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Cedric Balmore

Tony Cantrell #24: Roulette mit blutigen Kugeln:





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Roulette mit blutigen Kugeln

Privatdetektiv Tony Cantrell #24

von Cedric Balmore

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 111 Taschenbuchseiten.

 

Larry Bender, der Manager und Croupier eines illegalen Spielclubs, findet den erschossenen Liebhaber seiner Ehefrau Jane und er erkennt, dass ihm der Mord angehängt werden soll. Weitere Morde passieren und es sieht danach aus, dass ihm die auch angehängt werden sollen, darum wagt er nicht, zur Polizei zu gehen. Als schließlich auch noch seine Ehefrau Jane ermordet wird und auch alles danach aussieht, als ob Larry den Mord begangen hat, entschließt er sich, den Privatdetektiv Tony Cantrell einzuschalten. Für den Privatdetektiv beginnt eine schwere Arbeit.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

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© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

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postmaster@alfredbekker.de



1

Larry Bender hatte es kommen sehen, schon seit langem. Er stand fassungslos vor dem Toten und wunderte sich darüber, dass er angesichts des schrecklichen Ereignisses so ruhig und gelassen bleiben konnte.

Es ist der Schock, dachte Bender. Vielleicht drehst du gleich durch. Immerhin geht es jetzt auch um dein Leben, um deine Existenz.

Es war nicht der erste Tote, den er sah. Aber Bender drohte zum ersten Male Gefahr, durch das Sterben eines anderen vernichtet zu werden.

Larry Bender setzte sich. Er war unfähig, seine Blicke von dem Toten zu lösen. Der Mann hockte am Spieltisch, sein Kopf ruhte neben dem Rouletteteller auf dem grünen Filztuch. Die verkrampfte Faust des Mannes lag in Höhe seiner Stirn.

Im Gesicht des Toten spiegelte sich noch etwas von der Qual des Sterbens, ein Ausdruck von Angst und Resignation, aber auch eine Spur von Hass, die dem Mörder gegolten haben mochte.

Larry Bender stand auf, ging hinüber zur Bar und schenkte sich einen Whisky ein.

Was war aus den anderen geworden, aus Chirpy, Ken und Fred? Warum waren sie nach Hause gegangen, als sei nichts geschehen, weshalb hatten sie den Toten im Spielzimmer zurückgelassen? Wenn die Putzfrauen aufkreuzten und die Leiche entdeckten, drohte eine Katastrophe.

Bender schüttelte den Kopf und hörte geistesabwesend wie benommen auf das monotone Rauschen des Wandventilators. Ich muss Jane anrufen, dachte er.

Jane war seine Frau. Eine Ex-Sängerin, die es immerhin auf 9 Singles gebracht

hatte. Zwei davon hatten das untere Drittel der Schlagerparade erreicht.

Als er zu mir kam, mich in seine Arme nahm, wurde meine Treue lahm...

Das war ihr größter Hit gewesen. Eine Schnulze mit einem Hauch von Ironie. Nur hatten Schnulze und Text auch in Janes Leben ihren Platz gehabt. Jane hatte es mit der Treue niemals genau genommen, auch in der Ehe nicht. Zuletzt hatte Jane mit Tom Zutter ein Verhältnis gehabt. Okay. Tom Zutter war jetzt tot.

Er saß am Roulettetisch des illegalen Spielklubs, den er, Larry Bender, als Croupier und Manager leitete.

Es lag auf der Hand, dass man ihm Tom Zutters Tod anhängen würde, dass ihn eine Mordanklage erwartete, als deren Motiv sich Eifersucht nennen ließ.

„Scheiße“, sagte Larry Bender laut und leerte das Glas mit wenigen Zügen. Er stellte es hart und wütend auf den Bartresen zurück.

Er musste den Boss informieren, Guilio Garetti. Aber Garetti würde Fragen stellen, gleich ein ganzes Dutzend, auf die er, Larry, keine Antworten wusste. Nein, erst musste er sich informieren...

Ein Geräusch ließ ihn zusammenfahren. Er hörte das Klappen einer Tür, dann Schritte.

Ein Mann näherte sich dem Zugang zum Spielzimmer.

Larry Bender griff instinktiv unter den Tresen. Dort lag ein geladener Revolver. In

diesem Job und in dieser Umgebung musste man auf alles gefasst sein.

Die Tür öffnete sich.

Vor der Notbeleuchtung des Korridors zeichneten sich die Konturen eines Mannes ab.

Der Mann blieb auf der Schwelle stehen.

Larry Bender stieß erleichtert die Luft aus. Es war Fred Whistler, der Mixer. Bender ging um den Tresen herum. Er hatte immer noch den Revolver in der Hand. „Gut, dass du kommst, Fred“, sagte er. „Ich dachte schon, der Mörder sei zurückgekehrt.“

Fred Whistler machte zwei Schritte nach vorn, dann blieb er erneut stehen. „Was ist das? Was ist passiert, verdammt noch mal?“, stieß er hervor und blickte auf den Toten, der zusammengesunken am Spieltisch hockte.

„Das wollte ich gerade dich fragen“, sagte Larry Bender. „Ich bin vor fünf Minuten reingekommen, ich wollte noch mal nach dem Rechten sehen...“

„Was willst du mit der Kanone, Mensch? Hast du ihn damit umgelegt?“, fragte Whistler. Er war ein knochiger, hochgewachsener Typ mit einem Fred-Astair-Gesicht.

Larry Bender starrte auf die Waffe in seiner Hand. Er bewegte mit dem Daumen die Magazintrommel. Eine Patrone fehlte. Er schnupperte an der Mündung. Kein Zweifel, dies war die Mordwaffe. Und jetzt befanden sich seine Fingerabdrücke auf ihr...

„He, ich frage dich was!“, sagte Whistler. Unter dem offenen Burberry trug er noch seine Mixerkluft.

„Und ich frage dich, weshalb du noch einmal zurückgekommen bist“, sagte Larry Bender scharf.

„Ich hab mein Feuerzeug vergessen, mein Dunhill“, erwiderte Whistler. „Ich will nicht, dass es unter die Räuber fällt.“ Er trat an den Tresen, schaute sich dort um und sagte: „Komisch, ich hätte wetten mögen...

Er zuckte zusammen, als Bender ihn am Arm hart packte und herumriss. „Du Arschloch!“, stieß er hervor. „Wie kannst du dich für dein idiotisches Feuerzeug interessieren, wenn hier ein Mord passiert ist?“

Sie starrten sich in die Augen, hart und feindselig. „Lass mich los“, knurrte Whistler.

„Du hast mit dem Killer gemeinsame Sache gemacht“, erklärte Larry Bender, dem es plötzlich wie Schuppen von den Augen fiel. „Du bist noch einmal zurückgekommen, weil ihr damit rechnetet, dass ich nach dem Revolver greifen würde. Jetzt sind meine Prints darauf...“

„Lass mich los!“, wiederholte Whistler.

Larry Bender befolgte die Aufforderung. Es hatte keinen Sinn, verrückt zu spielen. Er musste einen klaren Kopf behalten. Aber sein gegen Whistler gerichteter Verdacht blieb bestehen. Im Grunde hatte er Whistler niemals leiden mögen.

„Ich will wissen, was passiert ist, verdammt noch mal“, sagte Larry Bender.

„Nichts. Als ich ging, war Zutter nicht hier. Er war den ganzen Abend nicht da...“

„Wann hast du die Bude dichtgemacht?“

„Gegen drei Uhr fünfzig. Chirpy und Ken sind vor mir gegangen. Ehe ich abschloss, habe ich mich überall umgesehen, sogar auf den Toiletten. Alles war okay, da war niemand...“

Larry Bender schaute auf seine Uhr. „Okay, beginnen wir mal zu rechnen. Du bist um drei Uhr fünfzig gegangen und ich bin gegen vier Uhr dreißig gekommen. Demnach muss das Verbrechen zwischen drei Uhr fünfzig und vier Uhr dreißig passiert sein. Aber wie ist Tom reingekommen und wie der Mörder? Die Tür war verschlossen, als ich hier aufkreuzte.“

„Dafür habe ich keine Erklärung. Weiß der Alte schon Bescheid?“

Larry Bender verzog den Mund. Er hatte Angst, Garetti zu informieren. Es war niemals ein Vergnügen, mit dem Boss zu sprechen, aber es drohte, kriminell zu werden, wenn man es wagte, ihn aus dem Schlaf zu reißen. Nur gab es keine Alternative. Garetti musste entscheiden, was zu tun war. „Hast du mit Jane gesprochen?“, fragte Whistler.

„Nein. War sie heute Abend hier?“

Whistler schüttelte den Kopf. „Es war ein ziemlich müder Betrieb“, sagte er. „Umsatzgruppe C.“

„Nicht schlecht für einen Montag“, murmelte Bender mechanisch, aber seine Gedanken kreisten um den Toten, um Garetti und um Jane.

„Du musst etwas unternehmen“, drängte Whistler.

Plötzlich klingelte das Telefon. Die Männer schauten sich an, schweigend, dann nahm Bender den Hörer ab. „Ja?“, sagte er nur.

„Wie läuft es, Liebling?“, flötete ihm eine Frauenstimme entgegen.

Es war Jane.

Larry Bender zog wie fröstelnd die Schultern hoch. Er begriff, dass Jane glaubte, mit Tom Zutter zu sprechen. Demnach wusste sie, dass Zutter vorgehabt hatte, in den Klub zu gehen.

„Ich bin’s, Larry“, sagte er.

„Oh“, hauchte Jane. „Das weiß ich doch! Wie geht es deiner Mutter?“

„Sie ist fast fieberfrei, es geht ihr besser“, sagte er.

„Das freut mich. Kommst du jetzt nach Hause?“

„Nein, ich habe noch zu tun.“

Er legte auf.

Whistler hielt triumphierend das goldene Feuerzeug hoch.

„Ich hab's gefunden!“, sagte er. Dann senkte er den Arm und fragte: „Warum hast du’s ihr nicht gesagt?“

„Dreimal darfst du raten!“, höhnte Larry Bender und wählte die Nummer seines Chefs.