Liebe und Schicksal auf 1700 Seiten: Lesefutter für den Strand

Alfred Bekker et al.

Published by Alfred Bekker, 2017.

Inhaltsverzeichnis

Title Page

Lesefutter für den Strand: Liebe und Schicksal auf  Seiten

Copyright

Wie buchstabiert man Liebe?

Das war unsere Zeit

Tage der Angst

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...in guten wie in schlechten Tagen

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Haben Sie kein Herz, Dr. Ramberg?

Die Hauptpersonen des Romans:

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WAS NUR DER KLINIKCHEF WEIß

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Eifersucht und 1000 Lügen

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Der lange Weg zu deinem Herzen

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Hab ich dein Herz für immer verloren

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Schneeballschlacht und heiße Herzen

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Heiße Liebe – kalte Herzen

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Eine Lawine wird zum Schicksal

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Alfred Bekker: Die Tochter des Einsiedlers

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Alfred Bekker: Das blonde Gift vom Wirtshaus

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Alfred Bekker: Die Fehde am Bergsee

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Further Reading: Die Historical Romance Bibliothek – 12 Romane und Erzählungen auf 4460 Seiten

Also By Alfred Bekker

Also By A. F. Morland

Also By Ela Bertold

Also By Anna Martach

Also By Horst Weymar Hübner

Also By Sandy Palmer

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Lesefutter für den Strand: Liebe und Schicksal auf  Seiten

-  ergreifendes Schicksal und Romantik in Romanen und Erzählungen

von Alfred Bekker, Sandy Palmer, Ela Berthold, Horst Weymar Hübner, Anna Martach & A. F. Morland

Der Umfang dieses Buchs entspricht 1700 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende Romane:

Sandy Palmer: Wie buchstabiert man Liebe?

Ela Bertold: Das war unsere Zeit

Horst Weymar Hübner: Ein Baby ist mein Herzenzwunsch

Horst Weymar Hübner: Tage der Angst

Horst Weymar Hübner: In guten wie in schlechten Tagen

A. F. Morland: Nur du kannst deinen Bruder retten

A. F. Morland: Haben Sie kein Herz, Dr. Ramberg?

A. F. Morland: Was nur der Klinikchef weiß

Anna Martach: Eifersucht und 1000 Lügen

Anna Martach: Der lange Weg zu deinem Herzen

Anna Martach: Hab ich dein Herz für immer verloren

Anna Martach: Schneeballschlacht und heiße Herzen

Anna Martach: Heiße Liebe – kalte Herzen

Anna Martach: Eine Lawine zum Schicksal

Alfred Bekker: Die Tochter des Einsiedlers

Alfred Bekker: Das blonde Gift vom Wirtshaus

Alfred Bekker: Die Fehde am Bergsee

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Authors

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

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postmaster@alfredbekker.de

Wie buchstabiert man Liebe?

Eine heitere Lovestory

von Sandy Palmer

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

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„Eigentlich müsste ich mir einen Cognac zum Kaffee bestellen. Mit einem guten Schluck Alkohol lässt sich die Enttäuschung, die ich mal wieder erlitten habe, besser verkraften.“

„Es ist heller Tag, und wir wollten nachher noch ins Kino gehen. Da kannst du doch nicht schon Alkohol trinken!“ Hannelore Berghaus sah ihre Schulfreundin strafend an.

„Nun hab dich mal nicht so. Es war ja auch nur so ein Gedanke... aus Frust geboren.“

„Ach, Britta! Nimm’s doch nicht so tragisch! Es gibt Männer wie Sand am Meer. Und einer von ihnen wird auch zu dir passen“, versuchte Hannelore die Freundin zu trösten - mit nur wenig Erfolg, offen gestanden.

„Nach meiner festen Überzeugung gibt es nur zwei Rassen auf dieser Welt - Männer und Frauen.“ Britta Vondermann stellte es ebenso grimmig wie deutlich vernehmbar fest.

So deutlich, dass am Nebentisch eine zierliche ältere Dame zu ihr hinsah, einen teils amüsierten, teils schwer zu deutenden Ausdruck in den hellen Augen.

Das Café, in dem sich Britta seit mehr als vier Jahren mit ihrer Freundin Hannelore Berghaus einmal in der Woche zum Kaffeetrinken und Quatschen traf, war nur wenig besetzt. Bei dem schönen Wetter, das zurzeit herrschte, gingen die meisten in die Eisdielen der Stadt, wenn sie es nicht sogar vorzogen, an einem der vielen kleinen Lokale am nahe gelegenen See zu sitzen.

„Psst“, machte Hannelore Berghaus, „wir sind schließlich nicht allein hier.“

„Na und?“ Britta trank ihren Cappuccino aus und sah in die Runde. Außer der alten Dame blickte niemand zu ihrem Tisch herüber. „Ich steh zu meinen Überzeugungen. Wenn’s sein muss, verkünde ich sie auch auf dem Marktplatz.“ Sie sprach mit unverminderter Lautstärke. Dabei schossen ihre schönen blauen Augen wütende Blitze.

„Ach, Britta, du bist eben immer an die falschen Männer geraten“, versuchte Hannelore die Freundin zu beschwichtigen. Dabei wusste sie aus leidvoller Erfahrung, dass es ganz unmöglich war, Britta zu bremsen, wenn die sich erst mal in Rage geredet hatte. Schon in der Schule war sie mit ihrem großen Mundwerk angeeckt, und das hatte sich bis heute nicht geändert.

„Na los, zeig mir einfach mal den Richtigen für mich.“ Britta sah die Freundin an und spielte so aufgeregt mit dem Kaffeelöffel, dass ein bisschen von dem Sahneschaum auf ihre Seidenbluse tropfte - ein weiterer Grund, wütend zu sein.

„Britta, du bist zu kritisch.“

„Ich? Kritisch? Aber nein! Ich will auch jeden Mann, den du mir vorstellst, gern unter die Lupe nehmen. Aber was am Anfang glänzt wie ein Brillant, ist meist ein Rheinkiesel - wenn überhaupt.“

„Nicht nur Lupe, sondern auch noch penibel“, empörte sich nun auch Hannelore. „Wo, um Himmels Willen, bleibt denn das Gefühl? Ullrich ist sicher in deinen Augen auch nur ein Rheinkiesel, um in deinem Bild zu bleiben, aber ich liebe ihn trotzdem, auch wenn ich mich oft über ihn ärgern muss.“

Britta hatte ganz offensichtlich nicht zugehört. Sie versuchte den Sahneklecks von der Bluse zu reiben, dabei fuhr sie fort: „Nimm zum Beispiel Lars. Der erzählt dir, er braucht unbedingt eine Frau, die sich nicht an ihn klammert, ihn nicht einengt, die auch bereit ist, mal was ohne ihn zu unternehmen. Eben keine, die ihn umsorgt und das Hausmütterchen gibt. Er sei durchaus fähig, seinen Kram selbst in Ordnung zu halten, behauptet er. Und was macht er in Wirklichkeit? Er bringt seine Hemden zum Bügeln zu seiner Mutter! Ich hatte mich nämlich geweigert, das zu tun. Ob Mütter keine Frauen sind, hab ich ihn gefragt und...“

„... darüber habt ihr solch großen Krach gekriegt, dass er ausgezogen ist“, ergänzte Hannelore gelangweilt. „Das erzählst du mir jetzt schon zum dritten Mal.“

„Entschuldige“, sagte Britta in einem Ton, der keineswegs darum bat. „Aber mit Neuigkeiten kann ich nicht dienen. Und das bleibt auch so. Mir kommt keiner von diesen Kerlen mehr über die Schwelle. Nach meinen Erfahrungen sind es alles Wölfe im Schafspelz.“

„Abwarten.“ Hannelore lächelte wissend. „Irgendwann mal macht’s auch bei dir klick, und dann denkst du nicht mehr - und wenn, dann nur an ihn. Und daran, wie du ihn glücklich machen kannst.“

„Hach!“, war Brittas bissiger Kommentar. „Eventuell mach ich mir dann noch Gedanken, ob ich seine Hemden stärken soll oder nicht, ja?“

„Weißt du, wie ich Liebe definiere?“ Hannelore ließ sich nicht entmutigen. Sie wollte die Freundin nicht nur aufrichten, sondern ihr auch klarmachen, was wahre Liebe bedeutete. dass man sie nicht nur buchstabieren sollte, sondern dass man sie fühlen, spüren, in sich aufnehmen musste.

„Also, schieß los!“ Auffordernd sah Britta sie an. Dabei warf sie die perfekt geschnittenen und geföhnten kastanienbraunen Haare mit einer für sie typischen Bewegung in den Nacken - ein weiteres Zeichen dafür, dass ihre Wut immer noch nicht verraucht war.

Hannelore lächelte nachsichtig. Sie ließ sich nicht aus dem Konzept bringen und erklärte: „Liebe ist, wenn man sich auch nach einer ganz kurzen Trennung noch freut, den anderen wieder zu sehen, obwohl man eigentlich stinksauer auf ihn ist. So geht’s Ullrich und mir.“

„Ihr Glücklichen“, spöttelte Britta.

„Dreh dich nicht um, aber der nette Typ hinter dir kann offenbar den Blick nicht von dir wenden. Sieht gar nicht schlecht aus“, flüsterte Hannelore.

„Glaubst du im Ernst, ich würde deshalb den Kopf auch nur um einen Zentimeter drehen?“ Britta blickte unbeteiligt aus dem Fenster. Sie war daran gewöhnt, angestarrt zu werden.

Und Komplimente wegen ihres Aussehens konnte sie schon gar nicht mehr hören. Da war von „schimmerndem Messinghaar“ die Rede. Oder von ihren „Saphiraugen“ und ihrer „blütenzarten Haut“. So ein Unsinn! Britta ärgerte sich über ihre Sommersprossen ebenso wie über die naturgelockte Haarmähne, die sie immer wieder zu färben versucht hatte, doch irgendwann war es ihr zu lästig geworden, die lange Pracht zu blondieren.

Lars allerdings hatte sich nie zu solchen Äußerungen verstiegen. Gerade deshalb hatte sie sich zu ihm hingezogen gefühlt. Sie war davon ausgegangen, dass es ihm nicht um ihre unbestreitbare Attraktivität ging, sondern um sie als Mensch, als Frau.

Wieder ein Irrtum.

Einer mehr in ihrem dreißigjährigen Leben!

Draußen fuhr ein Auto vor. Hastig erhob sich die ältere Dame vom Nebentisch, nahm einen Trenchcoat von der Garderobe, hängt ihn sich um und eilte hinaus.

Während sie einstieg, murmelte Britta: „Hast du gesehen, Hannelore? Die hatte genau den gleichen Mantel wie ich.“

„Das kommt doch oft vor bei der englischen Nobelmarke“, spöttelte die Freundin. „Du hättest dir ein Namensschild einnähen sollen.“

„Unsinn. Sie ist ja viel kleiner als ich. Außerdem... sie hätte das Schild gar nicht erst gelesen, so eilig, wie sie es hatte.“

„Kein Wunder, auf der Straße ist totales Halteverbot. Wer immer sie abgeholt hat, wollte nicht riskieren, ein Protokoll zu bekommen.“ Hannelore seufzte. „Die hat’s gut, die hat sich abholen lassen. Und ich armes Wesen muss jetzt bei dem Regen durch die halbe Stadt laufen, um an meine Karre zu kommen.“

Das Problem hatte Britta Vondermann nicht. Sie wohnte ganz in der Nähe in einer geräumigen Altbauwohnung. Fast war die Wohnung zu geräumig, seit Lars ausgezogen war. Und doch - sie freute sich auf einen gemütlichen Abend, an dem sie machen konnte, was sie wollte. Wäre Lars noch da gewesen, hätte er bestimmt darauf bestanden, Fußball im Fernsehen zu sehen. Oder Tennis. Er war sportbegeistert, vor allem, wenn er selbst bequem sitzen und sich beim Zuschauen ein Bier genehmigen konnte.

Hannelore sah auf ihre Uhr. „Ich glaube, ich muss mich jetzt auf den Weg machen. Der Regen hört ja doch so schnell nicht wieder auf.“

„Und du willst deinen Ullrich nicht warten lassen“, mokierte sich Britta. Sie stand aber dann doch gleich auf, um ihr Portemonnaie aus der Manteltasche zu holen und - zog die Hand leer wieder zurück. In aufsteigender Panik griff sie in die andere Tasche - auch da nichts!

Ahnungsvoll schlüpfte sie in den Trench und fand ihren Verdacht bestätigt. Er war ihr mindestens zwei Nummern zu klein!

„Das darf doch nicht wahr sein“, stöhnte sie auf. „Stell dir vor, die ältere Dame vom Nebentisch... sie hat meinen Mantel genommen in ihrer Hektik. Meinen, nicht ihren!“

„Eine Verwechslung?“ Hannelore sah sie skeptisch an.

„Sieht ganz so aus. Um den Mantel an sich geht’s mir ja gar nicht so sehr. Aber in der rechten Tasche steckte mein Portemonnaie mit allen Karten. Und auch der Personalausweis. Von dem Geld gar nicht zu reden!“ Sie biss sich auf die Lippen. „Mein Schlüsselbund war, glaub ich, auch noch im Mantel.“

„Das ist ja schrecklich!“ Hannelore sah die Freundin vorwurfsvoll an. „Wie oft hab ich dir schon gesagt, dass du eine Handtasche mitnehmen sollst? Und diese Angewohnheit, alles in die Manteltaschen zu stecken, ist der Leichtsinn pur. Jetzt haben wir den Salat!“

„Hör schon auf! Das bringt mich jetzt nicht weiter.“

„Hast ja recht.“ Hannelore stand auf. „Ich geh mal zur Theke und erkundige mich, ob man die alte Dame hier vielleicht kennt.“ Und schon war sie weg.

Britta überlegte fieberhaft. War das Zufall oder Absicht? Wurde gerade in diesem Moment ihre Wohnung ausgeräumt? Hörte man nicht ständig die unglaubwürdigsten und verrücktesten Geschichten über Diebesbanden, denen kein Trick zu ausgefallen war, um an die Wertsachen anderer zu kommen.

Obwohl - wie das Mitglied einer Gaunerbande  hatte die ältere Dame eigentlich nicht ausgesehen. Aber mussten nicht gerade Betrüger besonders Vertrauen erweckend aussehen? Und das Auto, in das sie gestiegen war.. Britta hatte den flüchtigen Eindruck einer ziemlichen Klapperkiste gehabt, unpassend als Gefährt für eine fast Siebzigjährige mit Silberlöckchen und taubenblauer Seidenbluse.

Hannelore kam zurück, sie sah die Freundin bedauernd an und schüttelte den Kopf. „Sorry, aber das war nichts. Hier erinnert sich niemand daran, die Frau schon einmal gesehen zu haben.“

Britta registrierte, dass für Hannelore aus der Dame eine Frau geworden war. Bewegten sich die Gedanken ihrer Freundin eventuell in eine ähnliche Richtung wie ihre eigenen?

„Die schlagen vor, du sollst hier warten“, sagte Hannelore. „Vielleicht merkt sie ihren Irrtum ja noch rechtzeitig und kommt zurück. Oder sie ruft an.“

Hannelore nickte nur und setzte sich gottergeben wieder auf ihren Platz.

„Es bleibt mir wohl nichts anderes übrig. Zahlst du für mich mit, Hannelore? Und spendier mir einen Cognac. Den brauch ich jetzt unbedingt!“

„Klar!“ Auch Hannelore wollte sich wieder setzen und der Freundin die Wartezeit vertreiben.

Aber Britta wedelte abwehrend mit der Hand. „Du machst, dass du nach Hause kommst, meine Kleine. Ich brauche niemanden zum Händchenhalten.“

Hannelore zögerte. Doch da sie Brittas ‚Lass mich bloß in Ruhe’-Gesicht schon seit frühesten Kindertagen kannte, gab sie nach.

„Also schön, aber versprich mir, dass du anrufst, wenn sich hier nichts rührt. Dann holen wir dich und du übernachtest bei uns. Oder sollen wir doch besser jetzt schon die Polizei informieren?“

„Quatsch. Dafür ist immer noch Zeit. Und nun verschwinde endlich.“ Sie gab sich absichtlich ruppig, damit Hannelore sich nicht zum Bleiben verpflichtet fühlte.

Aber dann, als sie allein an ihrem Tisch saß und an dem Cognac nippte, den ihr eine der netten Bedienungen brachte, kam sie sich doch ziemlich verlassen vor.

In letzter Zeit ging alles schief. Die Sache mit Lars, Rechtsanwalt Hansen, dessen Kanzlei sie leitete, war neuerdings gar nichts mehr recht zu machen, vorgestern hatte sie sich versehentlich einen großen Teil ihrer Pullover ruiniert, weil sie aus Versehen den Kochwaschgang eingeschaltet hatte. Und... und... und...

Und nun musste auch noch ihr Treffen mit Hannelore so unerfreulich enden! Es war wirklich zum Heulen!

Britta musste sich mit aller Macht beherrschen, um nicht wirklich in Tränen auszubrechen. Sie tat sich sehr leid, aber es half ja alles nichts, zum größten Teil war sie an dem Trouble ja selbst schuld.

Die Kellnerin, die sie bedient hatte, kam aufgeregt auf ihren Tisch zu. „Eine Frau Bach hat angerufen. Sie hat erst zuhause ihren Irrtum mit dem Mantel bemerkt. Leider wohnt sie in einem Vorort. Aber sie will versuchen, noch vor halb sieben hier zu sein. Dann schließen wir nämlich“, fügte die Kellnerin hinzu.

„Und wenn sie es nicht schafft, darf ich draußen im Regen stehen und womöglich noch eine Stunde warten“, bemerkte Britta mit bitterem Unterton. „Aber okay, okay, fügen wir uns in das, was wir doch nicht ändern können.“

Die Kellnerin nickte nur. Sie konnte der jungen Frau, die so bedrückt vor ihrem Cognac saß, auch nicht helfen.

Immerhin war Britta jetzt erleichtert, denn ganz offenbar war sie doch nicht das Opfer einer Trickbetrügerin geworden. Und sie würde die Nacht in ihrem eigenen Bett verbringen könne, statt bei Hannelore und Ullrich - oder sonst irgendwo - Zuflucht suchen zu müssen.

Britta Vondermann drehte ihren Sessel so, dass sie die Eingangstür des Cafés im Auge behalten konnte. Doch allmählich leerte sich der Raum, neue Gäste kamen nicht mehr um diese Uhrzeit. Die Kellnerinnen rechneten ab, die ersten beiden gingen schon nach Hause.

Um zwei Minuten vor halb sieben wurde die gläserne Eingangstür schwungvoll aufgestoßen. Aber nicht von der zierlichen älteren Dame, sondern von einem jungen Mann mit Brille, dem das dunkle Haar in nassen Strähnen um den Kopf klebte.

Suchend sah er sich um, entdeckte Britta und kam mit langen Schritten auf sie zu. „Meine Mutter schickt mich“, stieß er atemlos hervor. „Sie haben keine Ahnung, wie peinlich ihr der Irrtum mit den Mänteln ist. Ich soll Sie in ein Lokal Ihrer Wahl einladen - zum Abendessen. Als Wiedergutmachung sozusagen.“ Er holte tief Luft und schob sich das Haar aus der Stirn. „Oder ich sollte Blumen kaufen. Einen Riesenstrauß. Oder Pralinen. Alles, was Sie möchten.“

Britta fand die Situation auf einmal höchst komisch. Da stand er vor ihr - nein, nicht wie ein begossener Pudel, eher wie ein nasser Bernhardiner.

„Ich musste einen Dauerlauf einlegen, weil natürlich wieder mal kein Parkplatz zu finden war“, fühlte der Mann sich genötigt zu erklären. „Sie sollten ja nicht länger warten als unbedingt nötig.“ Wieder atmete er schwer. „Tut mir leid, aber eher hab ich’s einfach nicht geschafft.“

„Sehr rücksichtsvoll von Ihnen“, meinte Britta mit leicht sarkastischem Unterton, obwohl sie doch längst versöhnt war. Verbindlicher fügte sie hinzu: „Irren kann sich schließlich jeder mal. Sagten Sie etwas von Abendessen? Das klingt gut. Aufregung macht mich immer hungrig.“

Er strahlte sie an, seine Züge, eben noch angespannt, wurden glatter, und jetzt erst bemerkte Britta, dass er sehr gut aussah. „Ich nehme das als Zeichen, dass Sie nicht mehr böse sind. Wunderbar! Und meine Mutter wird sich erst recht freuen. - Ich heiße übrigens Bach. Holger Bach.“

Holder Holger, dachte Britta und nannte laut auch ihren Namen.

Er gefiel ihr, dieser große, breitschultrige Holger. Er gefiel ihr sogar sehr. Woran lag das? Weil er sie spontan an einen Bernhardiner erinnert hatte? Jedenfalls blickten sie hinter der goldgefassten Brille intelligente, überaus sanfte braune Augen an.

Sollte es ‚klick’ gemacht haben, wie Hannelore es vorhin erst prophezeit hatte?

Nicht so hastig, Britta Vondermann, rief sie sich selbst zur Ordnung. Du weißt doch nur zu genau, wie schnell ein rasch aufloderndes Feuer wieder erlöschen kann.

Merkwürdig - der Regen hatte aufgehört, als sie auf die Straße traten. Die Stadt wirkte wie frisch gewaschen in der Abendsonne.

Sie einigten sich auf ein italienisches Lokal und bestellten erst beide Vitello Tonato, danach Lasagne, gemischten Salat und Chianti.

Nachdem sie sich zugetrunken hatten,  grinste Holger Bach und verriet: „Meine Mutter hat mir erzählt, dass nach Ihrer Meinung Männer und Frauen zwei verschiedenen Rassen angehören.“

„Das stimmt“, behauptete Britta trotzig. „Und das ist auch der Grund, weshalb sie sich nicht verstehen.“

„Mama hat das deshalb amüsiert, weil ich erst kürzlich eine ähnliche Feststellung gemacht habe.“ Er sah Britta unverwandt an. „Aber wenn man erst einmal zu dieser Erkenntnis gelangt ist, könnte das doch die Basis für eine Verständigung sein. Meinen Sie nicht?“

„Hmm“, machte Britta nur, weil ihr im ersten Moment keine passende Antwort einfiel.

Als Holger Bach sie gegen elf nach Hause brachte, bedankte er sich bei ihr für den „bezauberndsten Abend“, den er je erlebt hatte.

Britta sprach es zwar nicht aus, aber sie empfand ausnahmsweise genau das gleich wie dieser faszinierende Mann!

*

Das Telefon klingelte, und sofort erhob sich Holger Bach und ging in den Nebenraum, um das Gespräch anzunehmen.

Sekunden später war er schon wieder zurück. „Tut mir leid, aber ich muss weg.“ Er beugte sich kurz über Britta und hauchte ihr einen Kuss auf den Mund. „Bis später. Lauf mir nur ja nicht weg.“

„Sicher nicht“, lächelte sie und sah zu ihm auf. „Was ist denn passiert?“

„Ein Massenunfall auf der Autobahn. In der Klinik wird jede Hand gebraucht. Da muss ich auch an meinem dienstfreien Tag los.“ Er winkte nur noch einmal kurz mit der Hand, dann hastete er auch schon aus dem Haus.

Charlotte Bach lächelte Britta an. „Es ist mir ganz recht, dass ich mit Ihnen allein sprechen kann, Britta. Wissen Sie, manchmal denke ich, dass das Schicksal selbst meine Hand geführt hat, als ich Ihren Mantel statt meinen eigenen vom Haken nahm. Seit Holger und Sie sich kennen, ist er wie ausgewechselt. Glücklich und entspannt. So heiter war er in den letzten Jahren nicht mehr.“

„Ich bin auch glücklich mit ihm“, gestand Britta, und leichte Röte stieg bei diesem Geständnis in ihre Wangen.

In den vergangenen Wochen hatten sie sich oft gesehen, Holger und sie, und sie waren sich sehr nahe gekommen.

„Du bist die Frau, bei der ich weiß, wie man Liebe buchstabiert“, sagte Holger einmal, als sie Hand in Hand am Fluss entlang spazierten. Der Mond lugte durch die Wolken, und außer dem Zirpen der Grillen im Gras war nichts zu hören.

„Und wie?“ Britta blieb stehen und sah zu ihm auf.

Er lachte zärtlich und küsste sie erst einmal ausgiebig, bevor er sagte: „B-R-I-T-T-A ... ist doch ganz klar.“

Es war die schönste Liebeserklärung, die Britta je bekommen hatte. An diesem Abend fuhr er zum ersten Mal nicht nach Hause, sondern blieb bei ihr.

Und es war so, wie Britta es sich erträumt hatte: Er erfüllte all ihre heimlichen Wünsche und machte sie so glücklich wie kein Mann zuvor.

Auch seine Mutter war einfach reizend. Sie besaß Humor und kümmerte sich auf sehr zurückhaltende Weise um ihren Sohn, der als Oberarzt in einer großen Klinik sehr beansprucht war.

„Holger ist mein Einziger“, sagte sie jetzt und griff nach Brittas Hand. „Er hat nur einen Fehler - er ist zu gutmütig. Das haben seine bisherigen Freundinnen ausgenutzt.“

„Das könnte ich nicht.“

„Ich weiß.“ Charlotte schenkte noch einmal Kaffee nach. „Ich sag jetzt einfach du zu dir, Britta, ist das in Ordnung?“

„Aber ja!“

„Und ich bin für dich Charlotte - wenn du magst.“

„Liebend gern.“

Sie tranken dann keinen Kaffee mehr, sondern ein Glas Sekt, und beide wussten, dass sie sich sehr gut verstehen würden.

„Du bist genauso verletzlich wie Holger“, sagte Charlotte und lehnte sich in ihrem Sessel bequem zurück. „Auch, wenn du nach außen hin sehr selbstbewusst wirkst.“ Ihr Lächeln vertiefte sich. „Ich habe dich im Café beobachtet und da schon gedacht, dass du die ideale Frau für meinen Sohn sein könntest. Ihr passt einfach perfekt zueinander.“

Britta schwieg versonnen. Ja, Charlotte hatte recht: Sie ergänzten sich wundervoll, Holger und sie. Bei Holger hatte sie nicht das Gefühl, er gehöre einer anderen Rasse an. Er war zärtlich, zuverlässig... und vor allem: er dachte nie zuerst an sich.

„Ich bin froh, dass du heute hergekommen bist.“ Charlotte Bach legte ihre Hand auf Brittas Arm. „Möchtest du Holgers Wohnung sehen? Er hat sie dir bisher noch nicht gezeigt, oder?“

„Nein. Wir waren immer bei mir.“ Britta errötete ein wenig. „Ich wohne näher an der Klinik...“

„Versteh ich.“ Die alte Dame stand auf. „Komm mit. Er hat sich das Dachgeschoss ausgebaut. Eigenhändig.“

„Gern.“ Britta gab zu, dass sie neugierig war. Die Wohnung war genau so, wie sie sie sich vorgestellt hatte: Hell, gemütlich, geschmackvoll möbliert. Die dunkle Ledercouch war bequem, die kleine Küche komplett eingerichtet.

Vor allem aber gefielen ihr die Bilder an den Wänden - Holger hatte genau den gleichen Geschmack wie sie, er liebte die Impressionisten. Drucke von bekannten Bildern von Degas und Monet hingen an den Wänden, aber auch ein paar interessante moderne Bilder, deren Farbkomposition sie begeisterte.

Nachdem sie mit der Besichtigung fertig waren, gingen sie zurück ins Wohnzimmer von Charlotte und tranken noch ein Glas Sekt. Ungezwungen berichtete Britta von sich, von ihrer Arbeit, von ihrer Kindheit und von dem Pech, das sie in der letzten Zeit  gehabt hatte.

„Das ist Vergangenheit, denke ich“, lächelte Charlotte. „Oder meinst du nicht?“

„Doch. Davon bin ich überzeugt.“

Motorengeräusch erklang, man hörte leise den Kies in der Einfahrt aufspritzen, als Holgers klappriger Wagen vorfuhr. Vom Fenster aus sah Britta, dass er mit langen Schritten auf das hübsche Haus zu rannte. Rasch ging sie zur Tür, um zu öffnen.

„Wieder da!“ Er nahm sich nicht die Zeit, die Jacke auszuziehen, sondern zog Britta an sich. „Es gab zum Glück nur etliche Leichtverletzte. Ich hab ein paar Knochenbrüche geschient und gegipst, aber mehr war für mich nicht zu tun.“ Er sah von Britta zu seiner Mutter. „Und? Habt ihr euch vertragen ohne mich?“

Seine Mutter und Britta wechselten nur einen langen Blick.

Ende

Das war unsere Zeit

Eine sinnliche Love-Story

von Ela Bertold

© by Ela Bertold

© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich (Westf.)

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Ich war schon häufiger im Internet auf dieser Seite unterwegs gewesen, aber bislang hatte mich niemand auf den Bildern besonders angesprochen. Und dieser Typ hatte noch nicht einmal ein Bild eingestellt. Aber der Text sprach mich sofort an.

„Ist dein Leben auch unerträglich seicht? Bestimme selbst, wann du ins Schleudern kommen willst!“ 

Was mochte dahinter stecken?

Kurzentschlossen schrieb ich eine Mail.

*

„Du hast was gemacht?“ Meine Freundin Carina schaute mich völlig verständnislos und entsetzt an.

„Da war dieser Text im Internet.“ Ich kramte in meiner Handtasche herum und fand das Gesuchte. „Ich habe es ausgedruckt. Hier – lies!“

Sie nahm mir den Papierfetzen aus der Hand und las.

„Und? Hat sich jemand darauf gemeldet? Bestimmt irgendein perverser Spinner.“

„Wieso pervers? Nur weil er seinen Text origineller formuliert hat, als andere.“ Ich schüttelte den Kopf. „Nein, mir hat ein total netter Mann in den Dreißigern geantwortet. Wir chatten jetzt schon eine ganze Weile hin und her. Und jetzt will er sich mit mit mir treffen.“

„Ach, ich verstehe. Du erzählst mir das nur, damit ich im Notfall deine Leiche identifizieren kann.“ Meine Freundin hatte schon einen sehr speziellen Humor.

„Ja, so ungefähr. Quatsch, ich wollte nur mal deine Meinung dazu hören, aber wie es scheint, stehst du diesen Dingen nicht sehr aufgeschlossen gegenüber.“ Ich trank einen Schluck Milchkaffee, stellte die Tasse wieder ab und schaute Carina an.

„Nein, so kann man das nicht sagen. Ich würde mir nur keinen Partner übers Internet suchen. Und überhaupt, wenn der Typ in den Dreißigern ist, dann hast du ihm nicht gesagt, dass du Mitte vierzig bist, oder? Die Kerle wollen doch immer eine Jüngere.“

„Doch, das habe ich ihm gesagt. Er hat sogar ein Bild von mir bekommen und sein Kommentar war, ich sehe hammermäßig aus.“

„Wie sieht er denn aus?“ Anscheinend war Carinas Interesse nun doch geweckt.

„Keine Ahnung. Ich habe leider kein Bild von ihm bekommen.“

„Oje, das hat bestimmt einen Grund. Entweder, er ist total hässlich oder nicht in den Dreißigern.“

„Du bist immer so negativ. Ich lasse das mal auf mich zukommen. Wir wollen uns morgen Abend treffen.“

„Dann will ich hinterher jedes Detail wissen.“

„Gerade hieß es noch von dir, ich solle mich gar nicht auf ein Treffen einlassen“, erwiderte ich.„Aber in Ordnung, ich will mal nicht so sein. Du erfährst es als Erste, wie das Treffen war.“

*

Den ganzen nächsten Tag überlegte ich, was ich anziehen sollte. Also weniger drüber - das war klar, das luftige Sommerkleid, das mir so gut stand -, sondern drunter! Ich hatte mir nämlich schon seit einiger Zeit überlegt, dass der Abend von mir aus mit wildem Sex enden dürfte, vorausgesetzt der Typ sagte mir zu. Schließlich wollte ich, dass sich etwas ändert in meinem Leben.

Also probierte ich diverse Dessous, die in meinem Schrank lagerten, aber bislang eher selten zum Einsatz gekommen waren. Mein Ex stand nicht darauf, zumindest nicht an mir.

Ich entschied mich für einen String-Tanga mit passendem BH und fand mich ziemlich passabel für mein Alter. Yoga und vernünftige Ernährung lassen einen tatsächlich zehn Jahre jünger aussehen, Okay, nicht wie Anfang dreißig, aber der Typ, mit dem ich mich treffen würde, wusste ja wie alt ich war und wie ich aussehe.

*

„Hi, ich bin Marc.“

Der junge Mann in Jeans und T-Shirt, der an meinem Tisch stehen geblieben war, sah höchstens aus wie Mitte zwanzig.

Ich musste schlucken. „Hallo Marc. Setz dich doch.“

„Überrascht?“, fragte er, während er sich setzte.

„Ehrlich gesagt ja. Auch wenn ich jetzt mit der Tür ins Haus falle. Du siehst nicht aus wie 'in den Dreißigern'.“

„Da habe ich ein wenig geschummelt. Das machen doch alle.“

„Und wie alt bist du?“, wollte ich nun genau wissen.

„Vierundzwanzig.“

„Du könntest mein Sohn sein.“

„Bin ich aber nicht. Und ich werde auch nicht Mom sagen.“

„Da bin ich aber beruhigt.“

In diesem Moment kam die Bedienung und wir bestellten etwas zu trinken. Ich schaute ihn mir näher an. Er sah trainiert aus, nicht übermäßig muskulös, aber sportlich.

„Und was war noch geschummelt?“, fragte ich ihn, nachdem die Bedienung gegangen war.

„Alles andere stimmt. Und wie ist das mit dir? Wobei hast du geschummelt?“

„Ich bleibe immer bei der Wahrheit. Das hat mich die Erfahrung meines langen Lebens gelehrt.“

Er lachte. „Jetzt bekomme ich es aber ganz dicke.“

„Ach nein. War nur ein Spaß! Trotzdem stellt sich mir noch eine weitere Frage: Warum suchst du im Internet nach einer Partnerin? Du bist jung, siehst gut aus. Man kann prima mit dir reden.“

„Jetzt werde ich gleich ganz rot.“ Er grinste mich an. „Im Ernst? Ich suche zur Zeit keine Freundin oder die große Liebe.“

In dem Moment kam die Kellnerin und brachte die Getränke. Ich musste mich also noch gedulden. Sie stellte sie auf den Tisch und flirtete etwas mit Marc. Er bezahlte die Getränke sofort. Danach ging die Kellnerin wieder,

„Das meine ich, es dürfte doch nicht schwierig sein, eine Frau zu finden.“

„Nein, das ist richtig. Aber an diesem ganzen Beziehungskram habe ich kein Interesse. Ich suche jemanden für Sex. Und wenn's prima läuft, auch gerne, um sich häufiger zum Sex zu treffen. Die  meisten Frauen in meinem Alter wollen allerdings einen festen Freund.“

„Und was genau hast du dir so vorgestellt?“ Ich schaute ihn interessiert an. Darüber hatten wir bislang in unseren Mails nicht gesprochen. Wahrscheinlich hättest du dann die Flucht ergriffen, dachte ich. Oder auch nicht! Ich versuchte mir ein Grinsen zu verkneifen.

„Da musst du dich schon gedulden“, erwiderte er. „Wärst du denn grundsätzlich interessiert?“

Ich schluckte kurz und nickte dann. Vor meinem inneren Auge sah ich meine Freundin Carina, die mir warnend zurief: Er wird dich töten!

„Prima. Hier um die Ecke ist eine kleine Pension. Ich habe da mal ein Zimmer reserviert für heute Abend. Kosten müssten wir uns aber teilen.“

„Okay. Und wenn ich nein gesagt hätte?“

Er lachte. „Dann wäre ich mit der Kellnerin hingegangen. Quatsch, war nur Spaß. Ich habe gehofft, du bist so cool, wie du beim Chatten rüberkamst.“

Er griff meine Hand und schaute mich genau an. Ein Kribbeln durchlief meinen Körper.

„Du siehst in echt noch besser aus als auf dem Foto und das war schon klasse. Ich würde dich gerne nackt sehen.“

Hoppla, die Jugend ist aber ganz schön forsch, dachte ich. „Wollen wir erst noch austrinken? Ich glaube, ich könnte meinen Drink noch vertragen, bevor ich mich nackt zeige.“

Er hatte ein umwerfend charmantes Lächeln als er antwortete: „Ein Mädchen im Körper einer Frau. Das wird aufregend!“

*

Kurze Zeit später standen wir uns im Zimmer der Pension gegenüber.

„Und jetzt? Also nicht, dass ich nicht grundsätzlich Bescheid weiß, aber...“

Er drückte mich gegen die Wand und küsste mich, zuerst sehr sanft, dann immer leidenschaftlicher bis ich kaum noch Atem holen konnte.

Plötzlich hörte er auf und zog mich mit sich. „Zieh dich aus!“

Neben dem Bett stehend, knöpfte ich mein Kleid auf und ließ es mir von den Schultern gleiten. Seinem Blick konnte ich ansehen, dass ihm gefiel, was er nun zu Gesicht bekam.

„Trägst du so was immer oder hast du das extra für mich angezogen?“

Ich öffnete meinen BH und warf ihn aufs Bett. „Extra für dich angezogen“, antwortete ich wahrheitsgemäß.

„Du bist noch schlimmer als ich hoffte. Das gefällt mir.“

Ich hatte inzwischen auch den String-Tanga ausgezogen. Er öffnete seine Hose und holte seinen Schwanz hervor, der bereits eine beachtliche Größe angenommen hatte. Er drückte ihn mir in die Hand. „Was würdest du mit ihm machen?“

Ich betastete ihn erst vorsichtig, dann mutiger. Ich rollte ihn zwischen meinen Händen hin und her und strich vorsichtig über die Spitze.

„Nimm ihn in den Mund!“

Es gefiel mir, wie er mir Anweisungen gab und so setzte ich mich aufs Bett und leckte mit meiner Zunge an seinem Schwanz, so als würde ich ein Eis schlecken. Er stöhnte leise.

Dann schob er in mir in den  Mund. Ich liebkoste ihn mit meiner Zunge, knabberte an ihm herum und als ich spürte, wie es ihm gefällt wurde ich forscher. Ich leckte und saugte im Wechsel, dann lutschte ich und bewegte meinen Kopf vor und zurück.

Plötzlich spürte ich seine Hände an meinem Kopf. Nun übernahm er den Rhythmus. Er hielt meinen Kopf fest und bewegte sich in meinem Mund. Ich spürte, dass mich das Ganze unglaublich antörnte.

Am Liebsten hätte ich vorgeschlagen, jetzt richtig zur Sache zu kommen, aber erstens spricht man nicht mit vollem Mund und zweitens war es auch gar nicht möglich.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, er hatte sowieso ein ganz anderen Plan.

In diesem Moment kam er in meinem Mund. Er stöhnte dabei lustvoll auf. Noch immer hielt er meinen Kopf fest. Langsam löste er seine Hände, sodass ich etwas zurück rutschen konnte.

Ich schaute zu ihm rauf. Er öffnete seine Augen, die er zwischenzeitlich geschlossen hatte. Er ahnte wohl, woran ich dachte. „Schluck es runter“, sagte er dann.

Ich tat es. Ich hatte mich auf dieses Abenteuer eingelassen und wollte nun keinen Rückzieher machen. Und es war ja nicht das erste Mal.

„Eigentlich dachte ich, ich hätte auch etwas von unserem Zusammensein“, sagte ich dann.

Er zog mich hoch und presste sich an mich. „Der Abend ist ja noch nicht vorbei. Gib mir ein wenig Zeit, dann kommst du auch noch auf deine Kosten. Versprochen!“ Er lächelte. Ich glaubte ihm in diesem Moment alles.

Er entledigte sich seiner Kleidung und stand nun auch nackt vor mir. Mir gefiel, was ich sah. Er schaute genauso aus, wie ich Männer mochte: groß, ein paar Muskeln an der richtigen Stelle, so dass man sehen konnte, er machte Sport und achtete auf seinen Körper und dazu diese tolle männliche Stimme. Die hatte mir sofort gefallen. Die Stimme passte eher zu einem älteren Mann.

Sein Gesicht kam mir jetzt sehr nahe. Ich spürte seinen Atem und seine Wärme. Er legte seine Hände auf meine Brüste und begann sie zart zu kneten. Immer wieder strich er mit seinen Handrücken über meine Nippel, dann nahm er die Brüste erneut in die Hände. Er ging etwas in die Knie und knabberte an den Brustwarzen, leckte sie und zog mit seinen Lippen an ihnen.

Ich fühlte, dass meine Knie weich wurden und versuchte, mich an ihm festzuhalten. Er zog mich mit sich und wir fielen aufs Bett.

Dort drehte er mich auf den Bauch und knetete meinen Po. Er kniete sich zuerst neben mich und schwang dann eines seiner Beine über mich, sodass er rittlings auf meinen Oberschenkeln zu sitzen kam. Dabei massierte er unablässig meinen Po.

Wohlig seufzte ich.

Plötzlich spürte ich eine seiner Hände zwischen meinen Beinen. Ich versuchte, die Beine etwas zu spreizen, was in dieser Position aber kaum möglich war. Trotzdem gelangte seine Hand da hin, wo sein Ziel war.

Er murmelte: „Schön, du bist schon feucht.“ Er zog seine Hand zurück, was ich mit einem Ton des Missfallen kommentierte.

Er ignorierte das und während er eines seiner Beine zurückzog, zog er meine Hüfte hoch und zu sich heran. Ich spürte die Hitze seines Schwanzes an meinem Hintern. Er schien ihn an mir zu reiben. Ich drehte meinen Kopf zu ihm herum und sah, dass er genau das tat.

Er sah mich an und unsere Blicke begegneten sich. Dieser Moment war so aufregend, dass ich das Gefühl hatte, wenn er jetzt nicht in mich eindringt, platze ich. Er schien das zu spüren.

Er strich mir noch einmal über den Po und plötzlich war er in mir. Ich hatte es so herbeigesehnt, aber im ersten Moment war ich doch überrascht und überwältigt.

Er stöhnte auf vor Lust. Mit festem Griff hielt er meine Hüfte umklammert, während er sich betont langsam vor und zurück bewegte. Ich spürte wie sich ein leichter Schweißfilm auf meiner Haut bildete.

Ja, genau das war es, was ich jetzt brauchte und wollte.

Ich konzentrierte mich auf meine Körpermitte und umspannte seinen Schwanz.

„Oh, was machst du da?“, fragte er irritiert und hielt inne. „Das ist toll“, fuhr er dann fort und stellte sich auf den Rhythmus ein.

Meine Brüste fingen an gleichmäßig hin und her zu schwingen. Er ließ meine Hüfte los und beugte sich über mich. Er umfasste meine Brüste und nahm meine Brustwarzen zwischen Zeigefinger und Daumen. Ganz sanft rollte er sie zwischen seinen Fingern hin und her, als hätte er eine weich gekochte Erbse, die es nicht zu zerquetschen galt.

Ich stöhnte auf. Ein echter Könner!

„Soll ich weiter machen oder aufhören?“, flüsterte er in meinem Nacken.

„Nicht aufhören“, kamen mir die Worte mühsam über die Lippen. Mit den Schneidezähnen biss ich auf meine Unterlippe. Ich sog die Luft durch die Nase ein und atmete betont langsam wieder aus. Das war so gut, dass ich vor Lust fast zerfloss. 

Nun fing er wieder an, in mich hineinzustoßen und beschleunigte dabei sein Tempo. Sein Atem wurde heftiger. Ich spürte ihn in meinem Nacken. Seine Hände legten sich um meine Brüste und fingen an sie kräftig zu kneten.

In diesem Moment spürte ich, dass ich kam.

*

„Erzähl! Wie war deine Begegnung mit dem Typen aus dem Internet?“, fragte mich Carina bei unserem Telefonat am nächsten Tag.

„Hallo, meine Liebe. Ich freue mich auch, mit dir zu quatschen“, erwiderte ich.

„Ja – hallo. Nun erzähl aber schon. Nicht, dass ich neugierig bin, aber es interessiert mich schon.“

„Der war nicht mein Typ“, sagte ich nun. „Wir haben eine Kleinigkeit getrunken und das war's.“

„Siehst du, wie ich es gesagt habe. Wahrscheinlich beim Alter geschummelt und mindestens zehn Jahre älter“, sagte Carina triumphierend.

„Genau, beim Alter geschummelt“, bestätigte ich sie. Warum ich ihr nichts erzählte, von dem, was ich erlebt hatte, darüber war ich mir noch nicht wirklich klar.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich das Erlebte für mich behalten, vielleicht auch bewahren wollte. Carina ist meine beste Freundin, aber in diesem speziellen Fall würde sie mich nicht verstehen. Da war ich mir sicher. Sie hatte immer sehr gelästert über Frauen, die einen jungen Lover hatten. Vielleicht war es Neid. Ich wusste es nicht.

Ich wusste nur genau, dass ich ihr von Marc nichts erzählen würde. Sie würde ansonsten mehr als einen Grund finden, um ihn mir madig zu machen.

„Das tut mir echt leid. Und ich sag auch nicht, das habe ich dir ja gleich gesagt. Ich bin aber froh, dass dir nichts passiert ist. Sag, wollen wir uns nachher noch treffen für ein Stündchen?“, fragte sie dann.

„Das ist heute ganz schlecht. Es ist im Moment so viel zu tun. Wir sehen uns ja am Wochenende beim Sport“, erwiderte ich.

„Okay, auch gut.“ Carina verabschiedete sich und legte auf.

*

Ich wusste nicht, ob Marc mich noch mal treffen wollte. Nach dem Sex hatten wir noch eine Weile nebeneinander gelegen. Von draußen wehte ein leichter Wind durch das offene Fenster und ich spürte, wie ich eine Gänsehaut bekam.

„Frierst du?“, fragte Marc und strich über meine Oberschenkel.

„Nein, ganz im Gegenteil. So heiß wie heute war mir schon lange nicht mehr.“

Er lachte dieses von einem vibrierenden Timbre begleitete Lachen. Für einen so jungen Mann hatte er eine recht tiefe Stimme mit angenehmer Stimmlage.

„Ich mag es, wie du lachst“, sagte ich und schaute ihn an.

Unsere Blicke versanken ineinander. „Wenn ich könnte, würde ich die ganze Nacht bleiben, aber leider...“ Er sprang auf und zog sich an.

Ich schaute ihm dabei zu.

Schließlich beugte er sich zu mir herunter und küsste mich auf den Mund. Seine Lippen waren weich und zart und doch gleichzeitig fordernd. Dann löste er sich von mir und sagte: „Ich ruf dich an.“ Und weg war er.

Tja, das war's, dachte ich. Dein erster One-Night-Stand überhaupt. Aber es gibt für alles ein erstes Mal.

Natürlich rief er nicht an. Aber das Zimmer hatte er schon bezahlt, als ich ging.

*

Ich machte mich gerade fertig, um mich mit Carina zum Sport zu treffen, da klingelte mein Handy. Ohne auf das Display zu schauen, meldete ich mich mit: „Und welche Ausrede hast du?“, da ich mir sicher war, Carina wollte mal wieder den Sport sausen lassen.

„Ich musste für die Klausur üben, die ich gestern geschrieben habe“, antwortete eine Stimme, die mir sehr vertraut war.

„Marc..., du..., ich dachte, meine Freundin wollte unser Treffen absagen“, stammelte ich.

„Für mich hast du aber doch Zeit, oder?“, fragte er. „Ich will dich, jetzt. Hast du einen Trenchcoat?“

„Ja, wieso? Ist es nicht zu warm für einen Mantel?“

„Ich warte auf dich. Komm zu mir nach Hause.“ Er gab mir seine Adresse. „Zieh den Mantel an und nichts drunter. Gar nichts!“ Dann legte er auf.

Ohne Nachzudenken tippte ich eine sms in mein Handy und sagte Carina ab. Dann zog ich mich aus, lief nackt zum Schrank und suchte den Trenchcoat heraus. Ein letzter prüfender Blick in den Spiegel -  ich war mir sicher, jeder sieht, dass ich nackt darunter bin - , dann schnappte ich mir meine Tasche und fuhr zu der von ihm angegebenen Adresse. 

Unterwegs fühlte ich mich plötzlich zugleich wie ein junges Mädchen und wie eine Schlampe. Marc konnte doch nicht erwarten, dass ich alles stehen und liegen ließ, nur weil er mich wollte. Aber ich wollte ihn auch. Und zwar sofort!

*

„Schön, dass du kommen konntest.“ Mit diesen Worten öffnete Marc mir, nur mit einem Handtuch um die Hüften geschlungen, die Tür. Sein Haar glänzte feucht, so als käme er gerade aus der Dusche.

Er zog mich in den langen, hellen Flur, schloss die Tür und drückte mich mit seinem Körpergewicht dagegen. Ich spürte seinen Körper durch meinen Mantel. Er roch nach frisch geduscht, irgendeinem angenehm duftenden Duschgel, vermischt mit seinem eigenen Geruch.

Sein Gesicht war nur wenige Zentimeter von meinem entfernt. Er schaute mir in die Augen. Ich versuchte, seinem intensiven Blick auszuweichen, aber er schüttelte leicht den Kopf.

„Schau mich an“, sagte er. „Ich weiß, was du denkst...“

Ich spürte wie ich errötete.

Sein Atem war mir jetzt ganz nah. „Ich wusste es, dass du daran denkst.“

Seine Lippen berührten sanft meinen Mund. Dann küsste er meinen Hals und die Halsbeuge. Seine Hände hatten inzwischen meinen Mantel geöffnet.

„Toll, du bist wirklich nackt“, murmelte er und nahm meine Brüste in seine Hände. Er beugte sich etwas herunter und fing an, abwechselnd an den Nippeln zu saugen.

Ich stöhnte leise auf und versuchte, sein Handtuch von den Hüften zu bekommen, was mir aber auf Anhieb nicht gelang.

„Nein, noch nicht!“ Er schaute mich an.

Ich nickte. „Okay, aber mach weiter“, bat ich ihn.

„Dann komm...“

Er nahm meine Hand und zog mich den Gang herunter. Vor dem zweiten Zimmer auf der linken Seite hielt er an und stieß die Tür auf.

„Mein Zimmer“, sagte er.

„Wieso dein Zimmer? Ich dachte, das ist deine Wohnung?“, fragte ich erstaunt.

„Das ist meine WG und dies ist mein Zimmer.“

„Wer wohnt denn hier noch?“ Ich raffte meinen Mantel zusammen und ging in sein Zimmer. Er folgte mir und kickte die Tür mit dem Fuß zu.

„Ich teile mir die WG mit einem Freund Timo. Wir kennen uns schon aus dem Kindergarten.“

„Der ist aber jetzt nicht hier, oder?“

„Nein.“ Er setzte sich auf einen Stuhl, der mitten im Raum stand und öffnete sein Handtuch. Seine Erektion war nicht zu übersehen. „Komm, setz dich.“ Er deutete auf seinen Schwanz. Ich ging zu ihm hin, spreizte meine Beine und ließ mich auf seinem Schoß nieder. Sein Schwanz glitt in mich hinein. Er stöhnte leise auf.

Er schob meinen Mantel über meine Schultern. Der Mantel fiel zu Boden.

Er nahm meine Brüste wieder in seine Hände und leckte abwechselnd an ihnen. Dabei schaute er mich immer wieder an. Ich bewegte mich langsam auf und nieder.

„Das ... ist ... gut“, sagte er.

Er umfasste mich mit seinen Händen und fuhr langsam streichelnd meinen Rücken herunter. Dann packte er mit einem Mal fest zu und hielt meinen Po. Nun begann er den Rhythmus zu bestimmen. Er drückte mich fest nach unten. Ich versuchte, mich schneller und in kürzeren Abständen auf und nieder zu bewegen. Er ließ es zu.

Aus den Augenwinkeln dachte ich einen Moment lang eine Bewegung wahrzunehmen. Zudem spürte ich einen Luftzug. Doch in diesem Augenblick fing Marc an, mich zu küssen. Er konnte sehr  gut küssen, sodass ich alles um mich herum vergaß. Manche Männer schlabbern so an einem herum, dass man das Gefühl hatte, man wird von einem Hund abgeleckt. Oder die Zunge wird einem regelrecht in den Hals gestoßen. Marcs Lippen waren unglaublich weich. Er setzte seine Zunge sparsam, aber wirkungsvoll ein. Und irgendwie schaffte er es, den Großteil seiner Spucke bei sich zu behalten.

Während wir uns küssten, spürte ich seinen Schwanz in mir regelrecht explodieren. Fast zeitgleich kam ich auch zum Höhepunkt. Ich fühlte eine unglaubliche Schwäche in meinen Beinen und dachte, ich würde gleich ohnmächtig.

Er zog mich fest an sich und flüsterte mir lächelnd ins Ohr: „Hab ich dich k.o. gebumst?“

Ich nickte. „So was in der Art.“

„Dann komm, legen wir uns hin.“

Er zog mich mit sich aufs Bett und legte seinen warmen Körper ganz nah an mich heran. Während ich ein wenig döste, spürte ich seinen Atem in meinem Nacken.

Bist du eigentlich zufrieden?, fragte ich mich. Ja, ja, ja... So, wie es ist, ist es super. Jahrelang war ich der optimalen Beziehung hinterhergerannt. Und ich wollte geliebt werden. Doch irgendwie habe ich dazu nie den richtigen Partner gefunden. Mein Ex-Mann stand mehr auf Jüngere.

Und jetzt? Jetzt hatte ich Marc. Und auch wenn es keine Liebe war, so wollte er mich. Ich erregte ihn und er mich. Wir hatten Sex und eine gute Zeit. Also, genieße es, solange es dauert. Egal, was da noch kommt. Mit diesem Gedanken schlief ich ein.

*

Als ich erwachte, war es später Nachmittag. Marc lag noch da und schlief. Leise stand ich auf und schnappte mir eins seiner T-Shirts.

Dann suchte ich das Bad. In dieser Wohnung hingen an den einzelnen Türen kleine Schilder, sodass ich das Bad sofort fand. Ich wollte mir gerade die Hände waschen, da ging die Tür auf, die ich nicht abgesperrt hatte. Doch anstelle von Marc stand ein anderer junger Mann im Türrahmen.

„Hi, ich bin Timo. Du bist bestimmt Michaela. Marc hat mir von dir erzählt.“

„Ja, hallo. Stimmt, aber nenn mich ruhig Ela. Das sagen alle.“

Irgendwie hatte die Situation eine gewisse Komik. Ich stand in einem T-Shirt, das mir nur knapp über den Po ging, mit einem fremden Typen in seinem Bad und versuchte ein Gespräch zu führen.

„Falls du duschen willst, da im Regal sind Handtücher.“

„Ja, das wäre toll.“

„Ich mache gerade Pizza. Willst du nachher mitessen?“

„Wenn das okay für dich und Marc ist, dann gerne.“

„Für Marc ist das sicher okay und für mich auch.“

„Gut, dann dusche ich jetzt mal.“

„Und ich gehe dann mal wieder in die Küche.“ Er grinste mich an und verließ das Bad.

*

Als ich eine halbe Stunde später frisch geduscht in den Flur trat, roch es unglaublich gut aus der Küche. Ich ging rüber zu Marcs Zimmer.

Marc war inzwischen aufgewacht und schaute mich an.

„Timo hat gesagt, du isst mit uns.“

„Ja, wenn das für dich in Ordnung ist?“

„Klar. Und falls du nicht im Mantel in unserer Küche sitzen willst, nimm dir was aus meinem Schrank. Ist vielleicht ein bisschen groß, aber was soll's.“

Ich nickte und ließ das Handtuch fallen. Dann wandte ich mich dem Schrank zu. Ich spürte seine Blicke meinen Körper entlangwandern.

„Du siehst wirklich unglaublich gut aus“, sagte er anerkennend.

„Du bist der Erste, dem das auffällt.“

„Jetzt willst du mich aber auf den Arm nehmen.“