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Über den Autor

Russell Simmons gründete 1983 das legendäre Musiklabel Def Jam und gilt seither als maßgeblicher Wegbereiter der Hip-Hop-Bewegung. Der erfolgreiche Geschäftsmann ist unter anderem an verschiedenen Modelabels und Medienunternehmen beteiligt. Er ist eine wichtige Persönlichkeit des öffentlichen Lebens in den USA und praktiziert seit vielen Jahren Meditation und Jivamukti Yoga. »Erfolg durch Stille« ist sein drittes Buch und wie seine Vorgänger ein New-York-Times-Bestseller. Russell ist gebürtiger New Yorker und stolzer Vater zweier Töchter.

RUSSELL SIMMONS

MIT CHRIS MORROW

ERFOLG

DURCH

STILLE

GESUND, KREATIV

UND ERFOLGREICH MIT

KURZMEDITATIONEN

Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt

von Ulrike Kretschmer

Die amerikanische Originalausgabe erschien 2015 unter dem Titel »Success Through Stillness«.
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This edition published by arrangement with Gotham Books, an imprint of Penguin Publishing Group, a division of Penguin Random House LLC.
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© 2014 by Russell Simmons
© 2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Irisiana Verlag, einem Unternehmen der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München
Projektleitung: Sven Beier
Satz: Leingärtner, Nabburg
Umschlaggestaltung: Geviert, Grafik & Typografie
ISBN: 978-3-641-19172-6
V002
www.penguinrandomhouse.de

Meinen beiden Töchtern Ming Lee

und Aoki Lee gewidmet.

Mit besonderer Widmung

an ihre Mutter Kimora Lee,

die meinen letzten beiden Büchern

einen Titel gegeben hat,

als ich mir nicht sicher war,

wie ich sie nennen sollte.

INHALT

TEIL EINS

Warum meditieren?

KAPITEL 1

DER PFAD ZUM GLÜCK

KAPITEL 2

MEIN WEG ZUR MEDITATION

TEIL ZWEI

Warum Sie glauben, nicht meditieren zu können

KAPITEL 3

ICH HABE KEINE ZEIT

KAPITEL 4

ICH BIN NICHT GUT DARIN

KAPITEL 5

ICH WEISS NICHT, WO ICH MEDITIEREN SOLL

KAPITEL 6

GOTT WILL NICHT, DASS ICH MEDITIERE

KAPITEL 7

OB SIE WOLLEN ODER NICHT

TEIL DREI

Die gesundheitlichen Vorzüge der Meditation

KAPITEL 8

ANDERE HIRNSTRUKTUREN, ANDERES LEBEN

KAPITEL 9

WIE MEDITATION IHREM KÖRPER HILFT

TEIL VIER

Das persönliche Potenzial entfalten

KAPITEL 10

DIE MACHT DER GEGENWART

KAPITEL 11

DEN FOKUS FINDEN

KAPITEL 12

ERFOLGSDRUCK UND ANGST VORM SCHEITERN

KAPITEL 13

RUHE UND AUSGEGLICHENHEIT FINDEN

KAPITEL 14

KREATIVITÄT WECKEN

KAPITEL 15

SICH BEFREIEN

KAPITEL 16

MEDITATION STATT MEDIKATION

KAPITEL 17

LEBEN OHNE ZU URTEILEN

KAPITEL 18

DIE MACHT DES MITGEFÜHLS

TEIL FÜNF

Meditieren – so geht’s

KAPITEL 19

HABEN SIE VERTRAUEN

LESEN SIE WEITER

DANKSAGUNG

TEIL EINS

Warum meditieren?

KAPITEL 1

DER PFAD ZUM GLÜCK

Zweck und Erfüllung des Lebens

ist das Erleben von Glück.

MAHARISHI MAHESH YOGI

Warum sollten Sie meditieren?

Die Antwort auf diese Frage ist ganz einfach: um glücklich zu sein.

Was der einzige Grund ist, warum Sie hier sind.

Das mag wie eine allzu simple Herangehensweise an den Sinn des Lebens klingen, doch ich glaube von ganzem Herzen daran.

Ja, ich bin mir absolut sicher: Könnten wir unsere Egos, Begierden, Ängste und Unsicherheiten abstreifen, würde einzig das Glücklichsein übrig bleiben.

Es gibt Tage, an denen wir diese Wahrheit beinahe mit Händen greifen können. Dann wachen wir auf, und die Sonne scheint ein wenig heller, die Vögel singen ein wenig lauter und wir gehen mit Schwung, Elan und einem fröhlichen Herzen in die Welt hinaus.

Es gibt andererseits aber auch Tage, an denen wir angesichts dessen, was uns erwartet, nervös und unsicher sind. Dann kann es draußen 26 Grad warm und sonnig sein, wir haben trotzdem das Gefühl, uns in einer kalten, dunklen Welt zu bewegen.

Zweck dieses Buches ist es, Ihnen zu zeigen, dass Sie wählen können, in welcher der beiden Welten Sie leben wollen. Sie können beschließen, dass in Ihrer Welt immer die Sonne scheint – egal, was um Sie herum geschieht.

Sie können sich aber auch dafür entscheiden, dass Ihre Welt immer ein kalter, dunkler Ort sein wird.

Der Punkt ist, dass diese Entscheidung nicht die externe Welt trifft, sondern Sie.

Natürlich würden die meisten Menschen eine Welt voller Sonnenschein vorziehen. Sie wissen nur nicht, wie sie dorthin gelangen können.

Ich weiß, wie: Meditation kann Sie in diese Welt bringen. 20 Minuten lang still dazusitzen kann Schmerz, Frust und Unsicherheit, die Ihr Dasein negativ beeinflusst haben, fortschwemmen und es Ihnen ermöglichen, zum Zustand des Glücklichseins – Ihr Geburtsrecht – zurückzukehren.

Der Pfad, den ich Ihnen in diesem Buch aufzeige, stellt den kürzesten Weg zwischen Ihrem jetzigen Zustand und jenem des Glücklichseins dar. Ich werde Sie dabei auf keinerlei Umwege führen, auch wenn diese hin und wieder landschaftlich reizvoll sein mögen. Nein, dieses Buch ist eine einfache und direkte Anleitung, wie Sie das Werkzeug der Meditation nutzen können, um das Beste aus Ihrem Leben zu machen – geschrieben mit der Kompetenz eines Verfassers, der genau dieses Werkzeug seit 15 Jahren für sich selbst nutzt, jeden Tag.

Das Buch ist deshalb so einfach und direkt gehalten, weil es dazu beitragen will, die Meditation zu entmystifizieren. Es will mit irrigen Vorstellungen oder möglichem Unbehagen aufräumen, das Sie dieser uralten Praktik gegenüber vielleicht empfinden, und Ihnen dabei helfen, sie als wertvolles und auch heute noch überaus wichtiges Instrument anzusehen. Allein die Tatsache, dass Sie diese Worte jetzt lesen, zeugt davon, dass Sie zumindest neugierig auf die Methode sind; möglicherweise gibt es aber noch etwas, das Sie davon abhält, sie auszuprobieren. Vielleicht haben Sie das vage Gefühl, der Meditation hafte etwas »Fremdartiges« oder »Mystisches« oder – schlimmer noch – etwas »Ketzerisches«, »Unchristliches«, »Gottloses« an. Vielleicht sind Sie skeptisch, ob die Methode auch »funktioniert«. Oder – und darüber muss ich immer lachen – Sie glauben zwar daran, dass es Ihnen helfen könnte zu meditieren, haben im Moment aber einfach »keine Zeit« dafür.

Ich werde im Laufe des Buches auf diese und weitere Missverständnisse eingehen, möchte aber gleich zu Beginn eines klarstellen: Die Meditation hat absolut nichts »Fremdartiges« an sich. Tatsächlich ist sie etablierter, als Sie vielleicht denken. Oprah Winfrey. Jerry Seinfeld. Paul McCartney. Ellen DeGeneres. Forest Whitaker. Von all diesen Menschen haben Sie bestimmt schon einmal gehört; ihr Erfolg hat Millionen anderer Menschen inspiriert. Sie alle meditieren und erachten die Meditation als eine der Grundlagen ihres Erfolgs. Ich werde Ihnen ihre Gedanken zur Meditation und die zahlreicher anderer führender Persönlichkeiten auf dem Gebiet der Kunst, des Geschäftslebens, der Bildung und Erziehung, der Wissenschaft und der Spiritualität in den folgenden Kapiteln näherbringen. Denn ich möchte Ihnen klarmachen, dass Sie sich als jemand, der Meditation praktiziert, einer Gemeinschaft äußerst erfolgreicher Menschen anschließen. Einer Gemeinschaft von Menschen, die sich unter ihren Bedingungen durch das Leben bewegen und ihr Potenzial vergrößern.

Dazu gleich ein Beispiel: Vor Kurzem traf ich auf einer Party auf Dwyane Wade und Chris Bosh, die für die Miami Heat der NBA, der National Basketball Association, spielen. Die Party gaben Dwyane und Gabrielle Union in Malibu. Die Heats hatten gerade ihre zweite Meisterschaft in Folge gewonnen, und als ich Dwyane und Chris deswegen gratulierte, kamen wir so ins Gespräch und unterhielten uns über verschiedene Praktiken, die sie nutzen könnten, um energiegeladen und konzentriert zu bleiben. Ich erzählte ihnen davon, wie mir die Meditation in meiner bisherigen Karriere immer genau dabei geholfen hatte, und schlug vor, dass sie es selbst ausprobieren sollten.

»Das solltet ihr wirklich, denn ob es euch nun bewusst ist oder nicht: Ihr habt die Art von Konzentration und Stille, die mit der Meditation einhergeht, bereits kennengelernt«, erklärte ich ihnen. »Wenn ihr zum Beispiel raus aufs Spielfeld geht, in eine Art Flow kommt und das Gefühl habt, der Korb ist riesig, wie ein Ozean. Ihr könnt ihn einfach nicht verfehlen! Wenn ihr meditiert, seid ihr auch außerhalb des Spielfelds im Flow. Stellt euch nur mal vor: Ihr lebt euer ganzes Leben in diesem tollen Zustand der Konzentration, geht quasi im Leben selbst auf!«

Sie waren beide unglaublich fasziniert. »Alles was wir tun, dreht sich darum, noch präziser und konzentrierter zu sein, wenn wir aufs Spielfeld rausgehen«, erwiderte Dwyane. »Wäre super, wenn wir uns selbst in diesen Zustand bringen könnten. Und du meinst wirklich, die Meditation kann uns dabei helfen?«

»Lasst es mich so erklären«, entgegnete ich. »Der chinesische Philosoph Laozi hat einmal gesagt: ›Dem Geist, der still ist, ergibt sich das ganze Universum.‹ Die Meditation macht den Geist still und ruhig. Völlig. Und wenn sogar das ganze Universum vor einem stillen Geist kapituliert, was würde dann erst eine gegnerische Mannschaft tun? Die legt sich wahrscheinlich gleich vor euch hin!«

Sie lachten und fragten mich, wie sie am besten damit anfangen sollten. Also gab ich ihnen den Kontakt von Bob Roth, einem engen Freund von mir, der auch mein Meditationslehrer ist und die Methode nun bereits seit über 40 Jahren lehrt. Zu seinen Schülern gehören auch einige der Menschen, die ich vorhin erwähnt habe, etwa Oprah Winfrey und Ellen DeGeneres. Ich werde Dwyane und Chris aber auf jeden Fall ein Exemplar dieses Buches schicken, falls sie es nicht geschafft haben, sich mit Bob in Verbindung zu setzen.

Gespräche wie diese und viele, viele andere, die ich mit der Zeit geführt habe, haben mich dazu bewogen, dieses Buch zu schreiben. Es ist zwar wunderbar, wenn die Meditation Dwyane Wade zu einem noch besseren Basketballspieler macht, aber noch wunderbarer, wenn ich das Wissen, das ich mir mit den Jahren angeeignet habe, mit anderen teilen kann. Ich würde Laozis Botschaft gern allen sagen, die sie hören wollen: Dem Geist, der still ist, ergibt sich das ganze Universum.

Die Meditation ist sowohl das einfachste als auch das effektivste Mittel, das uns zur Verfügung steht, um unseren aufgewühlten Geist zur Ruhe zu bringen.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Sie dieses Buch zur Hand genommen haben, weil Sie an dem Erfolg teilhaben möchten, den ich auf meinem Gebiet, Dwyane auf seinem und Oprah auf ihrem hatte. Und auch hierzu kann ich im Brustton der Überzeugung sagen: Die Meditation ist das wirkungsvollste Instrument, das Sie einsetzen können, um selbst erfolgreich zu sein.

Doch abgesehen davon, dass die Meditation Ihrer Karriere auf die Sprünge helfen kann, hat sie noch viele andere Vorzüge, die Ihre Lebensqualität steigern werden: Sie baut Stress ab, sie verbessert die Gesundheit, insbesondere die des Nervensystems, sie fördert eine gesunde und ausgewogene Ernährung und erhöht die Konzentration.

Und das sind nur einige der handfesteren Vorteile. Darüber hinaus fördert die Meditation den inneren Frieden, das Mitgefühl und die Balance in Ihrem Leben. Das hört sich zunächst vielleicht nach eher vagen oder unnötigen Dingen an, und möglicherweise denken Sie jetzt: »Okay, bring mir einfach bei, wie ich erfolgreicher und gesünder sein kann, das reicht mir schon.« Doch wenn ich mich nicht auch für die eben genannten Dinge einsetzen würde, würde ich wirklich nur Ihre Zeit verschwenden.

Sicher können Sie die Meditation auch dazu nutzen, mehr Geld zu verdienen, beruflich voranzukommen oder sogar gesünder zu werden, doch ohne Frieden und Mitgefühl in Ihrem Leben wären Sie persönlich keinen Schritt weiter als zu dem Zeitpunkt, an dem Sie dieses Buch das erste Mal zur Hand genommen haben.

Das Konzept, nachhaltiges, langfristiges Glück jenseits des rein materiellen Erfolgs zu finden, steht auch hinter meinem letzten Buch Super Rich: A Guide to Having It All. Ich möchte es Ihnen ans Herz legen, wenn ich nun Ihre Neugier geweckt habe.

Einer der Gründe, warum ich das Buch, das Sie gerade in Händen halten, geschrieben habe, war tatsächlich der, dass mir nach Super Rich so viele Menschen erzählten, das Kapitel über Meditation habe ihr Leben verändert. Dass sie erstmals ihre Gedanken und Gefühle kontrollieren konnten, anstatt lediglich auf sie zu reagieren. Statt ziellos und unsicher durch ihr Leben zu irrlichtern, gewannen sie durch Meditation Zuversicht und Selbstvertrauen.

Das kenne ich. Seit ich vor 15 Jahren zu meditieren begann, habe ich es jeden Tag getan. Wo auch immer ich bin und was auch immer in meinem Terminkalender steht – ich stürze mich niemals ins Leben, ohne vorher nicht 20 Minuten meditiert zu haben. Ich habe es nach dem Aufstehen mit Kaffee, mit Essen, sogar mit Drogen probiert, doch nichts versetzt mich in die Geisteshaltung, in die mich die Meditation versetzt.

Deshalb will ich jetzt aufhören, ein Loblied auf die Meditation zu singen, und mich stattdessen der Aufgabe widmen, Ihnen zu zeigen, wie das Meditieren geht.

Ich werde Ihnen auf dem direktesten und schnellsten Weg zeigen, wie 20 Minuten Stille, zweimal am Tag, nicht nur die Beziehung zu Ihnen selbst, sondern auch die Beziehung zu Ihrer Umwelt radikal verändern können.

Doch gedulden Sie sich bitte noch einen Augenblick, auch wenn Sie das Gefühl haben, bereit zu sein, und es kaum mehr erwarten können. Dieses Buch ist kurz, und ich habe versucht, alles außen vor zu lassen, das Ihren Weg zu dieser wunderschönen und einfachen Methode unnötigerweise behindern könnte. Dennoch ist es wichtig, dass Sie um die Wirkungen der Meditation wissen. Sie mögen begierig darauf sein, sofort loszulegen, aber ich sage Ihnen, dass die Meditation auch eine Herausforderung darstellt. 20 Minuten zweimal am Tag hören sich im Moment vielleicht nicht nach viel an, doch wenn Sie morgens außerdem noch mit dem Hund Gassi gehen, das Essen für die Kinder vorbereiten und sie zur Schule bringen, sich selbst für die Arbeit fertig machen müssen oder einfach noch etwas verkatert vom Abend zuvor sind, sind 20 Minuten auf einmal eine lange Zeit. Ebenso wie abends, wenn Sie außerdem noch die Kinder vom Basketballtraining abholen, E-Mails beantworten, Rechnungen bezahlen, kochen oder etwas für morgen vorbereiten müssen.

Aus diesem Grund sollten Sie sich mit den Vorzügen der Meditation gut vertraut machen. Dann nämlich werden Sie die 20 Minuten morgens und abends nie mehr missen wollen, egal, wie sehr die Welt um Sie herum Sie auch ablenken will. Wie hektisch sich Ihr Leben auch anfühlen mag und wie viele dringende Dinge auch immer auf Ihrer To-do-Liste stehen mögen, Sie wissen, dass das Beste, das Sie im Augenblick tun können, dies ist: einfach still zu sein.

KAPITEL 2

MEIN WEG ZUR MEDITATION

Lange bevor man mich als Musikmogul oder den »Paten des Hip-Hop« betitelte, nannten meine Freunde und meine Familie in Hollis, Queens, mich Rush, »eilig«. Wie das Spitznamen so an sich haben, trug ich ihn zu Recht, denn damals konnte ich mich nicht länger als ein paar Minuten am Stück auf eine Sache konzentrieren.

Jedenfalls nicht in der Schule. Oder sonntags in der Kirche. Oder bei einem Job. Auf ein hübsches Mädchen, ja, vielleicht, doch schon bald lief ich der Nächsten hinterher, die auf dem Gang in der Schule oder auf der Straße an mir vorbeigegangen war.

Alles, was ich tat – gehen, reden, essen, sogar schlafen –, tat ich in Eile.

Würde ich heute in Hollis aufwachsen, hätte man mir zweifelsohne längst die Diagnose »schwerer Fall von Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung« gestellt und mich auf eine doppelte Dosis Ritalin gesetzt. Zum Glück hielt man mich damals lediglich für ein bisschen »ungestüm«.

Ich wäre auf den Straßen von Queens in den Siebzigern beinahe in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Melle Mel hätte in seinem frühen Hip-Hop-Hit »The Message« auch von mir und meinen Freunden reden können, als er rappte: »Die Buchmacher und Geldeintreiber, die Gangster, Zuhälter und Dealer und die, die das große Geld machen … ihr wollt genau wie sie werden.«

Doch letztlich habe ich mit dieser Art von Leben nur heftig geflirtet, zu mehr ist es nicht gekommen. Manchmal habe ich die Gangster und Dealer schon bewundert, aber ich hatte immer auch das Gefühl, dass da draußen noch etwas Besseres auf mich wartet. Und als ich ein Teenager wurde und so viele meiner Freunde in die Falle der Kleinkriminalität, der Gangs und der Drogenabhängigkeit tappen sah, sagte ich mir: Mein Weg soll ein anderer sein.

Er hat mich zum Hip-Hop geführt. Damals schien er für die meisten Leute eine Sackgasse zu sein, für mich aber war er das perfekte Ventil, um all dem, was da Aufregendes auf den Straßen von New York geschah, Ausdruck zu verleihen. Immer allerdings auf positive Art und Weise, nicht verletzend oder destruktiv.

Keine Angst, ich werde jetzt nicht alle meine Erfolge aus dieser Zeit aufzählen. Wenn Sie dieses Buch in die Hand genommen haben, wissen Sie vermutlich schon ein bisschen was über Kurtis Blow, Run-DMC, LL Cool J, die Beastie Boys, Public Enemy und Def Jam Recordings – und wenn nicht, dann geben Sie die Namen doch mal bei YouTube ein und machen Sie sich auf richtig gute Musik gefasst!

Belassen wir es dabei, dass ich bei meiner Arbeit mit diesen MCs und anderen unglaublich talentierten Künstlern meinen Teil weltlichen Erfolgs abbekommen habe. In den darauffolgenden Jahren kamen dann noch die Bereiche Mode, Film, Finanzen und mittlerweile hauptsächlich karitatives und soziales Engagement hinzu.

Am schönsten ist es, dass ich eine Brücke zwischen der Kultur des Hip-Hop und dem Mainstream bauen konnte. Meine Arbeit hat mir immer ungeheuren Spaß gemacht, und ich schätze mich glücklich, dass ich sie tun durfte.

Die Ironie an der Sache ist jedoch, dass ich jahrelang keine Ahnung hatte, was meinen Erfolg ausmachte. Als ich jung war, dachte ich, der »Schlüssel meines Erfolgs« seien Drogen, Partys, Frauen und die Jagd nach Geld, wohin auch immer sie mich führen mochten. Schließlich war das das Leben, das ich lebte, und man sagte mir immer wieder, wie toll ich meine Sache machte, also musste dazwischen doch eine Verbindung bestehen, oder etwa nicht?

Ich wusste es damals nicht, doch rückblickend ist mir klar, dass nichts weiter von der Wahrheit hätte entfernt sein können. Die Inspiration, die mich zum Vorreiter in Sachen Hip-Hop machte, schöpfte ich nicht daraus, in einer Limousine durch die Gegend kutschiert zu werden, sondern aus dem ruhigen Moment im Studio, wenn ich am finalen Mix von Run-DMCs »Rock Box« arbeitete und das Bedürfnis verspürte, das Gefühl dabei mit der ganzen Welt zu teilen.

Ebenso wie die Inspiration, die mir zu meinem Modelabel Phat Farm verholfen hat, nicht daraus entstand, umgeben von Models in irgendeinem Club herumzukoksen, sondern aus dem Gefühl des Friedens und der Ruhe, das mich beim Betrachten der wunderschönen Entwürfe für eine neue Jacke überkam. Diese seltenen Momente der Stille, nicht das chaotische Leben, das ich führte, bildeten die Grundlage meines Glücks sowie meines Erfolgs.

Heute weiß ich mit absoluter Sicherheit, dass ich unter die Räder gekommen wäre, hätte ich weiterhin geglaubt, Hektik, Lärm und Chaos seien das, was mich antreibt. Wären meine Platten nicht mehr »heiß« oder meine Klamotten nicht mehr »cool« gewesen – was in diesen Branchen früher oder später immer der Fall ist –, hätte ich mir gedacht: Hmmmm. Ich brauche einen neuen großen Hit. Am besten gehe ich erst mal auf ein paar Partys und zieh mir ein bisschen Stoff rein. Doch mehr Partys und mehr Drogen hätten mich keinen Deut erfolgreicher gemacht. Oder zufriedener. Oder kreativer. Mein Leben wäre sicherlich anders verlaufen, wären die Partys und Drogen meiner Arbeit oder meiner Konzentration in die Quere gekommen. Ich hätte als Drogenabhängiger oder geistloser Party Boy geendet.

Was ich damals für Inspiration hielt, war im Grunde nichts anderes als Lärm. Und hätte ich mir den weiter in den Kopf gestopft, wäre ich immer weniger dazu in der Lage gewesen, die stillen Momente zu hören, die ich eigentlich so dringend brauchte. Ich hätte mich weiter auf das, was ich für den Gipfel des Berges und des Ruhms hielt, hinaufgequält, doch in Wirklichkeit hätte ich mich dadurch nur an den Rand eines tiefen Abgrunds gebracht.

Zum Glück bin ich nie abgestürzt. Trotz des unverantwortlichen Lebens, das ich führte, bin ich nie ausgebrannt wie so viele andere, mit denen ich damals unterwegs war. Ich musste nicht erst meinen Job oder mein Haus verlieren oder eine Entziehungskur machen, um zu erkennen, dass ich auf der Jagd nach den falschen Dingen gewesen war. Stattdessen drosselte ich das Tempo und machte mir bewusst, dass mein Erfolg immer in diesen Momenten der Stille gelegen hatte. Und je mehr ich in diese Stille kommen konnte, desto glücklicher und erfolgreicher war ich.

Ganz ehrlich: Ohne diese Stille wäre ich heute nicht dort, wo ich jetzt bin. Nicht nur beruflich, sondern auch persönlich und spirituell. Nach über 30 Jahren in der Unterhaltungsbranche freue ich mich morgens immer noch so sehr auf die Arbeit wie an dem Tag, als ich gemeinsam mit Rick Rubin Def Jam Recordings aus der Taufe hob. Was auch immer morgen auf der Agenda steht: Ich bin deswegen ebenso aufgeregt wie damals, als Run-DMC ihren Auftritt bei Live Aid hatten, als Public Enemy It Takes a Nation of Millions to Hold Us Back herausbrachten oder als Jay Z am Soundtrack von Der verrückte Professor mitwirkte und sich die ganze Welt spontan in ihn verliebte. Ich staune immer wieder darüber, dass ich mich mit fast 60 immer noch so energiegeladen und konzentriert fühle wie in meinen Zwanzigern und Dreißigern.

Was aber noch wichtiger ist: Ich wache auch jeden Morgen in dem Wissen auf, dass ich mich an einem wunderbaren Ort befinde, mit den Menschen um mich herum, die mir am nächsten stehen: meinen wunderschönen Töchtern Ming Lee und Aoki, ihrer Mutter Kimora Lee und meinen Brüdern Danny und Joey. Es ist ein gewaltiger Trost zu wissen, dass nichts an der Liebe zu meiner Familie etwas ändern kann, welche kleineren Meinungsverschiedenheiten, Unstimmigkeiten oder Rückschläge der Tag auch immer für mich bereithalten mag. Dies ist sicherlich tröstlicher als jede goldene Schallplatte an meiner Wand oder als jeder noch so schnittige Wagen in meiner Garage. Ich bin Tag für Tag aufs Neue dankbar, dass ich aus dieser Stille heraus agieren kann.

Ich will aber auch nicht verschweigen, dass es eine Weile gedauert hat, bis ich dort war, wo ich jetzt bin. Jahre, um genau zu sein. Ich musste erst einigen Schaden anrichten, bevor ich mir eingestehen konnte, dass mir die Meditation am frühen Morgen besser gefällt als das Trinken am späten Abend. Doch nachdem ich das einmal erkannt hatte, gab es kein Zurück mehr.

DIE YOGA-CONNECTION

Mein erster Schritt weg vom Partyleben führte mich direkt in ein Yogastudio. Wie ich schon oft gesagt habe, war meine ursprüngliche Motivation, an einer Yogastunde teilzunehmen, nicht die, in meine spirituelle Mitte zu finden oder meine Gelenke gelenkiger zu machen. Nein, ich dachte, ein Yogastudio sei ein prima Ort, um tolle Frauen kennenzulernen. Und Mann – das ist es auch!

Obwohl es also tatsächlich tolle Frauen waren, die mich hineinlockten, war es doch etwas völlig anderes, das mich dort hielt. Während ich auf meiner Yogamatte saß und mich schlicht und ergreifend auf meinen Atem konzentrierte, ließ die Hektik in meinem verrückten und oft so außer Kontrolle geratenen Leben allmählich nach. Plötzlich schienen all die Sorgen und belastenden Dinge, die meinen Tag bis dahin aufgefressen hatten, gar nicht mehr so dringend und drängend.

Ich konnte fast körperlich spüren, wie der ganze Lärm aus meinem Kopf wich, wie die Luft aus einem Luftballon. Ich sah meine Gedanken ganz langsam in meinen Kopf hochsteigen und ihn ebenso langsam wieder verlassen, statt sie wie früher wie einen Schnellzug durchrauschen zu sehen. Das war toll!

Mittlerweile kann ich es toll nennen, doch um ehrlich zu sein, machte mir diese Stille am Anfang große Angst. Schließlich war ich »Rush«, der Kerl, der mit Überschallgeschwindigkeit sprach und stets ein Handy am Ohr kleben hatte – und zwar lange bevor jeder so rumlief! Der Kerl, dessen Mission es war, immer mehr Geld zu verdienen, mit immer mehr Frauen zu schlafen und mehr zu koksen als alle anderen Menschen auf Gottes weiter Erde. Und der mit diesem Leben schon sehr »erfolgreich« gewesen war.

So sah ich mich damals. Den friedlichen, ruhigen und absolut gelassenen Typen, der da mit dem blöden Grinsen im Gesicht auf seiner Yogamatte saß, kannte ich nicht. Der scherte sich einen Dreck um Partys, Geld oder materiellen Erfolg … Gut, an dem Teil mit den Frauen arbeite ich noch. Plötzlich schien meine Identität auf dem Spiel zu stehen. Schlimmer noch: mein Geld! Ich weiß noch, wie ich aus meiner ersten Yogastunde ging und zu meinem Freund Bobby Shriver sagte: »Wenn ich mit dem Mist weitermache, bin ich bestimmt bald pleite.«

Bobby und ich lachen heute noch darüber, denn wie ich schon sagte: Nichts hätte weiter von der Wahrheit entfernt sein können. Im Gegenteil. Ich verlor mein »goldenes Händchen« nicht; die Stille, die ich beim Yoga und später in der Meditation erfuhr, verlängerte und rettete meine Karriere eher.

Nach diesem anfänglichen Moment des Zweifelns wollte ich die Stille wieder und wieder erleben. Sie erinnerte mich daran, dass ich ein besserer Mensch sein konnte, ein besserer Freund, ein besserer Weltenbürger und ein besserer Geschäftsmann.

Schon bald ging ich jeden Tag zum Yoga, wenn ich es irgendwie in meinen Terminkalender quetschen konnte. (Heute ist das gar keine Frage mehr. Meine Assistenten tragen mir automatisch Zeit für meine Yogastunden ein, wo auch immer auf der Welt ich mich gerade befinde. Und die Leute, die mich wirklich gut kennen, wollen sich immer nach einer Yogastunde mit mir treffen, weil sie wissen, dass ich dann viel ruhiger und ausgeglichener bin.)

Die Stille im Yoga empfand ich damals als eine ungeheure Erleichterung, als eine Entlastung von meinem chaotischen Leben. Noch toller war, wie »high« ich mich nach der Stunde fühlte, wenn mein Körper und mein Geist in vollkommenem Einklang waren und vor Energie nur so vibrierten. Wenn es überhaupt etwas Negatives gab, dann dass ich manchmal nicht so lange »high« war, wie ich es gern gewesen wäre.

Ich nahm das Gefühl unendlichen Friedens und wohltuender Ruhe aus den Yogastunden mit – nur um gleich darauf festzustellen, dass eine »wichtige« Nachricht auf mich wartete, die keinen Aufschub duldete. Fünf Minuten später stritt ich mich schon wieder über Plattentantiemen oder wann meine neue Bekleidungslinie herauskommen sollte, und aus war es mit der Stille inmitten der Ablenkungen der Welt.

Manchmal war es auch nicht etwas so Dramatisches wie eine geschäftliche Auseinandersetzung. Oft ging ich absolut entspannt aus der Yogastunde, und plötzlich hupte ein Auto oder jemand warf eine Tür ins Schloss. Und puff! Die Stille war weg, und ich war wieder ganz mein altes, zerstreutes Selbst.

Deshalb sah ich mich wie viele andere, die die Stunde auf der Yogamatte lieben, nach Möglichkeiten um, die Stille zu verlängern. Nach Möglichkeiten, die Momente der Klarheit aus der Yogastunde mit in den Alltag zu nehmen.

Und genau diese Suche führte mich letztlich zur Meditation. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mich jemand Bestimmtes beiseitegenommen und mir geraten hätte zu meditieren; auch einen Aha-Moment, in dem mir klar geworden wäre, dass die Meditation mein Leben verändern würde, gab es meines Wissens nicht. Stattdessen bemerkte ich, dass viele der Menschen, die mit mir gemeinsam Yoga praktizierten, auch meditierten und beides sehr schätzten. Warum sollte ich es also nicht selbst einmal damit probieren?

Heute weiß ich, dass der Übergang vom Yoga zur Meditation ein ganz natürlicher ist, denn die beiden Methoden ähneln einander im Prinzip wie ein Ei dem anderen. Das ist vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennbar. Wie kann etwas körperlich so Anstrengendes wie Yoga, bei dem man sich zu einer Brezel formen und einen Kopfstand machen muss, das Gleiche sein wie meditieren, bei dem man »einfach nur« still dasitzt?

Dennoch sind sowohl Yoga als auch Meditation beide Teil des sogenannten achtgliedrigen Pfades des klassischen Yoga. Trotz unterschiedlicher Erscheinungsformen sollen sowohl das Dhyana, die Meditation, als auch die Asanas, die körperlichen Stellungen, zum gleichen Ort führen: zur Stille im Herzen des Übenden.

Ich weiß, dass dies kein Yogabuch ist, trotzdem wollte ich diesen Punkt festhalten. Ich bin zwar begeistert, dass Yoga in den letzten 20 Jahren zu einem so wichtigen Bestandteil unserer westlichen Lebenskultur geworden ist, habe aber das Gefühl, dass nicht jeder das wahre Ziel dieser Praktik kennt.

DER ACHTGLIEDRIGE PFAD DES YOGA

Yama: Allgemeine Moral

Niyama: Der Umgang mit sich selbst: Sauberkeit, Genügsamkeit, harte Arbeit, Engagement, Glaube, Konzentration, Studium heiliger Schriften

Asana: Körperstellungen, physische Ausübung des Yoga

Pranayama: Atemübungen, Kontrolle der Lebensenergie

Pratyahara: Kontrolle der Sinne

Dharana: Konzentration auf das Lebensziel

Dhyana: Meditation und Hingabe an das Göttliche

Samadhi: Vereinigung mit dem Göttlichen

Es geht beim Yoga nicht darum, abzunehmen oder definiertere Muskeln zu bekommen – auch wenn das wahrscheinlich passieren wird. Es geht auch nicht darum, wie ich mir immer wieder selbst sagen muss, dabei viele gut aussehende Menschen zu treffen – obwohl auch das wahrscheinlich passieren wird. Das einzige wahre Ziel des Yoga ist es, zu innerem Frieden zu gelangen.

Der große christliche Yogi Yogananda schrieb, die eigentliche Bedeutung des Wortes »Yoga« sei das Zur-Ruhe-Kommen des Auf und Ab des gepeinigten Geistes. Mit anderen Worten: Yoga bringt nicht in erster Linie unseren Körper in Form, sondern unseren Geist – es versetzt ihn in den Zustand der Ruhe.

Dieses Ziel verfolgt auch die Meditation. Doch anstatt einen Kopfstand zu machen, um zu Frieden zu gelangen, setzt man sich einfach auf einen Stuhl und schließt die Augen. Klingt schon etwas machbarer, stimmt’s?

Wenn aber die Meditation eine so simple Möglichkeit ist, zu Frieden und Glück zu gelangen, warum verhalten sich dann so viele Menschen zögerlich dieser Praktik gegenüber?

Wohin man auch blickt: Immer mehr Menschen scheinen sich für Yoga zu interessieren. Ich sehe das als Segen für die Menschheit, wünschte aber, ebenso viele Menschen würden sich für die Meditation interessieren.

Ich denke, es liegt zum Teil daran, dass wir Menschen uns zu Gruppenaktivitäten hingezogen fühlen. So gern wir uns hin und wieder auch über andere beschweren, so wohl fühlen wir uns in einer Gruppe Gleichgesinnter. Es schenkt uns Selbstvertrauen und Mut, wenn andere das tun, was wir selbst gerne tun würden, es uns aus irgendeinem Grund aber nicht zutrauen.

Wenn wir also Tag für Tag glückliche Menschen mit einem Lächeln im Gesicht und einer Yogamatte unter dem Arm in ein Gebäude spazieren sehen, ist es nur eine Frage der Zeit, bevor wir neugierig werden und selbst sehen wollen, was dort vor sich geht. Wenn wir ständig Bilder von Gwyneth Paltrow oder Jennifer Aniston sehen, die zu einer Yogastunde unterwegs sind, melden wir uns bald vielleicht selbst für eine an.

Die Meditation hat hingegen kein so weitverbreitetes Image in der Öffentlichkeit. Es gibt zwar auch Gruppenmeditationen – etwa das chinesische Falun Gong, das 1999 in der Volksrepublik verboten wurde, oder die religiös motivierten Quäker-Treffen –, doch die Art von Meditation, für die ich mich in diesem Buch ausspreche, wird für gewöhnlich allein praktiziert.

Wenn Sie ein Bild von mir mit meiner Yogamatte sehen, denken Sie vielleicht: Hmm, Russell sieht so zufrieden aus; ich glaube, ich probiere das auch mal. Wenn Sie allerdings ein Bild von Ellen DeGeneres oder Oprah Winfrey sehen, auf dem die beiden lächeln, ziehen Sie vermutlich nicht den Rückschluss, dass Ellen und Oprah einen Großteil ihres Seelenfriedens der Meditation verdanken.

Das einzelgängerische Wesen der Meditation ist ein Grund dafür, warum die Methode bisher noch nicht die Menschen erreicht hat, die sie erreichen sollte – nämlich alle. Ein anderer Grund ist der, dass es zwar sehr einfach und preiswert ist zu meditieren (Geht es preiswerter als kostenlos?), viel zu viele Menschen aber immer noch Hindernisse zwischen sich und den 20 Minuten Stille sehen.

Und um diese Hindernisse wollen wir uns jetzt kümmern.

TEIL ZWEI

Warum Sie glauben, nicht meditieren zu können