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Dr. Ilse-Maria Fahrnow | Jürgen Fahrnow

Soul
 Food 

Das Kochbuch
für achtsamen Genuss

Vorwort

Für Körper, Seele und Geist!

Im Geist der Liebe

In uns selbst liegt die Quelle aller Erfahrungen!

Achtsamkeit in allen Dingen

Zeitlos glücklich – heute ist der beste Tag meines Lebens!

Freiheiten und Talente – Kochen als Kunst

Küchenethik und Grundsatzgedanken

Kochen ist Arbeit!

Achtsamkeit beim Einkauf – zehn goldene Regeln

Trinken Sie lebendiges Leitungswasser

Eigner Herd ist Goldes wert

Nutzen Sie Gemüseabschnitte, um eine Brühe zu kochen!

Arbeiten Sie mit Profi-Kochgeschirr und -werkzeugen!

Ihr Körper ist Ihr »Fahrzeug« und verdient nur bestes Öl!

Tun Sie alles in guter Absicht und mit Heiterkeit!

Deine Nahrung sei deine Medizin

Fünf-Elemente-Küche – für Ausgewogenheit und Herzensglück

Fünf Elemente – fünf Seelenzustände

Nahrung für das Gleichgewicht der Elemente

Gesegnete Mahlzeit!

Seelenfreude für jeden Tag!

Frische und Energie

Geschmorter Fenchel auf Nudeln in Tomatensauce

Gebackene marinierte Tomaten

Kichererbsenpfanne mit Staudensellerie und Möhren

Geschmorter Treviso-Salat mit Orangen-Zitronen-Dressing

Mangold-Kartoffel-Lasagne

Knusprige Apfel-Blini

Spinat in Sesamsauce mit Gemüsespießchen

Petersilien-Zitronen-Wasser

Löwenzahnblütentee

Salat aus Hartweizengrieß, Tomaten, Lauchzwiebel und Minze

Grünes Bohnengemüse mit Möhrencurry

Frittierter Staudensellerie mit Möhren und Joghurtdip

Momente der Freude

Lauwarmer Schokoladenkuchen

Geröstetes Weißbrot mit gewürztem Olivenöl

Warmer Zuckerhutsalat mit Kürbis und Haselnüssen

Zuckerhutsalat mit Gurke und Tomaten

Feldsalat mit Orangen und Tomaten

Vegane Apfelpfannkuchen

Buchweizen mit gebackenem Salbei und Rucola

Endiviensalat mit Grapefruit

Rote-Bete-Schaumsuppe mit Sauerrahm und Koriandertunke

Warmes Haferflockenmüsli

Camargue-Reis-Risotto mit Oliven und Artischockenherzen

Spargel mit Lauchzwiebeln

Feste feiern

Joghurtterrine auf Erdbeersauce

Kartoffelragout

Maronenpüree mit gerösteten Sonnenblumenkernen

Muskatwürziges Pastinaken-Möhren-Gemüse

Warmer, bester Kartoffelsalat

Hirse-»Couscous«-Grundrezept

Feigen und Birnen

Klassische Apfelpfannkuchen

Gebackene Topinambur

Fettarme Mayonnaise

Tarte Tatin – warmer karamellisierter Apfelkuchen

Möhren-Kartoffel-Pfanne mit Sesam und Koriander

Trost für die Seele

Geeiste Kartoffel-Lauch-Suppe

Gratinierte Roquefort-Brote

Selleriecremesuppe mit weißen Bohnen und Möhrenchips

Gelbes Linsengemüse mit Schnittlauchpuffern

Teltower Rübchen in Schnittlauchsauce

Geschmorter Sellerie mit Zwiebeln auf Zuckerhutsalat

Kartoffel-Blumenkohlsuppe mit Möhren- und Zucchinistreifen

Kohlrabigemüse mit Zitronenkrusterln

Salat vom schwarzen Rettich mit Paprika und Orange

Rosenkohl-Petersilienwurzel-Gemüse

Langkornreis mit Kapuzinerkresse

Wärme und Geborgenheit

Belugalinsen-Tarteletts mit Schafsjoghurt und Minze

Brennnesseltee

Möhrentee mit Kurkuma

Dicke-Bohnen-Paste

Frittierte Auberginenbällchen mit Zitrone

Brennnesselsalat

Gebratene weiße Bohnen mit Spinat und Roquefort

Kichererbsensalat mit Zitrone und Brotkrusterln

Mascarponecreme mit Orangenscheiben

Tagliolini mit Cannellini-Bohnen

Adzukibohnen in Soja-Sesamöl-Sauce

Anhang

Register

Literatur, die weiterhilft

Die Autoren

Impressum

Vorwort

Liebe geht durch den Magen ähnliche Sprichworte gibt es in vielen Kulturen der Erde. Was tun wir, wenn wir einen Menschen besser kennenlernen möchten? Wo verbringen wir die aufregenden Momente des ersten Dates? Eine Einladung zum gemeinsamen Essen bietet immer die schönste Gelegenheit für entspannte Begegnungen. »Wenn du jemanden kennenlernen möchtest, lade ihn zum Essen ein«, sagte unsere Oma. »Schnelle Esser sind auch schlechte Liebhaber«, fügte sie noch mit einem verschmitzten Grinsen hinzu 

Zeitmangel, Druck und Stress erscheinen heute fast schon selbstverständlich. Wer sich als gemütlicher Genussmensch outet, wird der Faulheit verdächtigt. Dabei findet unser Leben immer nur in einem einzigen Augenblick statt – nämlich jetzt! Gestatten wir der Hektik, sich darin auszubreiten, besitzen wir viel weniger gefühlte Lebenszeit. Das kostbarste Geschenk unseres Seins zerrinnt uns zwischen den Fingern. Und schon fragen wir uns nach einiger Zeit, wo es geblieben ist, dieses Leben.

Entschleunigung und Achtsamkeit bringen uns das Leben zurück. Einen Augenblick verweilen, und alle Eindrücke bewusst aufnehmen. Momente der Verträumtheit genießen. Meditieren und nach innen lauschen. Bewusst atmen. Hier sein. Hier und Jetzt! Wie würde sich Ihr Leben verändern, wenn Sie diese Qualität täglich für mindestens eine Stunde pflegen könnten? Wie würden Sie sich verändern?

In den Zen-Klöstern der japanischen Tradition durften nur diejenigen Mönche in der Küche arbeiten, die einen bestimmten Grad der spirituellen Reife erlangt hatten. Die Energie des Kochs fließt ins Essen, so dachte man. Kennen Sie das? Ein bekanntes Rezept wird von einem anderen Menschen zubereitet, und Sie erkennen den vertrauten Genuss nicht mehr wieder. Warum schmeckt es vielen Menschen zu Hause am besten? Weil die Energie der Speise Geborgenheit und Vertrauen vermittelt. Hier ist das vertraute Nest. Hier dürfen Sie sich entfalten.

Haben Sie sich schon so ein Nest erschaffen? Oder ist Ihr Zuhause eher eine Durchgangs- und Übernachtungsstation zwischen Welten aus Beruf und Pflicht? Unser Zuhause sollte eine Tankstelle für Körper, Seele und Geist sein. Ein Ort des Friedens, der Erholung bietet. Ein Ort der Heiterkeit, in dem die Seele baumeln darf. Nur so können wir die komplexen Herausforderungen des heutigen Lebens wirklich meistern. Nur so erfüllen wir unser Sein mit echten Werten, die uns glücklich leben und reifen lassen.

Als ich meinen Mann, Jürgen Fahrnow, kennenlernte, war er ein Profikoch und Restaurantmeister. Er erschuf Momente des Genusses und der Entschleunigung für seine Gäste. Viele Menschen erlebten bei ihm einen unvergesslichen Abend unter Freunden. Und was war das Geheimnis dieser Verzauberung? In vollkommener Hingabe und Achtung bedient zu werden – ein Erlebnis, das die Seele zutiefst berührt. In diesen Momenten erinnert sie sich an ihre wahre Heimat. Frei von äußeren Anforderungen, frei von Anstrengung, Ehrgeiz und Zeitdruck schwebt sie in sinnlichen Räumen, und genießt ihr himmlisches Sein.

Mein eigenes Leben war sehr hektisch um diese Zeit. Ich leitete meine Arztpraxis, unterrichtete die jüngeren Kolleginnen und Kollegen in Homöopathie und Akupunktur, nahm ehrenamtliche Pflichten wahr, und ging oft ohne Essen ins Bett, weil ich zu erschöpft war, um mir etwas zuzubereiten. Als Profi zum Thema Gesundheit war ich tief im Strudel ungesunder Gewohnheiten verstrickt. Welch ein Widerspruch! Und was vielleicht sogar schlimmer war: Ich bemerkte es gar nicht mehr. Meine Arbeit machte mir große Freude, und über die Bedürfnisse meines Körpers oder meiner Seele dachte ich nicht lange nach. Bis dieser ruhige, achtsame Mann damals in mein Leben trat.

Wenn ich mittags für eine halbe Stunde aus der Praxis kam, erwartete er mich mit einem liebevoll gedeckten Tisch und einem duftenden, fantasievollen Menü. Diesen Duft konnte man schon im Treppenhaus unseres Altbaus wahrnehmen, und viele Menschen hätten die dazugehörigen Speisen sicher gerne gekostet. Mein Mann rückte mir den Stuhl zurecht und servierte mir seine Köstlichkeiten. Was für ein Augenblick! Aller Stress, alle Hektik und auch manche belastenden Gefühle aus der Arbeit lösten sich in dieser Atmosphäre sofort auf. Meine Seele fand ihren Raum, und mein Körper entspannte sich. So sollten wir immer leben – und zwar alle!

Können wir uns diese Oasen der Achtsamkeit und Lebensfreude selbst erschaffen?

In den Jahren mit meinem Mann lernte ich nach und nach, was man dafür braucht. Er diente mir als Vorbild und weckte mich sanft aus dem destruktiven Strudel mangelnden Bewusstseins. Wenn ich ihn beobachte, erfahre ich pure Achtsamkeit.

Einkaufen, Nahrung zubereiten, Kochen, Servieren, Aufräumen, Büroarbeiten erledigen, Projekte entwickeln, ein Gemälde erschaffen, einen Menschen beraten, Computerprogramme gestalten, Telefonieren, ein Buch lesen Alles entspringt einem ruhigen Fluss tiefer Bewusstheit. Rhythmen des Lebens. Rhythmen der inneren Sensibilität. Rhythmen der Seele. So wird Nahrung zu Soulfood. Nahrung aus der Seele, für die Seele.

Eigentlich ist es gar nicht so schwierig, denke ich manchmal. Versammelt im Jetzt, hingegeben an den Moment. Alles Tun in volle Aufmerksamkeit getaucht. Präsent sein. Ohne Nebengedanken. Ohne Festhalten. Lebensenergie pur. Welch ein Genuss entfaltet sich dabei! Wie viel Wohlbehagen, das sich durch Körper und Geist ausbreitet! Meine Sinne lächeln, und meine Seele bekommt Flügel. Wie wundervoll ist das Leben!

In den Südstaaten der USA bezeichnet man mit dem Begriff Soulfood eine besonders schwere, fette Küche. Traditionen aus einer Zeit des Mangels. Wer sich kein Fleisch leisten konnte, verwandelte fetten Speck, Bohnen und Innereien zu einem würzigen Eintopf. Kalorienreiche Gerichte für Menschen mit anstrengender, körperlicher Arbeit. Kunstwerke der Armen, die mit viel Kreativität und Lebensfreude etwas Gutes und Nahrhaftes aus ihren begrenzten Möglichkeiten zauberten.

Unser Soulfood ist von anderer Art. Leicht und duftig kommt es daher. Nahrhaft und gleichzeitig gesund. Bekömmlich und wohlausgewogen lädt es zum Schlemmen ein. Schlemmen ohne Reue. Ein Fest für Körper und Seele. Eines jedoch hat unser Soulfood mit der opulenten Südstaatenküche gemeinsam. Hier wie dort feiern Menschen die Kostbarkeit ihres Seins. Hier wie dort halten sie sich nicht lange mit scheinbar unausweichlichen Gegebenheiten auf. Hier wie dort machen sie das Beste aus ihrer Situation und achten das Leben dadurch in seiner Einzigartigkeit. Soulfood genießen bedeutet, Geborgenheit, Genuss und Freude im Leben zu verankern.

Wir wünschen Ihnen viele achtsam entspannte Stunden und guten Appetit!

Dr. Ilse-Maria und Jürgen Fahrnow

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Soulfood

Kennen Sie das wundervolle Gefühl, das eine gute Mahlzeit in fröhlicher Runde hinterlässt? Seelisch gestreichelt, körperlich gestärkt und geistig erfrischt verlassen Sie den Tisch. Eine Leuchtspur aus glücklichen Momenten erinnert Sie noch Jahre später an dieses Erlebnis. Wie wäre es, eine solche Erfahrung öfter zu genießen?

Für Körper, Seele und Geist!

Wie wäre es wohl, ab und zu oder sogar täglich in Achtsamkeit und Liebe genährt zu sein? Unsere Soulfood-Rezepte machen Ihnen das leicht. Genießen Sie am besten gleich heute eines unserer Gerichte!

Im Geist der Liebe

Liebe gehört zu den größten Sehnsüchten der Menschheit. Oft suchen wir sie im Außen. Der richtige Mann, die richtige Frau, der bessere Beruf, das schönere Haus. Das norddeutsche Märchen »Vom Fischer und sin Fru« spiegelt diesen Konflikt. Da erhält die Frau des Fischers eine großartige Chance. Weil sie in ihrer alten Hütte unglücklich ist, darf sie sich ein neues Haus wünschen. Sie bekommt es, aber nach einiger Zeit gefällt es ihr nicht mehr. Sie nörgelt und wünscht sich ein weiteres Haus. Aber auch die Erfüllung dieses Wunsches befriedigt sie nicht lange. Als sie sich erneut beschwert und noch mehr verlangt, verliert sie alles. Eine klassische Variante des Shopping-Syndroms? Aber was erfüllt unser Herz denn wirklich? Wie finden wir Liebe und Er-Füllung in einer Welt aus Hektik und Pflicht?

»Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle«, heißt es im Evangelium (Matthäus 7.22).

Im Geist der Liebe zu leben bedeutet, sich und anderen gegenüber liebevoll und aufmerksam zu sein. Jeden Teil der Schöpfung zu achten. Dem Leben Vorrang zu geben; es zu fördern und zu beschützen. Zu geben und zu vergeben. Und natürlich auch annehmen zu können, hier und da Großzügigkeit zu zeigen, »fünf gerade sein lassen«. Urteile, Projektionen und Schuldzuweisungen zu beenden. Schwierige Momente mit Humor zu meistern. Und sich immer wieder aufs Neue zu versammeln im Hier und Jetzt.

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Wie wäre es, wenn Sie sich vor der Zubereitung einer Mahlzeit in diesen Zustand begeben? Sie könnten alle unruhigen, bedrückenden oder ärgerlichen Momente bewusst aus dem Küchenfenster schicken. Das Fenster aufmachen, unangenehme Gedanken und Gefühle hinausatmen, und frische, unbelastete Luft einatmen. Ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Sich an die Kostbarkeit des Lebens erinnern. Und sich dann mit dieser Haltung Ihrer Aufgabe widmen: In Liebe bereite ich das Beste als Nahrung für mich und meine Lieben!

Achtsamkeit

WENN ESSEN, DANN ESSEN!

So lautet eine Grundregel des Zen. Man könnte ergänzen: wenn laufen, dann laufen. Wenn putzen, dann putzen. Wenn sprechen, dann sprechen. Was immer Sie tun, Sie konzentrieren und versammeln sich ganz auf diesen einen Moment. Sie schenken sich und Ihrem Tun die volle Aufmerksamkeit. Darin liegt Weisheit und Kraft. Bewusstsein als Tankstelle für die Seele. Leben und arbeiten im Zustand der Meditation.

Heutzutage gilt Multitasking als begehrte Fähigkeit. Aber wer sie ausübt, ist fast immer nach einiger Zeit gestresst und ausgelaugt. Haben Sie auch zu viel um die Ohren? Wie wäre es, wenn Sie sich bei der Zubereitung Ihrer Mahlzeiten und beim anschließenden Genuss einfach in eine andere Spur begeben? Von der gestreuten Aufmerksamkeit in die reine Präsenz? Zeit für sich selbst und für das Kostbarste, das Sie haben: Ihre körperlich-seelische Existenz!

In uns selbst liegt die Quelle aller Erfahrungen!

So komplex und schwierig das Leben manchmal auch erscheinen mag: Im Grunde ist alles ganz einfach. Sowie wir uns diesem Urgrund und der ihm innewohnenden Weisheit überlassen, füllt sich unser ganzes Dasein mit Leichtigkeit, Vitalität, Dankbarkeit und Lebensfreude.

Ein ganzes Universum wohnt im Menschen. Wir alle sind unvorstellbar komplexe, vielschichtige Wesen. Alles, was wir jemals erlebten, ist in unserem Zellgedächtnis aufgehoben. Aufnahmefähiger als alle Computer dieser Welt zusammen sind die Speicherplätze unserer Erbinformation. Wie haben Oma oder Urgroßvater gekocht? Sie wissen es! Was macht einen Menschen glücklich? Die Antwort schlummert in Ihnen. Welche schmackhafte, vitalisierende Nahrung brauchen Sie und Ihre Lieben jetzt gerade? Sie sind mit der Datenbank allen menschlichen Wissens verbunden. Sie müssen nur noch den richtigen Code zum »Einloggen« finden. Innerlich versammelt und körperlich entspannt öffnen sich alle wichtigen Kanäle, die Sie für Ihre Entdeckungsreise brauchen.

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Mit Soulfood laden wir Sie auf eine Abenteuerreise ein. Sinnliche Erfahrungen, die Ihre Intuition schon längst kennt und liebt. Wir ermutigen Sie, wieder öfter aus sich selbst zu schöpfen. Etwas Neues auszuprobieren. Der Intuition zu folgen. Vieles, was Sie hier hören, wird Ihnen vertraut vorkommen. Und das ist Absicht. Mit jedem unserer Hinweise und Rezepte geben wir Ihnen Gelegenheit, Ihre innere Weisheit wieder neu zu entdecken, und ihr einen warmen Platz in Ihrem Leben zu geben.

Achtsamkeit in allen Dingen

Das Wort Achtsamkeit ist in Mode. Vielleicht weist das auf ein notwendiges Heilmittel hin in dieser Zeit, die gekennzeichnet ist von Druck, Eile und Überforderung. Zahlreiche neue Diagnosen definierte die Medizin in den vergangenen Jahren. Das Burnout-Syndrom; die Beschreibung für einen ausgebrannten, vollkommen erschöpften Menschen. Das ADHS – ein Symptomenkomplex der fehlenden oder zu wenig versammelten Aufmerksamkeit. Die bipolare oder die multiple Persönlichkeit – ein Mensch, der zwischen verschiedenen, unausgewogenen Gefühlen buchstäblich zerrissen ist. Ein Mensch ohne Balance.

Hier eine verblüffend einfache Achtsamkeitsübung für alle, deren Zeit gerade sehr knapp bemessen ist: Strecken Sie Daumen und Zeigefinger bewusst auseinander, und sagen Sie dabei »Ich dehne die Zeit und erfülle meine Aufgaben entspannt und heiter«. Sie können sich auch ein Zeitfenster vorstellen, das Sie am Touchscreen Ihres PCs vergrößern. Sie werden staunen. Diese Übung wirkt praktisch immer.

Wie kann es überhaupt dazu kommen, dass Menschen ihre kostbare Lebensenergie bis aufs unterste Batterie-Level verbrauchen? Dass sie sich ununterbrochen »zerstreuen«, bis sie schließlich ruhelos durch ihr Leben hetzen? Ablenkung und Zerstreuung gehören zu den üblichen, wenig hinterfragten Freizeitgewohnheiten. Können Sie dem destruktiven Strudel aus immer mehr Anforderungen und immer weniger glücklich und immer weniger entspannt verbrachter Lebenszeit eine andere, energieerzeugende Drehrichtung geben? (Links drehende Strudel verbrauchen Energie, rechts drehende bauen Energie auf. Dies ist eine Erkenntnis der Physik.) Ja, Sie können die Drehrichtung des Strudels umkehren: Indem Sie Achtsamkeit in allen Dingen entwickeln, entschleunigen, Atem holen und neue Prioritäten setzen im täglichen Gewohnheitstrott. »Heute habe ich besonders viel zu tun. Da muss ich mir eine Stunde mehr Zeit für meine Andacht nehmen«, sagte Martin Luther. Offenbar wusste er genau, wo und wie er die sprudelnde Quelle aus Lebensenergie und Leistungskraft finden konnte. Und er nahm sich selbst ernst genug, entsprechend zu handeln!