absperrungsband und ging voran.

Die beiden stapften durch die kniehohe Wiese, an einigen Bänken vorbei.

»Gleich da hinten!«

Kant ließ sich von einem Kollegen der Spurensicherung ein Paar Überzüge für seine Schuhe geben und Latexhandschuhe.

»Man kann die Frau von der Straße aus nicht sehen«, erklärte der Polizist. »Aber wir sind gleich da. Hinter den Büschen.«

Im Zwielicht von Scheinwerfern und der Morgendämmerung entfaltete sich eine gespenstische Szene.

Die Frau schien zwischen zwei Bäumen zu schweben. Ihre Handgelenke waren mit Stricken an den Stämmen zweier Bäume befestigt.

Die Sonne trat hinter einer Wolke hervor.

Eine schöne junge Frau. Die Augen waren geschlossen. Tau hatte sich auf ihren Wimpern gesammelt, lief die Wangen herab und tropfte auf ihr Dekolleté. Unter der Leiche war eine kleine Blutlache zu sehen.

»Wer hat sie gefunden?«, fragte Kant.

»Der dahinten.« Der Kollege deutete auf einen Mann, der an einem der Tische saß.

»Habt ihr ihn schon befragt?«

»Sicher. Er hat auf dem Parkplatz gehalten und sich in die Büsche geschlagen, um zu pinkeln. Gesehen hat er nichts, außer der Leiche natürlich. Wollen Sie ihn selbst noch sprechen?«

Kant verneinte. »Er soll am Nachmittag oder morgen früh ins Präsidium kommen. Lasst ihn gehen.«

Er wandte sich wieder der Toten zu. »Seltsames Kleid«, murmelte Kant.

»Die gängige Mode ist das jedenfalls nicht«, bestätigte der Beamte. »Ich schicke dann mal eben den Zeugen nach Hause.«

Kant war froh, als der Kollege ihn allein ließ.

Er sah sich das Kostüm in Ruhe an. So etwas war ihm bisher höchstens auf Fotos oder in Büchern begegnet.

Der Rock des Kleides war sehr weit und fast knöchellang. Das Gewebe glänzte wie Seide. Um die Taille der Frau war ein reich verzierter Gürtel geschlungen, Kant bemerkte Stickereien aus goldfarbenem Garn und einige winzige Goldperlen. Eine ähnliche – nur nicht so aufwendige – Verzierung war oberhalb der weißen, mit Spitze verzierten Ärmelsäume angebracht. Das Oberteil lag eng an und ein weißes Tuch bedeckte die Schultern. Die Ärmel selbst waren aufgebauscht und aus feinem, gelbem Stoff.

Wie im Theater, dachte Kant, vielleicht war die Frau Schauspielerin. Oder sie verkleidete sich gern.

Das Haar der Toten war vermutlich üppig gelockt. Doch die Mähne war streng aus der Stirn zurückgekämmt. Nur über den kleinen, perfekt geformten Ohren kringelten sich Strähnen, von denen einige am Ende mit einem schmalen roten Schleifchen verziert waren. In den Dutt am Hinterkopf war ebenfalls ein rotes Band geflochten.

Die Bahn getrockneten Blutes verlief von der linken Brust nach unten und wiederholte das Motiv der roten Bänder in einem dunkleren Ton.

Die Frau trug keine Schuhe. Die Füße waren gepflegt, die Nägel rot lackiert. Kant trat näher zu der Leiche und roch an ihr. War das Rosenduft oder stammte der Geruch von irgendeiner Blume auf der Wiese?

Kant wurde gestört, denn der Rechtsmediziner Bornemann näherte sich. Kant und er kannten sich seit vielen Jahren. Sie kamen gut miteinander aus, doch zu einem Bier oder Wein nach Dienstschluss hatte es nie gereicht.

»Hallo, Doc«, grüßte Kant mit müder Stimme.

Der Rechtsmediziner drehte eine Runde um die Leiche.

»Ist sie schon fotografiert worden?«, fragte er.

»Alles erledigt.«

Bornemann betastete die Haut der toten Frau, reckte sich in die Höhe, hob ein Augenlid an und schniefte.

»Wie lange ist sie schon tot?«, fragte Kant.

»Du kennst doch die Antwort – das kann ich erst sagen, wenn ich sie auf dem Tisch habe«, antwortete Bornemann. »Aber lange hängt sie noch nicht hier. Sonst hätten sich Insekten oder Nager über sie hergemacht. Bei dem feuchten und warmen Wetter. Ich schätze, sie ist am vergangenen Abend oder in der Nacht hierhergebracht worden. Vielleicht auch erst im Morgengrauen.«

»Dann liebt der Typ das Risiko«, stellte Kant fest. »Bei den vielen Liebespaaren, die sich hier gewöhnlich tummeln.«

»Vielleicht wusste der Täter das nicht«, entgegnete Bornemann.

*

Der Prozess wurde ein Desaster, denn Turner konnte sein Plädoyer nicht halten. Noch im Morgengrauen hatte er an witzigen und geistreichen Formulierungen herumgeschraubt und dann das: Klägerin und Beklagter einigten sich, die Klägerin zog die Klage zurück. Alles sei nur ein Missverständnis gewesen, das am vergangenen Abend geklärt werden konnte. Wahrscheinlich auch noch in der Nacht, die auf den Abend folgte, dachte Turner grimmig. Arm in Arm zogen die beiden Parteien von dannen.

Kein Artikel in den Zeitungen, kein Interview mit dem jungen, aufstrebenden Rechtsanwalt, kein überhaupt nichts.

Wenn das so weitergeht, dachte er, mach ich meine Bude dicht. Basta.

Turner zog den Talar aus und ging in die Gerichtskantine. Sie war gut besucht, weil es sich für viele Kollegen nicht lohnte, zwischen den Terminen ins Büro zu fahren. Fließbandarbeit im Dienste der Gerechtigkeit.

Der Anwalt stellte sich in die Schlange vor dem Kaffeeautomaten. Vor ihm unterhielten sich zwei Polizisten über den Fund einer weiblichen Leiche zwischen Berghof und Rheinburg.

Turner verzichtete auf den Kaffee und verließ das Gerichtsgebäude fast fluchtartig. Mit einem flauen Gefühl im Bauch wählte er Majas Handynummer. Keine Antwort.

Er sah auf die Uhr. Es war noch zu früh für die Kneipe, aber vielleicht hatte er ja Glück. Mit zitternden Fingern wählte er die Nummer des Keep-Out. Nach langen Sekunden meldete sich Roy, dem der Laden gehörte.

»Ist Maja da?«, schrie Turner in den Hörer. Er konnte Roys Stimme kaum verstehen, denn im Hintergrund dröhnte laute Musik.

»Was geht dich das noch an?«, blaffte Roy.

»Nun sag schon!«

»Ist ja auch noch früh. Aber gestern ist sie, ohne sich abzumelden, nicht gekommen. Wenn du sie siehst, dann sag ihr, dass ich mich nach einer anderen Kellnerin umsehe, sollte das wieder passieren. Ich bin ihre Extratouren leid!«

Turner wählte die Nummer der Polizeileitstelle und teilte seinen Verdacht mit, dass er möglicherweise die Identität der gefundenen Frauenleiche kenne. So erhielt er die Handynummer des diensthabenden Kriminalkommissars.

*

Karlo Kant hätte das Klingeln fast überhört, denn das Mobiltelefon lag unter Zeitungen begraben.

»Es ist alles total kompliziert«, druckste der Anrufer herum, der sich als Matt Turner vorgestellt hatte. »Ich bin gestern an der Stelle vorbeigefahren und habe Majas Wagen dort stehen sehen. Maja Schneider. Sie ist meine ehemalige Freundin. Die Scheinwerfer waren aus und die Beifahrertür stand offen. Hat mich sehr gewundert, denn Maja hätte eigentlich Dienst im Keep-out gehabt.«

»Wir haben keinen Wagen gefunden«, erklärte Kant. »Und was ist das Keep-out

»Eine Szene-Kneipe in der City«, antwortete Turner. »Sie arbeitet dort als Kellnerin. Aber sie war gestern nicht da und heute auch noch nicht. Ich habe gerade mit dem Wirt gesprochen.«

»Sie haben nicht angehalten?«

Turner hatte nicht gleich eine Antwort parat. Ich hätte wirklich nachsehen sollen, dachte er, doch jetzt ist es zu spät.

»Ich dachte … Ich wollte …«, stotterte er. »Wir hatten uns doch getrennt und ich dachte, sie wäre mit einem anderen Mann zusammen.«

»Und da wollten Sie nicht stören?«

»Ja. Aber vielleicht ist Ihre Tote ja gar nicht Maja. Sie hat sich bestimmt ins Auto gesetzt und ist weggefahren«, beruhigte sich Turner selbst.

»Möglich. Können Sie Frau Schneider beschreiben?«

»Sie ist zweiundzwanzig Jahre alt, etwa eins siebzig groß, schlank und hat dickes, naturgelocktes, dunkelblondes Haar.«

Könnte passen, dachte Kant. »Wissen Sie, wo das Institut für Rechtsmedizin ist?«

»Ja. Ich bin Anwalt.«

»Wir treffen uns dort in einer halben Stunde.«

Der Schnitt ging vom Hals bis zum Schambein, Brustkorb und Bauchhöhle waren bereits geöffnet.

»Der tödliche Stich wurde schräg von unten nach oben geführt«, erklärte der Doc. »Wenn du willst, kann ich dir den Stichkanal zeigen. Fasst du mal mit an?«

Kant wich zurück. »Lass mal. Ich glaube es dir auch so.«

Bornemann grinste. »Der Täter hat ein sehr langes und sehr scharfes Messer benutzt und mit großer Kraft zugestochen. Es war nur ein einziger Stich. Die Lunge wurde durchstochen und die Aorta am Herzen durchtrennt. Sie ist nach innen verblutet. Ein schneller Tod. Nur wenig Blut trat durch die Wunde aus und ist im Stoff des Kleides versickert.«

Kant hasste die Luft in diesem Raum. Obwohl es objektiv nicht stank, meinte er, den Geruch des Todes einzuatmen. Gärende Körpersäfte, eingetrocknetes Blut, Ausdünstungen von Organen und kaltem Fleisch.

»Sie hat sich nicht wehren können, sie wurde betäubt. In ihrem Blut befindet sich eine hohe Dosis Barbital«, sagte der Doc im Plauderton. »Das ist der Wirkstoff. Der Handelsname war früher Veronal. Wird heute nicht mehr hergestellt. Manche nannten das Zeug auch Kalypnon. Schöner Schlaf.«

Kant sah ihn fragend an.

»Mein alter Anatomieprofessor hat den Wirkstoff immer so genannt«, erklärte der Pathologe. »Kalypnon ist griechisch und bedeutet schöner Schlaf. Von kalos, schön, und hypnos, Schlaf.«

»Was ist an diesem Schlaf schön?«

»Veronal war mal ein beliebtes Mittel für Selbstmörder. Man schläft sanft ein und wacht nicht mehr auf. Heute wird es nicht mehr produziert.«

»Offenbar doch.«

»Den Wirkstoff gibt es natürlich noch«, fuhr Bornemann fort. »Aber die Ärzte verschreiben das Zeug nicht mehr als Schlafmittel.«

»Sonst noch etwas?«, fragte Kant.

»Unter den Fingernägeln Reste von Make-up – vermutlich ihr eigenes, ein bisschen Erde und Spuren von Motoröl an zwei Fingerkuppen. In den Hautporen waren Rückstände von einer Waschlotion.«

»Mit Rosenduft?«

»Genau. Woher weißt du das?«

»Ich hab es gerochen.«

»Feines Näschen, Kant!«

»Sie war ungeschminkt«, warf Kant ein.

»Gut beobachtet.«

»Und jetzt die Gretchenfrage: Ist sie missbraucht worden?«, fragte Kant.

»Es sieht nicht so aus. Kein Sperma. Weder in der Scheide noch sonst irgendwo, keine Verletzungen, die darauf hindeuten. Das Kleid wird noch untersucht. Aber der Kerl kann sich ja anders befriedigt haben. Wir suchen weiter nach fremder DNA.«

»Hast du den Mageninhalt schon analysiert?«

Die Klingel ertönte.

»Ach ja, ich hab jemanden hierherbestellt«, erklärte Kant. »Er kann sie vielleicht identifizieren. Ich geh ihn mal holen.«

Der Kommissar war froh, wenigstens einen Augenblick aus dem kühlen Saal herauszukommen. Die Fenster im Flur waren geöffnet und ließen frische Luft herein. Sogar das Anschauungsmaterial in den mit Formalin gefüllten Gläsern wirkte fast freundlich: Augen, Därme, ein Hirn in Scheiben und eine halbe Raucherlunge.

Kant öffnete die Eingangstür zur Rechtsmedizin.

Turner war ein schlanker junger Mann mit wirrem Haar.

»Kommen Sie«, sagte Kant.

Turner folgte ihm stumm, in der Hand einen Schlüsselbund, mit dem er hektisch klimperte.

Der Doc hatte die Leiche mit einem Tuch zugedeckt und saß mit einem Becher Kaffee in der Hand auf seinem Drehstuhl. Mit unverhohlener Neugierde musterte er Turner. Nein, der war kein Mörder, der hatte nur Angst vor dem, was er gleich sehen sollte.

Bornemann nahm einen Schluck Kaffee. »Dann wollen wir mal.« Er erhob sich, ging zum Seziertisch und schlug das Tuch zurück.

Turner entspannte sich. Er hatte mit einem schlimmeren Anblick gerechnet. Maja sah aus, als schliefe sie.

»Sie ist es«, krächzte er. »Was hat man ihr angetan?«

Bornemann stellte dem Kommissar sein Büro zur Verfügung. Turner setzte sich auf eine hölzerne Eckbank, über der ein Schaubild mit den Muskeln des menschlichen Körpers angebracht war, Kant platzierte sich hinter Bornemanns Schreibtisch. Die ungespülten Kaffeebecher schob er zur Seite.

»Hat Frau Schneider Verwandte? Enge Freunde?«, fragte er.

Turner wusste es nicht.

»Wie lange waren Sie mit ihr zusammen?«

»Nur ein halbes Jahr«, antwortete Turner. »Ich hab Schluss gemacht. O Gott, was ist da bloß passiert? Sie war so eine freundliche und vertrauensselige Person. «

»Trotzdem haben Sie sich von ihr getrennt?«

»Sie hatte eine andere Vorstellung vom Leben als ich. Wir sind aber nicht im Streit auseinandergegangen«, schob Turner nach. »Es war einfach zu Ende. Das ist alles.«

»Hatte sie einen neuen Freund?«

Turner schüttelte den Kopf. »Das kann ich mir nicht vorstellen.«

»Und doch dachten Sie, dass sie mit einem anderen Mann in der Wiese war«, wandte Kant ein.

Turner klimperte wieder mit dem Schlüsselbund. »Als ich ihren Wagen sah, lag der Gedanke nahe. Hätte ich doch nur nachgeschaut! Dann könnte sie vielleicht noch leben.«

»Sie hätten sie nicht mehr retten können. Der Fundort ist nicht der Tatort. Sie wurde nicht am Parkplatz getötet.«

»Wann ist es passiert?«

»Wahrscheinlich gestern Abend. Hatte Frau Schneider irgendwelche Hobbys?«

»Hobbys? Außer Shoppen und Party fällt mir nichts ein.«

Kant beschloss, Turner von dem Kostüm nichts zu erzählen. »Sie sind Rechtsanwalt?«, änderte er das Thema.

»Ja. Ziemlich erfolglos allerdings. Ich spiele mit dem Gedanken, meine Kanzlei zu schließen.«

»Ich dachte immer, Anwälten gehe es gut«, meinte Kant. »Weil die Leute immer bösartiger werden und immer öfter die Gerichte bemühen.«

»Davon habe ich noch nichts bemerkt.«

»Wo hat Frau Schneider zuletzt gewohnt?«

»Zunächst bei mir. Danach zog sie in ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft. Bei einem Mädchen, das auch im Keep-out kellnert. Jessica Müller.«

Es war spät geworden, doch eine Soko musste gegründet werden. Kant leitete alles in die Wege und forderte Akif Neumann und Dirk Weingarten an. Neumann war zur Hälfte türkischer Abstammung und ziemlich neu im Job. Dirk Weingarten dagegen war umso erfahrener und schon mal bei einem Einsatz angeschossen worden. Er zog das Bein leicht nach, war aber ein guter gründlicher Ermittler, auch wenn er einen fliehenden Ganoven nicht mehr selbst am Kragen packen konnte. Sie würden sich in der Soko Kostüm gut ergänzen. Morgen, am Nachmittag, würden sie das erste Mal zusammenkommen können.

Kapitel 3

Der Hauptkommissar startete den neuen Tag mit einem Besuch bei Jessica Müller. Die Adresse hatte er vom Wirt des Keep-out erfahren. Kant landete in Rheinburgs Künstler- und Schwulenviertel.

Vor dem mit Efeu überwucherten Altbau lagen Fahrräder kreuz und quer übereinander, aus geöffneten Fenstern drang laute Rockmusik. Der Kommissar klingelte und der Summer ertönte. Eine Sprechanlage gab es nicht.

Der Flur war mit Jugendstilkacheln gefliest und wirkte erstaunlich gepflegt. Kant schob einen Kinderwagen zur Seite und begann mit dem Aufstieg.

Bei Müller war die Tür nur angelehnt. Er klopfte und rief, ob jemand da sei. Tatsächlich tauchte im Türspalt eine weibliche Gestalt auf.

Kant zückte seinen Dienstausweis. »Sind Sie Frau Müller?«

»Nö«, gähnte die Frau. Sie kam wohl gerade aus dem Bett, ihr Gesicht trug Spuren eines zerknüllten Kopfkissens.

»Hier heißt keiner Müller.«

»Und warum steht’s dann unten und an der Tür?«

»Irgendwas muss doch da stehen«, antwortete sie. »Heißt der deutsche Spießer nicht gemeinhin Müller?«

»Ich bin wegen Maja Schneider hier. Das ist doch eine Mitbewohnerin von Ihnen, oder? Und Maja Schneider ist jetzt tot. Wo ist ihr Zimmer?«, kam er zur Sache.

»Was ist passiert?«

»Das sage ich Ihnen gleich.«

Die Frau bekam große Augen. »Kommen Sie rein«, murmelte sie und ging zu einem Tisch, der in der Mitte der Wohndiele stand. Dort zog sie eine Zigarette aus einer Schachtel. »Darf ich noch mal Ihren Ausweis sehen?«

Er gab ihn ihr.

»Kant«, las sie. »Karlo Kant. Künstlername?« Sie zündete sich die Zigarette an, inhalierte, blies ihm den Rauch ins Gesicht und gab den Ausweis zurück.

»Die werden bei der Kripo noch nicht vergeben«, lächelte Kant gegen seinen Willen. Er fasste die Fakten zusammen. Sie hörte ihm stumm zu.

»Kaffee?«, fragte sie dann. Langsam schien sie wach zu werden.

»Kaffee wäre nicht schlecht.«

»Okay. Milch ist nicht da. Trinken Sie ihn auch schwarz?«

»Kaffee in allen Variationen«, sagte er. »Am liebsten ohne alles.«

»Okeydoke.« Sie räkelte sich. Das Hemdchen rutschte hoch. Ihre Beine waren nackt und wohlgeformt.

»Bin gleich wieder da, Karlo Kant«, versprach sie. »Sie können ja schon mal ermitteln gehen. Majas Zimmer ist am Ende des Flurs. Gehen Sie ruhig rein, es ist offen.« Sie verschwand und Kant hörte Klappern von Geschirr.

Er durchquerte den Flur und drückte die Klinke. Der Raum war nicht groß, doch die Wände waren hoch. Tisch, zwei Stühle, ein Bett und ein Blümchensofa, das schon bessere Zeiten gesehen hatte. Zwei Regale mit Büchern und Nippes, eine fahrbare Kleiderstange und eine Kommode.

In einer Schublade fand er Papiere: Reisepass, einige Fotos, ein Sparbuch mit neunhundert Euro und einen Kfz-Brief.

Kant verstaute die Sachen in einer Plastiktüte. Einen Personalausweis fand er nicht. Vermutlich befand der sich in der Handtasche der Toten und die vielleicht in dem verschwundenen Auto.

Jessica stand plötzlich hinter ihm – mit zwei Bechern in der Hand.

»Was wissen Sie über Maja?«, fragte er.

»Na ja, sie wohnte ja erst seit zwei Wochen hier«, antwortete Jessica und reichte ihm den Becher. »Ihr Freund hat sie rausgeworfen. Und hier war was frei.«

»Sie werden sich doch aber mal mit ihr unterhalten haben?«

»Doch, schon. Sie hat mir von ihrem Exfreund erzählt und von ihrer Schwester.«

»Sie hat eine Schwester?«

»Hatte. Sie ist vor einem Jahr gestorben. An einer Herzkrankheit. Maja hat wohl sehr an ihr gehangen. Und sie hat mir erzählt, dass sie die Stadt verlassen wollte. Sie hatte einen neuen Job in Aussicht, besser als die Kellnerei.«

»Hat sie gesagt, was das war?«

Jessica schüttelte den Kopf. »Es hatte irgendwas mit Kunst oder Theater zu tun.«

»Versuchen Sie, sich zu erinnern! Es ist wichtig.«

Jessica überlegte. »Vielleicht war es nur so dahergeredet. Mehr weiß ich nicht.«

»Hatte sie mal Besuch?«

»Ich hab nie jemanden gesehen. Aber ich bin ja nicht immer hier.«

»Was arbeiten Sie denn?«, fragte Kant. »Außer Kellnern.«

»Ich studiere«, antwortete sie. »Kunstgeschichte.«

»Interessant.«

»Ja, nicht?« Jessica schlürfte ihren Kaffee. »Fand Maja auch. Ein Mal hat sie mir regelrecht ein Loch in den Bauch gefragt.«

»Wie meinen Sie das?«

»Sie interessierte sich für Maler des 16. und 17. Jahrhunderts. Ich war ganz perplex. Habe ihr dann ein paar von meinen Büchern geliehen. Moment, sie müssen hier noch liegen«

Jessica stellte den Kaffeebecher ab, ging zum Bücherregal und zog drei dicke Bildbände heraus. »Gucken Sie! Sie hat sogar Zettel reingelegt. Malerei des Barock. Rubens, Rembrandt, Caravaggio und einige Holländer.«

»Können Sie sich dieses Interesse erklären?«

Jessica zuckte die Schultern. »Nein, zumal sie null Ahnung von der Materie hatte.«

»Null Ahnung? Erklären Sie das, bitte!«

»Na ja«, dehnte Jessica. »Auch wenn man sich nicht für Kunst interessiert, kriegt man doch einiges mit. Man kennt Namen wie Picasso, van Gogh oder Rubens. Aber Maja hatte wirklich keinen blassen Schimmer, war nie in einem Museum gewesen oder so. Daher wunderte ich mich sehr über diese plötzliche Wissbegierde. Ich habe ihr den Besuch unserer Kunsthalle empfohlen.«

»War sie dort?«

»Das weiß ich nicht.«

Kant blätterte in den Bildbänden und folgte dabei den Lesezeichen Majas. »Sie interessierte sich besonders für eine bestimmte Epoche«, stellte er fest. »Barockmalerei. 17. Jahrhundert. Warum gerade diese Zeit?«

»Wie gesagt, keine Ahnung.« Jessica lachte auf. »Vielleicht, weil sich die Zeiten ähneln. Das damalige Lebensgefühl ist unserem heutigen sehr nahe. Vergänglichkeit und Völlerei, Gottesfurcht und gleichzeitig Sittenverfall. Nur dass man das heute Terror, Geldgier, Islamismus und Pornografie nennt.«

»Hatte Maja denn ein Gespür für so was?«

»Man muss in der Kindheit mit der Kunst in Kontakt kommen«, erklärte Jessica. »Das war bei ihr wohl nicht der Fall. Das heißt noch lange nicht, dass sie blöd war.«

»Darf ich die Bücher mitnehmen?«, fragte er.

»Klar. Ich brauche sie nur irgendwann wieder.«

»Bekommen Sie. An wen soll ich sie schicken?«

»Müller. Jessica.« Sie grinste.

»Es macht wohl Spaß, kleine Polizisten an der Nase herumzuführen. Das kann aber nach hinten losgehen. Man nennt es dann Falschaussage.«

»Och«, machte sie mit einem Augenaufschlag. »Kriege ich jetzt Handschellen?«

»Übertreiben Sie es nicht«, beendete Kant seinen Besuch, griff sich die Bücher und fuhr zum Präsidium.

Dort vervollständigte er den Bericht und überlegte, was er noch in die Wege leiten könnte, bis die Soko zusammentrat. Die Ausführungen des Rechtsmediziners über das Schlafmittel kamen ihm in den Sinn. Er recherchierte im Internet alles über den Wirkstoff, den Bornemann in Maja Schneiders Blut entdeckt hatte.

Veronal war ein schon legendär zu nennendes Schlafmittel, von dem Ärzte und Patienten gleichermaßen schwärmten. Vor über hundert Jahren war es zusammengemixt worden, angeblich gut verträglich und frei von jeglichen Nebenwirkungen. Das Zeug war sogar schon mehrfach zu literarischen Ehren gekommen. In Schnitzlers Erzählung Fräulein Else und Vicki Baums Roman Menschen im Hotel brachten sich Menschen mit Veronal um.

Wo hatte der Täter das Zeug wohl her? Angeblich war es seit den Siebzigerjahren nicht mehr im Handel.

*

Der Fotograf kam aus dem Nichts. Matt Turner hatte gerade das Haus verlassen, um in seine Kanzlei zu fahren, da stand der Mann plötzlich vor ihm. Matt riss instinktiv die Arme hoch, als er das Blitzlicht wahrnahm. »Was soll das?«, brüllte er.

»Matt Turner?«, fragte der Mann. »Der Ex von Maja Schneider?«

»Was geht Sie das an?«

»Mein Name ist Kay Schaumkuss.« Der Typ zeigte einen Presseausweis. »Reporter. Sie sind gestern bei den Bullen gewesen, richtig?«

»Lassen Sie mich in Ruhe«, entgegnete Matt böse. »Ich bin Anwalt und Sie sind gerade dabei, meine Persönlichkeitsrechte zu verletzen.«

»Vielleicht haben Sie ja auch Rechte verletzt, Herr Rechtsanwalt, vielleicht sogar die Rechte von Maja Schneider. Die hätte vielleicht gerne noch ein paar Jährchen weitergelebt. Vielleicht haben Sie sie getötet?«

»Unterlassen Sie solche Unterstellungen. Ich war längst nicht mehr mit ihr zusammen. Und jetzt gehen Sie mir aus dem Weg!«

»Hatte sie schon einen anderen?«, geiferte der Journalist. »War ja eine Hübsche.«

»Hauen Sie ab!« Wütend schubste Turner den Reporter zur Seite.

»Das ist Behinderung der Pressefreiheit«, protestierte Schaumkuss und drückte erneut auf den Auslöser.

Turner lief zu seinem Auto. Mit zitternden Händen schloss er die Tür auf, startete mit zu viel Gas und fuhr los.

Verdammt, dachte er, ich hätte gar nicht mit dem Kerl reden sollen. Jetzt würde sein Name doch noch in die Zeitung kommen, aber neue Mandanten würde das bestimmt nicht bringen.

Turners Handy klingelte. Hoffentlich war das nicht dieser Reporter.

»Ich muss Sie sprechen«, sagte Hauptkommissar Kant. »Kennen Sie das kleine Café neben dem Polizeipräsidium?«

»Das Galgenstrick

Turner stimmte zu. Hoffentlich war der Name des Cafés kein schlechtes Omen.

»Wie haben Sie Maja Schneider kennengelernt?«, kam Kant gleich zur Sache.

»Im Keep-out«, gab Turner Auskunft. »Sie war kaum zu übersehen.«

»Weil sie so hübsch war?«

»Aufreizend hübsch. Viele Männer fuhren total auf sie ab«, erklärte der Anwalt. »Warum sie mich genommen hat, weiß ich nicht. Sie hat dann aber schnell kapiert, dass ich nicht der Typ bin, der sie aus dem Leben, das sie führte, herausholen konnte.«

»Was war das für ein Leben?«

»Von der Hand in den Mund. Sie konnte mit Geld nicht umgehen, war aber verrückt nach Klamotten und solchem Zeug. Ein Nomadenleben, das sie hinter sich lassen wollte. Sie wünschte sich Sicherheit. Die konnte und wollte ich ihr nicht geben. Ich suche keine Frau, die ich finanzieren muss.«

»Weil Sie kein Geld haben?«, lächelte Kant.

»Nein.« Turner rührte in seinem Kaffee. »Das ist es nicht. Sie hatte – wie soll ich es sagen? – keinen Tiefgang. Auch, wenn sich das jetzt gemein anhört.«

»Aber erst mal haben Sie sich mit ihr eingelassen.«

»Es war diese unbändige Lebenslust, die mich fasziniert hat«, sagte Turner leise. »Maja war immer fröhlich, immer gut drauf – jedenfalls am Anfang. Dann kamen die Wochen, in denen sie regelmäßig ausrastete.«

»Wie meinen Sie das?«

Turner überlegte. »Die Anlässe waren unwichtig – jedenfalls aus meiner Sicht. Wenn ich bei Verabredungen zu spät kam oder gar nicht, weil einer meiner wenigen Mandanten mich brauchte, gab es Theater, Schreierei und grundsätzliche Diskussionen, die immer mit der Drohung endeten, dass sie mich verlassen würde. Sie sagte es so oft, dass ich mich langsam mit dem Gedanken anfreundete, sie los zu sein.«

»Das hat ja geklappt«, meinte Kant.

»So meinte ich das doch nicht«, stellte Turner klar. »Ich sehnte mich nach Ruhe. Das ist ja wohl nicht zu viel verlangt, oder?«

Kant ignorierte die Frage. »Einer Mitbewohnerin hat Maja von Zukunftsplänen berichtet. Sie hat sich plötzlich für Kunst interessiert.«

Turner lachte bitter auf. »Ja, ja, die Schauspielschule, auf die jedes hübsche Mädel will. Oder die Karriere als Model.«

»Nein, das meine ich nicht. Sie hat angefangen, Bücher über Malerei zu lesen. Und sie hatte angeblich einen Job in Aussicht, von dem sie sich offenbar viel versprochen hatte. Keinen Kellnerjob.«

»Davon weiß ich nichts.« Turner überlegte. »Ich habe auch nie mitbekommen, dass sie irgendein Buch las.«

Kapitel 4

Rheinburgs Kunsthalle erinnerte an ein gestrandetes Schiff. Sie war in den Fünfzigerjahren gebaut worden, und das sah man dem Gebäude auch an. Es wirkte verwohnt und ein bisschen schäbig. Die schwankende Luftfeuchtigkeit machte es immer wieder nötig, empfindliche Werke umzuräumen und manchmal sogar auszulagern.

Ihren Ruf hatte die Kunsthalle in den frühen Sechzigerjahren errungen, als der Rat der Stadt beschlossen hatte, die Expressionisten-Sammlung eines Fabrikanten und Kunstsammlers anzukaufen: Heckel, Kirchner, Dix, Macke, Schmidt-Rotluff und andere Künstler des 20. Jahrhunderts. Es handelte sich um wichtige Bilder, die heute Millionen wert waren.

Leon Fabry versäumte es selten, der Kunsthalle einen Besuch abzustatten, wenn er sich in der Stadt aufhielt. Das war an diesem Abend nicht anders. Wenn er die Gemälde betrachtete, war es, als träfe er gute alte Bekannte.

Im Glas der Eingangstür überprüfte er seine Erscheinung. Sein Hauptaugenmerk galt wie immer seinem Hemdkragen: Saß die Fliege gerade und war sie noch immer fest gebunden? Er wusste, dass ihn dieser Halsschmuck als Sonderling abstempelte, aber vielleicht war das ja gerade der Grund, warum er sein Haus nie ohne Fliege verließ.

Er verweilte gerade vor einem Kirchner, als er die Frau bemerkte. Sie war Mitte bis Ende dreißig, ein wenig größer als er, dunkelhaarig und kräftig. Ihre Stirn war breit und ihr Haar glänzte. Es war streng nach hinten gekämmt und mit einem einfachen Gummi zusammengefasst. Sie trug auffallende weiße Ohrringe und eine mehrfach um den Hals gewundene Kette aus Holzperlen. Sie war nicht nach der neuesten Mode gekleidet, denn diese propagierte zurzeit grelle Farben und ausladende Formen. Dagegen trug sie einen schmalen, schwarzen Hosenanzug. Ihr hatte es offenbar eine Landschaft von Erich Heckel angetan.

Fabry überlegte, ob er sie ansprechen sollte – doch in dem Moment stand sie auf und schlenderte weiter, ohne Notiz von ihm zu nehmen. Schließlich bog sie um eine Ecke und war verschwunden.

Na gut, dann nicht. Auch Fabry ließ ab von den Bildern, begab sich ins Café der Kunsthalle und bestellte einen Cappuccino. Den kleinen Keks, der auf der Untertasse lag, tunkte er in die Flüssigkeit und sah gebannt zu, wie sich der Glanz der Glasur langsam kräuselte. Kurz bevor das Gebäck außer Form geriet und in sich zusammenbrechen wollte, schnappte er danach und vertilgte es. Ein Gefühl der Überlegenheit machte sich in ihm breit – er hatte die Natur und ihre physikalischen Gesetze durch schnelles und beherztes Handeln außer Kraft gesetzt.

Er musterte die anderen Gäste. Nur Rentner und Schüler – niemand, der ihn interessierte. Schnell trank er den Cappuccino aus, bezahlte und verließ die Kunsthalle.

Gegenüber befand sich das große Kaufhaus, das er ab und zu aufzusuchen pflegte, um Stoffe für seine Fliegen zu kaufen. Er mochte solche Einkaufstempel. Da konnte er unter Menschen sein, ohne sich mit ihnen abgeben zu müssen.

Vor der Eingangstür hatte sich ein Bettler niedergelassen. Auf seinem Plastikteller lagen ein paar Münzen. Der Mann kauerte neben einem großen Abfallbehälter und hielt den Kopf gesenkt, was vermutlich eine gewisse Demut ausdrücken sollte. Fabry war sich jedoch sicher, dass diese Haltung nur eine Masche war, und streifte beim Vorübergehen den Teller absichtlich mit dem Fuß. Die Münzen rollten auf das Pflaster. Aufgeschreckt griff der Bettler danach und hob den Kopf. Sein Blick und der von Fabry trafen sich für eine Sekunde. Den Bettler fröstelte, er senkte die Lider sofort wieder.

Als habe er sein Ungeschick nicht bemerkt, trat Fabry durch die Eingangstür und blieb an dem Tisch mit den Hemden stehen, den Bettler noch immer im Visier. Der hatte sein Bettelgeld inzwischen wieder auf den Teller geräumt und war in seine kauernde Haltung zurückgefallen.

Fabry kramte in den Hemden und rechnete. Wenn der Bettler pro Stunde zehn Euro bekam und nur fünf Stunden vor dem Kaufhaus herumlungerte, käme er auf fünfzig Euro pro Tag. Bei zwanzig Tagen im Monat hätte er ein Einkommen von tausend Euro, steuerfrei. Dazu kam die Sozialhilfe, die der Mann mit Sicherheit zusätzlich bezog.

Fabry wusste nicht, ob er den Bettler beneiden oder hassen sollte.

Eine Verkäuferin näherte sich und fragte, ob sie etwas für ihn tun könne. Fabry verneinte und wandte sich von dem Hemdenstapel ab. Die Verkäuferin schickte ihm einen mürrischen Blick hinterher und beseitigte die Unordnung, die er angerichtet hatte.

Fabry sah wieder zum Bettler. Eine Hand senkte sich zum Teller und legte ein paar Münzen darauf. Es war die Hand der dunkelhaarigen Frau aus der Kunsthalle.

Sie lächelte den Bettler an, betrat das Kaufhaus und lief an Fabry vorbei. Ihr Gang war energisch und harmonisch, sie hielt sich gerade und strahlte eine gewisse Grazie aus. Die Rolltreppe entführte sie in die erste Etage.

Fabry folgte, kam aber an den anderen Menschen, die nach oben wollten, nicht vorbei. Er landete in der Abteilung für Damenoberbekleidung. Nichts. Die Frau war nicht zu sehen. Schon wieder hatte er sie verloren. Unschlüssig betrachtete er die Auslagen, wartete, ging weiter zu den Badeanzügen, wartete wieder und gab schließlich auf.

Er nahm die Rolltreppe nach unten und steuerte den Ausgang an. Plötzlich hörte er hinter sich einen Schrei. Jemand hatte auf der Rolltreppe das Gleichgewicht verloren und stürzte hinab. Unten blieb die Gestalt zusammengekauert liegen.

Fabry erkannte sie sofort, eilte zu ihr und bückte sich zu ihr hinab. »Haben Sie sich verletzt?«

»Ich weiß nicht.« Die Frau rappelte sich hoch, unterdrückte ein Stöhnen.

Die Leute standen glotzend herum. Endlich eilte ein Angestellter des Kaufhauses herbei und fragte, ob er einen Krankenwagen holen solle.

»Nicht nötig«, wehrte die Gestürzte ab. »Es geht schon.«

»Ich kümmere mich um die Dame«, versicherte Fabry. Entschlossen packte er sie am Arm: »Können Sie laufen?«

Sie versuchte, ein paar Schritte zu gehen, doch mehr als ein Humpeln brachte sie nicht zustande. Ihr Gesicht verzerrte sich vor Schmerz.

»Stützen Sie sich auf mich«, schlug Fabry vor. »Gebrochen scheint nichts zu sein. Vermutlich nur eine Zerrung. Sie haben viel Glück gehabt.«

Sie nahm seinen Arm, presste ihre Tasche fest an sich und gemeinsam schleppten sie sich Richtung Ausgang. Schnell packte der Bettler die ergatterten Münzen in eine Lederbörse.

Draußen fragte Fabry: »Wohin?«

»Ich will nach Hause. Nur nach Hause!«, stöhnte die Frau.

»Haben Sie Schmerzen?«

»Was denken Sie denn! Es tut verdammt weh!«, antwortete sie mit Zorn in der Stimme. »Warum habe ich nicht besser aufgepasst?«

»Ich würde Sie lieber zu einem Arzt fahren«, sagte Fabry. »Oder in eine Klinik.«

»Nicht nötig«, meinte die Frau. »Ich ärgere mich vor allem über meine Ungeschicklichkeit.«

»Man fällt halt manchmal«, sagte Fabry. »Es hätte aber viel Schlimmeres passieren können. Ein Genickbruch zum Beispiel.«

»Ja, klar«, sagte die immer noch Humpelnde. »Es kann immer alles schlimmer kommen.«

»Wo wohnen Sie?«

»Wieso?«

»Ich dachte, ich soll Sie nach Hause bringen? Oder wollen Sie doch lieber zu einem Arzt?«

»Auf keinen Fall. Es ist ja nur der Fuß. Und nicht das Genick. Und außerdem ist es nicht weit.«

Sie kamen nur langsam voran. Der Weg führte durch eine breite Allee, die von Platanen gesäumt war.

»Sie sind wirklich sehr hilfsbereit.« Ihr Lächeln wirkte angespannt. Auf ihrer Stirn standen Schweißperlen vor Anstrengung.

»Das ist doch selbstverständlich«, gab er zurück. »Wo Sie mir schon so direkt vor die Füße fallen! Da fühle ich mich doch verantwortlich für Sie.«

»Verantwortlich?«, fragte sie. »Wie meinen Sie das?«

Fabry überhörte die Frage.

»Hier wohne ich!«, sagte sie und blieb stehen.

»Gut. Dann haben wir es ja geschafft. Ich bringe Sie noch hinein.«

»Nein, nein«, wehrte sie ab. »Das schaffe ich schon allein. Es gibt einen Aufzug. Vielen Dank noch mal. Wie heißen Sie eigentlich?«

»Fabry.« Er ließ ihren Arm los. »Leon Fabry.«

»Ich bin Anna. Anna Stern. Sie sind ein netter Mensch, Herr Fabry.«

Anna drückte Fabrys Hand und humpelte in den Hausflur. Fabry sah ihr nach und speicherte ihren Anblick in seinem Hirn.

*

Die Morgensonne strahlte Anna Stern mit voller Kraft ins Gesicht. Die Nacht hatte ihr keine Ruhe beschert. Anna zog die Bettdecke über die Augen, doch an Schlaf war nicht mehr zu denken. Sachte bewegte sie den lädierten Fuß – er schmerzte höllisch.

Vorsichtig stakste sie ins Bad, das Gewicht nach rechts verlagernd. Sie löste die Elastikbinde und sah sich die Bescherung an. Knöchel und Mittelfuß waren geschwollen und auch die Zehen hatten ihre ursprüngliche Form verloren.

In der Küche gelang es ihr, die Kaffeemaschine anzuwerfen. Mit zusammengebissenen Zähnen schmierte sie sich zwei Scheiben Brot.

Es war wunderschönes Wetter draußen! Sie nahm Tasse und Teller und schleppte sich zu der weißen Holzbank, die sie sich vor Kurzem für den Balkon angeschafft hatte – ihre desolate Finanzlage ignorierend.

Anna hatte das linke Bein gerade auf einem Stuhl hoch gelagert, als das Telefon klingelte.

»Moment!«, rief sie, als könnte der Anrufer sie hören.

Stöhnend machte sie sich auf die Jagd nach dem Telefon.

»Guten Morgen«, sagte eine Stimme. »Hier ist Fabry. Leon Fabry. Ich wollte mich nach Ihrem Befinden erkundigen.«

»Wie nett! Woher haben Sie meine Nummer?«

»Aus dem Telefonbuch. Wie steht es um Ihren Fuß?«

»Schon wieder wie neu«, spielte sie die Sache herunter.

»Das glaube ich Ihnen nicht. Sie sollten doch einen Arzt aufsuchen.«

Ich bin nicht krankenversichert, dachte sie und sagte: »Ich hasse es, in Wartezimmern herumzusitzen. In ein paar Tagen ist alles wieder gut.«

Fabry fragte, ob er etwas für sie tun könne. »Vielleicht etwas einkaufen. Lebensmittel, Getränke – was immer Sie benötigen. Sie müssen wissen, dass ich meine Verantwortung für Sie ernst nehme.«

»Weil ich Ihnen vor die Füße gefallen bin? Ist das nicht etwas übertrieben?«

»Ganz und gar nicht. Ich gebe Ihnen meine Telefonnummer. Für den Notfall.«

Fabry nannte die Nummer. Anna notierte sie nicht.

*

Leon Fabry war peinlich berührt. Hoffentlich meinte die junge Frau nicht, dass er sie belästigen wollte. Falls sie diesen Eindruck hatte, und davon musste er ausgehen, sollte er gegensteuern – vielleicht mit einem Entschuldigungsschreiben und ein paar Blumen.

Fabry ging zu seinem Sekretär, nahm einen Bogen Büttenpapier heraus und suchte seinen Füllfederhalter.

Wie sollte er den Brief an Anna Stern beginnen? Zurückhaltend, humorvoll oder forsch? Förmlich oder ein wenig zweideutig?

Nein, für Anzügliches gab es keinen Anlass, das würde sie nur noch mehr verärgern. Er entschied sich, zurückhaltend und ein wenig schalkhaft zu schreiben.

Liebes Fräulein Stern …, begann er.

Fabry fand seine altertümliche Art kapriziös und gefiel sich in der Rolle des dezenten Gentlemans. Dass Menschen diese Art manchmal nicht verstanden und ihn im besten Fall für skurril hielten, irritierte ihn keineswegs.

Fabry schrieb den Brief zu Ende, notierte die Anschrift, klebte das Kuvert zu und verließ das Haus, um es einzuwerfen. Im Vorgarten fiel sein Blick auf die Schwertlilien, die kurz vor der Blüte standen. Es war die Iris germanica mit den lanzettförmigen Blättern und dem entschiedenen Blau des Sommerhimmels. Einige Stängel waren umgeknickt, Blätter lagen auf dem Beet verstreut.

Plötzliche Trauer ergriff Fabry und die Trauer verwandelte sich in jähe Wut, als er den Verursacher für die zerstörten Blüten entdeckte: Große Nacktschnecken hatten die Lilien angefressen, bevor sie zur Blüte gelangen konnten.

Da war noch eines dieser glänzenden rotbraunen Monster! Fabry nahm einen Stein aus der Umrandung des Beetes und erschlug es. Interessiert verfolgte er, wie das glitschige Tier zerquoll.

Nachdem er den Brief eingeworfen hatte, entschied er sich, Luise Kranach zu besuchen.

Tausendmal hatte er sich schon vorgenommen, sich nicht mehr um sie zu kümmern, weil ihre Treffen fast immer mit heftigen Streitereien endeten. Luise war einfach eine zänkische alte Schachtel. Aber sie kannten sich schon zu lange.

Er klingelte und hörte wenig später den schlurfenden Gang. Die Kette schob sich aus der Türsicherung.

»Na, Lulu«, sagte sie. Ihrem Gesicht war nicht anzusehen, ob sie sich über den Besucher freute. »Dann komm mal rein.«

Fabry folgte ihr. Er hatte ihr schon oft gesagt, dass sie ihn nicht Lulu nennen sollte, doch sie scherte sich einen Teufel darum.

»Kaffee und Kekse, Lulu?«, fragte die alte Dame.

»Du weißt, dass ich deinen Muckefuck hasse und deine harten Kekse ebenfalls«, antwortete Fabry.

»Ach, Junge!«

Hoffentlich fängt sie jetzt nicht wieder mit den alten Geschichten an, dachte Fabry.

»Bist ein echter Sonderling geworden, Lulu!«

»Wie du meinst«, sagte Fabry ungerührt. »Ich habe dir neue Stoffe mitgebracht. Für meine Fliegen.«